Mist, Feigling, Opa: Wenn ein Autoname zum Flop wird

9.4.2018

Zahlen, Buchstaben, Namen oder Fantasiebegriffe. Autohersteller lassen sich viel einfallen, um ihre Modelle unverwechselbar und attraktiv zu machen. Dabei kann eine Menge schiefgehen. Wir stellen Ihnen die peinlichsten Auto-Namensschöpfungen aus aller Welt vor

Eleganter Namens-Fehlgriff: Aus dem Rolls-Royce Silver Mist wurde später ein Silver Shadow

Typenbezeichnungen für Autos sind weit mehr als nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben oder Zahlen. Die Namen oder Modellziffern müssen einprägsam, emotional oder einmalig sein. Idealerweise gelingt es, dass zum Beispiel jeder bei der Erwähnung eines "320er" sofort BMW assoziiert oder bei Zafira an Opel denkt. Wir geben einen Einblick in die Systematiken der Hersteller und nennen die lustigsten Fehlgriffe bei der "Fahrzeugtaufe".

Namen, Ziffern, Buchstaben & Kombinationen

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Mercedes C200 in schwarz fahrend von hinten aufgenommen
Mercedes-Namenslogik: Heißt zwar C200 CDI, hat aber 2,2 l Hubraum

Beim Namensdesign kommen überwiegend drei Systeme zum Zug. Erstens: reine Namen wie zum Beispiel bei Toyota, Renault, Ford und Opel. Zweitens: nur Zahlen wie bei Peugeot und BMW (teils mit Zusätzen) und drittens Buchstaben-Zahlen-Kombis, wie sie etwa bei Audi, Citroën, Mazda oder Mercedes verwendet werden.

Ein Beispiel: Mercedes kombiniert den Baureihen-Namen (A- bis X-Klasse) mit einer dreistelligen Zahl: C200 heißt das Modell dann. Motorwelt-Redakteur Jochen Wieler erklärt: "Früher stand die 200 tatsächlich für einen Motor mit 2-Liter-Hubraum. Inzwischen erfolgt die Einordnung aber nach Leistung oder Nutzen". Heißt: Ein C200 CDI von 2014 hatte wie ein C180 CDI, 220 CDI und 250 CDI einen 2,2-Liter-Motor, aber die PS-Spanne reichte von 120 bis 204 PS.

BMW setzt seit 1972 auf Ziffernfolgen, bei der die erste die Baureihe (3er, 4er) angibt. Die beiden folgenden informieren über die Leistung. Wieler: "Zusätzlich macht BMW mit einem vorangestellten X, Z, M oder i kenntlich, welcher Gattung das Auto angehört: SUV, Roadster, Tuningmodell oder Elektroauto."

Beliebt sind bei allen Autobauern Beinamen wie Active Tourer, SW (Station Wagon), Gran Coupé, Grand Sports Tourer oder Sportback. Im Trend: Die Beinamen sollen sich möglichst aktiv und sportlich anhören.

Unsere Top 15 der peinlichsten Autonamen  

 

Modell-/Markenname
Bedeutung in anderen Ländern
Audi e-tron
Im Französischen heißt "étron" Kothaufen
Audi TT Coupé
Irgendwie ironisch, dass dieser Audi kopflos ("Tête coupé") gesteuert wird
Chevrolet Nova
"No va" heißt auf spanisch geht nicht
Fiat Uno
Dieses Auto ist in Finnland ein Trottel
Ford Kuga
Kuga ist serbokroatisch für die Pest
Ford Pinto
Nicht geeignet in spanischsprachigen Ländern, meint den Penis bzw. einen Feigling
Ford Probe
Ein Auto, das Probe fährt? Die Deutschen sagten: No!
KIA Steht in den USA für "Killed In Action"
Mercedes Vaneo
So heißt auch ein dreilagiges Klopapier
Mitsubishi iMIEV
Klingt nicht nach feinem Geruch – zumindest bei uns
Mitsubishi Pajero
Pajero heißt auf Spanisch Wichser, daher fährt er in Latinoländern als Montero herum
Nissan Pivo
In Tschechien wäre der Wagen als Bier unterwegs. Prost!
Rolls-Royce Silver Mist
Aus silbernem "Mist" (Nebel) wurde schließlich silberner Schatten (Shadow)
Toyota Opa
Klingt oll, war auch nur in Japan erhältlich. Zielgruppe: junges Publikum
VW Phaeton Phaeton war der Sohn von Sonnengott Helios und fuhr Vaters Wagen zu Schrott

"E-tron" riecht in Frankreich nicht gut

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Audi e-tron: In Frankreich klingt das Modell nach ekliger Hinterlassenschaft

Wenig transparent findet Redakteur Wieler, was Audi neuerdings anstellt: "Die Ingolstädter treiben es auf die Spitze und verwirren mit kryptischen Bezeichnungen am Heck. Ein Audi A8 3.0 TDI heißt jetzt A8 50 TDI. Je höher die Zahl hinter dem Modellnamen, desto höher die Leistung." Der A8 50 TDI hat zum Beispiel 286 PS, der A8 55 TFSI kommt auf 340 PS. Klingt logisch, oder?

Generell gilt: Bei Fahrzeugen, die global verkauft werden sollen, kann bei der Namensgebung vieles schiefgehen. Ein Beispiel ist Audis Modellreihe e-tron. Auf Französisch heißt ”étron“ Kothaufen, das klingt nicht gerade fein. Und auch das Modell Audi TT Coupé bringt unsere Nachbarn zum Glucksen, denn das hört sich ähnlich an wie "tête coupé", also abgetrennter Kopf.

Deutlich abgrenzen können sich Automarken mit Eigen- oder Fantasienamen. VW hat sich lange im Sport (Golf, Polo, Derby), bei Winden (Passat, Scirocco) und in der Mythologie (Phaeton, Eos) bedient. Ob es allerdings klug war, das Wolfsburger Spitzenmodell Phaeton ausgerechnet nach einem Dieb zu taufen? Phaeton klaute schließlich den Sonnenwagen seines göttlichen Vaters, fuhr ihn zu Schrott und löste eine welterschütternde Katastrophe aus.

Dein Auto ist out!

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Ford Kuga in weiß stehend, schräg von vorne aufgenommen
Ford Kuga: Eine Seuche auf vier Rädern – zumindest auf Serbokroatisch

Die Reihe an Fehlgriffen bei der Namensgebung ist so lang wie lustig. Rolls-Royce plante in den 60er-Jahren als Nachfolger des Silver Cloud das Modell Silver Mist. Das klang in Deutschland nicht sehr hochwertig. Kurze Zeit später wurde es in Silver Shadow umgetauft.

Beim Mitsubishi Outlander dachten die Designer wohl an einen kernig-robusten Typ, der draußen unterwegs ist. Blöd nur, das das englische Wort, das jemanden aus dem Nachbardorf bezeichnet, seit Jahrzehnten nicht mehr in Gebrauch ist. Und zweitens: Wer will schon ein Auto fahren, das nach einem Kerl klingt, der out ist?

Ziemlich daneben ist auch der Toyota MR2. Französisch ausgesprochen klingt das nach Scheiße (merde) oder wie Rotzlöffel (merdeux). Toyota löste den Fall pragmatisch: In Frankreich hieß das Auto deshalb nur noch MR. Jochen Wieler: "Heute beschäftigen Autofirmen Agenturen- und Namensdesigner, die mit großem Aufwand prüfen, ob ein Modellname in einer Sprache anstößig, schräg oder lächerlich klingt." Damit soll vermieden werden, dass sich wie seinerzeit der ganze Balkan über den Ford Kuga lustig machte. Denn der heißt auf Serbokroatisch schlicht: die Pest.

 

Text: Georg Zähringer mit Material von dpa. Fotos: Shutterstock, dpa picture-alliance, PR (3).

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Der Erfinder von Megaperls, Astra & Co.

Portrait von Manfred GottaManfred Gotta, geboren 1947 in Hessen, gilt als der "Guru" unter den deutschen Entwicklern von Marken- und Firmennamen. Von ihm stammen unter anderem Persil Megaperls, Congstar und die Targobank. Zudem erfand er die Automodellnamen Twingo, Smart, Panamera, Vectra und Astra. Er sagt: "Typenbezeichnungen für Autos sind weit mehr als nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben oder Zahlen. Ein guter Name muss unverwechselbar sein. Er ist so etwas wie die Seele des Fahrzeugs."

Ob ein Autoname erfolgreich ist, hängt allerdings von vielem ab. Klar ist: "Einen Königsweg für die richtige Namenswahl gibt es nicht, aber man sollte den Hersteller sofort mit ihm verbinden können.“ Und: Bei Fantasienamen sei es wichtig, mit dem Begriff bestimmte Modelleigenschaften zu assoziieren: ”Twingo haben alle sofort mit süß und niedlich in Verbindung gebracht." Bei einem Namen wie Veloster habe er dagegen große Schwierigkeiten, überhaupt an ein Auto zu denken – ein schlechtes Namenszeugnis für das Modell von Hyundai.