Test Toyota Mirai: Wasserstoff an Bord

18.10.2018

Wie schlägt sich ein Elektroauto mit Brennstoffzelle im Autotest? Der ADAC hat den Toyota Mirai mit seinem Wasserstoff-Antrieb unter die Lupe genommen. Plus: Technische Daten, detaillierte Testergebnisse, Video und Preise

Vorderansicht Toyota Mirai
Antrieb der Zukunft? Der Toyota Mirai sieht schon mal sehr futuristisch aus
  • Der Mirai bietet einen sauberen H2-Elektro-Antrieb ohne Schadstoffausstoß
  • Die Brennstoffzelle ermöglicht für bis zu 480 Kilometer Reichweite
  • Infrastruktur: Es fehlt noch an ausreichend Wasserstoff-Tankstellen

 

Es gehört viel Mut dazu, ein Auto wie den Mirai auf den Markt zu bringen. Nein, nicht wegen des eigenwilligen Designs. Vielmehr ist es sein Antrieb, der einer größeren Verbreitung zunächst im Weg steht: Der Toyota ist neben dem Hyundai Nexo das aktuell zweite kaufbare Elektroauto, das seinen Strom mithilfe einer Brennstoffzelle generiert und nicht aus einer Batterie bezieht.

Gute Fahrleistungen, lautloses Gleiten

Zoom-In
Heckansicht Toyota Mirai
Ein bisschen erinnert das Heck des Mirai an den BMW 7er von 2001

Die Idee, an der auch andere Hersteller wie Daimler, GM und Honda seit Jahren tüfteln: Statt einen bleischweren Akku stundenlang aufladen zu müssen, wird an einer Tankstelle H2, also Wasserstoff gezapft. Den verwandelt die Brennstoffzelle an Bord in Strom. Auf der einen Seite einer dünnen Membran wird Wasserstoff eingebracht, auf der anderen Sauerstoff. Als Reaktion entsteht Strom für den Antrieb und Wasser, das aus dem Auspuff  tröpfelt.

Das Fahren geschieht weit unspektakulärer, als man denkt. Wer Elektroautos kennt, wird keinen Unterschied feststellen: Einfach den Startknopf drücken, Wählhebel auf "D", und der Mirai zieht fast lautlos und überraschend flott davon. Ein Tritt aufs Gas wird verzögerungsfrei in flotten Vortrieb umgesetzt. Von der Arbeit der Brennstoffzelle unter dem Beifahrersitz bekommt man außer einem leichten Sirren beim starken Tritt aufs Gas fast nichts mit.

Das Tanken funktioniert so simpel wie bei einem Gasauto und ist in fünf Minuten erledigt. Vorausgesetzt die Tankstelle funktioniert, denn die Technik ist immer noch ziemlich störanfällig. Zudem gelingt es nicht jeder Tankstelle immer, die 5-Kilo-Behälter ganz voll zu machen. Oft fehlt der Druck und die Anlage bricht ab. Ein Ärgernis, das man zwar nicht den Autos anlasten kann, den Aktionsradius aber doch erheblich schmälert.

Testverbrauch: 1,0 kg Wasserstoff/100 km

Der läge bei einem Testverbrauch von gut einem Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometer bei 484 Kilometer. Das ist deutlich mehr, als die meisten Elektroautos mit Stromakku zu bieten haben. Beiden gemein ist, dass sie in der Anschaffung teuer sind, dafür aber lokal emissionsfrei fahren.

Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen.

 

Eine saubere Sache also? Es kommt drauf an. Ein Brennstoffzellenauto ist nur so sauber wie der Strom für die Produktion des Wasserstoffs – und damit im Betrieb auch nicht umweltfreundlicher als batteriebetriebene E-Autos. Beim aktuellen Strommix der Bundesrepublik fallen 121 Gramm CO2 je Kilometer an. Die Antriebswende beim Auto geht also nur Hand in Hand mit einer geglückten Energiewende. Insgesamt erhält der Toyota Mirai trotzdem volle fünf Sterne im ADAC Ecotest.

Bei der flachen Stufenheckkarosserie des Toyota zeigt sich, dass die Antriebskomponenten einfach nicht optimal unterzubringen sind. Vor und hinter der Hinterachse sitzen zwei Wasserstoff-Drucktanks und zwischen Rücksitzlehne und Kofferraum eine 1,6-kWh-Batterie, die zurückgewonnene Energie speichert. Variabel umklappen kann man die Rückenlehne nicht: Es bleibt bei einem zerklüfteten, nach ADAC Messungen 340 Liter fassenden Kofferraum und vier passablen Sitzplätzen mit bequemer Lederpolsterung.

Autos mit Brennstoffzelle sind (noch) Exoten

Was zukunftsweisend klingt, hat zwei Haken. Zum einen ist der Mirai, der das Format einer Mercedes E-Klasse hat, kein Schnäppchen. 600-1200 € Leasinggebühr (inkl. Versicherung und Wartung) sind im Monat fällig – oder wahlweise gut 78.000 €. Zudem gibt es in ganz Deutschland nur rund 50 Wasserstoff-Tankstellen. Ende 2018 sollen gut 20 weitere in Ballungsgebieten und an wichtigen Verkehrsachsen an der Autobahn dazukommen. Bis zum Jahr 2023 ist in Deutschland ein Netz von 400 Tankstellen geplant. Eine Karte zeigt den aktuellen Stand* der bereits gebauten und noch geplanten Standorte an. 

Doch auch wenn die Tankstellendichte wächst, sind Wasserstoffautos momentan eher etwas für Leute mit Pioniergeist. Noch sind sie teuer, und hinter dem Wertverlust steht ein dickes Fragezeichen. Aber sonst spricht nichts gegen den ausgereiften Japaner.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Toyota Mirai.

 

Technische Daten Toyota Mirai
Antrieb  Elektromotor, Brennstoffzelle, 114 kW/155 PS, 335 Nm ab 1 U/min 
Fahrleistungen  9,6 s auf 100 km/h, 178 km/h Spitze 
Verbrauch  0,76 kg Wasserstoff/100 km, 0 g CO2/km 
Maße  L 4,89 / B 1,82 / H 1,54 m
Kofferraum
361 l
Leergewicht
1850 kg
Preis
78.600 €

ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
5,9 s 
Bremsweg aus 100 km/h
36,3 m
Wendekreis 12,2 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
1,0 kg Wasserstoff/100 km , 121 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
480 km
Innengeräusch bei 130 km/h 67,0 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1860 / 320 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 340 / – / – l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,3
Karosserie/Kofferraum 3,3 
Innenraum 3,0
Komfort 2,3
Motor/Antrieb 1,5
Fahreigenschaften 
3,1
Sicherheit
2,0
Umwelt/EcoTest
2,3

 

  • Das hat uns gefallen: Lokal emissionsfrei. Leiser und harmonischer Antrieb. Gute Ausstattung. Hoher Komfort.       
  • Das hat uns nicht gefallen: Geringe Zuladung. Kofferraum nicht variabel. Keine Anhängelast.    

Text: Jochen Wieler. Fotos: PR.

Viele weitere Fahrberichte und Autotests finden Sie auf der Übersichtsseite der ADAC Motorwelt

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns:  redaktion.motorwelt@adac.de

 

* Durch Anklicken des Links werden Sie auf externe Internetseiten weitergeleitet, für dessen Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.