Bei wiederkehrenden Kopfschmerzattacken suchen Betroffene nach einer nachhaltigen Behandlung. Was hilft gegen Migräne und was hat es mit Methoden wie dem Migräne-Piercing auf sich? Wirksame Sofortmaßnahmen: Rückzug und Ruhe Schmerzmittel und Migräne-Medikamente lindern Symptome Entspannung, Bewegung und bestimmte Medikamente können vorbeugen Häufige Migräne-Attacken sind für Betroffene nicht nur schmerzhaft, sondern auch frustrierend. Neben Migräne-Medikamenten kursieren verschiedene Hausmittel, die Kopfschmerz und Übelkeit lindern sollen. Doch nicht alle Tipps gegen Migräne halten, was sie versprechen. Migräne: Was hilft sofort? Viele Betroffene spüren intuitiv, was sie brauchen, wenn ein Migräne-Anfall naht: Rückzug in einen ruhigen, abgedunkelten Raum. Ideal ist es, wenn Sie für ein kühles Raumklima sorgen und sich für eine Weile hinlegen können. Für viele sind Ruhe und Schlaf während eines akuten Anfalls unerlässlich. Vermeiden Sie grelles Licht und starke Gerüche wie Parfum und intensiv riechende Lebensmittel. Hilfe bei Migräne mit Kälte oder Wärme Manchen Migräne-Geplagten hilft es, einen feuchtkalten Waschlappen auf die Stirn zu legen. Alternativ sorgen auch ein Kühlpack – eingeschlagen in ein Küchenhandtuch – oder eine Gelmaske aus dem Eisfach für Linderung. Im Handel sind inzwischen spezielle Migräne-Masken erhältlich, die einer übergroßen Schlafmaske mit Kühleffekt ähneln. Wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit einer Migräne-Maske gibt es jedoch nicht. Andere Betroffene profitieren von Wärme – zum Beispiel in Form einer ausgiebigen Dusche, eines Entspannungsbads oder einer Wärmekompresse im Nacken. Die Wärme hilft dabei, kopfschmerzfördernde muskuläre Verspannungen (etwa im Schulter- und Nackenbereich) zu lösen. Hausmittel bei Migräne Daneben gibt es diverse weitere Hausmittel, die bei Migräne unter Umständen eine symptomlindernde Wirkung haben: Kreisende Massagen der Schläfen, eventuell unterstützt von äußerlich aufgetragenem Pfefferminzöl, sollen dem Kopfschmerz entgegenwirken Verschiedenen Sorten Tee gegen Migräne wird eine entzündungs- und übelkeitslindernde Wirkung zugesprochen, darunter Aufgüsse mit Ingwer, Weidenrinde oder Schlüsselblume Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke (in Maßen) können Migräne-Kopfschmerz im frühen Stadium abmildern oder die Wirkung von Migräne-Tabletten verstärken Migräne-Medikamente im Überblick Bei Migräne-Symptomen empfiehlt sich eine sorgfältige ärztliche Diagnostik und eine individuell angepasste und begleitende Therapie. Bei leichter bis mittelstark ausgeprägter Migräne können nach ärztlicher Rücksprache verschiedene Schmerzmittel aus der Gruppe der so genannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) helfen: Acetylsalicylsäure (ASS) Diclofenac Ibuprofen Metamizol Kombinationspräparate, etwa mit ASS, Paracetamol und Koffein In welcher Dosierung Sie Medikamente bei Migräne einnehmen sollten, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, insbesondere bei häufiger auftretenden Kopfschmerzattacken. Achten Sie darauf, die auf der Packungsbeilage angegebene Tageshöchstdosis nicht zu überschreiten. Wer im Rahmen von Migräne-Anfällen unter starker Übelkeit und Erbrechen leidet, kann die Einnahme von übelkeitslindernden Arzneimitteln – so genannten Antiemetika – mit den Wirkstoffen Domperidon oder Metoclopramid mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen. Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig und zum Teil auch als Kombinationspräparate mit einem Schmerzmittel erhältlich. Triptane bei Migräne Manchen Betroffenen mit mittelstarker und starker Migräne helfen Triptane. Das sind Migräne-Medikamente, die während eines Anfalls die erweiterten Gefäße im Gehirn verengen, entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. Triptane lassen sich in folgende Gruppen einteilen: Einige dieser Migräne-Tabletten und -Sprays sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, für andere benötigen Sie ein Rezept. In jedem Fall muss eine sicher diagnostizierte Migräne vorliegen. Besprechen Sie mit der Ärztin oder dem Arzt, welcher Wirkstoff und welche Darreichungsform für Ihre Migräne-Schmerzen am besten geeignet sind und welche möglichen Neben- und Wechselwirkungen es individuell zu beachten gibt. In manchen Fällen sind Kombinationen verschiedener Wirkstoffe hilfreich. Triptane eignen sich sowohl für Migräne mit als auch ohne Aura. Wichtig ist der Einnahmezeitpunkt: Nehmen Sie die Migräne-Mittel möglichst rasch ein, sobald die Schmerzen einsetzen – jedoch nicht vorbeugend. Zum Einnahmezeitpunkt sollten Sie Rücksprache halten. Vorbeugende Migräne-Mittel Wenn Sie unter starker, wiederkehrender Migräne leiden, die Sie in Ihrem Alltag einschränkt, werden gegebenenfalls vorbeugende Migräne-Medikamente verschrieben. Dazu eignen sich verschiedene Wirkstoffe, die auf das Herz-Kreislauf-System beziehungsweise die Blutgefäße wirken, zum Beispiel bestimmte Betablocker (wie Metoprolol und Propranolol) und Kalziumantagonisten (Flunarizin) sowie Medikamente aus der Epilepsie-Therapie (Topiramat und Valproinsäure). Seit 2018 wurden in Deutschland vier neu entwickelte Wirkstoffe zugelassen, die umgangssprachlich als "Migräne-Spritze" bekannt sind. Tatsächlich gespritzt werden nur Erenumab, Galcanezumab und Fremanezumab. Eptinezumab wird als Infusion verabreicht. Alle vier Wirkstoffe gehören zur Gruppe der monoklonalen Antikörper. Sie hemmen gezielt Botenstoffe, die während einer Migräneattacke eine Entzündungsreaktion an den Blutgefäßen der Hirnhäute auslösen. Monoklonale Antikörper können in schweren Fällen vorbeugend hilfreich sein, wenn andere Migräne-Mittel nicht ausreichend wirken. Sie werden, je nach Präparat, alle vier bis zwölf Wochen verabreicht. Hilft Piercing gegen Migräne? Im Internet und in sozialen Netzwerken kursiert seit einigen Jahren die Behauptung, ein bestimmtes Piercing könne gegen Migräne helfen – das so genannte Daith-Piercing. Die Idee: Das Piercing wird durch einen bestimmten Akupunkturpunkt im Ohrknorpel gestochen und wirkt wie eine "Dauer-Akupunktur" gegen die Attacken. Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft warnen vor diesem Migräne-Piercing. Bislang gibt es keine wissenschaftlichen Belege für seine Wirksamkeit, dafür aber eine hohe Wahrscheinlichkeit für schmerzhafte Entzündungen des Ohrknorpels. Auch die aktuellen medizinischen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) betonen, dass es keine Studien gibt, die auf einen therapeutischen Effekt des Daith-Piercings hinweisen. Migräne: Was kann man selbst tun? Folgende Tipps können die Therapie bei Migräne unterstützen: Achten Sie auf ausreichend erholsamen Schlaf. Regelmäßige Einschlaf- und Aufstehzeiten können dabei helfen. Trinken Sie genug. 1,5 Liter Wasser oder ungesüßter Tee pro Tag sind das Minimum, bei Hitze und körperlicher Betätigung steigt der Bedarf. Achten Sie auf eine ausgewogene, vielseitige und nährstoffreiche Ernährung sowie ein gesundes Körpergewicht. Wann immer möglich, vermeiden Sie Stress – sowohl beruflich als auch privat. Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.