Bettensteuer - Wenn Urlauber extra zur Kasse gebeten werden

26.3.2019

Der Urlaub ist gebucht, der Koffer gepackt und das Urlaubsbudget durchkalkuliert. Was die Reise mitunter teurer macht, ist die Bettensteuer, die von Urlaubern zu entrichten ist – Geschäftsreisende sind meist ausgeschlossen. Wo Reisende extra zur Kasse gebeten werden und warum wir gegen die Bettensteuer sind, erfahren Sie hier. 

Mann öffnet Tür von Hotelzimmer
Fotocredit: ©iStock.com/spyderskidoo

Wenn die Kassen leer sind, beweisen einige Städte und Länder großen Einfallsreichtum und erheben eine Extraabgabe für Touristen. Zu den beliebtesten Methoden zählen seit jeher eine Einreisegebühr oder die Anhebung der Mehrwertsteuer. Inzwischen ist auch die Bettensteuer, Kultur- und Tourismusförderabgabe, Citytax, Beherbergungs- oder Übernachtungssteuer oder wie auch immer die Abgabe bezeichnet wird, auf dem Vormarsch. Und dies im In- und Ausland. Sehr häufig betonen die Kommunen, dass die Einnahmen in den Ausbau der touristischen Infrastruktur oder in Umweltprojekte („Ökotaxe“) fließen.

Was ist die Bettensteuer? 

Eine einheitliche Regelung gibt es bei der Bettensteuer nicht. Die Abgabe berechnet sich meist anhand der Aufenthaltstage der Urlauber in einer Unterkunft. Zudem ist die Höhe oft von der Unterkunftsklassifizierung (4-Sterne-Hotel, Pension, Gasthaus…) abhängig. Große Unterschiede gibt es vor allem bei der Berechnung. Bei Pauschalreisen ist sie häufig bereits im Reisepreis enthalten, sodass sich Reisende vor Ort um nichts kümmern müssen. Mitunter muss sie aber erst in der Unterkunft entrichtet werden. Die Städte ziehen auch unterschiedliche Berechnungsgrundlagen heran. Manche setzen einen bestimmten Prozentsatz des Übernachtungspreises (Brutto oder Netto) fest, manche wiederum berechnen unabhängig von der Unterkunft oder der Klassifizierung pauschal zwei oder drei Euro pro Person und Nacht.

Ein paar Beispiele: Während in Berlin und Erfurt 5 Prozent des Nettoübernachtungspreises (NÜNP) pro Person/Nacht berechnet werden, fallen in Leipzig pauschal 3 Euro pro Person/Aufenthaltstag an. Hamburg hingegen vereint beide Rechnungsweisen: Der Nettoübernachtungspreis wird gestaffelt und je nach Stufe fällt eine andere Pauschale an. 

Auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln ist es noch einmal anders: Hier kommen Touristen in der Nebensaison billiger weg als in der Hochsaison. Und schließlich gehen die Städte und Destinationen auch unterschiedlich mit Kindern, Wohnmobilfahrern oder auch Kreuzfahrttouristen um. Nicht überall sind diese Gruppen von der Bettensteuer betroffen. Erfreulich ist, dass Kinder häufig ausgenommen sind. Und immerhin: Manche Kommunen berechnen eine Steuer auf maximal 7 oder 14 Nächte.

Bettensteuer in Deutschland – 30 Städte haben sie

Nach Informationen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) gibt es derzeit in 30 deutschen Städten die Bettensteuer. In vielen Städten wurde sie gerichtlich aufgehoben, ausgesetzt, politisch abgelehnt oder abgeschafft. Gute Nachricht für Urlauber in Bayern: Hier wurde die zusätzliche Abgabe durch den Landtag generell abgelehnt. Hier ein paar Beispiele deutscher Städte mit Bettensteuer:

Stadt
Berechnung  Stadt Berechnung
Berlin                                                      5 %                                                      Freiburg                                               5 %            
Bremen                  5 % Hamburg

0,50 € bei NÜNP bis 25 €
1 € bei NÜNP bis 50 €
2 € bei NÜP bis 100 €
3 € bei NÜNP bis 150 €
usw. in 1-Euro-Schritten pro 50 € NÜNP

Bremerhaven 5 % Köln                      5 %
Dortmund          7,5 % Leipzig 3 € pro Person/Tag
Dresden 6 %  Münster 4,5 %                 
Erfurt 5 %  Potsdam 5 %
Flensburg 7,5 %  Schwerin 5 %

 

Tipp Icon

Bettensteuer kompensiert Einnahmeverlust

Dass die Bettensteuer gerade in Deutschland im Trend ist, hat seinen Grund: Mit Wirkung zum 1. Januar 2010 wurde im Rahmen des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes der Mehrwertsteuersatz für Beherbergungsleistungen von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Die daraus resultierenden Steuerausfälle wollen zahlreiche Kommunen und Städte durch die Einführung einer „Bettensteuer“ kompensieren.

Proteste gegen die Bettensteuer

In etlichen Städten liefen die Hoteliers nach der Einführung der Bettensteuer Sturm. Sie beklagen zusätzliche Verwaltungsaufwände – denn sie müssen die Einnahmen an die Behörden abführen - ohne einen konkreten Mehrwert zu haben. Unterstützung erhalten sie vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA). Er lehnt die Abgabe aus ordnungspolitischen, steuersystematischen und rechtlichen Gründen ab.

ADAC Position zur Bettensteuer

Wir als Verbraucherschützer lehnen die Bettensteuer ebenfalls ab. Diese Abgaben sind oftmals nicht zweckgebundene, allgemeine kommunale Steuern, die nicht automatisch der Förderung des Tourismus zugute kommen. Vielfach wollen Gemeinden und Kommunen mit dieser Maßnahme ihre Steuerausfälle kompensieren und Etatlöcher stopfen. Die Bettensteuer ist ein falsches Signal an die Gäste, die dafür keine konkreten Vorteile erwarten können. Wofür die Bettensteuer eingesetzt wird, ist nicht transparent. Zudem schadet diese Abgabe der touristischen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Sie belastet einseitig Privatreisende und Beherbergungsbetriebe. Für die Unterkünfte bringt sie darüber hinaus zusätzlichen Verwaltungsaufwand.

Unsere Tourismusexperten weisen immer wieder darauf hin, dass es mit Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe bereits zwei Möglichkeiten für die Kommunen gibt, zweckgebundene "öffentlich-rechtliche Abgaben der besonderen Art“ zu erheben. Diese Mittel kommen dem örtlichen Tourismus direkt zugute. Bei einer Fremdenverkehrsabgabe werden darüber hinaus alle Nutznießer des Tourismus zu dessen Finanzierung herangezogen und nicht nur einseitig die Gäste. Auch bei diesen zweckgebundenen Abgaben ist nach unserer Meinung darauf zu achten, dass die Mittelverwendung transparent ist und nicht mit Selbstverständlichkeiten begründet wird. An einem ausgewiesenen Badeort beispielsweise darf man saubere und gepflegte Strände erwarten.

Touristenabgabe als „Eintrittsgeld“ bei Massentourismus?

Neben Bettensteuer und Co. gibt es inzwischen auch die Touristenabgabe, die eine Art „Eintrittsgeld“ darstellt. Dabei werden lediglich die Tagestouristen zur Kasse gebeten. Die italienische Hafenstadt Venedig geht diesen Weg (Einführung voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2020). Hintergrund ist der überhandnehmende Touristenansturm auf die Lagunenstadt. Dieser belastet die Infrastruktur. „Wir sind nicht daran interessiert, Kasse zu machen“, so Bürgermeister Brugnaro. Es gehe darum, die Instandhaltung der Gebäude und die Sauberkeit zu garantieren. Dies sei extrem teuer. Jedes Jahr muss Venedig bis zu 30 Millionen Besucher verkraften.

Für diese Art der Touristenabgabe bringen selbst Tourismusexperten durchaus Verständnis auf. Gerade die Kreuzfahrthäfen leiden unter den Besucher-Massen (= Overtourism). Die Gäste der Kreuzfahrtschiffe überschwemmen die Stadt, nutzen die touristischen Angebote, sitzen in den Cafés und Restaurants ohne jedoch viel zu konsumieren (sie haben ja an Bord all inclusive). Während der Umsatz in der Gastronomie meist bescheiden bleibt, sind Müll, Umweltschäden und der Grad der Abnutzung des touristischen Angebots jedoch beträchtlich. Für die Einwohner selbst bedeutet der Overtourism überdies verlorene Lebensqualität.

Overtourism: Zu viel ist zu viel

Kreuzfahrt Ostsee

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