Vibrionen in der Ostsee: Gefährliche Salzwasser-Bakterien

Touristen baden am Ostseestrand
Vibrionen vermehren sich u.a. in der Ostsee und können lebensgefährliche Symptome auslösen© Shutterstock/Olaf Simon

Vibrionen sind Bakterien, die sich im warmen Salzwasser vermehren und beim Menschen schwere Wundinfektionen auslösen können. Das sollten Urlauberinnen und Urlauber an Ost- und Nordsee beachten.

  • Vibrionen kommen in salzhaltigen Meer- und Binnengewässern vor

  • Sie können durch Wunden in den menschlichen Körper gelangen

  • Bei Verdacht auf eine Infektion sofort einen Arzt aufsuchen

Das Bakterium Vibrio vulnificus kommt in deutschen Meeren – insbesondere in der Ostsee – vor. Steigen die Temperaturen von salzhaltigem Meer- und Brackwasser in den Sommermonaten auf 20 Grad und mehr, herrschen ideale Bedingungen für eine Ausbreitung der stäbchenförmigen Bakterien. Für Badende können die Vibrionen gefährlich werden, wenn sie durch Hautverletzungen in den Körper gelangen.

Können Vibrionen gefährlich werden?

Vibrionen sind insbesondere in wärmerem Meerwasser mit niedrigerem Salzgehalt (ab 0,5 Prozent) zu finden. Seit einigen Jahren werden sie in den Sommermonaten regelmäßig entlang der Ostseeküste nachgewiesen. Aber auch wenn die Wassertemperaturen wieder unter 20 Grad sinken, kann die Bakteriendichte im betroffenen Gewässer noch über Wochen erhöht bleiben.

Infektionen mit Vibrionen sind zwar gefährlich, aber sehr selten. In den menschlichen Organismus gelangen sie über Verletzungen der Haut – ein blutig gekratzter Mückenstich kann dafür schon ausreichen. Geht man also mit einer Wunde baden, können die Bakterien eine Eintrittspforte finden und eine schwere oder im schlimmsten Fall sogar tödliche Wundinfektion auslösen.

Gefährliche Symptome durch Vibrionen

Vibrionen unter dem Mikroskop betrachtet
Bakterien aus dem Wasser: Vibrionen unter dem Mikroskop© mauritius images/Peter Graf

Breitet sich die Infektion aus, zählt für die Betroffenen jede Minute. Die Inkubationszeit beträgt etwa 12 bis 72 Stunden. Äußerlich macht sich die Infektion durch eine sich ausbreitende Rötung, mitunter auch Blasen bemerkbar. Vibrionen können Haut, Muskel und Gewebe zerstören und sehr rasch zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen.

Ein weiterer Ansteckungsweg, der in Deutschland allerdings keine Rolle spielt, ist der Verzehr von rohen oder nicht durchgegarten Meerestieren. In diesem Fall äußert sich die Vibrionen-Infektion vergleichbar mit einer Lebensmittelvergiftung mit Symptomen wie Magen-Darm-Beschwerden, Bauchkrämpfen und Fieber.

So kann eine Infektion behandelt werden

Da eine Infektion mit Vibrionen in Deutschland nach wie vor zur Seltenheit gehört, wird sie oftmals zu spät oder gar nicht als Ursache für eine Wundinfektion in Betracht gezogen. Wenn also nach dem Baden in der Ostsee eine zunehmende Rötung an der Haut auftritt, sollten Sie sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

"Berichten Sie von Ihrem Aufenthalt im Meerwasser", betont Prof. Dr. Emil Reisinger, Infektiologe und Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock sowie Mitglied im ADAC Ärztekollegium. "Vibrionen können über einen Hautabstrich nachgewiesen werden, bei Verdacht auf eine Infektion wird unmittelbar mit einer Antibiotikatherapie begonnen." Sind bereits tiefere Hautschichten betroffen, können chirurgische Eingriffe notwendig sein.

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Wie kann ich vorbeugen?

Menschen aller Altersgruppen können sich mit Vibrionen infizieren. Insbesondere Immungeschwächte oder Ältere sollten nicht mit offenen oder schlecht verheilenden Wunden baden. Wer an Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Krebs leidet, muss beim Kontakt von Hautverletzungen mit Wasser aus der Ostsee besonders vorsichtig sein. "Wer etwas zur Vorbeugung tun möchte, kann eine kranke Hautstelle mit einem wasserdichten Pflaster abdecken", erklärt Prof. Dr. Reisinger. "Ein umfassender Schutz vor Vibrionen ist dadurch allerdings nicht gegeben."

Meldepflicht für Vibrionen-Infektion

Seit rund 30 Jahren ist bekannt, dass sich Vibrionen in der Ostsee verbreiten. Infektionen sind seit März 2020 in Deutschland meldepflichtig nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Die Labore geben den Nachweis von akuten Fällen an die Behörden weiter, die so einen Überblick über die aktuellen Zahlen behalten. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass sich Krankheitsereignisse durch Vibrionen in den kommenden Jahren aufgrund des Klimawandels häufen werden.

Wer sich über den aktuellen Stand der Vibrionen-Konzentration an den Badestränden von Ost- und Nordsee informieren will, findet hier entsprechende Kartenansichten:
https://badewasser-mv.de/
https://geoportal.ecdc.europa.eu/vibriomapviewer/

Fachliche Beratung: Prof. Dr. Emil Reisinger, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock, Internist, Infektiologe, Tropen- und Labormediziner sowie Mitglied des ADAC Ärztekollegiums.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.