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Kauf beim ausländischen Händler

 

Sie wollen ins Ausland fahren und dort ein Fahrzeug direkt bei einem Händler kaufen? Lesen Sie hier rechtliche Informationen zum Eigenimport und wie Sie Ihren Wagen überführen und in Deutschland zulassen.


  • Händleradressen im Ausland

    Um zu klären, wo was wie teuer zu bekommen ist, muss man zwangsläufig mit den Händlern im Ausland Kontakt aufnehmen. Über die einheimischen Vertragshändler sind, aus naheliegenden Gründen, Adressen ausländischer Fabrikatvertretungen kaum zu bekommen. Eine Möglichkeit: Hören Sie sich Bekanntenkreis um, wer das "passende" Fabrikat fährt und evtl. ein aktuelles Servicestellen- oder Händlerverzeichnis im Handschuhfach hat.

    Auch über das Internet lassen sich die Vertragshändler der jeweiligen Hersteller ausfindig machen (v. a. über die einzelnen Herstellerseiten des jeweiligen Landes, z. B. www."Hersteller".dk für Dänemark).


  • Wichtiges zum Kaufvertrag

    Halten Sie im Kaufvertrag Preis, Ausstattung und Übergabetermin schriftlich fest. Wichtig ist, dass darin auch der Begriff "Neufahrzeug" erwähnt wird. Dem Vertrag liegt in der Regel das im Kaufland geltende Recht zugrunde. Lassen Sie sich ggf. fremdsprachige Abschnitte des Vertrages im Vorfeld vom Händler übersetzen oder nehmen Sie jemanden mit, der sprachkundig ist. 


  • Übergabe des Fahrzeuges

    Lassen Sie sich die im Kaufland üblichen Fahrzeugpapiere und die Kaufrechnung unbedingt im Original geben, da die hiesigen Zulassungsstellen keine Kopien akzeptieren dürfen! Bestehen Sie auf Aushändigung der EU-weit gültigen Typgenehmigung COC (Certificate of Conformity). 


  • Überführung nach Deutschland
    Für die Überführung aus dem Kaufland nach Deutschland ist generell das Ausfuhr- oder Überführungskennzeichen des Kauflandes geeignet. Dieses ist jedoch nur in einigen interessanten Kaufländern (z.B. Dänemark, Niederlande) ohne weiteres und mit der entsprechenden Versicherung zu bekommen. Am besten fragen Sie den Händler, ob er Ihnen bei der Beschaffung der entsprechenden Kennzeichen behilflich sein kann.

    Problemlos ist der Transport auf dem Anhänger, weil dazu keine Zulassung des Fahrzeuges notwendig ist.

    Deutsche Kurzzeitkennzeichen sind nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht für die Benutzung im Ausland und somit auch nicht für die Überführung eines Fahrzeuges aus dem Ausland nach Deutschland vorgesehen. 


  • Zulassungsverfahren
    Bei Ihrer Zulassungsstelle müssen Sie regelmäßig folgende Papiere vorlegen:
    • Personalausweis oder Reisepass
    • elektronische Versicherungsbestätigung des Kfz-Haftpflichtversicherers Ihrer Wahl
    • Originalkaufrechnung oder Kaufvertrag
    • ausländische Fahrzeugpapiere
    • COC (EU-Typengenehmigung)
    • SEPA-Lastschriftmandat zum Einzug der Kfz-Steuer
    • Mitteilung für Umsatzsteuerzwecke (Vordruck üblicherweise bei der Zulassungsstelle direkt erhältlich)

    Die Neufahrzeuge, für die es noch keine COC gibt, müssen nach wie vor zur Einzelabnahme nach § 21 StVZO bei der technischen Prüfstelle, z.B. TÜV oder DEKRA, vorgeführt werden. Je nach Übereinstimmung der technischen Daten werden dafür zwischen 50 bis 150 EUR gefordert. Die fertige deutsche Zulassungsbescheinigung Teil 1 und Teil 2 erhalten Sie schließlich von der Zulassungsstelle ausgehändigt.


  • Umsatzsteuer
    Wenn Sie ein Neufahrzeug gekauft haben, müssen Sie innerhalb von 10 Tagen nach dem Kauf mit der Originalrechnung zu dem für Sie zuständigen Finanzamt gehen und dort die 19 %ige deutsche Mehrwertsteuer bezahlen. Dazu wird Ihnen das Formular "Umsatzsteuererklärung für die Fahrzeug-Einzelbesteuerung" vorgelegt. Die Umsatzsteuer wird aus dem Nettokaufpreis errechnet.

    Nach der EU-Definition gilt ein Landfahrzeug als neu, wenn es nicht mehr als 6.000 km zurückgelegt hat oder wenn seine erste Inbetriebnahme im Zeitpunkt des Erwerbs nicht mehr als 6 Monate zurückliegt.


  • Garantie
    Achten Sie darauf, dass die Garantieunterlagen (Serviceheft und evtl. Garantiekarte) vom ausländischen Vertragshändler abgestempelt sind, mit Fahrgestellnummer des Fahrzeugs versehen wurden und das Übergabedatum eingetragen ist. Genaue Angaben zur Laufzeit und Beginn der Garantie finden Sie in den Garantiebedingungen. Als Zeitpunkt für den Beginn kann entweder die Auslieferung an den Händler oder die Auslieferung an Sie in Betracht kommen. Überprüfen Sie daher unbedingt den Wortlaut in den Garantiebedingungen!
    Es gilt der Garantie-Umfang des Landes, in dem das Fahrzeug gekauft wurde, wobei die Garantieleistungen zwar je nach Hersteller unterschiedlich, innerhalb der EU jedoch nahezu gleich sind.

    Laut EU-Recht sind alle Vertragswerkstätten eines Herstellers verpflichtet, Garantieleistungen auch an Fahrzeugen, die in einem anderen Land der EU gekauft wurden, zu erbringen. Setzen Sie sich notfalls im Garantiefall mit dem Hersteller in Verbindung und lassen sich eine Vertragswerkstatt in Ihrer Nähe benennen. Bei den neuen EU-Mitgliedstaaten empfiehlt es sich, vom Hersteller bzw. Importeur eine schriftliche Bestätigung zu fordern, dass die Garantie EU-weit gilt, weil es Übergangsfristen zur Umsetzung geben kann.

    Erfolgt der Kauf außerhalb der EU, müssen auch die Garantieansprüche im Ausland geltend gemacht werden.


  • Sachmängelhaftung
    Von der Herstellergarantie, die regelmäßig nur kostenlose Nachbesserung eines Mangels beinhaltet, ist die Sachmängelhaftung des ausländischen Händlers als Verkäufer zu unterscheiden. Sie richtet sich i.d.R. nach dem jeweiligen ausländischen Kaufrecht. Außerdem muss der Käufer seine Rechte im Ausland geltend machen, was angesichts der Entfernung, der fremden Sprache und des fremden Rechtssystems eine große Hürde sein kann.
    Freiwillige (Kulanz-) Leistungen werden für ein reimportiertes Fahrzeug nach Ablauf des vertraglich festgelegten Garantiezeitraums von den meisten Herstellern bisher abgelehnt.

Kontakt

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Die Clubjuristen beantworten Fragen von ADAC Mitgliedern per E-Mail oder telefonisch unter 0 89 76 76 24 23.




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