Bettensteuer: Wenn Reisende extra zur Kasse gebeten werden

Mann öffnet Tür zu Hotelzimmer
Oft wird Reisenden erst vor Ort klar, dass sie eine Bettensteuer entrichten müssen© iStock.com/spyderskidoo

Die Reise ist gebucht, das Urlaubsbudget durchkalkuliert. Was den Urlaub mitunter teurer macht, ist die Bettensteuer, die in manchen Städten und Regionen zu entrichten ist. Alle Fakten zu der Sonderabgabe.

  • Update: Neue Bettensteuer in Düsseldorf und Hannover

  • Bettensteuer von Aufenthalt und Unterkunft abhängig

  • Kinder in den meisten Fällen ausgenommen

  • ADAC lehnt Bettensteuer ab

Wenn die Kassen leer sind, beweisen einige Städte und Länder großen Einfallsreichtum und erheben eine Extraabgabe für Touristen. Zu den beliebtesten Methoden zählen seit jeher eine Einreisegebühr oder die Anhebung der Mehrwertsteuer. Inzwischen ist auch die Bettensteuer, Kultur- und Tourismusförderabgabe, Citytax, Beherbergungs- oder Übernachtungssteuer, oder wie auch immer die Abgabe bezeichnet wird, auf dem Vormarsch. Und dies im In- und Ausland. Sehr häufig betonen die Kommunen, dass die Einnahmen in den Ausbau der touristischen Infrastruktur oder in Umweltprojekte ("Ökotaxe") fließen.

Urteil: Bettensteuer und Grundgesetz

Hoteliers aus Hamburg, Bremen, Bremerhaven und Freiburg wollten die Bettensteuer mit Klagen beim Bundesverfassungsgericht kippen. Ihre Beschwerden wurden allerdings zurückgewiesen. Die örtlichen Abgaben seien mit dem Grundgesetz vereinbar, teilte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe im Mai 2022 mit. Städte und Gemeinden in Deutschland dürfen von Übernachtungsgästen eine Bettensteuer verlangen.

Die Hoteliers beklagen unter anderem zusätzliche Verwaltungsaufwände – denn sie müssen die Einnahmen an die Behörden abführen – ohne einen konkreten Mehrwert zu haben. Die Verfassungsrichter halten dies aber für gerechtfertigt: "Eine direkte Erhebung bei den Übernachtungsgästen wäre nicht praktikabel", teilten sie mit.

Bettensteuer nicht einheitlich

Eine einheitliche Regelung gibt es bei der Bettensteuer nicht. Die Abgabe berechnet sich meist anhand der Aufenthaltstage der Urlauber in einer Unterkunft. Zudem ist die Höhe oft von der Unterkunftsklassifizierung (4-Sterne-Hotel, Pension, Gasthaus etc.) abhängig.

Große Unterschiede gibt es vor allem bei der Berechnung. Bei Pauschalreisen ist sie häufig bereits im Reisepreis enthalten, sodass sich Reisende am Urlaubsort um nichts kümmern müssen. Mitunter muss sie aber erst in der Unterkunft entrichtet werden. Die Städte ziehen auch unterschiedliche Berechnungsgrundlagen heran. Manche setzen einen bestimmten Prozentsatz des Übernachtungspreises (brutto oder netto) fest, andere wiederum berechnen unabhängig von der Unterkunft oder der Klassifizierung pauschal zwei oder drei Euro pro Person und Nacht.

Ein paar Beispiele: Während in Berlin fünf Prozent des Nettoübernachtungspreises (NÜNP) pro Person/Nacht berechnet werden, fallen in Leipzig pauschal fünf Euro pro Person/Aufenthaltstag an. Hamburg hingegen vereint beide Rechnungsweisen: Der Nettoübernachtungspreis wird gestaffelt und je nach Stufe fällt eine andere Pauschale an. 

Auf Mallorca und den anderen Baleareninseln ist es noch einmal anders: Hier kommen Touristen in der Nebensaison billiger weg als in der Hochsaison. Und schließlich gehen die Städte und Destinationen auch unterschiedlich mit Kindern, Wohnmobilfahrenden oder auch Kreuzfahrttouristen um. Nicht überall sind diese Gruppen von der Bettensteuer betroffen. Erfreulich ist, dass Kinder meistens ausgenommen sind. Und immerhin: Manche Kommunen berechnen eine Steuer auf maximal sieben oder 14 Nächte.

Bettensteuer: 50 Städte haben sie

Nach der aktuellsten Übersicht des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) erheben derzeit rund 50 Kommunen eine Bettensteuer. In manchen Städten wurde sie gerichtlich aufgehoben, ausgesetzt, politisch abgelehnt oder abgeschafft. Hier ein paar Beispiele deutscher Städte mit Bettensteuer:

Stadt

Berechnung

Berlin

5 %

Bremen

5 %

Bremerhaven

5 %

Dortmund

7,5 %

Dresden

6 %

Erfurt

5 %

Flensburg

7,5 %

Freiburg

5 %

Hamburg

  • 0,50 € bei NÜNP* bis 25 €
  • 1 € bei NÜNP* bis 50 €
  • 2 € bei NÜNP* bis 100 €
  • 3 € bei NÜNP* bis 150 €
  • 4 € bei NÜNP* bis 200 €

Hannover

  • 0,50 € bei BÜNP** bis 10 €
  • 1,50 € bei BÜNP** bis 25 €
  • 3 € bei BÜNP** bis 50 €
  • 4 € bei BÜNP** bis 100 €
  • 5 € bei BÜNP** über 100 €

Köln

5 %

Leipzig

5 € pro Person/Tag

Münster

4,5 %

Potsdam

5 %

Schwerin

5 %

* NÜNP = Nettoübernachtungspreis; ** BÜNP= Bruttoübernachtungspreis

München will die Bettensteuer ebenfalls. Mehreinnahmen von 40 bis 60 Millionen Euro pro Jahr erhofft sich die bayerische Landeshauptstadt davon. In Kraft ist die Abgabe bislang aber nicht.

Düsseldorf und Hannover kassieren seit 2024

Die NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf verlangt seit Anfang 2024 von ihren Besuchern pro Nacht drei Euro Beherbergungssteuer. Die neue Steuer gilt sowohl für Geschäftsleute als auch für Touristen, sie muss in allen Beherbergungsbetrieben wie Hotels, Gasthöfen, Privatwohnungen, Campingplätzen, Schiffen oder anderen Unterbringungsmöglichkeiten gezahlt werden. Kinder und Jugendliche unter 18 sind ausgenommen. Wer sich länger in Düsseldorf aufhält, muss maximal für 21 Tage bezahlen.

Auch Hannover hat 2024 eine Beherbergungsgebühr eingeführt. Ähnlich wie in Hamburg hat man sich in der niedersächsischen Hauptstadt für ein Staffelmodell (mindestens 50 Cent) entschieden. In Hannover wird bei der Berechnung der Bruttoübernachtungspreis zugrunde gelegt.

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ADAC Position zur Bettensteuer

Der ADAC als Verbraucherschützer lehnt die Bettensteuer ab. Diese Abgaben sind oftmals nicht zweckgebundene, allgemeine kommunale Steuern, die nicht automatisch der Förderung des Tourismus zugute kommen. Vielfach wollen Gemeinden und Kommunen mit dieser Maßnahme ihre Steuerausfälle kompensieren und Etatlöcher stopfen.

Die Bettensteuer ist ein falsches Signal an die Gäste, die dafür keine konkreten Vorteile erwarten können. Wofür die Bettensteuer eingesetzt wird, ist nicht transparent. Zudem schadet diese Abgabe der touristischen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Sie belastet einseitig Privatreisende und Beherbergungsbetriebe. Für die Unterkünfte bringt sie darüber hinaus zusätzlichen Verwaltungsaufwand.

Die Tourismusexperten des ADAC weisen immer wieder darauf hin, dass es mit Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe bereits zwei Möglichkeiten für die Kommunen gibt, zweckgebundene "öffentlich-rechtliche Abgaben der besonderen Art" zu erheben. Diese Mittel kommen dem örtlichen Tourismus direkt zugute. Bei einer Fremdenverkehrsabgabe werden darüber hinaus alle Nutznießer des Tourismus zu dessen Finanzierung herangezogen und nicht nur einseitig die Gäste.

Auch bei diesen zweckgebundenen Abgaben ist nach Meinung des ADAC darauf zu achten, dass die Mittelverwendung transparent ist und nicht mit Selbstverständlichkeiten begründet wird. An einem ausgewiesenen Badeort beispielsweise darf man saubere und gepflegte Strände erwarten.

Eintrittsgeld gegen Massentourismus

Neben Bettensteuer und Co. gibt es inzwischen auch die Touristenabgabe, die eine Art "Eintrittsgeld" darstellt. Dabei werden lediglich die Tagestouristen und auch Kreuzfahrttouristen zur Kasse gebeten. Die italienische Hafenstadt Venedig etwa plant diesen Weg ab 2025, testet aber bereits 2024. Hintergrund ist der überhandnehmende Touristenansturm auf die Lagunenstadt. Dieser belastet die Infrastruktur.

Ähnlich geht die portugiesische Hauptstadt vor: Betreibern von Kreuzfahrtschiffen, die Lissabon anlaufen, wird seit Anfang 2024 eine städtische Kurtaxe in Rechnung gestellt. Die Steuer beträgt für jeden Passagier, der von Bord geht, zwei Euro. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Abgabe auf die Passagiere umgelegt wird.

Für diese Art der Touristenabgabe bringen selbst Tourismusexperten durchaus Verständnis auf. Gerade die Kreuzfahrthäfen leiden unter den Besuchermassen (= Overtourism). Die Gäste der Kreuzfahrtschiffe überschwemmen die Stadt, nutzen die touristischen Angebote, sitzen in den Cafés und Restaurants ohne jedoch viel zu konsumieren (sie haben ja an Bord all inclusive). Während der Umsatz in der Gastronomie meist bescheiden bleibt, sind Müll, Umweltschäden und der Grad der Abnutzung des touristischen Angebots jedoch beträchtlich. Für die Einwohner und Einwohnerinnen selbst bedeutet der Overtourism überdies verlorene Lebensqualität.

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Mit Material von dpa