Reimport – Kauf eines Neufahrzeugs innerhalb der EU

7.8.2018

Wer ein Fahrzeug kaufen möchte, stößt schnell auf preisgünstige „EU-Neuwagen“, die von Händlern in der EU oder Fahrzeugvermittlern angeboten werden. Eigenimport, Reimport, Zulassung, Gewährleistung und Schutz vor Betrug - die Informationen der ADAC Juristen helfen bei der Entscheidung.

Fahrzeugkauf und Verkehrsrecht im Ausland
Autokauf in der EU – oft günstig, trotzdem sollte man wissen, auf was man sich einlässt.

Achtung: Die nachfolgenden Hinweise gelten nur für den Import aus EU-Staaten! Beim Kauf in einem Nicht-EU-Staat werden alle Ansprüche nach dem dort geltenden Recht behandelt!

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Günstige Preise

Im Internet und in Zeitungsanzeigen wird oft mit "preisgünstigen EU-Neuwagen" geworben. 
Die günstigen Preise sind darauf zurückzuführen, dass die Nettopreise (also ohne alle Abgaben) der Fahrzeuge im Ausland oft deutlich niedriger sind als in Deutschland. Wird der noch nicht zugelassene Neuwagen dann exportiert, fallen die nationalen Abgaben nicht an, so dass nur der Nettopreis übrig bleibt. Bei der Anmeldung in Deutschland wird dann 19 % Mehrwertsteuer erhoben. Es lohnt sich also, die Mehrwertsteuersätze der einzelnen Länder zu vergleichen. Die Preisunterschiede können in Einzelfällen bis zu 30 %, in Ausnahmefällen sogar mehr betragen
.
Generell günstige Kaufländer für Pkw sind Dänemark, die Niederlande, Griechenland, Spanien, Portugal, Finnland, gelegentlich auch Belgien oder Frankreich. 

Wer die Preisunterschiede nutzen will, sollte zwischen dem Erwerb bei einem ausländischen Händler mit Eigenimport und dem Kauf bei einem freien Importeur in Deutschland (sog. Parallel- oder Grauimporteur) abwägen.

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Eigenimport

Sie wollen ins Ausland fahren und dort ein Fahrzeug direkt bei einem Händler kaufen? Informieren Sie sich über den Eigenimport und wie Sie Ihren Wagen überführen und in Deutschland zulassen.

Händleradressen im Ausland

Um zu klären, wo was wie teuer ist, muss man zwangsläufig mit Händlern im Ausland Kontakt aufnehmen. Über einheimische Vertragshändler sind Adressen ausländischer Händler kaum zu bekommen. Über das Internet lassen sich die Vertragshändler der jeweiligen Hersteller ausfindig machen (z. B. www."Hersteller".dk für Dänemark).

 

Vor dem Kauf vergleichen

Beachten Sie beim Preisvergleich eventuelle Unterschiede in der Grundausstattung. Die Typenbezeichnung des Fahrzeuges bedeutet nicht unbedingt, dass alle Ausstattungsdetails gleich sind. Vergleichen Sie Prospekte und Preislisten der Importeure mit denen deutscher Vertragshändler, wenn Sie das Fahrzeug nicht selbst besichtigen können. 

Das "Basis"-Auto jedenfalls entspricht europaeinheitlichen Normen. Befürchtungen, eine wesentlich andere oder "minderwertigere" Technik zu bekommen, sind nicht angebracht.
 
Informieren Sie sich bei hochpreisigen Fahrzeugen, ob das Fahrzeug ab Werk mit einer elektronischen Wegfahrsperre ausgestattet ist. Die Nachrüstung ist nur mit einfacheren Systemen möglich und verursacht zusätzliche Kosten. Fragen Sie auch bei Ihrem Kfz-Versicherer, welche Systeme von ihm anerkannt werden.

Wichtiges zum Kaufvertrag

Halten Sie im Kaufvertrag Preis, Ausstattung und Übergabetermin schriftlich fest. Wichtig ist, dass darin auch der Begriff "Neufahrzeug" erwähnt wird. Dem Vertrag liegt in der Regel das im Kaufland geltende Recht zugrunde. Lassen Sie sich ggf. fremdsprachige Abschnitte des Vertrages im Vorfeld vom Händler übersetzen oder nehmen Sie jemanden mit, der sprachkundig ist.

 

Übergabe des Fahrzeugs 

Lassen Sie sich die im Kaufland üblichen Fahrzeugpapiere und die Kaufrechnung unbedingt im Original geben, da die hiesigen Zulassungsstellen keine Kopien akzeptieren dürfen! Bestehen Sie auf Aushändigung der EU-weit gültigen Typgenehmigung COC (Certificate of Conformity).

 

Überführung nach Deutschland 

Für die Überführung nach Deutschland kann ein Ausfuhr- oder Überführungskennzeichen des Kauflandes genutzt werden. Dieses ist jedoch nur in einigen Kaufländern (z.B. Dänemark, Niederlande) ohne weiteres und mit der entsprechenden Versicherung zu bekommen. Fragen Sie den Händler, ob er Ihnen bei der Beschaffung eines entsprechenden Kennzeichens helfen kann.

Problemlos ist der Transport auf dem Anhänger, weil dazu keine Zulassung des Fahrzeuges notwendig ist.
Deutsche Kurzzeitkennzeichen dürfen im Ausland nicht benutzt werden. Sie sind daher nicht für die Überführung eines Fahrzeuges aus dem Ausland nach Deutschland geeignet. 

Umsatzsteuer 

Wenn Sie ein Neufahrzeug gekauft haben, müssen Sie innerhalb von 10 Tagen nach dem Kauf die Originalrechnung bei zu dem für Sie zuständigen Finanzamt vorlegen und dort die deutsche Mehrwertsteuer bezahlen. Dazu wird das Formular "Umsatzsteuererklärung für die Fahrzeug-Einzelbesteuerung" verwendet. 

Die Umsatzsteuer wird aus dem Nettokaufpreis errechnet. Nach der steuerrechtlichen Definition gilt ein Fahrzeug als neu, wenn es nicht mehr als 6.000 km zurückgelegt hat oder wenn seine erste Inbetriebnahme im Zeitpunkt des Erwerbs nicht mehr als 6 Monate zurückliegt.

Garantien

Achten Sie darauf, dass die vollständigen Garantieunterlagen im Original (Serviceheft und evtl. Garantiekarte) vom ausländischen Vertragshändler abgestempelt sind, mit Fahrgestellnummer des Fahrzeugs versehen wurden und das Übergabedatum eingetragen ist. 

Genaue Angaben zur Laufzeit und zum Beginn der Garantie finden Sie in den Garantiebedingungen. Überprüfen Sie daher unbedingt den Wortlaut in den Garantiebedingungen! Es gilt der Garantie-Umfang des Landes, in dem das Fahrzeug gekauft wurde.  

Beachten Sie, dass die Garantie häufig bereits zu dem Zeitpunkt zu laufen beginnt, an dem der Wagen von dem ausländischen Vertragshändler erstmals zugelassen oder an den Importeur übergeben wurde - also nicht erst mit der Übergabe an den Käufer in Deutschland!

Laut EU-Recht sind alle Vertragswerkstätten eines Herstellers verpflichtet, Garantieleistungen auch an Fahrzeugen zu erbringen, die in einem anderen Land der EU gekauft wurden. Lassen Sie sich im Garantiefall vom Hersteller eine Vertragswerkstatt in Ihrer Nähe benennen. 

Sachmängelhaftung

Von der Herstellergarantie ist die gesetzliche Sachmängelhaftung des ausländischen Verkäufers zu unterscheiden. Sie richtet sich i.d.R. nach dem jeweiligen nationalen Kaufrecht des jeweiligen Landes, in dem das Fahrzeug beim Eigenimport gekauft wurde. 

Zwar ist das EU-Recht für den Fall, dass ein Verbraucher ein Fahrzeug von einem Unternehmer grenzüberschreitend innerhalb der EU kauft, weitgehend vereinheitlicht worden. Dennoch kann es auch bei einem Vergleich des Rechts zweier Mitgliedsstaaten zu relevanten Unterschieden kommen. 

Außerdem muss der Käufer seine Rechte im Ausland geltend machen, was angesichts der Entfernung, der fremden Sprache und des fremden Rechtssystems eine große Hürde sein kann. Wer außerdem auf Kulanz hofft, der wird enttäuscht, denn freiwillige Kulanzleistungen werden bei reimportierten Fahrzeugen von den meisten Herstellern regelmäßig abgelehnt.

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Reimport

Hier finden Sie grundlegende Informationen für den Erwerb bei einem Reimport-Händler in Deutschland.  

Händleradressen

Im Internet, in Tageszeitungen und Automagazinen bieten viele "EU-Importeure" günstige Neuwagen an. Nicht alle dieser Händler sind seriös, die Risiken lassen sich aber begrenzen, wenn man die nachfolgenden Hinweise beachtet.

Händler oder Vermittler

Achten Sie bei der Auswahl des Händlers darauf, ob dieser als Vermittler oder Verkäufer im eigenen Namen auftritt. Je nachdem kommt deutsches oder nationales Recht zur Anwendung!

  • In den meisten Fällen vermittelt der deutsche Händler den Verkauf eines reimportierten Neufahrzeugs. In diesem Fall kommt der Kaufvertrag zwischen Ihnen als Käufer und dem ausländischen Vertragshändler zustande, an den der Hersteller geliefert hatte. Dies hat zur Folge, dass für den Kaufvertrag und die daraus resultierenden Ansprüche in der Regel nationales Recht gilt, d.h. das Rechts des Landes des ausländischen Händlers.
  • Verkauft der deutsche Händler den reimportierten Wagen im eigenen Namen, können Sie bei Mängeln an dem Fahrzeug Ihre Ansprüche nach deutschem Recht geltend machen. 

 

Vermittlungsvertrag

Hierauf sollten Sie beim Vermittlungsvertrag achten: 

  • Preis, Liefertermin sowie Ausstattungsdetails unbedingt schriftlich festhalten!
  • Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass Überführungs- und Bereitstellungskosten im Kaufpreis enthalten sind und
  • dass eine EG-Typengenehmigung (COC) für das Fahrzeug vorliegt.
  • Zahlen Sie den Kaufpreis erst bei Übergabe des Wagens!
  • Leisten Sie keine Anzahlungen! Gerade beim EU-Reimport sind Anzahlungen wegen der vielen "schwarzen Schafe" auf dem Markt ausgesprochen risikoreich.
  • Halten Sie vertraglich fest, wann das Fahrzeug importiert wurde und 
  • dass es fabrikneu ist. Wird diese Bestätigung durch den Importeur nicht vorgelegt, war das Fahrzeug gegebenenfalls schon einmal zugelassen.

 

Übergabe durch den Vermittler

Bei der Übergabe des Fahrzeuges ist die deutsche Zulassungsbescheinigung Teil 1 und Teil 2 vom Verkäufer auszuhändigen. Wird das Fahrzeug ohne Zulassung übernommen, müssen die ausländische Originalrechnung und die ausländischen Kfz-Dokumente übergeben werden, um später die deutsche Zulassung vornehmen zu können. Eine gründliche Durchsicht des Fahrzeuges bei der Übergabe ist sinnvoll. Hier finden Sie Informationen zum Zulassungsverfahren.

Besonders wichtig ist, dass die Garantieunterlagen (Serviceheft und evtl. Garantiekarte) mit dem Stempel des ausländischen Vertragshändlers (mit dortigem Auslieferungs-Datum) und Eintragung der Fahrgestellnummer übergeben werden.

Garantie

Stammt das Fahrzeug aus einem EU-Land, sind alle Vertragswerkstätten zu Garantieleistungen verpflichtet, wenn der Kunde im Besitz einer Garantieurkunde und eines Serviceheftes mit den oben erwähnten Vermerken des ausländischen Vertragshändlers ist.

Die Garantiedauer ist bei den einzelnen Herstellern unterschiedlich, beträgt aber regelmäßig 2 bis 3 Jahre. Wichtig ist, dass bereits häufig zu dem Zeitpunkt, an dem der Wagen von dem ausländischen Vertragshändler erstmals zugelassen oder an den Importeur übergeben wird, die Garantie beginnt - also nicht erst mit der Übergabe an den Käufer in Deutschland! Nach Ablauf der Garantiefrist werden bei Reimporten meistens keine freiwilligen Kulanzleistungen des Herstellers gewährt.

Kommt das Fahrzeug aus einem Nicht-EU-Land, müssen auch die Garantieansprüche im Ausland geltend gemacht werden.

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Zulassung in Deutschland

Um das Fahrzeug in Deutschland zuzulassen müssen bei der Zulassungsstelle folgende Papiere vorgelegt werden:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • elektronische Versicherungsbestätigung des Kfz-Haftpflichtversicherers Ihrer Wahl
  • Originalkaufrechnung oder Kaufvertrag
  • ausländische Fahrzeugpapiere
  • COC (EU-Typengenehmigung)
  • SEPA-Lastschriftmandat zum Einzug der Kfz-Steuer
  • Mitteilung für Umsatzsteuerzwecke (Vordruck üblicherweise bei der Zulassungsstelle direkt erhältlich)

Hinweis: Neufahrzeuge, für die es keine COC gibt, müssen bei der technischen Prüfstelle (z.B. TÜV oder DEKRA) zur Einzelabnahme vorgeführt werden. Kosten je nach Übereinstimmung der technischen Daten: 50 bis 150 EUR. Die fertige deutsche Zulassungsbescheinigung Teil 1 und Teil 2 bekommen Sie von der Zulassungsstelle ausgehändigt.

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Schutz vor Betrug

Bei allzu verlockenden Angeboten im Internet ist Vorsicht geboten, denn am Markt tummeln sich auch „schwarze Schafe“. Die Initiative „Sicherer Autokauf im Internet" hilft Ihnen mit Informationen über aktuelle Betrugsmaschen und Tipps, wie Sie Ihren Autoverkauf sicher abwickeln und Betrüger erkennen können.

Informieren Sie sich unter www.sicherer-autokauf.de über die gängigsten Betrugsmaschen.

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Mehrwert- und Zulassungssteuern

Die folgende Tabelle zeigt die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze in den einzelnen Ländern der EU und darüber hinaus welche Steuern bei der Zulassung dort anfallen. Die Mehrwertsteuer und die Zulassungssteuer müssen Sie im Kaufland bei Erwerb eines Neufahrzeuges nicht zahlen, wenn dieses in Deutschland zugelassen wird.

Land MwSt. Zulassungssteuer
Belgien 21 % Zulassungssteuer nach Hubraum und CO2
Bulgarien 20 %
Dänemark 25 % Zulassungssteuer 105 % bzw. 180 %
Estland 20 %
Finnland 24 % Zulassungssteuer abhängig von Preis und CO2
Frankreich 20 % Zulassungssteuer nach CO2
Griechenland 24 % Zulassungssteuer nach Hubraum und Abgasemission
Großbritannien 20 %
Irland 23 % Zulassungssteuer nach CO2
Italien 22 % Zulassungssteuer nach kW, Gewicht, Sitzanzahl
Kroatien 25 % Zulassungssteuer abhängig von Preis und CO2
Lettland 21 % Zulassungssteuer abhängig von CO2
Litauen 21 %
Luxemburg 17 %
Malta 18 % Zulassungssteuer nach Preis, CO2 und Fahrzeuglänge
Niederlande 21 % Zulassungssteuer nach Preis und CO2
Österreich 20 % Zulassungssteuer nach NOVA, Durchschnittsverbrauch und CO2
Polen 23 % Zulassungssteuer nach Hubraum
Portugal 23 % Zulassungssteuer nach Hubraum und CO2
Rumänien 19 % Zulassungssteuer nach Hubraum, CO2 und Abgasemission
Schweden 25 %
Slowakei 20 % Zulassungssteuer nach kW
Slowenien 22 % Zulassungssteuer nach Preis und CO2
Spanien 21 % Zulassungssteuer nach CO2
Tschechien 21 %
Ungarn 27 % Zulassungssteuer nach Hubraum und Abgasemission
Zypern 19 % Zulassungssteuer nach CO2
Stand: 01.01.2017