Wasserqualität: Wie sauber sind Deutschlands Küsten und Badeseen?
Von Tanja Echter

Von Westerland bis zum Eibsee: Die meisten Badeseen und Küstengewässer in Deutschland bieten laut einem EU-Bericht beste Wasserqualität.
Überwiegend Bestnoten für Seen, Flüsse und Küstengewässer
Getestet wurde die Belastung mit Fäkalbakterien
Schlechte Wasserqualität an drei Badestellen
Pünktlich zum Start in die Sommersaison zeigt ein Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) den Zustand von Badeseen, Küstengewässern und Flüssen. Gute Nachrichten für Deutschlandurlauber: Die meisten Badestellen locken mit bester Wasserqualität.
Magen-Darm-Erreger im Badesee?
Untersucht wurde das Wasser vor allem auf die Bakterienarten Escherichia coli und Enterokokken. Diese Erreger können Durchfall oder andere Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufen und gelangen durch die Landwirtschaft oder Abwässer in Badeseen und Flüsse.
Laut EEA sind Fäkalbakterien kein Thema, um das sich Badende in Deutschland sorgen müssten. Die überprüften Gewässer sind zum größten Teil sehr sauber.
Blaualgen und Pestizide nicht berücksichtigt
Andere Erregerarten wie etwa Cyanobakterien (Blaualgen) oder auch chemische Schadstoffe werden im EEA-Bericht nicht einbezogen. Aus Sicht einiger Experten greife die Bewertung der EEA deshalb zu kurz. "Ein Gewässer kann die Grenzwerte von chemischen Stoffen sprengen und dennoch als exzellent eingestuft werden. Das ist irreführend", warnt beispielsweise Toxikologe Hans-Jörg Martin vom Universitätsklinikum Kiel gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Vor allem in Hinblick auf Cyanobakterien in Badegewässern empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) genauere Untersuchungen. Steigende Temperaturen in Folge des Klimawandels fördern die Ausbreitung der Erreger. Vor PFAS im Meeresschaum warnen Experten ebenfalls. Markus Große Ophoff, Chemiker an der Hochschule Osnabrück und Teil einer Expertenkommission des Umweltbundesamts (UBA), plädiert: "An Badestellen sollte vor dem Baden gewarnt werden, wenn das Wasser nachweislich mit Schadstoffen in stark erhöhten Konzentrationen belastet ist." Das sei insbesondere zum Schutz von Kindern und Schwangeren wichtig.
Tausende Badeorte im Check
Bei der Untersuchung wurden mehr als 22.000 Badegewässer in 27 EU-Ländern sowie in Albanien und der Schweiz geprüft. Einen Überblick zeigt die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). Die gesamten Ergebnisse aus Europa finden Sie auf der Seite der Europäischen Umweltagentur.
Europaweit vergibt die EEA für zirka 85 Prozent der geprüften Gewässer sehr gute Noten. Fast alle (96 Prozent) erfüllen die Mindeststandards der Europäischen Union. Im Ländervergleich landet Deutschland auf Platz 7: 90,9 Prozent der Badestellen überzeugen mit besten Bedingungen.
Die beste Wasserqualität in Europa
Den besten Ergebnisse im Bade-Check kommen aus Zypern und Griechenland. Laut EEA hat sich die Wasserqualität in den letzten Jahren insgesamt stark verbessert, nicht zuletzt dank offizieller Verordnungen zum Umgang mit Abwasser. Durch die Meeresgezeiten sind Küstengewässer generell sauberer als Seen und Flüsse.
Wo sollte man in Deutschland nicht baden?
Ein mangelhaftes Fazit gibt es lediglich für drei Badegewässer in Deutschland: der Riemer See (Badestrand am Nordufer) in München, der Badesee Schießtal sowie der Metzisweiler Weiher in Bad Wurzach.
Für Gewässer mit schlechter Qualität empfiehlt die EU-Behörde Badeverbote mit entsprechenden Warnhinweisen vor Ort. Hauptsächlich aufgrund von Blaualgen (Cyanobakterien). Auch starke Niederschläge und Hochwasser führten in der Vergangenheit dazu, dass mancherorts vom Baden abgeraten wurde.
Mit Material von dpa.