Test Opel Grandland X: So gut ist der Tiguan-Rivale

15.5.2019

Mit dem Opel Grandland X sind die Rüsselsheimer im SUV-Segment konkurrenzfähig geworden. ADAC Auto- und Crash-Test zeigen, ob er mit den Konkurrenten mithalten kann. Dazu: Technische Daten, Preise, Motoren, Testergebnisse, Videos.

Mit 4,48 Metern Länge ist der Opel Grandland X ein Vertreter der Kompakt-SUV  
  • Der Opel Grandland X basiert auf dem Konzernbruder Peugeot 3008
  • Im Autotest wird er mit der Note 2,4 (Diesel) bzw, 2,6 (Benziner) bewertet
  • Das Ergebnis im Euro NCAP Crashtest: Volle 5 Sterne
  • 2020 gibt es den Grandland erstmals auch als Plug-in-Hybrid

 

43.100 Euro ist eine stolze Summe für einen Opel. Erst recht, wenn es sich um einen Kompakt-SUV handelt. Genau so viel kostet der Grandland X in der Ultimate-Ausstattung und mit dem neuen Top-Diesel unter der Haube. Setzen die Rüsselsheimer jetzt auf Luxus? Wer darauf hofft, wird enttäuscht.

Mit der Ultimate-Ausstattung reagiert Opel auf die Erfahrungen aus den bisherigen Bestellungen und bündelt einen Großteil der teuren Extras zu einem Paket. Denn: Von den  Kunden, die einen Grandland gekauft haben, hat das Gros erstaunlich viele Sonderposten mitbestellt.

Grandland X: Alternative zum VW Tiguan 

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Fürs Gelände ist der Opel nicht gedacht. Es gibt ihn nur mit Frontantrieb

Die grundsätzliche Entscheidung für den Grandland X ist als Alternative zum VW Tiguan auf jeden Fall keine schlechte: Mit viereinhalb Meter Länge ist er das größte Pferd in Opels SUV-Stall und bietet reichlich Platz.

Selbst für Zwei-Meter-Riesen lässt sich der Vordersitz noch gut justieren und auch hinten finden die Insassen recht gute Platzverhältnisse vor, wie die ADAC Messungen ergeben haben. Hinter einem 1,85 Meter großen Fahrer passen immer noch 1,95 Meter große Mitfahrer – nicht schlecht.

Für die Koffer stehen bei voller Bestuhlung laut Werksangabe 514 – 1650 Liter Stauraum zur Verfügung. Nach ADAC Messung passt zwar mit 425 – 1420 Liter nicht ganz so viel rein, aber für einen längeren Familienurlaub sollte es reichen.

Zum Vergleich: Der VW Tiguan schluckt mit 400 – 1.415 Liter etwas weniger. Nachteil: Die Ladekante ist relativ hoch. Dafür entschädigt der Opel beim Umklappen der Rücksitze mit einem brettebenen Ladeboden.

Der Innenraum ist typisch Opel

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Aufgeräumtes Cockpit mit Apple Car Play und Android Auto

Wer schon mal in einem Opel saß, wird sich auch im Grandland X schnell zurecht finden. Das ist nicht selbstverständlich, schließlich ist der SUV kein waschechter Rüsselsheimer, sondern ein Ableger des Peugeot 3008, mit dem er im französischen Sochaux gemeinsam vom Band rollt.

Die Opel-Designer haben es allerdings geschafft, außen und innen alle Ähnlichkeiten verschwinden zu lassen: Das fängt bei den Opel-Instrumenten an, geht über Schalter, Tasten und Lenkstockhebel bis zum erwähnten Infotainmentsystem mit Online-Zugang.

Dass der Opel eigentlich ein Peugeot ist, merkt man auch beim Fahren nicht sofort: Die hessischen Ingenieure haben das Fahrwerk besser austariert als es den Franzosen gelungen ist. Die Lenkung hinterlässt einen ordentlichen Eindruck, ist recht leichtgängig und erfordert daher wenig Kraftaufwand. Erst der Blick unters Blech offenbart die gemeinsamen Wurzeln: Wie der Peugeot, fährt auch der Opel nur mit Frontantrieb vor, und die Triebwerke stammen allesamt aus Frankreich.

Der baugleiche Peugeot 3008 im Film!

Plug-in-Hybrid-Motor erst ab 2020

Neben dem erwähnten neuen Top-Diesel, der sich mit 177 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment abgesehen von einer kleinen Anfahrschwäche ordentlich ins Zeug legt, steht ein kleinerer Diesel mit 1,5 Liter Hubraum ab 27.810 Euro in der Preisliste. 

Die Otto-Seite wird von einem Dreizylinder mit 1,2 Liter Hubraum (ab 24.250 Euro) und einem 180-PS-Modell (ab 35.150 Euro) bedient. Alle Motoren sind auch mit der ausgesprochen geschmeidig agierenden Achtgang-Automatik zu haben, die PS-stärksten Versionen haben sie sogar serienmäßig an Bord.

Im Frühjahr 2020 kommt ein Plug-in-Hybrid dazu. Der 1,6-Liter-Turbobenziner wird 200 PS (147 kW) leisten, die zwei Elektromotoren jeweils 109 PS (80 kW). Der theoretische Verbrauch wird mit 2,2 Liter angegeben, in Natura wird er sicher höher ausfallen. Dank einer 13,2 kWh großen, platzsparend unter den Rücksitzen platzierten Lithium-Ionen-Batterie ist eine rein elektrische Reichweite von bis zu 50 Kilometern möglich. Über die Rekuperation der Bremsenergie soll sich die elektrische Reichweite um bis zu 10 Prozent erhöhen. Der Preis steht noch nicht fest.

Die Sitze sorgen für einen "gesunden Rücken"

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Die Sitze wurden mit dem Siegel "Aktion Gesunder Rücken" ausgezeichnet

Für die ersten ADAC Tests standen die 130-PS-Versionen als Benziner und als Diesel zur Verfügung. Übertrieben stark klingt das nicht, umso erstaunlicher aber, dass sich der mindestens 1,4 Tonnen schwere Grandland X ziemlich leichtfüßig bewegt.

Der Dreizylinder-Benziner legt quirlig los, und dank des kräftigen Drehmoments von 230 Nm bei 1.750 Umdrehungen können sich auch die Durchzugswerte sehen lassen: Den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h erledigt der Opel in flotten 5,9 Sekunden. Dass es dann doch über elf Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 sein sollen, möchte man kaum glauben.

Der Diesel wirkt etwas gemütlicher und braucht relativ lang, bis seine Höchstgeschwindigkeit von 196 km/h erreicht wird. Hektische Fahrweise passt auch einfach nicht zu dieser Motor-Getriebe-Kombination. Sie lädt eher zu gemütlichem und entspanntem Fahren ein.

Auf dem Papier begnügt sich der Benziner zumindest mit 5,1 Litern je 100 Kilometer, aber wie die meisten Turbos mit kleinem Hubraum langt auch der 1.2er bei flotter Fahrt deutlich kräftiger zu. Im ADAC EcoTest verbrauchte der Motor 6,3 Liter Super im Schnitt, ein eher mäßiger Wert. Bei den Schadstoffen fällt der Grandland mit hohem Kohlenmonoxid-Ausstoß (CO) auf der Autobahn negativ auf. 

5,9 Liter Diesel-Verbrauch, wenig Schadstoffe

Auch der 130-PS-Selbstzünder setzt mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern Diesel im Test keine Bestwerte, doch zugute halten muss man ihm seinen niedrigen Schadstoffausstoß. Hier zeigt die  Euro-6d-TEMP-Norm ihre Wirkung, bei der neue Fahrzeuge auch auf der Straße beweisen müssen wie sauber sie sind.

Zur Ausstattung: Auch wenn es nicht das fast komplett ausgestattete Ultimate-Top-Modell sein muss, so sollte man doch mindestens zur zweiten Linie, Edition genannt, greifen. Die ist in Kombination mit dem Ottomotor ab 26.750 Euro zu haben und bietet den Kunden, neben der besseren Grund-Ausstattung (u.a. Lederlenkrad, Parksensoren hinten, 17-Zoll-Aluräder) zumindest auch die Option auf Annehmlichkeiten wie Abstandstempomat (800 Euro), Rückfahrkamera (435 Euro), Klimaautomatik (450 Euro) oder Navigationssystem (890 Euro).

Dem Basis-Modell Selection bleiben die meisten Zusatz-Extras dagegen verwehrt, auch wenn es nicht gerade nackt vom Band läuft: Tempomat, Spurhaltesystem, Verkehrsschilderkennung und Klimaanlage sind hier auch schon an Bord.

Insgesamt ist der Opel Grandland X eine interessante Alternative zum Bestseller VW Tiguan oder zum Ford Kuga.

Laden Sie hier die ausführlichen Testberichte herunter:

Benziner: Opel Grandland X1.2 DI Turbo, 1,24 MB

Diesel: Opel Grandland X 1.5 Diesel Automatik

Tipp Icon

ADAC Test: Benziner und Diesel im Vergleich

Technische Daten
(Herstellerangaben)
Opel Grandland X 1.2 DI Turbo Dynamic Opel Grandland X 1.5 Diesel Innovation Automatik 
Motor 3-Zylinder-Turbobenziner, 96 kW/130 PS, 1199 cm3, 230 Nm bei 1750 U/min 4-Zylinder-Turbodiesel, 96 kW/130 PS, 1499 cm3, 300 Nm bei 1750 U/min
Fahrleistungen 11,1 s auf 100 km/h, 188 km/h Spitze 12,3 s auf 100 km/h, 192 km/h Spitze 
Verbrauch 5,1 l Super/100 km, CO2-Ausstoß 117 g/km 4,1 l Diesel/100 km, CO2-Ausstoß 108 g/km 
Maße L 4,48 / B 1,86 / H 1,61 m L 4,48 / B 1,86 / H 1,61 m 
Kofferraumvolumen 514 – 1652 l 514 – 1652 l 
Preis 28.950 € 35.360 € 

 

ADAC Messwerte (Auszug) Opel Grandland X 1.2 DI Turbo Dynamic Opel Grandland X 1.5 Diesel Innovation Automatik
Überholvorgang 60 - 100 km/h 5,9 s                     6,7 s 
Bremsweg aus 100 km/h 34,9 m                     34,9 m 
Wendekreis 10,9 m                     11,1 m 
Testverbrauch / CO2-Ausstoß ADAC Ecotest 6,3 l Super/100 km, 171 g/km (well-to-wheel)                     5,9 l Diesel/100 km, 187 g/km (well-to-wheel) 
Reichweite 840 km 895 km 
Innengeräusch bei 130 km/h 67,1 dB (A)                    67,4 dB (A) 
Leergewicht / Zuladung 1425 kg / 505 kg  1495 kg / 505 kg 
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 425 / 915 / 1420 l   425 / 915 / 1420 l 

 

ADAC Testergebnis                     Benziner Gesamtnote: 2,6                     Diesel Gesamtnote: 2,4 
Karosserie/Kofferraum 2,5                     2,6 
Innenraum 2,2                     2,3 
Komfort 2,6                     2,6 
Motor/Antrieb 2,4                     2,0 
Fahreigenschaften 2,6  2,6 
Sicherheit 2,2  2,2 
Umwelt/EcoTest 3,2  2,7 

 

  • Das hat uns gefallen: Umfangreiche Serienausstattung. Viel Platz. Munterer Dreizylinder-Benziner. Iosfix für Beifahrersitz serienmäßig. Gute Ergonomiesitze (Option).
  • Das hat uns nicht gefallen: Hohe Ladekante. Geringe Anhängelast (gebremst 1.350 kg). Mäßige Übersichtlichkeit.

Opel Grandland X im Euro NCAP Crashtest

Der Opel Grandland X erreicht volle 5 Sterne. Das Fahrzeug ist überall mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, optischen und akustischen Gurtwarnern, und seitlichen Kopfairbags ausgestattet. Vorne sind zusätzlich Seitenairbags verbaut. Im Insassenschutz zeigen die Rückhaltesysteme überall eine gute Wirkung für Erwachsene, das Verletzungsrisiko ist gering bis sehr gering. Einzige Ausnahme ist ein mittleres Verletzungsrisiko für den Fahrer beim Crash mit teilweise Überdeckung.

Für Kinder ist das Verletzungsrisiko mittel bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert. Der mittlere Sitz hinten ist für bestimmte kleine, gegurtete Kindersitze geeignet, die Montage auf dem Beifahrersitz ist unkritisch. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar. Ein Notbremsassistent ist nur gegen Aufpreis verfügbar, liefert dann aber gute Ergebnisse.

Hier geht es zu den Detailergebnissen des Opel-Grandland-X-Crashtests

Text: Michael Gebhardt, Jochen Wieler. Fotos: Adam Opel AG.

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