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 Stress am Steuer


Zeitdruck, Hektik und verstopfte Straßen lassen im Berufsverkehr so manchen aus der Haut fahren. Jeder von uns hat sich sicherlich auch schon einmal dabei ertappt, dass sich angestauter Ärger beim Autofahren entlädt. Der ADAC wollte diesem Phänomen „Stress am Steuer“ auf den Grund gehen und beauftragte das Institut für Rechts- und Verkehrsmedizin der Universität Heidelberg mit einer Studie. Die nun vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass Stressempfinden und Stressbewältigung sehr unterschiedlich ausgeprägt sind und so eine Einteilung in fünf Stresstypen ermöglichen.


  • So haben wir getestet

    An der Stressstudie nahmen insgesamt 60 Testpersonen im Alter zwischen 25 und 60 Jahren teil - je zur Hälfte Frauen und Männer. Vor Antritt der Fahrt wurden von jedem Probanden mittels Fragebogen erhoben, welche Verkehrssituationen als besonders belastend empfunden werden, ihre Reaktion darauf und die Auswirkungen auf ihren Fahrstil. Im Praxistest fuhren die Teilnehmer während des Berufsverkehrs durch die Innenstadt und die Umgebung von Heidelberg. Dabei beobachtete ein Psychologe auf der 35 Kilometer langen Teststrecke das Fahrverhalten in verschiedenen Stresssituationen.

    Die wichtigsten Ziele der Untersuchung waren:

    • Erfassung von Belastungssituationen
    • Identifikation von Stresstypen
    • Fehlerhäufigkeiten der einzelnen Stresstypen.   

  • Das haben wir herausgefunden

    Was viele bisher nur vermutet haben, belegt nun eine aktuelle wissenschaftliche Studie des ADAC: Frauen bleiben als Teilnehmer am Straßenverkehr meist länger cool! Während Männer häufiger durch einen sportlichen bis aggressiven Fahrstil auffallen und damit sich und andere einer größeren Stressbelastung aussetzen, agieren Frauen eher defensiv und kommen dadurch seltener in belastende Situationen. Dabei kristallisierten sich in der ADAC-Studie fünf Stresstypen heraus.

    Das Idealbild des rücksichtsvollen und vorausschauenden Kraftfahrers findet sich im Stresstyp des „Verantwortungsbewussten“ wieder. In unserer Stichprobe dieser Gruppe haben Frauen mit 56% knapp die Nase vorn. Männer dominieren dagegen die beiden Hauptrisikogruppen der Stresstypen: den  „konfrontativen Fahrer“ (70%) und den „vermeintlichen Alleskönner“ (56%). 
    Dabei zeigt sich, dass Kraftfahrer dieser beiden Gruppen nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer einem erhöhten Stress aussetzen.

    Während der „vermeintliche Alleskönner“ die Verkehrssicherheit in erster Linie durch Selbstüberschätzung gefährdet, neigt der „Konfrontative“ zu einem schnellen und aggressiven Fahrstil, der mit einem besonders hohen Risiko verbunden ist. Das Klischee der schlecht Auto fahrenden Frau wird hauptsächlich durch die Gruppe der „Unsicheren“ genährt. Ihr Anteil an der Gesamtstichprobe macht jedoch nur 12,5% aus. Bei diesem Typ handelt es sich überwiegend um Frauen mit geringer Fahrpraxis ohne eigenes Auto.

    Eine wichtige Botschaft dieser Studie ist, dass das Fahrverhalten jederzeit positiv beeinflusst werden kann. Ein Fahrsicherheitstraining oder im Falle der Unsicheren eine erhöhte Fahrpraxis können darüber hinaus geeignete Maßnahmen sein, um das Stressempfinden und die individuelle Fahrweise zu verbessern.  
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  • Die fünf Stresstypen

    Der Konfrontativezeichnet sich durch einen aggressiven und schnellen Fahrstil aus. Unter Einsatz von Hupe, Lichthupe und Beleidigungen versucht er seine Ansprüche ohne Rücksicht auf andere durchzusetzen
    Der vermeintliche Alleskönnerverfügt über eine sehr große Fahrpraxis, glaubt alles zu können, ist jedoch gegenüber eigenen Fehlern wenig selbstkritisch und hält Änderungen seines Fahrstils für überflüssig
    Der Verantwortungs-bewusstelernt aus Fehlern und weist damit eine hohe Selbstreflexion auf. Er stellt das Idealbild des vorausschauenden und rücksichtsvollen Kraftfahrers dar
    Der Unsichereschätzt sich selbst als unerfahren ein. Aufgrund sehr geringer Fahrpraxis meidet er schwierige Situationen und verschließt die Augen vor eigenen Fehlern und Problemen
    Der Überbesorgteist in der Regel älter als fünfzig Jahre. Er lernt aus Fehlern und ist selbstkritisch. Er schaut lieber mehrmals hin, bevor er sich endgültig entscheidet

  • Tipps für den Stressabbau

    • Vermeiden Sie Fahrten in persönlichen Formtiefs oder unmittelbar nach stark belastenden Situationen. Auch nach einem stressigen Arbeitstag ist es empfehlenswert vor Antritt der Heimfahrt eine kleine Pause, evt. auch mit Bewegung an der frischen Luft, einzulegen. 
    • Viele nehmen ihren Ärger aus dem Büro mit auf den Heimweg und leben im Auto häufig unbewusst ihre Aggressionen aus. Die Leidtragenden sind die anderen Verkehrsteilnehmer. Hier empfiehlt es sich vor Fahrtantritt die Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, z.B. durch geeignete Lektüre. 
    • Fahranfänger und Unsichere sollten bis zur Erlangung von mehr Fahrpraxis auf unnötige Ablenkung verzichten, wie Radio- und Handy-Benutzung sowie lärmende Mitfahrer. 
    • Planen Sie regelmäßige Pausen ein, nutzen sie Entspannungs-, Lockerungs- oder Atemübungen zur körperlichen Erholung und zum Stressabbau.  
    • Eine gute Streckenplanung, vor allem bei langen und unbekannten Fahrstrecken, und die Nutzung von Verkehrsinformationssystemen hilft Stresssituationen, wie z. B. einem Stau, vorzubeugen. Planen Sie vor allem Zeitreserven ein - nicht auf den letzten Drücker losfahren. 
    • Halten Sie den erforderlichen Sicherheitsabstand ein, versuchen Sie selbst vorausschauend und rücksichtsvoll gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern zu fahren. Rechnen Sie mit unvorhersehbaren Situationen und den Fehlern anderer („niemand ist perfekt“). 
    • Fahrsicherheitstraining und zunehmende Fahrpraxis verbessern die individuelle Fahrweise und das Stressempfinden.    

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