Peugeot 508: Der Neue im ersten Fahrbericht

18.6.2018

Ab Oktober kommt der neue Peugeot 508: sportlich-elegant erfüllt er die neueste Abgasnorm. Doch kann der große Löwe gegen die Konkurrenten Audi A5, Mercedes CLS, Renault Talisman oder VW Arteon anbrüllen? Der erste Eindruck unserer Test-Redaktion. Dazu: Alle Fakten, technische Daten und Preise

Fahren wie Gott in Frankreich? Mit französischen Limousinen klappte das zumindest in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr so luxuriös. Während die deutsche Kanzlerin ihre Staatsgäste im BMW 7er oder Audi A8 abholt, nahmen Sarkozy & Co. zuletzt in Renault Vel Satis, Peugeot 607 oder Citroën C6 Platz. Und weil die nicht mehr gebaut werden, musste Macron dem Volk zu seiner Amtseinführung aus dem Schiebedach eines DS7 Crossback zuwinken. Was die wenigsten wussten: Selbst dieser Riesen-SUV der neuen PSA-Marke DS – der Luxus-Ableger von Citroën – wurde nicht in Frankreich, sondern in China gebaut.

Seit sich Peugeot 2009 mit der Einstellung des formschönen 607 aus der Oberen Mittelklasse verabschiedete, war der kleinere 508 das neue Flaggschiff der Löwenmarke – zumindest in Deutschland mit mäßigem Erfolg. Die zweite Generation soll jetzt mit einer komplett neuen Optik, modernsten Fahrerassistenzsystemen wie Night Vision und einem hochwertigen digitalen Cockpit alles besser machen.

Leder, Klavierlack, Echtholz – vom Feinsten

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Der neue Peugeot 508 Modell 2018 fährt an einer Küstenstrasse
Schöner Rücken: Die dreidimensionalen LED-Leuchten sind gut integriert

Am Aussehen dürfte der Erfolg zumindest nicht scheitern, denn das Design des 508 passt sich dem Trend der Coupé-Limousinen an. Eine dynamische Linienführung mit markantem Kühlergrill, schmalen, rahmenlosen Fensterflächen und kurzem Heck sorgt für eine schlanke Silhouette, die auch durch die Baumaße unterstützt wird: Mit nur 1,40 Metern Höhe ist er besonders flach geraten, zudem ist er sogar acht Zentimeter kürzer als der Vorgänger. Alle Designelemente sehen auch im Detail richtig gut aus und können sich mit der Optik von Audi A5 oder VW Arteon durchaus messen.

Im Innenraum findet der Fahrer je nach Ausstattungslinie qualitativ hochwertige Materialien: Vollnarbiges Leder, Klavierlack, Alcantara und Echtholz – alles vom Feinsten. Schön anzusehen sind auch das personalisierbare, digitale Kombiinstrument mit sechs verschiedenen Einstellungen und der zentral platzierte Touchscreen. Über den werden fast alle Bedienschritte eingeleitet, was zum Beispiel für die simple Temperaturregelung (kalt oder warm) dann doch recht mühsam ist. Zudem sitzt das Display tief hinter sieben Kippschaltern, die bei Eingaben am Display schnell mal versehentlich gedrückt werden.

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Dass die kleinen Peugeot-Lenkräder inzwischen immer unter dem Cockpit-Display platziert sind, daran kann man sich gewöhnen, weil man die Instrumente besser im Blick hat. Doch die Nachteile bleiben: Die Lenkstockhebel verschwinden hinter dem Lenkrad, wichtige Tempolimit- oder Licht-Funktionen sind nur blind ertastbar. Und für den, der seinen Sitz gern tiefer stellt, verdeckt der obere Lenkradkranz dann wichtige Infos.

Auch das markant-flache sorgt für funktionelle Mängel, die einen Einsatz als Staatslimousine unmöglich machen: Der Zustieg für die Fondpassagiere ist mit einigen Verrenkungen und hoher Kopfnuss-Gefahr verbunden. Und drinnen fehlen bei der Kniefreiheit die acht Zentimeter, die der neuen Generation abgeknappst wurden. Der Kofferraum blieb mit 487 Litern Ladevolumen zwar formell üppig, kann durch das flache Heck aber für die große Reise nur mit ausgeklügelter Verstautechnik genutzt werden.

Durchzugsstarke Diesel mit Euro-6d-Temp

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Unser Motorwelt Redatkeur testet den neuen Peugeot 508 Modell 2018 in Südfrankreich
Markante Front: Schmaler Kühlergrill im Rennflaggenmuster

Wer mit solchen Einschränkungen leben kann, bekommt von Peugeot ein sehr ausgewogenes und harmonisch abgestimmtes Auto. Die Geräuschkulisse ist trotz der rahmenlosen Scheiben bei allen Geschwindigkeiten angenehm zurückhaltend, die Federung arbeitet straff, aber nicht unkomfortabel, die Lenkung erlaubt einen sauberen Strich auch bei flotterer Kurvenfahrt, in fast allen Motorisierungen serienmäßig unterstützt von der neuen, sanft schaltenden 8-Gang-Automatik.

Bei den Motorisierungen setzt Peugeot beim 508 bevorzugt auf Dieselmotoren – mutig bei der aktuellen Stimmungslage. Immerhin sind alle Motoren – auch die Benziner – Euro-6d-Temp-zertifiziert und sollten deshalb zukunftssicher sein. Von den vier angebotenen Dieselvarianten mit 1,5-l- bis 2,0-l-Hubraum ist der von uns gefahrene durchzugsstarke 2-Liter-Diesel mit 160 PS die vernünftigste Wahl.

In der guten Allure-Ausstattung mit Automatik kostet er 38.450 Euro und ist damit 4000 Euro teurer als der kleine 1,5-Liter-Diesel, der für den günstigeren Preis auch mit 6-Gang-Handschaltung angeboten wird. Aber gerade in dieser Konfiguration nervt das ausgeprägte Turboloch. Den 2-Liter-Diesel gibt es ebenfalls mit 180 PS. Doch dann muss man zur Bestausstattung GT greifen – und zahlt mindestens 46.450 Euro.

Die beiden 1,6-Liter-Benziner (immer mit Automatik und Partikelfilter) starten beim 180 PS-Motor in der günstigsten Active-Variante bei 34.750 Euro. Für die 225 PS-Version werden mindestens 45.600 Euro fällig, weil er wie der große Diesel nur in der GT-Ausstattung zu haben ist. Wer die nicht will, kann gerne den kleineren Motor nehmen, denn in der laufruhigen und ausreichend starken Charakteristik ähneln sich beide Versionen. Einen Plug-in-Hybrid soll es übrigens auch bald geben.

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Absolut gelungen: Das coupéähnliche Design der 508-Limousine wirkt dynamisch  

Für die sichere Fahrt bietet Peugeot die komplette Palette – vom Notbremsassistenten (Serie) über den Parkassistenten (Aufpreis im Paket) bis zum ACC-Tempomaten mit Staufunktion (750 €). Und ganz ungewöhnlich in der Mittelklasse: Das Nachtsichtsystem Night Vision (1200 €), das die nächtliche Straßensituation per Infrarotkamera im Kombiinstrument darstellt.

Mit solchen Angeboten wollen die Franzosen ihren Anspruch unterstreichen, die neue 508er-Generation klassenmäßig etwas höher zu positionieren, um im hart umkämpften Dienstwagen-Markt präsent zu sein. Das kann funktionieren – und zwar dort, wo Fuhrparkleiter für die Beschaffung von möglichst günstigen und trotzdem repräsentativen Flotten-Limousinen verantwortlich sind.

Aber nicht dort, wo sich die Mitarbeiter ihr Auto selbst aussuchen können. Denn da geht es ums firmeninterne Image, weshalb üblicherweise wieder BMW, Mercedes und Audi erste Wahl sind. Oft sind Marken auch vorgegeben, weshalb dann zumindest der stärkste Motor gewählt wird.

Doch genau hier schwächelt das Angebot: Peugeot setzt auf effiziente Motoren, die zwar hervorragend zum Charakter des 508 passen, aber nicht zum Aufschneiden taugen. Für den Dienstwagen- oder gar Staatslimousinen-Markt müssten die Franzosen noch stärkere Motoren nachlegen. Dann brüllt der Löwe nicht nur gut, sondern auch laut.

Technische Daten Peugeot 508 BlueHDI 160 EAT8
Motor 4-Zylinder-Turbodiesel mit Norm Euro 6d-TEMP
Leistung  120 kW/163PS, 400 Nm bei 2000 U/min
Antrieb/Fahrwerk Frontantrieb, 8-Stufen-Wandlerautomatik, McPherson-Vorderachse, Mehrlenker-Hinterachse, adaptives Fahrwerk auf Wunsch (1000 €)
Fahrleistungen 8,4 Sekunden auf 100 km/h, 230 km/h Spitze
Verbrauch 4,5 Liter Diesel/100 km, CO2: 118 g/km
Leergewicht 1605 kg
Maße/Kofferraum L 4,75 / B 1,86 / H 1,40 m / 487 - 1537 Liter
Preis 38.450 € (ab Oktober)

 

  • Das hat uns gefallen: Gute Verarbeitung, effiziente Motoren, straff-komfortables Fahrwerk, gelungene Lenkungsabstimmung, gut gestufte 8-Gang-Automatik, angenehme Geräuschkulisse, viele Fahrerassistenzsysteme (Aufpreis)
  • Das hat uns nicht gefallen: Unbequemer Einstieg hinten, nicht immer gelungene Bedienbarkeit, schlechte Sicht nach hinten/schräg hinten, flacher Kofferraum

 

Text: Thomas Kroher. Fotos: PR. (acfo)

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