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Der ADAC

Euro 6d: Was hinter der Abgasnorm steckt und ab wann sie gilt

Mercedes B-Klasse mit RDE-Messgerät
Bei der Euro-6d-Abgasnorm werden die Emissionen auch im normalen Fahrbetrieb gemessen ∙ Mercedes

Seit 1. Januar 2021 müssen alle neu zugelassenen Pkw die Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM erfüllen. Was es damit auf sich hat und wo der Unterschied zu 6d-TEMP und 6d liegt, hat der ADAC zusammengestellt

Was taugt ein Abgasgrenzwert, der nur unter Laborbedingungen eingehalten werden muss? Nicht viel, wenn die realen Emissionen auf der Straße um ein Vielfaches höher ausfallen als auf dem Prüfstand – und das war in der Vergangenheit üblich.

Doch mit der aktuellen Abgasnorm Euro 6d, die in verschiedenen Evolutionsstufen eingeführt wurde, hat sich das geändert: Alle Fahrzeugmodelle müssen auch bei Tests auf der Straße nachweisen, dass sie tatsächlich sauber fahren. Und das tun sie: Das hat der ADAC in eigenen RDE-Tests (Real driving emissions) bestätigt.

Wer also vor Einfahrtsbeschränkungen in Umweltzonen sicher sein will, sollte besonders beim Kauf eines Diesels auf den Abgasstandard Euro 6d-TEMP bzw. Euro 6d achten.

Euro 6d-TEMP und Euro 6d – was ist der Unterschied?

Die Grenzwerte sind für beide Abgasnormen auf dem Prüfstand gleich – bei den Stickoxiden NOx etwa gelten für Diesel 80 mg/km und für Benziner 60 mg/km. Weil es aber unter realen Fahrbedingungen auf der Straße mit vielen Unwägbarkeiten (Verkehrsdichte, Wetter etc.) erheblich schwieriger ist, die Vorgaben einzuhalten, dürfen im realen Verkehr die Emissionen etwas höher ausfallen als auf dem Prüfstand.

Wie hoch sie dann sein dürfen, ist durch einen Konformitäts- bzw. Übereinstimmungsfaktor definiert – und hier unterscheiden sich 6d-TEMP und 6d. Durften 6d-TEMP-Fahrzeuge den Prüfstandsgrenzwert noch um den Faktor 2,1 überschreiten, was einem Praxisgrenzwert von 168 mg/km bei Dieseln entspricht, wurde bei Euro 6d der Faktor 1,43 festgelegt und damit auf 114 mg/km gesenkt. Euro-6d-Fahrzeuge müssen also im Straßenverkehr sauberer als 6d-TEMP-Modelle sein.

Wann gilt Euro 6d-ISC-FCM und was ist das?

Skoda Karoq  auf dem Prüfstand
Zwischen Prüfstands- und realem Verbrauch gibt es immer noch Unterschiede ∙ ADAC/Uwe Rattay

Die Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM gilt seit 1. Januar 2020 für neu typgenehmigte Pkw-Modelle und zukünftig für alle Erstzulassungen ab 1. Januar 2021. Sie ist nur eine weitere von vielen 6d-Evolutionsstufen – vorausgegangen sind zum Beispiel Euro 6d-TEMP oder Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC. Das Kürzel ISC steht für In-Service-Conformity-Tests. Das heißt: Der Fahrzeughersteller muss anhand von Stichproben nachweisen, dass auch bereits im Betrieb befindliche Pkw die gesetzlichen Vorgaben einhalten. Bei EVAP (Evaporative Emission) spielt dagegen eine Rolle, wie viele Kohlenwasserstoffe das Kraftstoffsystem eines Autos ausdünstet.

Der Zusatz FCM markiert eine weitere Vorschrift: Pkw mit Euro 6d müssen mit einem Fuel Consumption Monitoring System (FCM) ausgestattet sein, das den realen Kraftstoff-/Energieverbrauch über den gesamten Fahrbetrieb im Pkw speichert. Über die Diagnose-Schnittstelle können diese Werte ausgelesen und bewertet werden.

Mit dem Auslesen dieser Daten lässt sich die Abweichung zwischen dem Typzulassungswert und dem realen Verbrauch überprüfen. So kann die Lücke zwischen Prüfstandsmessung und Realemissionen noch weiter reduziert werden – und der Verbraucher erhält noch realistischere Verbrauchsangaben. Die neuen Vorschriften dienen also nicht zur Überwachung der Autofahrer, sondern überprüfen die Angaben der Fahrzeughersteller.

Allerdings: Bis heute ist noch nicht festgelegt, von wem, wann und wo die Daten ausgelesen und verwertet werden sollen. Und selbstverständlich müssen hinsichtlich Datenspeicherung und -verwertung der Datenschutz und die Datensicherheit gewährleistet sein. Doch dazu ist nach Ansicht des ADAC auch eine Anonymisierung der Daten erforderlich, damit sie nicht bestimmten Fahrerinnen oder Fahrern zugeordnet werden können.

Euro 6d: Die Evolutionsstufen im Überblick

Emissionsnorm

Emissions-Schlüsselnummern (national)

Pflicht für Genehmigungen neuer Typen

Pflicht für Erstzulassung neuer Pkw

Erstzulassungsfähig bis

Euro 6d-

TEMP

36AG

1.9.2017

31.8.2019

Euro 6d-

TEMP-EVAP

36BG

31.8.2019

Euro 6d-

TEMP-ISC

36CG

1.1.2019

31.8.2019

Euro 6d-

TEMP-EVAP-ISC

36DG

1.9.2019

1.9.2019

31.12.2020

Euro 6d

36AJ

31.8.2019

Euro 6d-

ISC

36AM

31.12.2020

Euro 6d-

ISC-FCM

36AP

1.1.2020

1.1.2021

derzeit unbefristet

Pkw mit der Emissionsnorm Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC (Emissionsschlüsselnummer 36DG) und Euro 6d-ISC (Emissionsschlüsselnummer 36AM) können nur noch bis spätestens 31. Dezember 2020 erstmalig zugelassen werden. Für Lagerfahrzeuge kann der Hersteller beim Kraftfahrt-Bundesamt eine Ausnahmegenehmigung beantragen, nach dem 31.12.2021 dürfen aber auch diese Fahrzeuge nicht mehr erstmalig zugelassen werden.

Wann kommt Euro 7?

Die Euro-6-Abgasnorm hat nun sozusagen ihre Endstufe erreicht. Ihr wird die Euro-7-Angasnorm nachfolgen, die noch strengere Vorgaben an die Umweltverträglichkeit stellen wird. Noch wird über ihre genaue Ausgestaltung diskutiert, ein Einführungstermin nicht vor 2025 erwartet. Hier finden Sie viele weitere Infos zur geplanten Abgasnorm Euro 7.

Jochen Wieler
Redakteur
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