Die richtige Beleuchtung am Auto

17.4.2019

Fahren bei Dunkelheit ist eine Herausforderung: Die Sicht ist schlecht, der Gegenverkehr blendet – das Unfallrisiko steigt. ADAC Experten geben Tipps zum Fahren bei Nacht und zur richtigen Kfz-Beleuchtung.

Scheinwerfer Nacht Auto Front
Die Beleuchtung eines Pkw sollte mindestens einmal jährlich von einer Fachwerkstatt überprüft werden. Foto: iStock.com/AppleZoomZoom
  • Mehr als die Hälfte der Autofahrer ist mit defekter oder fehlerhafter Beleuchtung unterwegs
  • Die Wahrscheinlichkeit zu verunglücken ist nachts wesentlich höher als am Tag
  • Eine höhere Sitzposition reduziert das Risiko, vom Gegenverkehr geblendet zu werden

 

Jeder Autofahrer kann sein Auto ohne große Fachkenntnisse auf eventuelle Schäden überprüfen, einen Kontrollblick auf die Reifen werfen und auch die Beleuchtung auf ihre Funktion kontrollieren. Wenn Sie das Abblendlicht und die Warnblinkanlage einschalten, erkennen Sie bei Ihrem Rundgang bereits problemlos Lampendefekte.

 

So checken Sie die Beleuchtung

  • Bremslichter prüfen

    Fahren Sie rückwärts nahe vor eine helle Wand. Treten Sie dann auf die Bremse. Auf jeder Seite des Wagens und die Mitte (meist etwas höher) sollte ein roter Lichtschein auf der Wand zu sehen sein – lässt sich Sie leicht über die Fahrzeugrückspiegel erkennen.

  • Rückfahrtlicht und Nebelschlussleuchte prüfen

    Legen Sie den Rückwärtsgang ein, dann müssen – je nach Ausstattung – zwei weiße Lichtpunkte an der Wand erscheinen. Bei angeschalteter Nebelschlussleuchte sollten Sie zusätzlich ein oder zwei helle rote Punkte (je nach Ausstattung) sehen.

  • Abblend- und Fernlicht prüfen

    Drehen Sie das Fahrzeug um und stellen es mit wenigen Metern Abstand mit der Nase zur Wand. So können Sie problemlos auch die Funktion von Abblendlicht und Fernlicht (erscheint auf der Wand höher) prüfen.

  • Tagfahrleuchten und Nebelscheinwerfer prüfen

    Wenn das Auto sehr nah vor der Wand steht und die Sonne nicht zu sehr scheint, kann man bei neueren Autos auch die Tagfahrleuchten erkennen, die mit der Zündung automatisch eingeschaltet werden. Die Nebelscheinwerfer lassen sich nur aktivieren, wenn wenigstens Standlicht oder Abblendlicht an sind – je nach Schaltung des Autos. Ihre Leuchtpunkte erscheinen meist unterhalb der Hauptscheinwerfer. Bei ganz aktuellen Fahrzeugen gibt es keine Nebelscheinwerfer mehr, sondern sogenanntes All-Wetter-Licht. Dazu werden die Scheinwerfer so verschwenkt, dass sie ähnliche Leuchtweiten erzielen wie Nebelscheinwerfer.

 

Sollten ein oder mehrere Leuchtmittel ausgefallen sein, müssen diese umgehend ersetzt werden. Bei älteren Autos kann das schwierig sein und die Werkstatt erfordern. Bei Modellen, die ab 2011 auf den Markt gekommen sind, sollte der Fahrer Halogen-Lampen selbstständig mit Bordwerkzeug und Bordbuch austauschen können. Das schreibt eine EU-Verordnung vor.

Werden Abblend-, Fern- und Nebellicht mit neuen Lampen ausgestattet, müssen die Scheinwerfer anschließend in der Fachwerkstatt eingestellt werden. Denn wenn ein Leuchtwendel nur um einen Zehntel-Millimeter verschoben wird, kann der Scheinwerfer blenden oder deutlich an Reichweite verlieren.


Die richtige Einstellung der Beleuchtung

Scheinwerfer-Einstellung ist Sache der Fachwerkstätten. Nur diese verfügen in der Regel über einen zertifizierten Lichteinstellplatz. Hier wird die Leuchtweite von Abblendlicht und Nebelscheinwerfern eingestellt. Die Hell-Dunkel-Grenze des Abblendlichts sollte etwa 50 bis 100 Meter (ein bis zwei Leitpfosten) weit auf der Landstraße oder Autobahn vor dem Fahrzeug auf den Boden treffen. Rechts darf es Schilder und Büsche anleuchten. Werden Sie immer wieder von entgegenkommenden Autofahrern mit der Lichthupe angeblinkt, sollten Sie die eigene Scheinwerfereinstellung in einer Werkstatt überprüfen lassen.

Bei neueren Fahrzeugmodellen muss in den Fachwerkstätten das Diagnosegerät angeschlossen werden, um die Nullstellung der Leuchtweiten-Regulierung eingeben zu können. Denn gerade bei modernen Lichtsystemen wie Xenon, LED oder Laser ist der Aufwand für die Lichteinstellung durch die neue Technik hoch – und damit teurer als bisher bei Halogen-Scheinwerfern. Nach Reparatur oder Tausch eines defekten Scheinwerfers erfolgt die korrekte Einstellung ebenfalls fast ausschließlich über computergestützte Messtechnik.

Tipps für gute Sicht bei Nacht

  • Grundsätzlich sollten Sie Ihre Fahrweise der Sichtweite anpassen, damit Sie jederzeit vor einem Hindernis zum Stehen kommen.  
  • Halten Sie die Fahrzeugscheiben sauber – innen wie außen. Wenn Sie Brillenträger sind, reinigen Sie vor einer Fahrt in der Dunkelheit Ihre Brille. So werden Blendeffekte deutlich reduziert.
  • Schauen Sie nicht direkt in das Licht entgegenkommender Fahrzeuge, sondern auf die Fahrbahn vor sich oder an den rechten Fahrbahnrand.
  • Regelmäßig die Einstellung der Scheinwerfer überprüfen lassen. In der Herbstzeit gibt es häufig Aktionen, bei denen die Kontrolle kostenlos durchgeführt wird.
  • Gerade bei Landstraßenfahrten kommen die Vorzüge des dynamischen Kurvenlichts zur Geltung, das die Straße deutlich besser ausleuchtet. Innerorts ist das statische Abbiegelicht hilfreich, etwa um Personen auf Gehwegen früher zu erkennen.
  • Xenon-, LED- und Laser-Scheinwerfer können deutlich mehr Helligkeit erzeugen als Halogenlampen, was gerade für ältere Fahrer relevant ist. Mit der Zeit trüben sich bei jedem Menschen die Linsen in den Augen etwas ein, woraus eine geringere Lichtempfindlichkeit resultiert. Man benötigt also mehr Licht, um genauso gut sehen zu können wie in jungen Jahren. Allerdings steigt mit dem Alter auch die Blendempfindlichkeit, die noch verstärkt wird, wenn entgegenkommende Scheinwerfer viel Licht auf kleiner Fläche aussenden (z.B. sogenannte DE-Scheinwerfer mit Projektionslinsen für das Licht).
  • Um andere nicht zu blenden, müssen Sie die Leuchtweitenregulierung bei Beladung des Fahrzeugs anpassen (siehe Bordbuch). Bei Xenon-, LED- und Laser-Scheinwerfern über 2000 Lumen erfolgt das gemäß Vorschrift automatisch. Außerdem ist eine Scheinwerferreinigungsanlage Pflicht.
  • Eine höhere Sitzposition im Auto reduziert das Risiko, vom Gegenverkehr geblendet zu werden.
  • Techniken wie ein blendfreier Fernlichtassistent, der bei entgegenkommenden oder vorausfahrenden Autos automatisch abblendet, geben mehr Weitsicht auf der eigenen Spur und schonen andere Verkehrsteilnehmer.
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Tagfahrlicht

"Warum leuchten beim Tagfahrlicht die Schlusslichter nicht mit?", fragen sich manche Autofahrer. Das Tagfahrlicht dient dazu, entgegenkommende Autos untertags besser erkennbar zu machen – z.B. in schattigen Waldabschnitten. Sie dürfen (neben dem Fernlicht) als einzige Frontleuchten über die Blendgrenze strahlen – aber so gering, dass sie nur die Aufmerksamkeit erhöhen und niemanden blenden. Eine Beleuchtung des Fahrzeughecks hingegen ist nicht nötig. Somit vermeiden Tagfahrleuchten meist einen Kraftstoff-Mehrverbrauch. Allerdings müssen sie bei einsetzender Dämmerung vom Abblendlicht abgelöst werden.

Rechtlich ist es zwar zulässig, die Schlussbeleuchtung zusammen mit dem Tagfahrlicht zu betreiben. Wir sehen darin jedoch keinen Sinn, denn bei schlechter Sicht ist grundsätzlich mit Abblendlicht zu fahren. Dabei sollte man sich nicht gedankenlos auf die Licht-Einschaltautomatik verlassen, denn die reagiert bei diesigem Wetter oder Nebel nicht. In solchen Fällen stets zum Lichtschalter greifen und Abblendlicht und/oder Nebelscheinwerfer manuell einschalten bzw. die Tätigkeit der Licht-Automatik überwachen.

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LED-Scheinwerfer

Einige Autofahrer fühlen sich durch Xenon- und LED-Scheinwerfer geblendet, obwohl für diese Leuchtmittel dieselben Grenzwerte bezüglich Blendung wie bei herkömmlichen Halogenscheinwerfern gelten. Jedoch irritiert die kalte, dem Tageslicht nachempfundene Lichtfarbe gerade nachts und wird vielfach als unangenehm eingestuft.

Bei Xenon- und LED-Scheinwerfern der ersten Generation fällt die Lichtkante (Hell-Dunkel-Grenze) sehr scharf aus, was etwa bei Bodenwellen zu blitzartigen Lichteffekten für den Gegenverkehr führen kann. Außerdem ist die Lichtaustrittsfläche oft sehr klein. Moderne Fahrzeuge hingegen haben eine weichere Blendgrenze und größere Lichtaustrittsflächen, was für den Fahrer und für die entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer angenehmer ist.

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LED-Bremslichter

Viele Autofahrer klagen über die Blendung durch LED-Bremslichter des vorausfahrenden Fahrzeugs. Analog zu Blinkern gelten auch bei den Bremsleuchten die Regularien der UNECE, die eine große Bandbreite zulassen. Die Leuchten halten also die gesetzlichen Vorgaben ein. Wie stark sich ein Verkehrsteilnehmer von Scheinwerfern oder Rückleuchten geblendet fühlt, hängt von seiner individuellen Blendempfindlichkeit ab und auch vom Alter – mit den Jahren steigt dieser Eindruck. 

Der ADAC Autotest zeigt, dass sich die Fahrzeughersteller von extrem hellen Bremsleuchten wieder entfernen. Es gibt bereits Bremsleuchten, deren Helligkeit sich dem jeweils vorherrschenden Tageslicht anpasst, tags heller, nachts etwas abgedimmt.

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Blinker

Immer wieder erhalten wir Fragen zur angeblich schlechten Sichtbarkeit von sehr schmalen Blinkern in modernen Fahrzeugen. Wie groß ein Blinker bzw. Richtungsanzeiger sein muss und wie hell er wohin abstrahlen soll, ist in den Regularien der UNECE klar definiert. Daran halten sich die Leuchteinrichtungen von typgenehmigten Fahrzeugen. Aber: Je nach Gestaltung und persönlicher Empfindlichkeit kann mal stärker, mal schwächer der Eindruck von Blendung entstehen.

Der ADAC Unfallforschung liegen keine belastbaren Zahlen vor, die eine Unfallhäufung durch weniger gut erkennbare Blinker aufzeigen.

Sehen und gesehen werden: Hier sind Sie gefragt!  

  • Wie gut das eigene Auto für andere Verkehrsteilnehmer erkennbar ist, bestimmt letztlich auch der Fahrer selbst. Wer frühzeitig die Bremse leicht antippt und damit die Bremsleuchten ansteuert, der warnt nachfolgende Fahrzeuge vor – zum Beispiel vorm Abbiegen. Dann kommt auch ein rechtzeitig eingeschalteter Blinker nicht mehr völlig überraschend.
  • Wer rechtzeitig das Abblendlicht anschaltet (oder überprüft, ob die Lichtautomatik das getan hat), der ist für die anderen Verkehrsteilnehmer umso besser sichtbar.
  • Bei modernen Autos wird die Tacho-Beleuchtung immer dunkler, je dunkler es draußen wird. Das erinnert daran, das Fahrlicht anzuschalten.
  • Eine blaue Kontrollleuchte weist darauf hin, dass das Fernlicht an ist. Bei entgegenkommendem oder vorausfahrendem Verkehr bitte abschalten, ebenso in Ortschaften.
  • Schließlich sollten Nebelscheinwerfer nur bei schlechter Sicht angeschaltet werden, Nebelschlussleuchten tatsächlich nur bei Sichtweiten unter 50 Meter (Abstand zwischen zwei Pfosten auf der Landstraße). Wer mit Nebelschlussleuchten unterwegs ist, darf übrigens – gemäß der Sichtweite – nicht schneller als 50 km/h fahren.

 

Text: ADAC Ressort Test und Technik.

Kontakt zur Redaktion:  redaktion@adac.de