ADAC Test Retrofit: LED-Lampen zum Nachrüsten

LED Lampe am Auto nachrüsten
Testszenario: LED-Licht leuchtet heller und weißer als Halogenlicht ∙ © ADAC/Ralph Wagner

Scheinwerfer von Autos, die noch mit Halogenlicht ausgestattet sind, können bei einigen Modellen jetzt mit LED-Lampen nachgerüstet werden. Der ADAC hat die erste in Deutschland zugelassene LED-Retrofit-Lampe untersucht. Das Ergebnis: Der Einbau lohnt sich.

  • LED-Lampen halten länger, leuchten weiter

  • Helleres Licht bringt mehr Sicherheit

  • Erste LED-Leuchtmittel vom KBA zugelassen

Schon 2017 führte der ADAC eine Untersuchung durch über den Einsatz von sogenannten LED-Retrofits oder LED Replacement Lamps, die anstatt einer Halogen- oder Glühlampe im Auto eingesetzt werden könnten. Das Ergebnis damals war eindeutig: Sie leuchten weiter und sorgen durch ihr weißeres, tageslichtähnliches Licht dafür, dass Kontraste besser wahrgenommen werden. Ein weiterer Vorteil ist: Sie halten länger und fallen somit weniger oft aus.

Das Problem: Obwohl LED-Retrofits in Ländern wie den USA oder im asiatischen Raum schon benutzt werden dürfen, waren sie bis vor Kurzem in Europa aufgrund der Gesetzeslage im Straßenverkehr noch unzulässig. 

LED-Retrofit erstmals erlaubt

LED Lampe am Auto nachrüsten
So sieht der Scheinwerfer mit LED-Lampe aus ∙ © ADAC/Ralph Wagner

Die Voraussetzungen haben sich jetzt geändert: Im Herbst 2020 wurde das erste LED-Leuchtmittel in Deutschland zugelassen, das gegen eine Halogenlampe ausgetauscht werden darf, eine H7-LED. Das Produkt Osram Night Breaker H7-LED erhielt eine Allgemeine Bauartgenehmigung (ABG) mit einem bestimmten Verwendungsbereich. Das bedeutet: Es darf nur in Fahrzeuge verbaut werden, dessen Scheinwerfer in Einheit mit dem LED-Leuchtmittel geprüft worden sind und die Vorgaben der Lichtverteilung nach UN ECE Reg. 112 erfüllen, also weder andere blenden noch die Fahrbahn unkonform ausleuchten.

Seit Mai 2021 ist mit der Philips Ultinon Pro6000 LED ein weiteres Produkt auf dem Markt
verfügbar – vorerst auch nur in H7-Form.

Die vom TÜV zertifizierte und vom KBA zugelassene LED Retrofit-Lampen von Osram und Philips können deshalb aktuell nur in bestimmten Automodellen von Alfa Romeo, Audi, BMW, Dacia, Fiat, Ford, Opel, Peugeot, Skoda, VW und weitere eingebaut werden. Die Nachrüstung von Scheinwerfern von H7-Lampen auf LED ist damit in Deutschland jetzt vereinzelt möglich.

Test: LED-Licht vs. Halogenlicht

LED Lampe am Auto nachrüsten
Zweimal BMW: Links mit LED, rechts mit Halogen ∙ © ADAC/Ralph Wagner

In einem direkten Vergleich haben die Ingenieure des ADAC Technikzentrums das neue LED-Leuchtmittel geprüft. Gegenübergestellt wurden dafür zwei fast baugleiche Automodelle von BMW, für die das Leuchtmittel jeweils zugelassen ist. Bei dem BMW Active Tourer wurden die Scheinwerfer nachgerüstet und LED-Retrofit-Lampen eingebaut. Ein BMW Gran Tourer ging mit Halogenausstattung in den Praxistest.

Das LED-Licht des BMW Active Tourer ist eindeutig weißer und leuchtet die Fahrbahn weiter aus als das Halogenlicht des BMW Gran Tourer. So können Gegenstände oder auch Personen am Fahrbahnrand eher, besser und kontrastreicher erkannt werden.

LED-Retrofit: Bessere Sicht bei Nacht

LED Lampe am Auto nachrüsten
Ein großer Unterschied: Links Halogen H7, rechts LED ∙ © ADAC/Ralph Wagner

Die Nachtfahrt im Test zeigt: Ein Nachrüsten der Scheinwerfer auf LED-Licht macht damit auch den Straßenverkehr sicherer. Denn die LED-Leuchte strahlt das Licht fokussierter auf die Fahrbahn und leuchtet insbesondere den rechten Fahrbahnrand weiter aus als die Halogenleuchte. Die Leuchtweite im Praxistest beträgt bei der LED-Retrofit-Lampe 170 Meter. Leuchtweite der H7-Lampe im Test: nur 130 Meter.

Nachrüstlampen im Vergleich-LED-Halogen Leuchtweite mit Lampen
Die LED-Retrofit-Lampe leuchtet eindeutig weiter als die Halogenlampe. ∙ © ADAC e.V.

In einer Ausfahrt bei Dunkelheit wurden Fahreindrücke durch zwei Fahrer erlangt:

  • Die Sichtweite war höher als mit Halogenlampen, Objekte wurden kontrastreicher abgebildet und konnten eher wahrgenommen werden.

  • Störende Flecken wurden im Lichtbild nicht festgestellt.

  • Die Hell-Dunkel-Grenze verlief weich und ohne Newtonsche Ringe, was auf die Scheinwerferbauart mit Freiformreflektor zurückzuführen ist.

Der Vorteil der LED-Lampe ist auch die Lebensdauer: Sie strahlt 2500 Stunden, das H7-Leuchtmittel bringt es auf 550 Stunden. Und auch das ist ein wichtiger Beitrag zu mehr Sicherheit: Wenn Lampen generell langlebiger sind, werden Ausfälle der Beleuchtung unwahrscheinlicher.

LED Lampe am Auto nachrüsten
Mit einem Spektrometer wurde auf dem Prüfstand auch das LED-Licht genau untersucht ∙ © ADAC/Ralph Wagner

Auf dem Prüfstand im ADAC Technikzentrum ist nach dem Einbau der LED-Retrofit auch die Leuchtweiteneinstellung der Scheinwerfer erneut überprüft worden. Sie musste nicht korrigiert werden, denn die Hell-Dunkel-Grenze war auf gleicher Höhe wie bei der Halogenlampe. Mithilfe eines Spektrometers haben die ADAC Tester zudem das Lichtspektrum der LED-Leuchten bestimmt. Wie üblich bei LED-Leuchtmitteln mit tageslichtähnlicher Lichtfarbe ist der Blauanteil hoch.

Das sagt der Gesetzgeber

Retrofits dürfen nur in Schweinwerfer der dafür zugelassenen Fahrzeuge nachgerüstet werden und müssen stets nach den Herstellervorgaben eingebaut werden. Für die Leuchtmittel gibt es Kompatibilitätslisten auf den Internetseiten der Hersteller. Wird eine LED-Lampe in ein nicht dafür freigegebenes Fahrzeug verbaut, kann die Betriebsgenehmigung erlöschen.

Zudem dürfen die Leuchtmittel mit deutscher Zulassung nur in Autos verbaut werden, die auch in Deutschland zugelassen sind. Eine Fahrt ins europäische Ausland ist zwar möglich, aber nur zulässig bei Rechtsverkehr.

Tipps zum Nachrüsten von Scheinwerfern

  • Vor dem Kauf der LED-Retrofit-Lampe anhand der Kompatibilitätslisten prüfen, ob das Fahrzeug geeignet ist.

  • Die Scheinwerfer-Genehmigungsnummer auf der Liste vergleichen mit der Nummer des Auto-Scheinwerfers.

  • Schon vor dem Einbau checken, ob zusätzlich ein Adapter für den Wechsel auf LED notwendig ist.

  • Vor Entfernen der alten Leuchte mit dem Smartphone ein Foto vom Leuchten-Gehäuse innen machen, das erleichtert den Einbau der LED-Lampe.

  • Nach dem Kauf über den QR-Code auf der Verpackung die allgemeine Bauart-Genehmigung abrufen, ausdrucken und stets mitführen.

  • Wie nach jedem Leuchtmittel-Wechsel muss die Lichteinstellung möglichst in einem Fachbetrieb überprüft werden.

Fazit

Auch wenn es in den meisten Haushalten nur noch LED-Leuchtmittel gibt: Beim Auto hinkt diese Entwicklung hinterher. Derzeit gibt es nur die Lampen von Osram und Philips zur Nachrüstung von Scheinwerfern in Autos, die in Deutschland zugelassen ist.

In Europa ist die generelle Verwendung von LED-Retrofits aufgrund der Gesetzeslage immer noch unzulässig im Straßenverkehr. Andere Länder sind da weiter: Hier sind LED-Retrofits im Straßenverkehr bereits zugelassen.

Der ADAC spricht sich dafür aus, dass es bald Zulassungen für weitere LED-Leuchtmittel auf dem deutschen Markt gibt. Auch andere Anbieter von LED-Lampen sollten aus Sicht des Automobilclubs eine Zulassung anstreben. In der UNECE (Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen) unterstützt der ADAC zudem einen Gesetzesentwurf, der die einheitliche Handhabung beim Tausch von LED-Leuchtmitteln im Auto europaweit regeln soll. Das würde nicht nur den Straßenverkehr in Deutschland, sondern auch in Europa sicherer machen. Im Mai 2021 ist dieses Bestreben einen wichtigen Schritt weiter gekommen: Ein Gesetzesentwurf passierte erfolgreich eine wichtige Hürde.

Fachliche Beratung: Burkhard Böttcher, ADAC Technikzentrum

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Andrea Piechotta
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Thomas Kroher
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