Borreliose: Symptome, Behandlung und Spätfolgen

Borreliose wird durch Zecken übertragen. Nur in seltenen Fällen kommt es bei Infizierten zu Symptomen, die dann allerdings behandelt werden müssen.
Als Frühsymptom zeigt sich meist eine Wanderröte
Gute Heilungschancen bei frühzeitiger Behandlung
Vorsorglich Zecke möglichst schnell aus der Haut entfernen
Was ist Borreliose?
Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die durch verschiedene Bakterien der Gruppe Borrelia burgdorferi sensu lato hervorgerufen wird. Sie werden durch den Stich infizierter Zecken auf den Menschen übertragen, in Deutschland meist durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus). Die Zecken nehmen die Borrelien durch das Blut von Mäusen, Vögeln oder anderen Tieren auf, die mit den Bakterien befallen sind. In sehr seltenen Fällen können Menschen auch durch Mücken, Bremsen oder andere blutsaugende Insekten mit Borreliose infiziert werden.
Europaweit ist Borreliose die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung. In Deutschland kommt es Schätzungen zufolge jährlich zu 60.000 bis über 200.000 Infektionsfällen. Nur etwa 1 Prozent der betroffenen Personen entwickelt nach der Infektion auch Symptome.
Was sind Symptome der Borreliose?
Das markanteste Frühsymptom der Borreliose ist die Wanderröte (Erythema migrans). Typisch ist eine randbetonte Hautrötung, die sich meist ringförmig um den Zeckenstich ausbreitet, jedoch auch an anderen Körperstellen auftauchen kann. Sie tritt bei 89 Prozent der Erkrankten auf und zeigt sich im Mittel nach sieben bis zehn Tagen. Wer einen Zeckenstich hat, sollte für sechs Wochen auf Hautsymptome achten, da die Wanderröte in manchen Fällen erst nach 30 Tagen sichtbar wird.
Borreliose-Symptome im Frühstadium
Fachleute unterscheiden drei Stadien der Borreliose, wobei Stadium 1 und 2 als Frühstadium bezeichnet werden, Stadium 3 als Spätstadium. In jedem Stadium treten typische Symptome auf.
Symptome im 1. Stadium (Tage bis Wochen nach der Infektion)
Wanderröte (Erythema migrans)
Grippeähnliche Beschwerden (z. B. Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit)
Gelenkschmerzen
Verfärbte Hautschwellung, z. B. an Ohrläppchen, Brustwarze (Borrelien-Lymphozytom), vor allem bei Kindern
Symptome im 2. Stadium (Wochen bis Monate nach der Infektion)
Multiple Erythemata migrantia (ovale Rötungen, bei Kindern auf den Wangen)
Frühe Neuro-Borreliose: Hirnhautentzündung (lymphozytäre Meningitis) oder Entzündung der Hirnhaut und der Rückenmarksnerven (Meningo-Radikulitis), Hirnnervenlähmung, oft mit ein- oder beidseitiger Gesichtsnervenlähmung
Entzündung des Herzens (Lyme-Karditis)
Gelenksentzündung (Lyme-Arthritis)
Borreliose-Symptome im Spätstadium
Erst Monate bis Jahre nach der Infektion treten die Spätsymptome einer Borreliose in Erscheinung:
Acrodermatitis chronica atrophicans: Schwellung und später Verdünnung der Haut, Haarverlust, Verfärbung, teilweise Schmerzen
Späte Neuro-Borreliose: Entzündung von Gehirn und Rückenmark, Lähmungen, Missempfindungen (Kribbeln, Taubheit, Schmerzen) an Armen und Beinen
Chronische Lyme-Arthritis
Borreliose ohne Symptome
Die Borreliose muss nicht bei jedem Menschen alle Stadien durchlaufen und manchmal können spätere Symptome wie die Gelenkentzündung auch schon zu Beginn auftreten. Außerdem gibt es auch Krankheitsverläufe ohne Symptome.
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Ist Borreliose gefährlich?
Eine Borreliose-Erkrankung kann gefährlich werden, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und nicht mit Antibiotika behandelt wird. Dann kommt es häufig zu Symptomen des zweiten Stadiums, die das Gehirn und die Nerven, das Herz oder die Gelenke betreffen. Spätfolgen sind beispielsweise wiederkehrende Entzündungen der Gelenke oder der Haut sowie Herzprobleme (Rhythmusstörungen). Liegt eine chronische Form der Neuro-Borreliose vor, können Lähmungen, Schmerzen, Gang- oder Blasenstörungen auftreten.
Wie wird Borreliose behandelt?
Um eine symptomatische Borreliose-Infektion muss mit Antibiotika behandelt werden. Je nach Ausmaß und betroffenen Organen erfolgt dies in Tablettenform (bei Hautsymptomen) oder als Infusion (wenn Gehirn oder Nerven betroffen sind oder eine chronische Form vorliegt). In der Regel erhält man das Antibiotikum über zwei Wochen, manchmal auch etwas länger. Das Ziel der Therapie ist, dass die Infektion abheilt und es nicht zu Spätfolgen kommt.
Manchmal klingen die Beschwerden der Borreliose von allein ab. Allerdings erhöht sich ohne Antibiotika-Therapie das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit Komplikationen und Spätfolgen.
Ist Borreliose heilbar?
Ja, eine Borreliose ist mit Antibiotika heilbar. Besonders hoch ist die Heilungsrate im Frühstadium. Aber selbst, wenn die Krankheitserreger Gehirn oder Nerven angegriffen haben, ist die Aussicht auf Heilung noch gut.
Die Borreliose selbst ist keine tödliche Erkrankung. Da sie jedoch wichtige Organe wie das Gehirn oder das Herz schädigen kann, besteht bei einer späten Behandlung die Gefahr von bleibenden Schäden oder Folgeerkrankungen wie zum Beispiel Herzproblemen. Das Risiko dafür ist jedoch sehr gering.
Gut zu wissen: Wie hoch ist das Borreliose-Risiko?
Wer nach einem Zeckenstich verunsichert ist, sollte sich diese Zahlen vor Augen halten:
Von 100 Menschen, die von einer Zecke gestochen werden, haben fünf dadurch Kontakt mit Borrelien, und der Körper bildet Antikörper.
Von diesen fünf Personen kommt es nur bei einer einzigen zu Symptomen.
Bei etwa 90 Prozent ist das Symptom, das sich in diesem Fall zeigt, die Wanderröte (Erythema migrans).
Bei 95 von 100 gestochenen Menschen bleibt der Zeckenkontakt ohne gesundheitliche Folgen.
Wie lange dauert eine Infektion?
Wird die Borreliose mit Antibiotika behandelt, ist sie in der Regel nach etwa zwei bis drei Wochen überstanden. Manchmal ist eine Behandlung über mehrere Wochen notwendig, zum Beispiel wenn das erste Antibiotikum nicht richtig anschlägt.
Ist Borreliose und Lyme-Borreliose dasselbe?
Ja, Borreliose wird im englischsprachigen Raum als Lyme-Disease bezeichnet – zu Deutsch Lymekrankheit oder Lyme-Borreliose. Die Bezeichnung stammt von der Stadt Lyme im US-amerikanischen Bundesstaat Connecticut. Hier wurden Mitte der 1970er-Jahre gehäuft Fälle von Kindern und Erwachsenen bekannt, die ungewöhnliche Gelenkentzündungen zeigten. Kurze Zeit später wurde die Erkrankung mit dem Stich einer bestimmten Zeckenart in Verbindung gebracht. 1982 wurde die Gruppe der Krankheitserreger Borrelia burgdorferi entdeckt und das Krankheitsbild der Lyme-Disease beschrieben.
Wie schützt man sich gegen Borreliose?
Eine einfache Methode, das Infektionsrisiko nach einem Zeckenstich zu verringern, ist, die Zecke so früh wie möglich zu entfernen. Eine infizierte Zecke benötigt mehrere Stunden, um die Bakterien auf den Menschen zu übertragen. Je früher die Zecke entfernt wird, umso geringer die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Infektion kommt. Wie Sie eine Zecke richtig entfernen und sich vor den Blutsaugern schützen können, finden Sie in diesem Beitrag: So schützen Sie sich vor einem Zeckenstich.
Gibt es eine Borreliose-Impfung?
Gegen Borreliose gibt es bislang noch keine Impfung, das könnte sich bald jedoch ändern. Aktuell gibt es vielversprechende Studien zu einer Impfstoffentwicklung gegen Borreliose. Eine Zulassung für diesen Impfstoff wird jedoch frühestens 2026 erwartet. Auch eine bereits überstandene Borreliose-Infektion baut keine Immunität auf, man kann also immer wieder daran erkranken. Die häufig als Zeckenimpfung bezeichnete Immunisierung gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis schützt lediglich vor FSME.
Wann sollte man zum Arzt?
Ein Arztbesuch ist nach einem Zeckenstich immer sinnvoll, wenn Sie die Zecke nicht vollständig entfernen konnten, insbesondere wenn sich die Einstichstelle entzündet. Auch nach der Entfernung der Zecke ist es wichtig, weiterhin auf Symptome zu achten.
Treten innerhalb von sechs Wochen Hautreaktionen auf, wie zum Beispiel die Wanderröte, oder kommt es zu grippalen Beschwerden oder anderen Krankheitszeichen, ist ebenfalls ein Besuch in der ärztlichen Praxis notwendig. Wird die Borreliose frühzeitig festgestellt und entsprechend behandelt, sind die Heilungschancen gut.
Untersuchungen bei Borreliose
Borreliose bleibt immer nur eine Verdachtsdiagnose, wenn sie lediglich anhand der Symptome diagnostiziert wird. Ärztinnen und Ärzte führen deshalb bei Anzeichen auf die Erkrankung Bluttests und manchmal Untersuchungen der Rückenmarksflüssigkeit auf bestimmte Antikörper und entzündliche Reaktionen durch. In Einzelfällen gibt es die Möglichkeit, die Borrelien-Erreger direkt nachzuweisen. Laboruntersuchungen sind allerdings erst nach einem bestimmten Zeitraum und nur in Kombination mit entsprechenden Symptomen aussagekräftig.
Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): Neuroborreliose, Stand 2024, unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-071l_S3_Neuroborreliose_2024-05.pdf (Abruf: 12.08.2025)
Deximed: Lyme-Borreliose, Stand 05/2025, unter: https://deximed.de/home/klinische-themen/infektionen/krankheiten/bakterielle-infektionen/lyme-borreliose (Abruf: 12.08.2025)
Herold, G. et al.: Innere Medizin. Selbstverlag 2024
Robert Koch-Institut (RKI): Lyme-Borreliose, Stand 04/2025, unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_LymeBorreliose.html (Abruf: 12.08.2025)
Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): Kutane Lyme Borreliose, Stand 02/2023, unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-044l_S2k_Kutane_Lyme_Borreliose_2024-06.pdf (Abruf: 12.08.2025)
Gesundheitsinformation.de: Borreliose, Stand 04/2025, unter: https://www.gesundheitsinformation.de/borreliose.html (Abruf: 12.08.2025)
ÄrzteZeitung.de: Die neun häufigsten Irrtümer zur Lyme-Borreliose, Stand 01/2013, unter: https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Die-neun-haeufigsten-Irrtuemer-zur-Lyme-Borreliose-270082.html (Abruf: 12.08.2025)
Wilking, H. et al. Bakterielle Zoonosen mit Bedeutung für den öffentlichen Gesundheitsschutz in Deutschland – Vorkommen, Verbreitung und Übertragungswege. Bundesgesundheitsbl. 2023;66:617–627