Rechte bei Mängeln am Neuwagen

17.8.2018

Der Verkäufer muss Ihnen das Fahrzeug mangelfrei übergeben. ADAC Juristen erklären die Nachbesserung, den Rücktritt und die Kaufpreisminderung bei Mängeln am neuen Auto. Das ADAC Musterschreiben erleichtert die Geltendmachung der Nachbesserung.

Mängel am neuen Fahrzeug
Neuwagen mangelhaft – ADAC Musterschreiben erleichtert die Nachbesserung.

Schnelle Hilfe: ADAC Musterschreiben zur Nachbesserung

Musterschreiben zur Nacherfüllung (PDF-Download896,8 KB)

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Mängel am Neuwagen

Der Verkäufer muss Ihnen ein mangelfreies Auto übergeben. ADAC Juristen erläutern die häufigsten Streitfälle.

Fabrikneues Auto

Beim Neuwagenkauf haben Sie Anspruch auf ein fabrikneues Auto. Fabrikneu bedeutet: 

  • das Modell des Wagens wird unverändert weitergebaut, 
  • es liegen keine durch längere Standzeit bedingten Mängel vor und 
  • zwischen Herstellung des Fahrzeugs und Abschluss des Kaufvertrages liegen nicht mehr als 12 Monate. 

Der Kilometerstand des Autos darf nicht unerklärlich hoch sein, Probefahrten und Überführungsfahrten sind aber zulässig. Eine Tageszulassung beeinflusst die Fabrikneuheit nicht, wenn dadurch die Herstellergarantie, die Fristen für die Hauptuntersuchung und die Vollkaskoversicherung nur um wenige Tage verkürzt werden.

Ob Ihr Auto schon länger auf Halde stand, können Sie einfach selbst feststellen.

Prospektangaben und Werbeaussagen des Herstellers 

Fehlen dem gelieferten Auto Eigenschaften, die im Prospekt oder in Werbeaussagen des Herstellers enthalten sind, ist Ihr Fahrzeug fehlerhaft. Konstruktions- oder Formänderungen, Abweichungen im Farbton, sowie Änderung des Lieferumfanges brauchen Sie nur hinzunehmen, wenn sie unerheblich und zumutbar sind.


Mehrverbrauch
Weicht der Benzinverbrauch von den Herstellerangaben ab, kann grundsätzlich ein Mangel vorliegen, der zu Sachmängelhaftungsansprüchen führt. Stellen Sie einen Mehrverbrauch fest, ist allein durch die Abweichung von den Herstellerangaben aber noch kein Mangel bewiesen. Der konkrete Verbrauch hängt auch vom Fahrverhalten des Fahrers und sonstigen Umständen ab (z.B. Häufige Kaltstarts, Staus, Ladung, Sonderausstattung, Benutzung der Klimaanlage).

Der konkrete Verbrauch muss von einem Sachverständigen ermittelt werden. Dabei werden die unter Laborbedingungen zustande gekommenen Angaben des Herstellers mit den ebenfalls unter Laborbedingungen gemessenen Werten des Sachverständigen verglichen. Einzelnen Richtern reicht es aus, wenn der Sachverständige Vergleichsfahrten durchführt und dadurch ein Mehrverbrauch festgestellt wird.

Die ADAC Technik hilft mit weiteren Informationen zum Mehrverbrauch.

Montagsauto

Häufen sie eine Vielzahl nicht ganz geringfügiger Mängel, kann einen erheblicher Mangel vorliegen. Bei einem sog. Montags- oder Zitronenauto ist ein Festhalten am Kaufvertrag nicht mehr zumutbar. Es steht die Möglichkeit zum Rücktritt im Raum. 

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Rechte für den Käufer

Wenden Sie sich an Ihren Verkäufer, wenn Sie einen Mangel an Ihrem Neuwagen feststellen. Die Ansprüche aus der gesetzlichen Sachmängelhaftung bestehen grundsätzlich nur gegenüber dem Verkäufer! Ein Anspruch auf Ersatz der Kosten für die Reparatur in einer Drittwerkstatt haben Sie nicht. 

Sachmängelhaftung 

Nach Abnahme des Autos kann der private Käufer wegen eines Sachmangels zwei Jahre lang Ansprüche gegen den Verkäufer aus der gesetzlichen Sachmängelhaftung geltend machen. Sie können zunächst kostenlose Nacherfüllung verlangen. Wenn diese fehlschlägt, können Sie den Kaufpreis mindern oder vom Vertrag zurücktreten. Wenn den Verkäufer zudem ein Verschulden trifft, können Sie Schadenersatz oder Ersatz vergeblicher Aufwendungen verlangen.

Verkaufen Sie das Auto vor Ablauf der Sachmängelhaftung weiter, können Sie Ihre Ansprüche aus der Sachmängelhaftung auf den Käufer übertragen.

Nachbesserung oder Ersatzlieferung 

Sie können zwischen der Beseitigung des Mangels (Nachbesserung) oder der Lieferung eines mangelfreien Autos (Ersatzlieferung) wählen.

Der Händler kann im Rahmen der Nachbesserung eine Reparatur durchführen oder schadhafte Teile ersetzen. Grundsätzlich haben Sie dabei Anspruch auf Verwendung von Original-Ersatzteilen und Neuteilen. 

Händler verweigert die Nachbesserung

Der Verkäufer kann die Nachbesserung/Ersatzlieferung nur verweigern, wenn sie nur mit unverhältnismäßigen Kosten möglich wäre. Verweigert der Verkäufer die Nachbesserung, können Sie Kaufpreisminderung oder Rücktritt vom Kaufvertrag verlangen. Um beweisen zu können, dass Sie dem Verkäufer Gelegenheit zur Nachbesserung gegeben haben, setzen Sie dem Verkäufer mit dem ADAC Musterschreiben (PDF-Download20,42 KB) eine angemessene Frist zur Nachbesserung. Nach erfolglosem Ablauf der Frist gilt die Nacherfüllung als verweigert. 

Manche Händler verweigern die Nachbesserung und verweisen auf die Neuwagengarantie. Die gesetzlichen Ansprüche aus der Sachmängelhaftung bestehen unabhängig neben Garantieansprüchen und geben mit Rücktritt und Kaufpreisminderung weitergehende Rechte als eine Garantie. Lassen Sie sich vom Händler daher nicht auf die Garantie verweisen!

Der Verkäufer trägt alle mit der Nachbesserung zusammenhängenden Kosten (z.B. Abschleppkosten zur nächstgelegenen Vertragswerkstatt, Materialkosten, Schmierstoffe etc.) und auch die Fahrtkosten von und zur Werkstatt zur Durchführung der Reparaturen. Darüber hinaus haben Sie grundsätzlich keine weiteren Ansprüche auf z.B. Ersatz von Mietwagenkosten, Nutzungs- oder Verdienstausfall.
 
Wird das Fahrzeug wegen eines Sachmangels betriebsunfähig, wenden Sie sich an den nächsten Vertragshändler. Ist das nicht der Verkäufer, müssen Sie den Verkäufer ausdrücklich informieren.

Rücktritt, Minderung oder Schadenersatz 

Sie können entweder vom Vertrag zurücktreten oder den Kaufpreis mindern, wenn

  • Die Nachbesserung fehlgeschlagen ist. Das bedeutet, dass ein und derselbe Fehler nach dem zweiten Nachbesserungsversuch immer noch vorhanden ist. 
  • Eine dem Händler gesetzte Frist zur Nacherfüllung erfolglos abgelaufen ist. 
  • Der Verkäufer die Nacherfüllung verweigert. 

Rücktritt

Der Rücktritt ist möglich bei einem erheblichen Mangel an dem Auto und läuft so: 

  • Rückgabe des Autos gegen Erstattung des Kaufpreises
  • Anspruch des Käufers auf Ersatz notwendiger Verwendungen (z. B. Reparaturkosten). Nicht hierunter fallen: Betriebskosten (z. B. Kraftstoff, Öl), Kosten für Nummernschilder oder Zulassung
  • Ausgleich des Gebrauchsvorteils: Sie müssen den Vorteil ausgleichen, den Sie durch die Benutzung des Fahrzeuges hatten. Der BGH berechnet den Gebrauchsvorteil aus Bruttokaufpreis, der gefahrenen Kilometer und der zu erwartenden Gesamtlaufleistung des Autos.

Minderung

Die Kaufpreisminderung ist im Wege der Schätzung zu ermitteln. Es handelt sich hierbei immer um eine Einzelfallentscheidung. Im Streitfalle muss ein Sachverständiger eingeschaltet werden, der den Minderbetrag festlegt.

Die ADAC-Liste Minderung / Rücktritt (PDF-Download292,83 KB) dient als Orientierung, bei welchem Mangel die Rechtsprechung einen Rücktritt oder eine Kaufpreisminderung annimmt.

Schadenersatz

Liefert der Verkäufer ein mangelhaftes Fahrzeug, können Sie bei einem Verschulden des Händlers neben dem Rücktritt auch Schadenersatz verlangen. Schadenersatz ist auch dann möglich, wenn der Verkäufer nicht oder mangelhaft leistet und Sie dem Verkäufer eine angemessene Frist (ca. 2 Wochen) zur Leistung oder Nacherfüllung gesetzt haben.

Verjährung

Die gesetzlichen Mängelansprüche verjähren in zwei Jahren ab Ablieferung. Werden im Rahmen der Sachmängelhaftung neue Teile eingebaut, beginnt – allerdings nur in Bezug auf den beseitigten Mangel - die zweijährige Sachmängelhaftung erneut zu laufen, wenn der Verkäufer den Mangel anerkannt hat. 

Kulanz 

Nach Ablauf der Sachmängelhaftung sind Sie auf die Kulanz des Herstellers oder des Händlers angewiesen. Kulanz ist eine freiwillige Leistung, der Umfang liegt im Ermessen des Herstellers bzw. Händlers. Die Kulanzbereitschaft der einzelnen Hersteller ist unterschiedlich. Maßstab ist häufig das Fahrzeugalter, die Fahrleistung und die lückenlose Durchführung der Wartungsarbeiten in einer Vertragswerkstatt. Auch die besondere Markentreue des Kunden kann eine Rolle spielen.

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Produkthaftung und Rückrufe

Überprüfen Sie einfach, ob Ihr Fahrzeug von einem Rückruf betroffen ist.

Produkthaftung 

Das Produkthaftungsrecht regelt die Haftung für Schäden, die aus der Benutzung eines fehlerhaften Produktes entstehen. Die Haftung trifft im Regelfall den Hersteller des Produktes. Dieser haftet für Körper-, Gesundheits- und Sachschäden, die durch den Fehler eines Produkts verursacht worden sind. Bei Sachschäden haftet er nur, wenn eine andere Sache als das fehlerhafte Produkt selbst beschädigt wird und das fehlerhafte Produkt für den privaten Ge- oder Verbrauch vom Geschädigten verwendet wurde.

Reparaturkosten, die dadurch entstehen, dass das Produkt selbst mangelhaft ist, werden üblicherweise nur im Rahmen der gesetzlichen Sachmängelhaftung oder über eine Herstellergarantie ersetzt. 

Zu den möglichen Ansprüchen sollten Sie sich von einem ADAC Vertragsanwalt beraten lassen.

Rückruf

Erfährt ein Autohersteller von einem schwerwiegenden sicherheitsrelevanten Mangel an seinem Fahrzeug, ist er zu einem Rückruf verpflichtet. 

Während der Dauer der Reparatur haben Sie keinen Anspruch auf Erstattung von z.B. Mietwagenkosten oder Kosten für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Manche Hersteller übernehmen solche Kosten freiwillig auf Kulanzbasis.

Sollte der Mangel an dem Fahrzeug nachweisbar zu einem Unfall geführt haben, dann können Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche gegen den Hersteller bestehen.

Aus dem Rückruf haben Sie keinen direkten Anspruch gegen den Autohändler. Läuft für Ihr Fahrzeug noch die gesetzliche Sachmangelhaftungszeit, können Sie aber auch von Ihrem Händler verlangen, den Mangel kostenfrei zu beseitigen. Ist die Sachmangelhaftungsfrist abgelaufen, übernehmen die Hersteller in der Regel freiwillig die Kosten der Reparatur, um Image und Erfolg der Rückrufaktion nicht zu gefährden.

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Kontakt

Noch Fragen zu diesem Thema? Die Clubjuristen beantworten Fragen von ADAC Mitgliedern telefonisch unter 0 89 76 76 24 23.