Renault City K-ZE: Elektro-SUV im Kleinformat

18.6.2019

Renault bringt mit dem K-ZE noch 2019 einen kleinen, günstigen Elektro-SUV auf den Markt – vorerst nur in China. Schon bald könnte er aber auch in Europa erhältlich sein. Fahrbericht, erste Infos zu Batterie, Reichweite, technische Daten, Preis und Bilder

  • Viel Platz im Innenraum
  • Alltagstaugliche Normreichweite von 250 Kilometern
  • Für etwa 10.000 Euro kann der "Chinese" auch Europa erobern

China hat sich zum weltgrößten Markt für Elektroautos entwickelt. Von diesem Batterieboom will Renault profitieren und führt mit dem Kleinstwagen K-ZE sein erstes Elektroauto in diesem Segment ein. Dabei setzen die Franzosen auf alltagstaugliche Fahrleistungen, eine Normreichweite von guten 250 Kilometern und pfiffiges Design. Außerdem treten sie mit einem Kampfpreis an: Viel mehr als umgerechnet 10.000 Euro soll der Winzling nach Abzug aller Subventionen nicht kosten. Marketing-Chef Guillaume Sicard gibt den Rahmen vor: 15.000 Euro seien selbst dann zu viel, wenn der Staat die Zuschüsse in den nächsten Monaten weiter zusammenstreicht.

Gute Fahrleistungen, Höchsttempo 105 km/h

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Seitenansicht des Renault K-ZE fahrend
Probefahrt: Der K-ZE auf der Teststrecke im chinesischen Wuhan 

Für wenig Geld gibt es dann ein Auto, das keineswegs nach einer rollenden Verzichtserklärung aussieht. So klein der K-ZE mit seinen 3,73 Metern auch sein mag: Er macht ordentlich was her. Schließlich hat ihn Design-Chef Laurens van den Acker zu einem Mini-SUV aufgebockt, ein paar bunte Kontrastkonsolen aus Plastik ans Blech geclipst und den Stromer insgesamt ansprechend gestaltet.

Dazu bietet der ferne Twingo-Verwandte bei seinen 2,43 Metern Radstand überraschend viel Platz: Vorne jedenfalls sitzt man bequem, der Rücksitz taugt auch mal für zwei Erwachsene und der Kofferraum fasst 300 Liter.

Am meisten überrascht das Fahrverhalten. Nicht weil der K-ZE flüsterleise ist und einen Antritt hat wie ein GTI. Daran haben wir uns bei Elektroautos gewöhnt. Beeindruckend ist die Souveränität, mit der der winzige Stromer über die Teststrecke rund ums Werk in Wuhan surrt. Auf der Marterpiste rappelt und klappert nichts, auf der langen Geraden wechselt er auch bei höherem Tempo sauber die Spur, in den Kehren und beim Rangieren ist er wunderbar handlich.

Nur beim Rekuperieren fällt der K-ZE ab: Weil dem Projektleiter Jeremie Coiffier diese Funktion zu teuer war, rollt der Renault einfach aus, wenn der Fuß vom Gas geht. Der Fahrer muss eben selbst bremsen.  

Kleiner Wermutstropfen bei der Höchstgeschwindigkeit: Obwohl der K-ZE trotz der immerhin 27 kWh großen Akkus im Wagenboden nur etwas mehr als 900 Kilo wiegt, sind von einem Motor mit 45 PS und 125 Nm keine Wunder zu erwarten. Bei 105 km/h ist Schluss. In China zumindest ist das kein Problem, weil man ohnehin nirgends schneller fahren darf.

Bildergalerie: Der K-ZE im Detail

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Infotainment mit Navigationssystem

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Cockpit des Renault K-ZE
Innere Werte: Der K-ZE kommt mit Touchscreen und W-LAN-Hotspot daher

Dass die Franzosen billige Autos bauen können, haben sie vor 20 Jahren mit dem Überraschungserfolg des Dacia und vor etwa fünf Jahren mit dem Kwid bewiesen. Doch der K-ZE könnte sich als ihr Meisterstück erweisen. Erstens, weil er als Elektroauto mehr Zukunft und weniger Konkurrenten hat. Zweitens, weil ihm nicht anzumerken ist, dass an jedem Cent gespart wurde: Er sieht pfiffig aus, die Fahrleistungen sind für einen Stadtflitzer vergnüglich, das Innenleben ist farbenfroh, die Materialqualität überraschend hochwertig. Es gibt sogar eine automatische Umluft-Kontrolle gegen den Smog der Millionenmetropolen.

Zwar spart sich Renault zum Beispiel das ESP. Doch dafür sind nicht nur elektrische Fensterheber und die Klimaanlage in allen Autos Standard, sondern auch ein großer Touchscreen mit Navigation, Online-Infotainment, Smartphone-Integration und W-LAN-Hotspot. "Für die Höchstgeschwindigkeit interessiert sich in China niemand. Aber ohne Touchscreen muss man hier gar nicht antreten", sagt Marketing-Chef Sicard.
 
Der KZ-E ist zunächst ein rein chinesisches Produkt, gemeinsam mit dem Partner Dongfeng in China entwickelt und ausschließlich dort gebaut. Doch so klein er auch sein mag – die große Welt steht ihm offen. Renault-Chef Thierry Bolloré: "Das ist ein globales Projekt. Deshalb werden wir den K-ZE auch in anderen Regionen verkaufen."

Der Start in Deutschland ist also nur eine Frage der Zeit. Denn außer einer neuen Steckdose hinter der Renault-Raute und einem ESP braucht der K-ZE nicht mehr viel für eine EU-Zulassung. Die Fabrik in Wuhan hat schon jetzt eine Kapazität für 120.000 Autos und kann nahezu beliebig erweitert werden. Marketing-Chef Sicard jedenfalls hat keine Zweifel, dass der Kleine in Europa das Zeug zum Star hat: "Hier in China müssen wir uns gegen ein Dutzend ähnliche Autos behaupten. Aber in Europa wären der K-ZE konkurrenzlos."


Text: Thomas Geiger, Fotos: Renault (9), Thomas Geiger.

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