Fahrzeugkauf und Verkauf

Reimport und Co.

Fahrzeugkauf und Verkehrsrecht im Ausland

Ein Fahrzeug im EU-Ausland oder als Reimport günstiger kaufen, als in Deutschland – das klingt sehr verlockend. Sie sollten aber wissen, dass man in anderen Ländern auch auf andere Regelungen und Bestimmungen trifft. Das hat Auswirkungen auf den Fahrzeugkauf und die Rechte, die Sie geltend machen können. Wir haben für Sie die wichtigsten Informationen zusammengestellt, die Ihnen bei der Entscheidung helfen können.

Beachten Sie, dass beim Kauf in einem Nicht-EU-Staat sämtliche Ansprüche nach dem dort geltenden Recht behandelt werden!

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Kauf innerhalb der EU

Im Internet und in Zeitungsanzeigen wird oft mit "preisgünstigen EU-Neuwagen" geworben. Bevor Sie sich für ein solches Schnäppchen entscheiden, sollten Sie folgende allgemeine Hintergründe und Informationen zum Preisgefälle innerhalb der EU kennen.  

Achtung: die nachfolgenden Hinweise gelten nur für den Import aus EU-Staaten!

Wie kommt es zu den günstigeren Preisen im EU-Ausland?

Die günstigeren Preise sind darauf zurückzuführen, dass die Nettopreise (also ohne alle Abgaben) der Fahrzeuge oftmals im Ausland deutlich niedriger als in Deutschland sind. Verlässt der noch nicht zugelassene Neuwagen dieses Land (Export), dann fallen alle nationalen Abgaben nicht an, so dass nur der Nettopreis übrig bleibt.  Bei der Anmeldung in Deutschland wird dann die 19 %ige MwSt. erhoben.  Es lohnt sich also, die Mehrwertsteuersätze der einzelnen Länder zu vergleichen!

Welche Kaufländer sind günstig?

Generell günstige Kaufländer für Pkw sind Dänemark, die Niederlande, Griechenland, Spanien, Portugal, Finnland, gelegentlich auch Belgien oder Frankreich.

Wie kann man die Preisunterschiede sinnvoll nutzen?

Wer diese Preisunterschiede, die in Einzelfällen bis zu 30 % und (in Ausnahmefällen) auch mehr betragen können, ausnützen will, hat die Möglichkeit des Erwerbs bei einem ausländischen Händler mit Eigenimport oder bei einem freien Importeur in Deutschland (sog. Parallel- oder Grauimporteur).
 
Wenn Sie den Kauf eines Neufahrzeugs bei einem ausländischen Händler planen, sollten Sie beim Preisvergleich eventuelle Unterschiede in der Grundausstattung beachten. Die Typenbezeichnung des Fahrzeuges bedeutet nicht unbedingt, dass alle Ausstattungsdetails gleich sind. Können Sie das Fahrzeug nicht selbst besichtigen, sollten Prospekte und Preislisten der Importeure mit denen deutscher Vertragshändler verglichen werden!
 
Das "Basis"-Auto jedenfalls entspricht europaeinheitlichen Normen. Befürchtungen, eine wesentlich andere oder "minderwertigere" Technik zu bekommen, sind nicht angebracht.
 
Bei hochpreisigen Fahrzeugen sollten Sie sich darüber informieren, ob das Fahrzeug ab Werk mit einer elektronischen Wegfahrsperre ausgestattet ist. Die Nachrüstung ist nur mit einfacheren Systemen möglich und verursacht zusätzliche Kosten. Informieren Sie sich bei Ihrem Kfz-Versicherer, welche Systeme von ihm anerkannt werden.

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Kauf beim ausländischen Händler

Sie wollen ins Ausland fahren und dort ein Fahrzeug direkt bei einem Händler kaufen? Lesen Sie hier rechtliche Informationen zum Eigenimport und wie Sie Ihren Wagen überführen und in Deutschland zulassen.

Händleradressen im Ausland

Um zu klären, wo was wie teuer zu bekommen ist, muss man zwangsläufig mit den Händlern im Ausland Kontakt aufnehmen. Über die einheimischen Vertragshändler sind, aus naheliegenden Gründen, Adressen ausländischer Fabrikatvertretungen kaum zu bekommen. Eine Möglichkeit: Hören Sie sich Bekanntenkreis um, wer das "passende" Fabrikat fährt und evtl. ein aktuelles Servicestellen- oder Händlerverzeichnis im Handschuhfach hat.

Auch über das Internet lassen sich die Vertragshändler der jeweiligen Hersteller ausfindig machen (v. a. über die einzelnen Herstellerseiten des jeweiligen Landes, z. B. www."Hersteller".dk für Dänemark).

Wichtiges zum Kaufvertrag

Halten Sie im Kaufvertrag Preis, Ausstattung und Übergabetermin schriftlich fest. Wichtig ist, dass darin auch der Begriff "Neufahrzeug" erwähnt wird. Dem Vertrag liegt in der Regel das im Kaufland geltende Recht zugrunde. Lassen Sie sich ggf. fremdsprachige Abschnitte des Vertrages im Vorfeld vom Händler übersetzen oder nehmen Sie jemanden mit, der sprachkundig ist.

Übergabe des Fahrzeugs

Lassen Sie sich die im Kaufland üblichen Fahrzeugpapiere und die Kaufrechnung unbedingt im Original geben, da die hiesigen Zulassungsstellen keine Kopien akzeptieren dürfen! Bestehen Sie auf Aushändigung der EU-weit gültigen Typgenehmigung COC (Certificate of Conformity).

Überführung nach Deutschland

Für die Überführung aus dem Kaufland nach Deutschland ist generell das Ausfuhr- oder Überführungskennzeichen des Kauflandes geeignet. Dieses ist jedoch nur in einigen interessanten Kaufländern (z.B. Dänemark, Niederlande) ohne weiteres und mit der entsprechenden Versicherung zu bekommen. Am besten fragen Sie den Händler, ob er Ihnen bei der Beschaffung der entsprechenden Kennzeichen behilflich sein kann.

Problemlos ist der Transport auf dem Anhänger, weil dazu keine Zulassung des Fahrzeuges notwendig ist.

Deutsche Kurzzeitkennzeichen sind nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht für die Benutzung im Ausland und somit auch nicht für die Überführung eines Fahrzeuges aus dem Ausland nach Deutschland vorgesehen.

Zulassungsverfahren

Bei Ihrer Zulassungsstelle müssen Sie regelmäßig folgende Papiere vorlegen:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • elektronische Versicherungsbestätigung des Kfz-Haftpflichtversicherers Ihrer Wahl
  • Originalkaufrechnung oder Kaufvertrag
  • ausländische Fahrzeugpapiere
  • COC (EU-Typengenehmigung)
  • SEPA-Lastschriftmandat zum Einzug der Kfz-Steuer
  • Mitteilung für Umsatzsteuerzwecke (Vordruck üblicherweise bei der Zulassungsstelle direkt erhältlich)

 
Die Neufahrzeuge, für die es noch keine COC gibt, müssen nach wie vor zur Einzelabnahme nach § 21 StVZO bei der technischen Prüfstelle, z.B. TÜV oder DEKRA, vorgeführt werden. Je nach Übereinstimmung der technischen Daten werden dafür zwischen 50 bis 150 EUR gefordert. Die fertige deutsche Zulassungsbescheinigung Teil 1 und Teil 2 erhalten Sie schließlich von der Zulassungsstelle ausgehändigt.

Umsatzsteuer

Wenn Sie ein Neufahrzeug gekauft haben, müssen Sie innerhalb von 10 Tagen nach dem Kauf mit der Originalrechnung zu dem für Sie zuständigen Finanzamt gehen und dort die 19 %ige deutsche Mehrwertsteuer bezahlen. Dazu wird Ihnen das Formular "Umsatzsteuererklärung für die Fahrzeug-Einzelbesteuerung" vorgelegt. Die Umsatzsteuer wird aus dem Nettokaufpreis errechnet.

Nach der steuerrechtlichen Definition gilt ein Landfahrzeug als neu, wenn es nicht mehr als 6.000 km zurückgelegt hat oder wenn seine erste Inbetriebnahme im Zeitpunkt des Erwerbs nicht mehr als 6 Monate zurückliegt.

Garantien

Achten Sie darauf, dass die Garantieunterlagen (Serviceheft und evtl. Garantiekarte) vom ausländischen Vertragshändler abgestempelt sind, mit Fahrgestellnummer des Fahrzeugs versehen wurden und das Übergabedatum eingetragen ist. Genaue Angaben zur Laufzeit und zum Beginn der Garantie finden Sie in den Garantiebedingungen. Als Zeitpunkt für den Beginn kann entweder die Auslieferung an den Händler oder die Auslieferung an den Kunden in Betracht kommen. Überprüfen Sie daher unbedingt den Wortlaut in den Garantiebedingungen!

Es gilt der Garantie-Umfang des Landes, in dem das Fahrzeug gekauft wurde, wobei die Garantieleistungen zwar je nach Hersteller unterschiedlich, innerhalb der EU jedoch nahezu gleich sind.

Laut EU-Recht sind alle Vertragswerkstätten eines Herstellers verpflichtet, Garantieleistungen auch an Fahrzeugen, die in einem anderen Land der EU gekauft wurden, zu erbringen. Setzen Sie sich notfalls im Garantiefall mit dem Hersteller in Verbindung und lassen sich eine Vertragswerkstatt in Ihrer Nähe benennen. Bei den neuen EU-Mitgliedstaaten empfiehlt es sich, vom Hersteller bzw. Importeur eine schriftliche Bestätigung zu fordern, dass die Garantie EU-weit gilt, weil es Übergangsfristen zur Umsetzung geben kann.

Erfolgt der Kauf außerhalb der EU, müssen auch die Garantieansprüche im Ausland geltend gemacht werden.

Sachmängelhaftung

Von der Herstellergarantie, welche regelmäßig nur die kostenlose Nachbesserung eines Mangels beinhaltet, ist die Sachmängelhaftung des ausländischen Händlers als Verkäufer zu unterscheiden. Sie richtet sich i.d.R. nach dem jeweiligen ausländischen Kaufrecht. 

Zwar ist das EU-Recht aufgrund der Verbrauchsgüterkaufrichtlinie zumindest für den Fall, dass ein Verbraucher ein Fahrzeug von einem Unternehmer grenzüberschreitend innerhalb der EU kauft, weitgehend vereinheitlicht worden. Dennoch kann es auch bei einem Vergleich des Rechts zweier Mitgliedsstaaten zu relevanten Unterschieden kommen.

Außerdem muss der Käufer seine Rechte im Ausland geltend machen, was angesichts der Entfernung, der fremden Sprache und des fremden Rechtssystems eine große Hürde sein kann. 
Freiwillige (Kulanz-) Leistungen werden für ein reimportiertes Fahrzeug nach Ablauf des vertraglich festgelegten Garantiezeitraums von den meisten Herstellern bisher abgelehnt.

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Erwerb eines reimportierten Neufahrzeugs

Möchten Sie nicht selber ins Ausland fahren und den Wagen dort kaufen, sondern ein reimportiertes Fahrzeug bei einem Händler in Deutschland kaufen? Dann finden Sie hier grundlegende Informationen für den Erwerb bei einem Reimport-Händler.  

Wenn Sie besondere Fragen zu diesem Thema haben, wenden Sie sich gerne an unsere ADAC Juristen.

Händleradressen

Im Internet, in Tageszeitungen und Automagazinen bieten regelmäßig "EU-Importeure" Neuwagen an. Die Anzahl dieser Firmen ist mittlerweile so groß, dass eine Zusammenstellung von Adressen und Überprüfung der Seriosität nicht möglich ist. Die Risiken lassen sich aber begrenzen, wenn man die nachfolgenden Hinweise beachtet.

Händler oder Vermittler?

Achten Sie bei der Auswahl des Händlers darauf, ob dieser als Vermittler oder Verkäufer im eigenen Namen auftritt.

Vermittelt der deutsche Händler den Verkauf eines reimportierten Neufahrzeugs, wird der Kaufvertrag mit dem ausländischen Vertragshändler abgeschlossen, an den der Hersteller geliefert hatte. Der Kaufvertrag kommt dann nach ausländischem Recht zu Stande. Hier finden Sie Näheres zur Garantie-/Sachmängelhaftungsansprüchen.

Verkauft der deutsche Händler den reimportierten Wagen im eigenen Namen, hat dies für Sie als Käufer den Vorteil, dass das deutsche Kaufrecht gilt. Sie können bei Mängeln an dem Fahrzeug Ihre Ansprüche nach deutschem Recht geltend machen. Hier finden Sie mehr Informationen zur Sachmängelhaftung beim Neuwagenkauf.

Vermittlungsvertrag

  • Halten Sie Preis, Liefertermin sowie Ausstattungsdetails unbedingt schriftlich fest!
  • Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass Überführungs- und Bereitstellungskosten im Kaufpreis enthalten sind und für das Fahrzeug eine EG-Typengenehmigung (COC) vorliegt. Vereinbaren Sie im Vertrag auch, dass erst mit Übergabe des Wagens der gesamte Kaufpreis zu zahlen ist. Die Forderung einer Anzahlung ist beim Neuwagenkauf unüblich und gilt mittlerweile auch beim EU-Import wegen der vielen "schwarzen Schafe", die nur auf die Anzahlung aus sind, als ausgesprochen risikoreich.
  • Halten Sie vertraglich fest, wann das Fahrzeug importiert wurde und dass es noch nicht zugelassen war. Wird der Wagen als "Lagerfahrzeug" angeboten, liegt die Produktion möglicherweise bereits mehrere Jahre zurück. Es handelt sich dann nach deutschem Recht nicht mehr um einen Neuwagen.

 
In der Regel müssen Sie mehrere Dokumente beim Vermittler unterschreiben:

  • Auftrag zum Kauf des EU-Fahrzeugs
  • Vollmacht
  • evtl. Widerrufsbelehrung bei Fernabsatzverträgen
     

Fahrzeugübergabe durch den Vermittler

Bei der Übergabe des Fahrzeuges ist die deutsche Zulassungsbescheinigung Teil 1 und Teil 2 vom Verkäufer auszuhändigen. Wird das Fahrzeug ohne Zulassung übernommen, müssen die ausländische Originalrechnung und die ausländischen Kfz-Dokumente übergeben werden, um später die deutsche Zulassung vornehmen zu können. Eine gründliche Durchsicht des Fahrzeuges bei der Übergabe ist sinnvoll. Informationen zum „Zulassungsverfahren“ finden Sie im oberen Bereich unter "Kauf beim ausländischen Händler".

Besonders wichtig ist, dass Ihnen die Garantieunterlagen (Serviceheft und evtl. Garantiekarte) mit dem Stempel des ausländischen Vertragshändlers (mit dortigem Auslieferungs-Datum) und Eintragung der Fahrgestellnummer übergeben werden.

Garantie

Für die Herstellergarantie gilt das gleiche wie beim Eigenimport: Stammt das Fahrzeug aus einem EU-Land, sind alle Vertragswerkstätten zu Garantieleistungen verpflichtet, wenn der Kunde im Besitz einer Garantieurkunde und eines Serviceheftes mit den oben erwähnten Vermerken des ausländischen Vertragshändlers ist.

Die Garantiedauer ist bei den einzelnen Herstellern unterschiedlich, beträgt aber regelmäßig 2 bis 3 Jahre. Wichtig ist, dass bereits häufig zu dem Zeitpunkt, an dem der Wagen von dem ausländischen Vertragshändler erstmals zugelassen oder an den Importeur übergeben wird, die Garantie beginnt - also nicht erst mit der Übergabe an den Käufer in Deutschland! Nach Ablauf der Garantiefrist werden bei Reimporten meistens keine freiwilligen Kulanzleistungen des Herstellers gewährt.

Stammt das Fahrzeug aus einem Nicht-EU-Land, müssen auch die Garantieansprüche im Ausland geltend gemacht werden.

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EU: Mehrwert- und Zulassungssteuern

Die folgende Tabelle zeigt die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze in den einzelnen Ländern der EU und darüber hinaus welche Steuern bei der Zulassung dort anfallen. Die Mehrwertsteuer und die Zulassungssteuer müssen Sie im Kaufland bei Erwerb eines Neufahrzeuges nicht zahlen, wenn dieses in Deutschland zugelassen wird.

Land MwSt. Zulassungssteuer
Belgien 21 % Zulassungssteuer nach Hubraum und Alter
Bulgarien 20 %
Dänemark 25 % Zulassungssteuer 105 % bzw. 180 %
Estland 20 %
Finnland 24 % Zulassungssteuer abhängig von Preis und CO2
Frankreich 20 % Zulassungssteuer nach CO2
Griechenland 24 % Zulassungssteuer nach Hubraum und Abgasemission
Großbritannien 20 %
Irland 23 % Zulassungssteuer nach CO2
Italien 22 % Zulassungssteuer nach kW, Gewicht, Sitzanzahl
Kroatien 25 % Zulassungssteuer abhängig von Preis und CO2
Lettland 21 % Zulassungssteuer abhängig von CO2
Litauen 21 %
Luxemburg 17 %
Malta 18 % Zulassungssteuer nach Preis, CO2 und Fahrzeuglänge
Niederlande 21 % Zulassungssteuer nach Preis und CO2
Österreich 20 % Zulassungssteuer nach NOVA, Durchschnittsverbrauch und CO2
Polen 23 % Zulassungssteuer nach Hubraum
Portugal 23 % Zulassungssteuer nach Hubraum und CO2
Rumänien 19 % Zulassungssteuer nach Hubraum, CO2 und Abgasemission
Schweden 25 %
Slowakei 20 % Zulassungssteuer nachkW
Slowenien 22 % Zulassungssteuer nach Preis und CO2
Spanien 21 % Zulassungssteuer nach CO2
Tschechien 21 %
Ungarn 27 % Zulassungssteuer nach Hubraum und Abgasemission
Zypern 19 % Zulassungssteuer nach CO2
Stand: 01.01.2017