Dacia Duster im Test: Wie gut ist der günstige Kompakt-SUV?

16.08.2019

Der Dacia Duster ist 2018 deutlich aufgewertet, aber nicht teurer geworden. Kann das sein? Oder werden wir von der Preisliste ausgetrickst? Plus: Test-Ergebnisse und Euro NCAP-Crashtest

  • Die Basisversion des kompakten Dacia Duster kostet 11.490 Euro
  • Die teureren Turbobenziner werden seit Januar 2019 mit Partikelfilter ausgeliefert
  • Im ADAC Test erreicht die 115-PS-Dieselversion die Note 3,0 – im Crashtest 3 von 5 Sternen

 

Ein Auto zu bauen, das preiswert für den Kunden und von den Ingenieuren trotzdem ordentlich konstruiert ist, scheint recht schwierig zu sein. Volkswagen beißt sich an dieser Aufgabe jedenfalls seit vielen Jahren die Zähne aus: Ein Billigmodell unter dem Konzerndach von VW gibt es bis heute nicht. Begründung: Mangel an Gewinnaussichten.

Ganz anders Renault. Mit ihrer 2005 gestarteten Tochterfirma Dacia eilt die Marke von Erfolg zu Erfolg – und ist dabei erfreulich profitabel, sagen die Franzosen. Das soll auch im Fall der Neuauflage des Dacia Duster so bleiben. Der kompakte SUV ist aktuell für konkurrenzlose 11.490 Euro erhältlich.

Erfreulich: Der 115-PS-Diesel ist sehr sauber 

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Die Grundstruktur des Dacia Duster blieb, er wirkt jetzt aber frischer 

Wer sich für das Basismodell in Grundausstattung für 11.490 Euro entscheidet, bekommt einen Dreizylinder-Turbobenziner mit 100 PS, dessen Fahrleistungen bescheiden ausfallen (0-100 km/h in 12,5 Sekunden, 168 km/h Spitze) und mit wenig Ausstattung kommt. "Essential" kostet mit 12.700 Euro gut 1200 Euro mehr und ist immer noch recht mager ausstaffiert. Eine Einparkhilfe oder ein Navigationssystem ist für diese Variante nicht lieferbar. Wer ein bisschen Komfort haben möchte, muss sein Kreuzchen also bei einer besseren Ausstattungsversion ("Comfort" ab 13.900 Euro) machen.  

Im ADAC Test musste sich die 115-PS-Dieselversion beweisen. Sie startet ab "Comfort" für 15.900 Euro – und somit immer noch sensationell günstig. Dabei beschränkt sich die Komfortausstattung im Grunde auf Klimaautomatik und Sitzheizung vorn. Der Motor sorgt aber für eine positive Überraschung: Denn er bietet nicht nur eine deutlich bessere Laufkultur als der Vorgänger, sondern reduziert dank SCR- Abgasreinigung mit AdBlue seinen Schadstoffausstoß auf ein Minimum.

Testverbrauch: 5,9 l Diesel/100 km

Saubere Abgase sind also auch im preissensiblen Segment möglich, wie Dacia eindrucksvoll zeigt. Eindrucksvoll deshalb, weil die Grenzwerte bei allen Tests deutlich unterschritten wurden, auch bei den RDE-Straßentests. Ansonsten bietet der Motor gute Leistungswerte und verbraucht nicht übermäßig viel. Mit 5,9 Liter Testverbrauch kann man durchaus leben.

Im ADAC Ecotest kommt der Dacia Duster Blue dCi 115 daher auf gute vier von fünf Sternen.

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Innenraum: Hochwertiger als beim Vorgänger

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Der Unterfahrschutz ist aus Kunststoff, silberfarben nur gegen Aufpreis

Im Innenraum fallen die im Vergleich zum Vorgänger höherwertigen Materialien positiv auf: Die weich unterschäumten Kunststoff-Armlehnen in den Türen, Lenkrad und Sitze aus Kunstleder sowie die den Augen und Fingern schmeichelnden Drehregler der Klimaanlage. Überhaupt hat Dacia einiges getan, um so etwas wie eine Wohlfühlatmosphäre im Innenraum herzustellen. Zum Beispiel sind die Sitze jetzt spürbar bequemer, und auch die Geräuschdämmung erscheint deutlich besser.

Dass bei dem Preis gespart werden muss, merkt man im Detail. Die Türrahmen sind nicht verkleidet und die Matte auf dem Kofferraumboden wirkt billig.

Der Kofferraum des Duster fällt für ein Fahrzeug der unteren Mittelklasse großzügig aus. Gemessen bis zur Gepäckraumabdeckung passen 410 Liter hinein, ist alles umheklappt bis zu 1475. Nicht schlecht. Leiser liegt die Ladekante 77 Zentimeter über der Fahrbahn und damit recht hoch. Wasserkästen müssen also recht weit nach oben gehievt werden.

Auch das Platzangebot ist passabel: Die Vordersitze lassen sich so weit zurückschieben, dass auch 1,90 Meter große Personen angenehm sitzen. Hinten reicht die Beinfreiheit aber nur für 1,80 Meter große Insassen – wenn vorne ein 1,85-Meter-Mensch Platz nimmt.

Nur 3 Sterne im Euro NCAP Crashtest

Der Dacia Duster ist mit Gurtkraftbegrenzern und Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Das Verletzungsrisiko ist überwiegend mittel bis gering. Jedoch weist der Insassenschutz beim Frontalaufprall in voller Breite Mängel auf, für den Kopf des Fahrers besteht ein sehr hohes Risiko für Verletzungen. Der Duster hat keinerlei Sicherheitsassistenten an Bord, die Unfälle verhindern oder abmildern könnten – auch optional sind sie nicht verfügbar.

Hier geht es zu den detaillierten Crashtest-Ergebnissen des Dacia Duster.


Dacia Duster: Allrad light fürs Gelände

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Mit Allrad meistert der Duster Geldändepassagen ganz ordentlich 

Wer sich nicht für die getestete Version mit Frontantrieb entscheidet, kann dem Duster auch leichtes Gelände zumuten. Dank Böschungswinkeln von 30 (Bug) und 33 Grad (Heck) sind ordentliche Steigungen und Gefälle machbar Seine Bodenfreiheit beträgt 21 Zentimeter, der Rampenwinkel für Schrägfahrten an einem Hang 21 Grad.

Je nach Bedingungen kann man die Kraft des Antriebs automatisch zwischen den Achsen verteilen lassen oder durch eine Lock-Taste im Verhaltnis 50:50 vorn und hinten sperren. Dazu gibt es eine elektronische Bergab- und Berganfahrhilfe sowie ein Kamerasystem, mit dem der Fahrer sich vorn wie hinten und zur Seite einen Überblick verschaffen kann, ob er Gefahr läuft irgendwo anzuecken oder in einem tiefen Loch zu versinken. Respekt.

Allen Versionen gemein: Sie sind auf Komfort getrimmt. Auf welligen Landstraßen schluckt die Federung einiges weg, was bei flotter Kurvenfahrt aber mit einer starken Karosseriebewegung einhergeht. Beim ADAC Ausweichtest zeigt sich daher eine gewisse Schwammigkeit, was durch die wenig präzise Lenkung noch verstärkt wird.

Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen.

Wichtiger für das Gros der Interessenten in Deutschland dürfte jedoch die erlaubte Zuglast sein. 1500 Kilogramm sind nicht sonderlich viel, was man bei der Wahl seines Wohnanhängers im Blick haben sollte. Dank der zulässigen Stützlast von 75 Kilogramm können auf der Anhängerkupplung auch Heckträger mit beispielsweise zwei schweren Elektro-Bikes montiert werden.

Fazit unserer Test-Redakteure

Für Pragmatiker kann der Duster durchaus eine Empfehlung sein. Allerdings sollte man von der Essential-Ausstattung Abstand nehmen, denn hier gibt es nicht einmal optional Einparkhilfen, Klimaautomatik oder beheizbare Außenspiegel.

Den besten Antriebskomfort bekommen Kunden, die sich für den getesteten Diesel oder einen der Turbobenziner mit 130 oder gar 150 PS entscheiden. Das 100-PS-Basismodell dient dagegen eher als Blickfang für die Preisliste.   

Laden Sie hier Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Dacia Duster Blue dCi 115 Comfort 2WD herunter.

Technische Daten (Herstellerangaben)
Dacia Duster Blue dCi 115 Comfort 2WD                  
Motor 

4-Zylinder-Turbodiesel, 1461 cm3, 85 kW/116 PS, 260 Nm bei 2000 U/min

Fahrleistungen  10,5 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 179 km/h
Verbrauch nach WLTP 5,4 l Diesel/100 km, CO2-Ausstoß: 142 g/km 
Maße L 4,34 / B 1,80 / H 1,63 m
Kofferraum 445 – 1478 l
Preis 15.900 €, Baureihe ab 11.490 €
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
7,0 s 
Bremsweg aus 100 km/h
34,7 m
Wendekreis 11,1 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC Ecotest
5,9 l Diesel/100 km , 187 g CO2/km (well-to-wheel)
ADAC Ecotest-Ergebnis (max. 5 Sterne)  **** 
Reichweite
845 km
Innengeräusch bei 130 km/h 69,8 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1350 / 498 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 410 / 775 / 1475 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 3,0
Karosserie/Kofferraum 3,1                    
Innenraum 2,9
Komfort 3,4
Motor/Antrieb 2,6
Fahreigenschaften 2,7
Sicherheit
3,7 
Umwelt/EcoTest
2,5

 

  • Das hat uns gefallen: Großer Kofferraum. Günstiger Preis. Geringe Gesamtkosten. Sauberer Dieselmotor.
  • Das hat uns nicht gefallen: Magere Sicherheitsausstattung. Schlechte Rundumsicht. Kein Xenon-/LED-Licht zu haben.

Text: Wolfgang Rudschies/Jochen Wieler. Fotos: PR.

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