Auto & Innovation

ADAC Fahrbericht: Der neue Dacia Duster

14.12.2017

Die Neuauflage des Dacia Duster wurde optisch aufgehübscht und technisch aufgewertet, aber nicht teurer. Kann das sein? Oder werden wir nur von der Preisliste ausgetrickst? Eine erste Testfahrt – mit allen Daten, Fakten und Preisen

Ein Auto zu bauen, das preiswert für den Kunden und von den Ingenieuren trotzdem ordentlich konstruiert ist, scheint recht schwierig zu sein. Volkswagen beißt sich an dieser Aufgabe jedenfalls seit vielen Jahren die Zähne aus: Ein Billigmodell unter dem Konzerndach von VW gibt es bis heute nicht. Begründung: Mangel an Gewinnaussichten. Ganz anders Renault. Mit ihrer 2005 gestarteten Tochterfirma Dacia eilt die Marke von Erfolg zu Erfolg – und ist dabei erfreulich profitabel, sagen die Franzosen. Das soll auch im Fall der Neuauflage des Dacia Duster so bleiben. Der kompakte SUV ist ab Januar 2018 für konkurrenzlose 11.290 € erhältlich

Zwischen Basis- und tatsächlichem Kaufpreis liegen oft Welten
Aber Vorsicht! Mit den Preislisten bei Automobilen ist das ja so eine Sache: Was sich im Grundpreis nach einem höchst attraktiven Angebot anhört, ist bei näherer Betrachtung meist eine eher kärgliche Offerte. Da gibt es das Basismodell nur mit einem mehr als betagten Motor, da fehlt es ihm vorn und hinten an Ausstattung, und wenn wir den Konfigurator anwerfen, winkt am Ende der Zusammenstellung oft eine Rechnungssumme, die uns Tränen in die Augen treibt. Ob das im Falle des Dacia Duster auch so kommt? Wir haben es ausprobiert.

Mit Diesel und Automatik

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Die Grundstruktur des Dacia Duster blieb, er wirkt jetzt aber frischer 

Wer sich für das Basismodell in Grundausstattung für 11.290 € entscheidet, bekommt einen herkömmlichen 1,6-Liter-Benziner mit Saugeinspritzung und 114 PS. Einen solchen technisch überholten Motor wollte Dacia den Journalisten bei der Fahrpräsentation aber offenbar lieber nicht vorführen. Zu den Testfahrten stand stattdessen als erstes die Top-Dieselversion mit 110 PS, Frontantrieb und Doppelkupplungsautomatik zur Verfügung.

Der Motor zeigt einen moderaten Spritkonsum (Herstellerangabe: 4,5 Liter Diesel/100 km), bietet eine akzeptable Lauf- wie Schaltkultur, und mit dem Drehmoment von 260 Newtonmeter bei 1750 Umdrehungen bewältigt er alle Alltagslagen. Allerdings: Von den 11.290 € Einstiegspreis für den Basisbenziner entfernt man sich mit dieser Version schon um rund 6000 €. Mindestens 17.200 € werden fällig für die Frontantriebskombination mit Automatik. Zum Trost in zweithöchster, auch relativ reichhaltiger Ausstattungsstufe "Comfort".

Mit Turbobenziner und Handschaltung

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Der Unterfahrschutz ist aus Kunststoff, silberfarben nur gegen Aufpreis

Als zweite Modellversion gab es den modernen Turbobenziner mit Direkteinspritzung zu fahren: Laufruhe und Kraftentfaltung dieses Triebwerks stimmen vom ersten Augenblick an positiv, zumal die sechs manuellen Gänge prima durch die Kulisse flutschen. Und auch der Preis ist hier moderater: Nur knapp 16.000 € sind für die Frontantriebversion zu zahlen – und das mit höchster Ausstattungsstufe. Erst in dieser Stimmung registriert und genießt man die im Vergleich zum Vorgänger höherwertigen Materialien im Innnenraum so richtig: Die weich unterschäumten Kunststoff-Armlehnen in den Türen, Lenkrad und Sitze aus Kunstleder sowie die den Augen und Fingern schmeichelnden Drehregler der Klimaanlage. Überhaupt hat Dacia einiges getan, um so etwas wie eine Wohlfühlatmosphäre im Innenraum herzustellen. Zum Beispiel sind die Sitze jetzt spürbar bequemer, und auch die Geräuschdämmung erscheint deutlich besser.

Mit Allrad im Gelände

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Mit Allrad meistert der Duster Geldändepassagen ganz ordentlich 

Zu guter Letzt gab es die Möglichkeit, den Duster mit Allradantrieb auszuprobieren. Auf einem eigens dafür präparierten Kurs in einem Marmorsteinbruch. Prinzipiell bietet Dacia den Allradantrieb für beide Benziner und den stärkeren Diesel an. Nur nicht in Kombination mit LPG-Gasantrieb und nicht in Kombination mit Automatik. Also landeten wir unweigerlich im Top-Modell des neuen Duster, der mit 18.900 € zu Buche schlägt. Trotzdem: Auch dieser Preis ist konkurrenzlos günstig. Und selbst wer sämtliche weiteren Extra-Optionen mitbestellen würde, kommt nicht über 21.000 €.

Klar, wer schon mal mit einem Land Rover im Gelände war, wird vermutlich müde lächeln bei den Übungen, die dem Duster zugemutet wurden. Dafür meistert der Duster dank Böschungswinkeln von 30 (Bug) und 33 Grad (Heck) ordentliche Steigungen und Gefälle. Seine Bodenfreiheit beträgt 21 Zentimeter, der Rampenwinkel für Schrägfahrten an einem Hang 21 Grad. Je nach Bedingungen kann man die Kraft des Antriebs automatisch zwischen den Achsen verteilen lassen oder durch eine Lock-Taste im Verhaltnis 50 : 50 vorn und hinten sperren. Dazu gibt es eine elektronische Bergab- und Berganfahrhilfe sowie ein Kamerasystem, mit dem der Fahrer sich vorn wie hinten und zur Seite einen Überblick verschaffen kann, ob er Gefahr läuft irgendwo anzuecken oder in einem tiefen Loch zu versinken. Respekt.

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Wichtiger für das Gros der Interessenten in Deutschland dürfte jedoch die erlaubte Zuglast sein. 1500 Kilogramm sind’s für Modelle mit Allrad. Bleibt die Frage, worauf man verzichten müsste, wenn man partout ans Spar-Limit ginge und sich für die "nackte" Basisversion für die erwähnten 11.290 € entscheiden würde. Antwort: vor allem auf Komfort. Während man nämlich mit dem betagten Benzinmotor (114 PS/156 Nm/6,6 Liter Super) wohl leben könnte, würde es ohne Radio und ohne Klimaanlage ganz schön schwer damit. Wer diesem Verzicht entgehen will, muss die Comfort-Linie wählen. Damit – acht Zubehör-Positionen insgesamt – kostet der Duster dann 13.500 €. Das aber darf immer noch als ein Schnäppchen bezeichnet werden.

 

Technische Daten  Dacia Duster TCe 125 4x2 
Motor 

4-Zylinder-Turbobenziner und Direkteinspritzung
1197 cm3
92 kW/125 PS
205 Nm bei 2300 U/min

Fahrleistungen  10,4 s von 0 auf 100 km/h
Spitze 177 km/h
Verbrauch 6,2 l Super/100 km
CO2-Ausstoß: 138 g/km 
Maße L 4,34 / B 1,80 / H 1,63 m
Kofferraum 445 – 1478 l
Preis 14.650 € (inkl. "Comfort"-Ausstattung)
  • Das hat uns gefallen: Niedriger Kaufpreis. Ordentliche Ausstattung. Laufruhiger, kräftiger Motor. Komfortable Federung. Für leichtes Gelände geeignet.
  • Das hat uns nicht gefallen: Instabile Klappgriffe an den Türen. Wenig agil bei Kurvenfahrt. Spät reagierender Totwinkel-Warner. Umklappen der Rücksitzlehnen umständlich 

 

Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: PR.

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