ADAC Test: Wie gut ist der neue Peugeot 508?

9.10.2018

Mit dem neuen 508 will es Peugeot noch einmal wissen: Die Mittelklasselimousine wirkt attraktiv, elegant und sportlich. Kann der Franzose gegen Audi A5, Mercedes CLS, Renault Talisman und VW Arteon punkten? ADAC Test mit technischen Daten, Messwerten, Preisen

Fahren wie Gott in Frankreich? Mit französischen Limousinen klappte das zumindest in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr so luxuriös. Während die deutsche Kanzlerin ihre Staatsgäste im BMW 7er oder Audi A8 abholt, nahmen Sarkozy & Co. zuletzt in Renault Vel Satis, Peugeot 607 oder Citroën C6 Platz. Und weil die nicht mehr gebaut werden, musste Macron dem Volk zu seiner Amtseinführung aus dem Schiebedach eines DS7 Crossback zuwinken. Was die wenigsten wissen: Selbst dieser Riesen-SUV der neuen PSA-Luxusmarke DS wird nicht in Frankreich, sondern in China gebaut.

Seit sich Peugeot 2009 mit der Einstellung des formschönen 607 aus der Oberen Mittelklasse verabschiedete, war der kleinere 508 das neue Flaggschiff der Löwenmarke – zumindest in Deutschland mit mäßigem Erfolg. Die zweite Generation soll jetzt mit einer komplett neuen Optik, modernsten Fahrerassistenzsystemen wie Night Vision und einem hochwertigen digitalen Cockpit alles besser machen. Ob das wirklich so ist, klärt der ADAC Autotest.

Der Peugeot 508 ist edel und gut verarbeitet

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Der neue Peugeot 508 Modell 2018 fährt an einer Küstenstrasse
Schöner Rücken: Die dreidimensionalen LED-Leuchten sind gut integriert

Am Aussehen dürfte der Erfolg zumindest nicht scheitern, denn das Design des 508 passt sich dem Trend der Coupé-Limousinen an. Eine dynamische Linienführung mit markantem Kühlergrill, schmalen, rahmenlosen Fenstern und kurzem Heck sorgt für eine schlanke Silhouette, die auch durch die Maße unterstützt wird: Mit nur 1,40 Metern Höhe ist er besonders flach geraten, zudem ist er sogar acht Zentimeter kürzer als der Vorgänger. Alle Designelemente sehen auch im Detail richtig gut aus und können sich mit der Optik von Audi A5 oder VW Arteon durchaus messen.

Im Innenraum findet der Fahrer je nach Ausstattungslinie qualitativ hochwertige Materialien: Vollnarbiges Leder, Klavierlack, Alcantara und Echtholz – alles vom Feinsten. Schön anzusehen sind auch das personalisierbare, digitale Kombiinstrument (serienmäßig) mit sechs verschiedenen Einstellungen und der zentral platzierte Touchscreen. Über den werden fast alle Bedienschritte eingeleitet, was zum Beispiel für die simple Temperaturregelung (kalt oder warm) dann doch recht mühsam und schlicht unnötig ist. Zudem sitzt das Display tief hinter sieben Kippschaltern, die bei Eingaben am Display schnell mal versehentlich gedrückt werden.

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Dass die kleinen Peugeot-Lenkräder inzwischen immer unter dem Cockpit-Display platziert sind, daran kann man sich gewöhnen, weil man die Instrumente besser im Blick hat. Doch die Nachteile bleiben: Die Lenkstockhebel verschwinden hinter dem Lenkrad, wichtige Tempolimit- oder Licht-Funktionen sind nur blind ertastbar. Und für den, der seinen Sitz gern tiefer stellt, verdeckt der obere Lenkradkranz dann wichtige Infos.

Auch das flache Dach sorgt für funktionelle Mängel, die einen Einsatz als Staatslimousine unmöglich machen: Der Zustieg für die Fondpassagiere ist mit einigen Verrenkungen und hoher Kopfnuss-Gefahr verbunden. Und drinnen fehlen bei der Kniefreiheit die acht Zentimeter, die der neuen Generation abgeknappst wurden.

Der Kofferraum blieb mit 487 Litern Ladevolumen zwar auf dem Papier üppig, kann durch das flache Heck aber für die große Reise nur mit ausgeklügelter Verstautechnik genutzt werden. Nach ADAC Messungen fasst der Gepäckraum tatsächlich zwischen 395 und 1100 Liter – keine Bestwerte.

Hoher Fahrkomfort, wenig Geräusche

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Unser Motorwelt Redatkeur testet den neuen Peugeot 508 Modell 2018 in Südfrankreich
Markante Front: Schmaler Kühlergrill im Rennflaggenmuster

Wer damit leben kann, bekommt von Peugeot ein sehr ausgewogenes und harmonisch abgestimmtes Auto. Die Geräuschkulisse ist trotz der rahmenlosen Scheiben bei allen Geschwindigkeiten angenehm zurückhaltend, was auch die ADAC Messwerte bestätigen: 66,9 Dezibel bei 130 km/h sind flüsterleise. Nur beim Beschleunigen ist der Motor deutlich zu hören und klingt nicht sehr charmant.

Mit dem getesteten 180 PS Turbobenziner hat der 508 serienmäßig adaptive Dämpfer an Bord. Die Unterschiede zwischen den Modi (Eco, Comfort, Normal, Sport) sind nur marginal. Was aber kein Nachteil ist, denn die Feder-Dämpfer- Abstimmung ist Peugeot gut gelungen. Der 508 bietet damit einen angenehmen Federungskomfort und wird gleichzeitig auch sportlichen Ansprüchen gerecht – wie sich beispielsweise in einem erstaunlich guten Ergebnis beim ADAC Ausweichtest zeigt

Flotte Fahrleistungen, relativ hoher Verbrauch

Und der Antrieb? Der 180 PS starke Turbobenziner sorgt in Kombination mit Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe in der über 1,5 Tonnen schweren Limousine für insgesamt flotte Fahrleistungen. Der Zwischenspurt von 60 km/h auf Tempo 100 – zum Beispiel für den Überholvorgang – kann in 5,2 Sekunden erledigt werden. Auch nach einem Abbiegevorgang setzt sich der 508 schnell wieder in Bewegung, was wichtig ist für das zügige Einfädeln in den fließenden Verkehr.

Der Verbrauch im ADAC Ecotest fiel mit 7,0 Litern Super auf 100 Kilometer relativ hoch aus, hängt aber wie so oft bei Turbobenzinern stark von der Fahrweise ab. Das Getriebe bietet im Eco-Modus eine Freilauffunktion, die den Motor in den Leerlauf schickt und den 508 ohne Motorbremse rollen lässt. Wer das geschickt einsetzt, kann mit dem Peugeot etwas Kraftstoff sparen. Bei den Schadstoffen hat der 508 eine weiße Weste: Homologiert nach Euro 6d-TEMP und mit serienmäßigem Partikelfilter bleiben die Emissionen auch in unterschiedlichen Fahrsituationen im ADAC Ecotest sicher unter den Grenzwerten.

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Absolut gelungen: Das coupéähnliche Design der 508-Limousine wirkt dynamisch  

Bei Assistenzsystemen gut aufgestellt

Für die sichere Fahrt bietet Peugeot die komplette Palette – vom Notbremsassistenten (Serie) über den Parkassistenten (Aufpreis im Paket) bis zum ACC-Tempomaten mit Staufunktion (750 €). Und ganz ungewöhnlich in der Mittelklasse: Das Nachtsichtsystem Night Vision (1200 €), das die nächtliche Straßensituation per Infrarotkamera im Kombiinstrument darstellt.

Mit solchen Angeboten wollen die Franzosen ihren Anspruch unterstreichen, die neue 508er-Generation klassenmäßig etwas höher zu positionieren, um im hart umkämpften Dienstwagen-Markt präsent zu sein. Das kann funktionieren – gestaltet sich bei der Dominanz von Audi, BMW, und Mercedes aber schwierig.

Wer aber ein individuelles Fahrzeug haben möchte, das nicht an jeder Ecke steht, ist mit dem 508 gut bedient. Im ADAC Autotest kommt der Franzose auf eine gute Gesamtnote von 2,3.

Hier finden Sie den ausführlichen Testbericht zum Peugeot 508 1.6 PureTech 180 Allure EAT8.

Auch die Dieselversion Peugeot 508 2.0 BlueHDi 160 Allure EAT8 wurde vom ADAC bereits getestet.
Technische Daten (Herstellerangaben) Peugeot 508 1.6 PureTech 180 Allure EAT8
Motor 4-Zylinder-Turbobenziner mit Partikelfilter, 1598 cm3
Leistung  133 kW / 180 PS, 250 Nm bei 1650 U/min
Antrieb/Fahrwerk Frontantrieb, 8-Stufen-Wandlerautomatik, McPherson-Vorderachse, Mehrlenker-Hinterachse, adaptives Fahrwerk auf Wunsch (1000 €)
Fahrleistungen 7,9 s auf 100 km/h, 230 km/h Spitze
Verbrauch 5,4 l Super/100 km, CO2: 123 g/km
Leergewicht 1495 kg
Maße/Kofferraum L 4,75 / B 1,86 / H 1,40 m
Kofferraum
487 - 1537 Liter 
Preis 37.850 €

ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
5,2 s 
Bremsweg aus 100 km/h
34,1 m
Wendekreis 11,4 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
7,0 l Super/100 km , 191 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
885 km
Innengeräusch bei 130 km/h 66,9 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1510 / 489 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 395 / 730 / 1100 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,3
Karosserie/Kofferraum 2,9 
Innenraum 2,6
Komfort 2,2
Motor/Antrieb 2,1
Fahreigenschaften 
2,1
Sicherheit
2,0
Umwelt/EcoTest
2,6

 

  • Das hat uns gefallen: Umfangreiche Ausstattung. Dynamisches Fahrverhalten. Ausgewogene Federung. Saubere Abgase.        
  • Das hat uns nicht gefallen: Teils unharmonische Automatik. Schlechte Rundumsicht. Hinten wenig Kopffreiheit.    
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Peugeot 508 SW: So schick sieht der Kombi aus

Peugeot 508 SW fahrend von hintenKeine Frage: Auch die Kombiversion namens SW ist sehr elegant geworden. Und bietet deutlich mehr Nutzwert als die coupéhafte Limousine, auch wenn das Kofferraumvolumen im Vergleich zum Vorgänger etwas geschrumpft ist.

Statt 560 Liter (alter 508 Kombi) fasst der neue nur noch 530 Liter nach Werksangabe. Klappt man die Sitze um, schluckt der Stauraum immerhin bis zu 1780 Liter.

Gut: Das neue Modell ist nicht länger geworden, sondern fünf Zentimeter kürzer als der Vorgänger und misst nun 4,78 Meter.

Premiere ist im Oktober 2018 auf dem Pariser Autosalon, Markteinführung im Januar 2019.

Text: Thomas Kroher. Fotos: PR.

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