Dacia Duster im Test: Wie gut ist der günstige Kompakt-SUV?

24.8.2018

Der Dacia Duster 2018 ist optisch und technisch aufgewertet, aber nicht teurer. Kann das sein? Oder werden wir von der Preisliste ausgetrickst? Plus: Test-Ergebnisse und Euro NCAP-Crashtest

  • Die Neuauflage des kompakten Dacia Duster kostet nur 11.500 Euro
  • Optik und Technik wurden deutlich verbessert
  • Im ADAC Test erreicht er nur Note 3,4 – im Crashtest 3 von 5 Sternen

Ein Auto zu bauen, das preiswert für den Kunden und von den Ingenieuren trotzdem ordentlich konstruiert ist, scheint recht schwierig zu sein. Volkswagen beißt sich an dieser Aufgabe jedenfalls seit vielen Jahren die Zähne aus: Ein Billigmodell unter dem Konzerndach von VW gibt es bis heute nicht. Begründung: Mangel an Gewinnaussichten.

Ganz anders Renault. Mit ihrer 2005 gestarteten Tochterfirma Dacia eilt die Marke von Erfolg zu Erfolg – und ist dabei erfreulich profitabel, sagen die Franzosen. Das soll auch im Fall der Neuauflage des Dacia Duster so bleiben. Der kompakte SUV ist seit Januar 2018 für konkurrenzlose 11.490 Euro erhältlich.

Der 114-PS-Benziner fühlt sich schlapp an

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Die Grundstruktur des Dacia Duster blieb, er wirkt jetzt aber frischer 

Wer sich für das Basismodell in Grundausstattung für 11.490 Euro entscheidet, bekommt einen herkömmlichen 1,6-Liter-Benziner mit Saugeinspritzung und 114 PS. Das getestete Modell namens "Essential" kostet mit 12.500 Euro gut 1000 Euro mehr und ist immer noch recht mager ausstaffiert. Eine Einparkhilfe oder ein Navigationssystem ist für diese Variante nicht lieferbar. Wer ein bisschen Komfort haben möchte, muss sein Kreuzchen also bei einer besseren Ausstattungsversion machen.  

Der Motor wirkt trotz seiner 114 PS sehr müde. Gerade im Vergleich mit aktuellen Turbo-Benzinern zeigt sich der Nachteil eines nicht allzu hubraumstarken Saugmotors: 156 Nm Drehmoment liegen erst bei 4000 Umdrehungen an. Heißt: Um auch mal flotter voranzukommen, sind hohe Drehzahlen unabdingbar. Dreht man die Gänge aus, erreicht der Duster nach 11,9 Sekunden 100 km/h, die Spitze liegt bei 172 km/h. Das ist zwar ausreichend, mehr aber auch nicht.

Die Laufkultur des Benziners ist nur durchschnittlich. Zwar fährt das neue Modell leiser als sein Vorgänger, aber bei hohen Drehzahlen dröhnt der Motor merklich.

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8,0 Liter Testverbrauch sind zu viel

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Der Unterfahrschutz ist aus Kunststoff, silberfarben nur gegen Aufpreis

Und der Verbrauch? Im ADAC EcoTest wurden stattliche 8,0 Liter Super auf 100 Kilometer ermittelt. Das ist angesichts der gebotenen Leistung deutlich zu viel. Immerhin: Die Schadstoffwerte sind o.k. so dass dem Duster dennoch drei von fünf Sternen im EcoTest bescheinigt werden können.

Im Innenraum fallen die im Vergleich zum Vorgänger höherwertigen Materialien positiv auf: Die weich unterschäumten Kunststoff-Armlehnen in den Türen, Lenkrad und Sitze aus Kunstleder sowie die den Augen und Fingern schmeichelnden Drehregler der Klimaanlage. Überhaupt hat Dacia einiges getan, um so etwas wie eine Wohlfühlatmosphäre im Innenraum herzustellen. Zum Beispiel sind die Sitze jetzt spürbar bequemer, und auch die Geräuschdämmung erscheint deutlich besser.

Dass bei dem Preis gespart werden muss, merkt man im Detail. Die Türrahmen sind nicht verkleidet und die Matte auf dem Kofferraumboden wirkt billig.

Der Kofferraum des Duster fällt für ein Fahrzeug der unteren Mittelklasse großzügig aus. Gemessen bis zur Gepäckraumabdeckung passen 410 Liter hinein, ist alles umheklappt bis zu 1475. Nicht schlecht. Leiser liegt die Ladekante 77 Zentimeter über der Fahrbahn und damit recht hoch. Wasserkästen müssen also recht weit nach oben gehievt werden.

Auch das Platzangebot ist passabel: Die Vordersitze lassen sich so weit zurückschieben, dass auch 1,90 Meter große Personen angenehm sitzen. Hinten reicht die Beinfreiheit aber nur für 1,80 Meter große Insassen – wenn vorne ein 1,85-Meter-Mensch Platz nimmt.

Nur 3 Sterne im Euro NCAP Crashtest

Der Dacia Duster ist mit Gurtkraftbegrenzern und Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Das Verletzungsrisiko ist überwiegend mittel bis gering. Jedoch weist der Insassenschutz beim Frontalaufprall in voller Breite Mängel auf, für den Kopf des Fahrers besteht ein sehr hohes Risiko für Verletzungen. Der Duster hat keinerlei Sicherheitsassistenten an Bord, die Unfälle verhindern oder abmildern könnten – auch optional sind sie nicht verfügbar.

Hier geht es zu den detaillierten Crashtest-Ergebnissen des Dacia Duster.


Allrad light fürs Gelände

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Mit Allrad meistert der Duster Geldändepassagen ganz ordentlich 

Wer sich nicht für die getestete Version mit Frontantrieb entscheidet, kann dem Duster auch leichtes Gelände zumuten. Dank Böschungswinkeln von 30 (Bug) und 33 Grad (Heck) sind ordentliche Steigungen und Gefälle machbar Seine Bodenfreiheit beträgt 21 Zentimeter, der Rampenwinkel für Schrägfahrten an einem Hang 21 Grad.

Je nach Bedingungen kann man die Kraft des Antriebs automatisch zwischen den Achsen verteilen lassen oder durch eine Lock-Taste im Verhaltnis 50:50 vorn und hinten sperren. Dazu gibt es eine elektronische Bergab- und Berganfahrhilfe sowie ein Kamerasystem, mit dem der Fahrer sich vorn wie hinten und zur Seite einen Überblick verschaffen kann, ob er Gefahr läuft irgendwo anzuecken oder in einem tiefen Loch zu versinken. Respekt.

Allen Versionen gemein: Sie sind auf Komfort getrimmt. Auf welligen Landstraßen schluckt die Federung einiges weg, was bei flotter Kurvenfahrt aber mit einer starken Karosseriebewegung einhergeht. Beim ADAC Ausweichtest zeigt sich daher eine gewisse Schwammigkeit, was durch die wenig präzise Lenkung noch verstärkt wird.

Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen.

Wichtiger für das Gros der Interessenten in Deutschland dürfte jedoch die erlaubte Zuglast sein. 1500 Kilogramm sind’s für Modelle mit Allrad, der getestete Fronttriebler kommt auf 1400. Dank der zulässigen Stützlast von 75 Kilogramm können auf der Anhängerkupplung auch Heckträger mit beispielsweise zwei schweren Elektro-Bikes montiert werden.

Fazit unserer Test-Redakteure

Für Pragmatiker kann der Duster durchaus eine Empfehlung sein. Allerdings sollte man von der Essential-Ausstattung Abstand nehmen, denn hier gibt es nicht einmal optional Einparkhilfen, Klimaautomatik oder beheizbare Außenspiegel.

Laden Sie hier Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Dacia Duster SCe 115 Essential 2WD herunter.

Technische Daten (Herstellerangaben)
Dacia Duster SCe 115 Essential 2WD 
Motor 

4-Zylinder-Benziner, 1598 cm3, 84 kW/114 PS, 156 Nm bei 4000 U/min

Fahrleistungen  11,9 s von 0 auf 100 km/h, Spitze 172 km/h
Verbrauch 6,5 l Super/100 km, CO2-Ausstoß: 149 g/km 
Maße L 4,34 / B 1,80 / H 1,63 m
Kofferraum 445 – 1478 l
Preis 12.500 €, Baureihe ab 11.490 €
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
7,9 s 
Bremsweg aus 100 km/h
36,3 m
Wendekreis 10,4 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
8,0 l Super/100 km , 220 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
625 km
Innengeräusch bei 130 km/h 70,5 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1260 / 452 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 410 / 775 / 1475 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 3,4
Karosserie/Kofferraum 3,2 
Innenraum 3,1
Komfort 3,8
Motor/Antrieb 3,3
Fahreigenschaften 
3,1
Sicherheit
3,8
Umwelt/EcoTest
3,3

 

  • Das hat uns gefallen: Großer Kofferraum. Günstiger Preis. Geringe Gesamtkosten.        
  • Das hat uns nicht gefallen: Schlechte Rundumsicht. Hoher Verbrauch. Mäßige Ausstattung beim Essential-Modell.    

Text: Wolfgang Rudschies/Jochen Wieler. Fotos: PR.

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