Handy am Steuer - Was ist erlaubt? Was nicht?

Mann nutzt Handy während der Autofahrt
Das Benutzen eines Handys am Steuer kann teuer werden ∙ © iStock.com/Drazen_

Es ist verboten, es ist lebensgefährlich – und es ist alltäglich: Telefonieren mit dem Handy am Ohr während der Fahrt. Seit 2017 geht der Gesetzgeber noch härter gegen Verstöße vor. Die Gesetzesänderung beinhaltet aber nicht nur höhere Geldbußen. Das Verbot wurde deutlich ausgeweitet. Alle Details.

  • Handysündern drohen auch im Ausland erhebliche Strafen

  • Auch ein fest eingebauter Touchdisplay fällt unter das Handyverbot

  • Rechtsprechungsübersicht rund um das Thema Handyverstoß

Seit der Änderung der StVO 2017 ist es noch deutlicher: Nicht nur das Telefonieren mit dem Handy am Ohr ist verboten. Sämtliche andere Funktionen von Mobil- oder Autotelefonen darf man als Fahrer nicht verwenden. Also z.B. keine Textnachrichten schreiben oder lesen, Anrufe ablehnen oder einfach nur auf dem Display nach der Uhrzeit schauen.

Das gilt seitdem für alle elektronischen Geräte, die der Kommunikation, Information oder Organisation dienen. Damit sind in erster Linie Tablets, E-Books, Navigationsgeräte, Diktiergeräte oder iPods gemeint. 

Smartphone, Tablet & Co. dürfen Sie nur während der Fahrt benutzen, wenn Sie sie nicht in der Hand halten, sondern diese sich in einer Halterung befinden. 
Aber auch dann ist Vorsicht geboten: Sie dürfen nur kurz auf das Gerät hin- und vom Verkehrsgeschehen wegsehen und auch nur, soweit es die Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnisse erlauben.

Wenn Ihr Kraftfahrzeug steht und Sie den Motor vollständig ausgeschaltet haben, dann dürfen Sie aber Mobiltelefone & Co. in die Hand nehmen und benutzen.

Übrigens gilt das Verbot auch für Fahrradfahrer.

Bußgelder bei Verstoß gegen das Handyverbot

Welche elektronischen Geräte umfasst das Verbot?

Sämtliche Smartphones, aber auch alle anderen Handys, Autotelefone, Tablet-Computer, Touchscreens, elektronische Terminplaner, E-Book-Reader, MP3-Player, Personal Computer, DVD- und Blue-Ray-Player, Smartwatches, Notebooks, Laptops, Diktiergeräte, Navigationsgeräte, Fernseher, iPods und Abspielgeräte mit Videofunktion und Videobrillen (Virtual-Reality-Brille oder Google-Glass-Brille). Die Aufzählung der Geräte im Gesetz ist aber nicht abschließend und soll nur verdeutlichen, was unter elektronischen Geräten, die der Kommunikation, Information und Organisation dienen, zu verstehen ist.

Darf man die elektronische Einparkhilfe oder den Rangierassistenten weiter nutzen, wenn dafür doch eine längere Blickzuwendung notwendig ist?

Ja, sofern dies mit Schrittgeschwindigkeit erfolgt. In diesen Fällen darf ein Bildschirm oder Head-up-Display auch länger beobachtet werden.

Darf man eine SMS lesen oder im Internet recherchieren?

Nein. Da dies mit einer „kurzen“ Blickzuwendung nicht möglich ist, ist das Lesen von Kurznachrichten oder die Nutzung anderer Multimediaangebote (z.B. Internet, Fernsehen) verboten.

Wie lang ist eine „kurze“ Blickzuwendung?

Hierzu macht der Gesetzgeber keine Angaben. Deshalb müssen langfristig Gerichte dies für den Einzelfall bestimmen.

Was gilt, wenn der Motor abgeschaltet ist?

Dann darf man elektronische Geräte ohne Einschränkung verwenden und dafür aufnehmen. 
Das gilt aber nicht, wenn der Motor nur über die Start-Stopp-Funktion ausgeschaltet ist.

Rechtsprechungsübersicht zum Handyverbot

  • Funktioniert das Handy noch?
    Auch wenn man nur eine Funktionstaste betätigt, um zu prüfen, ob das Handy nach dem Herunterfallen noch funktioniert, ist das eine Benutzung im Sinne des Paragrafen 23 Abs. 1a StVO (KG Berlin vom 14.5.2019).

  • Handy kühlen
    Wer ein heiß gelaufenes Handy vor die Kühlung im Pkw hält, verstößt gegen das Verbot, auch wenn er über eine Freisprechanlage telefoniert, vor allem weil er nicht beide Hände für das Fahren frei hat (KG Berlin vom 13.2.2019)

  • Laptop auf dem Schoß
    Wer an einer Ampel ein Laptop auf den Schoß stellt und dann beim Losfahren noch „kurz weitertippt“ missachtet das Verbot, weil das mehr als eine kurze Blickabwendung vom Verkehrsgeschehen ist (OLG Köln vom 14.2.2019).

  • Handy auf dem Armaturenbrett und Videotelefon
    Auch wenn man das Handy auf das Armaturenbrett stellt und die Videotelefonier-Funktion nutzt, ist das verboten, weil man hierzu länger als kurz wegsieht vom Verkehrsgeschehen (AG Magdeburg vom 20.8.2018).

  • Bloßes In-die-Hand-nehmen ist nicht verboten
    Mittlerweile sind sich die Oberlandesgerichte auch einig, dass es noch nicht verboten ist, das Handy in die Hand zu nehmen, solange man es nicht irgendwie auch noch benutzt (OLG Oldenburg vom 17.4.2019). Also ist es nicht verboten, das Handy zu verlegen, z.B. um etwas wegzuräumen.

Handyverstoß im Ausland

Alle Länder Europas sind sich einig, dass das Telefonieren während der Fahrt ein erhebliches Unfallrisiko darstellt. Uneinigkeit herrscht aber bei der Bestrafung von Handysündern und der Höhe der Geldbußen. Die ADAC Juristen haben daher eine Übersicht zusammengestellt, welche Bußgelder in den europäischen Urlaubsländern gelten.

Stephan Miller
Fach-Autor
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Kristina Benecke
Fach-Autorin
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Bernd Gstatter
Fach-Autor
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