Vergiftungsgefahr: Blaualgen in Badeseen und Flüssen in Deutschland

• Lesezeit: 4 Min.

Von Katharina Dümmer

Feedback

Warnschild vor Blaualgen
Blaualgen im Badesee können zu Hautreizungen und Vergiftungen führen© dpa/Sascha Steinach

Baden mit Risiko: Blaualgen in Seen und Flüssen vermehren sich derzeit besonders stark. Für mehrere Gewässer wurden deshalb Badewarnungen ausgesprochen. Was sind die Gefahren und woran erkennt man, ob das Wasser belastet ist?

  • Akute Badeverbote in mehreren Bundesländern

  • Durchfall, Erbrechen, Hautreizungen und sogar Atemnot sind möglich

  • Warnschilder an Gewässern beachten

  • Besondere Vorsicht gilt für Kinder und Hunde

In ganz Deutschland warnen Gesundheits- bzw. Umweltämter aktuell vor Blaualgen in verschiedenen Gewässern. Ursache sind hohe Temperaturen und wenig Niederschlag. Blaualgen können Gifte bilden, die für Menschen und Hunde gefährlich werden können.

Blaualgen: Diese Badeseen und Flüsse sind betroffen

In mehreren Bundesländern gibt es akute Badeverbote oder Warnungen, vor allem für kleinere und stehende Gewässer. Aber auch große Badeseen sind mitunter betroffen:

  • In Bayern trifft dies aktuell u.a. für Badestellen am Altmühlsee, Simssee, sowie für die Donau im Landkreis Kelheim zu. Der Kleine See in Lindau (Bodensee) ist ebenfalls befallen.

  • In Niedersachsen ist das Zwischenahner Meer in dieser Badesaison ebenfalls betroffen.

  • Auch an einigen Seen in Mecklenburg-Vorpommern – etwa Tollensesee, Reitbahnsee, Naturbad Grimmen – wurden Blaualgen in erhöhter Konzentration registriert.

  • In Hessen gibt es Blaualgen-Warnungen etwa für das Strandbad Rehbach an der Edertalsperre, im Licher Waldschwimmbad bei Gießen, am Aartalsee und auch für den BUGA-See Kassel.

Übrigens: Im Meer kommen Blaualgen ebenfalls vor. In früheren Jahren sorgten Algenblüten an Ostseestränden für Probleme.

Blaualgen-Gefahr: Von Hautreizungen bis Atemnot

Blaualgen sind eigentlich keine Algen, sondern Bakterien, sogenannte Cyanobakterien, die überall im Wasser zu finden und bei normaler Konzentration ungefährlich sind. Bei langanhaltend hohen Temperaturen, viel Sonnenschein oder geringer Bewegung können sie sich jedoch schnell vermehren und die Wasserqualität einschränken. Die Folge: Es werden Stoffe produziert, die bei Badenden Durchfall, Erbrechen oder Hautausschläge auslösen können. In schlimmen Fällen sogar Atemnot. Eine Gesundheitsgefahr besteht insbesondere beim Schlucken des Wassers. Sobald Anzeichen von Beschwerden auftauchen, sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.

Cyanobakterien sind für Kinder besonders gefährlich: Manchmal verschlucken sie versehentlich Wasser. Weil Kinder viel leichter sind als Erwachsene, führt die gleiche Menge Gift bei ihnen schneller zu schweren Vergiftungen.

Gut zu wissen und unabhängig vom derzeitigen Blaualgen-Alarm: Die meisten Badeseen und Küstengewässer in Deutschland bieten laut einem EU-Bericht beste Wasserqualität.

Blaugrünes Wasser als Warnsignal

Eine hohe Konzentration von Blaualgen ist durch eine blaugrüne Trübung erkennbar. Befindet man sich knietief im Wasser und kann die eigenen Füße nicht mehr sehen, kann dies ein Anzeichen für eine zu hohe Konzentration von Blaualgen sein. Man sollte aufs Baden verzichten.

Die örtlichen Gesundheitsämter überwachen während der Badesaison die Wasserqualität der Badegewässer. Dabei werden den ganzen Sommer über regelmäßig Wasserproben auf Verunreinigungen untersucht. Dazu zählt unter anderem die Beobachtung der Cyanobakterien.

In etlichen Fällen stellen die Behörden Badeverbots-Schilder auf, die unbedingt beachtet werden sollten.

Erste-Hilfe-Tipp bei Blaualgen

Wer mit Blaualgen in Kontakt gekommen ist, sollte sich gründlich abduschen; das gilt auch für die Badebekleidung. Treten Beschwerden auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Blaualgen auch für Hunde gefährlich

Für schwimmfreudige Hunde kann der Kontakt mit Blaualgen sogar tödlich verlaufen. Mitte Juli wurden Fälle bekannt, bei denen Hunde nach einem Bad in der Donau bei Kehlheim gestorben sind. Badet ein Vierbeiner in einem belasteten Gewässer, kann er die giftigen Bakterien über die Schleimhäute aufnehmen.

Erste-Hilfe-Tipp von Hunde-Profis: Das Fell schnellstmöglich gründlich mit klarem Wasser auswaschen. Auf keinen Fall sollte der Hund seine Pfoten oder sein Fell ablecken. Bei Verdacht auf eine Blaualgenvergiftung sofort zum Tierarzt gehen! Symptome können bereits Minuten nach dem Kontakt auftreten.

Algen, Quallen, Zerkarien: So schützen Sie sich beim Baden

Behörden informieren über die Badegewässerqualität

Tipp für Wasserratten: Wer wissen möchte, ob sein Badesee aktuell von Blaualgen-Warnungen betroffen ist, kann sich vor dem Sprung ins Wasser informieren. In Deutschland informieren in der Regel die Bundesländer beziehungsweise deren Gesundheits- und Umweltbehörden über die Badegewässerqualität. Die Länder sind für die Überwachung der offiziellen EU-Badegewässer zuständig und veröffentlichen die aktuellen Messwerte und Warnhinweise.