Es gurgelt und summt: ADAC Test des neuen Toyota Mirai

Der Toyota Mirai ist ein ziemlich schickes Auto geworden ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Toyota

Mit der zweiten Generation des Toyota Mirai geht das Brennstoffzellenfahrzeug mit mehr Reichweite und neuer Optik in die nächste Runde. ADAC Test des Wasserstoff-Exoten. Alle Infos, technische Daten, Preis

  • Wasserstoffauto jetzt mit gemessenen 555 km Reichweite

  • Sehr komfortable Auslegung, Elektromotor mit 134 kW

  • Schneller Tankvorgang – wenn alles funktioniert

  • Selbstbewusste Preise: von 63.900 bis 73.900 Euro

Ein kurzes Zischen, ein dezenter Heulton, und die Limousine setzt sich in Bewegung. Leise, fast so lautlos wie ein Elektrofahrzeug. Willkommen in der zweiten Generation des Toyota Mirai, dem Vorreiter der Wasserstofftechnik im Pkw.

Der Japaner wird elektrisch angetrieben. Doch die Energie wird nicht per Stromkabel geladen, sondern unter der langen Haube von einem Brennstoffzellenstack an Bord hergestellt. Als Primärenergie wird gasförmiger Wasserstoff aus Tanks im breiten Kardantunnel und unter der Rücksitzbank genutzt, der E-Motor befindet sich ebenfalls im Heck.

Die Tanks halten 5,6 Kilogramm Wasserstoff bei 700 bar Druck bereit und damit etwas mehr als beim Vorgänger. Der Kraftstoff wird in der Brennstoffzelle zu Strom und Wasser umgewandelt, die gewonnene Energie teilweise in einer Pufferbatterie zwischengespeichert.

Toyota Mirai als klassische Limousine

Mit knapp fünf Metern Länge ist der Mirai eine stattliche Limousine © Toyota

Von außen wirkt das aktuelle Modell nicht mehr so als Exot wie der unkonventionell gestaltete Vorgänger. Es wirkt jetzt gestreckt: Kein Wunder bei stolzen 4,97 Metern Länge, dem niedrigen Dach und der üppigen Motorhaube – das sieht schick aus und soll nicht nur technik-, sondern auch optikaffine Menschen überzeugen. Der neue Mirai will nun noch praktischer und noch komfortabler als der ohnehin schon sehr kommode Vorgänger sein, noch mehr Reichweite bieten.

Es gibt zwar auch einen Sportmodus, der Gaspedal- und Lenkradkennung merklich nachschärft. Doch richtig passen will das zu dem großen Gleiter nicht wirklich, auch wenn der Elektromotor mit 134 kW/182 PS und 300 Newtonmetern Drehmoment über das stufenlose Getriebe überaus kraftvoll die Hinterräder antreibt. Bei Vollgas beschleunigt der Mirai von 0 auf 100 in 9,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 175 km/h. Der Mirai gibt seine Kraft wie für E-Autos typisch sehr homogen ab und reagiert sehr spontan auf Beschleunigungswünsche.

360-Grad-Ansicht: Das Cockpit des Toyota Mirai

Es gurgelt und summt sehr leise

Besser passen Eco- und Normal-Modus. Dann können sich die Passagiere in die weichen und bequemen Sitze zurücklehnen, während die immerhin rund 2,1 Tonnen schwere Limousine sanft und komfortabel über die Straße federt. In den gut gedämmten Innenraum dringt nur bei starker Beschleunigung ein leises Zischen, immer dann, wenn der Kompressor viel Luft durch die Brennstoffzelle presst. Begleitet wird es von einem leichten Gurgeln und Summen bei konstantem Tempo.

Das mag für Wasserstoff-Novizen ungewöhnlich sein, ist aber nicht störend und typisch für ein Brennstoffzellenfahrzeug. Das Geräusch ist allerdings schon bei leise eingestelltem Radio nicht mehr zu hören und noch weniger wahrzunehmen als beim Vorgänger. Grund: Die Brennstoffzellen-Einheit befindet sich nicht mehr unter den Vordersitzen, sie ist unter die Haube gewandert.

Volle fünf Sterne im ADAC Ecotest für den Mirai

Im Normalfall entledigt sich der Mirai des anfallenden Wassers automatisch: Es dampft oder tröpfelt stetig aus dem „Auspuff“. Doch wer auf einen Showeffekt steht: Es gibt auch eine H₂O-Taste links neben dem Lenkrad. Dann entlässt der Mirai aus dem Unterboden effektvoll einen Wasserstrahl aus klarem, destillierten Wasser, das bei der Reaktion in der Brennstoffzelle als Endprodukt anfällt.

Die Brennstoffzellen-Limousine stößt lokal keinerlei CO₂ aus, was gerade in von Schadstoffen belasteten Innenstädten ein großes Plus darstellt. Im ADAC Ecotest wird allerdings nicht nur der lokale Ausstoß, sondern auch der CO₂-Ausstoß bewertet, der sich aus der Produktionskette des Kraftstoffs ergibt. Deshalb ergibt sich bei einem Wasserstoffverbrauch von 1,0 kg/100 km im Ecotest ein CO₂-Wert von 120 g/km. Und letztlich ergattert der Mirai alle fünf möglichen Ecotest-Sterne.

Eingeschränktes Platzangebot im edlen Innenraum

Der Fahrer genießt die große Stille und den edlen Innenraum © Toyota

Genießen ist die Devise im Mirai. Dazu laden das im Testauto eingesetzte helle Leder und die Klavierlack-Optik am Armaturenbrett ein. Im Fond – der alte Mirai war ein Viersitzer – finden nun auch drei Erwachsene Platz. Allerdings nicht gerade viel: Die Platzverhältnisse hinten sind für eine Limousine der oberen Mittelklasse vergleichsweise bescheiden. Die nach hinten
stark abfallende Dachlinie limitiert den Platz auf rund 1,80 Meter große Personen. Erstaunlich: Obwohl die Außenlänge und auch der Radstand im Vergleich zum Vorgänger deutlich größer sind, fällt die Beinfreiheit nun deutlich geringer aus.

Das Raumempfinden ist aufgrund der niedrigen Dachlinie, der hohen Seitenlinie und dem infolge des Wasserstofftanks sehr breiten und hohen Mitteltunnel merklich eingeschränkt. Vorne geht es zwar etwas luftiger zu, die Einschränkungen sind aber auch hier zu spüren. Der Kofferraum fällt für eine Limousine der oberen Mittelklasse mit 350 Litern vergleichsweise klein aus. Erschwerend kommt hinzu, dass sich das Volumen aufgrund der starren Rückbank nicht erweitern lässt.

Digitales Cockpit mit vielen Funktionen

Das digitale Cockpit gibt Infos zum Fahrzustand und zur Brennstoffzelle, das Entertainmentsystem mit riesigem Bildschirm in der Mitte ist Toyota-gewohnt verspielt – erinnert etwas an die Schwestermarke Lexus. Die teils recht verzweigte Menüstruktur erfordert eine längere Eingewöhnungsphase, beim Erstkontakt dürften viele vom großen Funktionsumfang erschlagen werden.

Dass manche Einstellungen auch über das Kombiinstrument vorgenommen werden müssen, ist ebenso kritikwürdig wie die verdeckten Tasten links vom Lenkrad. Die grundlegenden Klimaeinstellungen lassen sich über das übersichtliche Bedienteil vornehmen, für detaillierte Einstellungen muss man allerdings umständlich das Klimamenü auf dem Zentraldisplay aufrufen.

Praxistauglich: 555 Kilometer Reichweite im ADAC Test

Im Vergleich zum Vorgänger wurde die Brennstoffzelle kompakter: 330 Zellen statt vormals 370 sorgen für die Umwandlung von Wasserstoff in Strom und Wasser, die Einheit wurde wesentlich kleiner. Dennoch stieg die Leistung von 154 auf 182 PS. Und in Kombination mit den nun drei Tanks mit insgesamt 20 Prozent mehr Volumen und der besseren Effizienz des Antriebs konnte die Reichweite um 30 Prozent erhöht werden. Bis zu 650 Kilometer weit soll der Mirai laut Toyota mit einer Tankfüllung kommen. Im ADAC Ecotest waren es durchaus akzeptable 555 Kilometer. Damit kann der Mirai die meisten batterieelektrischen Fahrzeuge hinter sich lassen.

An H₂-Tankstellen mangelt es noch

Zwei Wasserstofftanks befinden sich unter dem Fahrgastraum, einer hinter der Hinterachse © Toyota

Brennstoffzellenfahrzeuge fahren zwar lokal emissionsfrei, haben allerdings auch ein paar Nachteile: Der Antrieb hat einen Wirkungsgrad von bis zu 65 Prozent, ein batterieelektrischer Antrieb etwa 90 Prozent. Dazu kommt die Gewinnung von Wasserstoff: CO₂-Neutralität wird nur erreicht, wenn Wasserstoff durch regenerative Energie erzeugt wird. Bisher wird Wasserstoff aus Erdgas gemacht: Um aus überschüssigem Wind- und Sonnenstrom Wasserstoff zu produzieren, wären Elektrolyse-Anlagen von großem Ausmaß nötig.

Außerdem hakt es bei der Infrastruktur. In Deutschland bieten derzeit nur 92 Tankstellen Wasserstoff an, weitere 12 sollen in den nächsten Monaten folgen. Zum Vergleich: Benzin und Diesel kann man an rund 14.400 Tankstellen zapfen.

Das Tanken selbst funktioniert so simpel wie bei einem Gasauto und ist in fünf Minuten erledigt. Vorausgesetzt die Tankstelle funktioniert, denn die Technik ist immer noch ziemlich störanfällig, wie der ADAC bei seinen Tests immer wieder feststellt. Zudem gelingt es nicht bei jeder Druckbetankung, die Behälter im Auto ganz voll zu machen: Oft fehlt der Druck, und die Anlage bricht ab. Ein Ärgernis, das man zwar nicht den Autos anlasten kann, den Aktionsradius aber doch erheblich schmälert.

Preis: Ab 63.900 Euro

Die Brennstoffzelle erzeugt unter der Haube Energie aus Wasserstoff © Toyota

Insgesamt ist die Auswahl an Fahrzeugen mit Brennstoffzelle noch klein. Neben dem Mirai gibt es nur noch den Hyundai Nexo (ab 77.290 Euro). Europäische Hersteller – vor vielen Jahren noch Vorreiter bei der Brennstoffzellen-Technologie – sind beim Thema Wasserstoff inzwischen sehr zögerlich und sehen den Antrieb eher bei Nutzfahrzeugen denn bei Pkw. Mit einem Grundpreis von 63.900 Euro wurde der Mirai im Vergleich zum Vorgänger rund 15.000 Euro günstiger und kommt damit sogar in den Genuss der aktuellen Elektroautoförderung – rund 7500 Euro kann man also noch abziehen. Der getestete "Executive" ist 3000 Euro teurer.

Ob das dem Mirai zum Durchbruch verhilft? Weltweit möchte Toyota 30.000 Mirai pro Jahr an den Mann bringen, in Europa 2500. Das ist zehnmal mehr als bisher, aber immer noch sehr wenig: 2021 wurden in Deutschland gerade einmal rund 300 Mirai zugelassen.

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Toyota Mirai: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Toyota Mirai Executive (ab 04/21)

Motorart

Wasserstoff (E-Motor)

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

134

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

182

Drehmoment (Systemleistung)

300 Nm

Antriebsart

Heck

Beschleunigung 0-100km/h

9,2 s

Höchstgeschwindigkeit

175 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

650 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

0,8 kg/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

1,2

Kofferraumvolumen normal

300 l

Leergewicht (EU)

1.920 kg

Zuladung

495 kg

Garantie (Fahrzeug)

3 Jahre oder 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.975 mm x 1.885 mm x 1.470 mm

Grundpreis

69.090 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Toyota Mirai Executive

Überholvorgang 60 – 100 km/h

4,9 s

Bremsweg aus 100 km/h

37,1 m

Wendekreis

12,7 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

1,0 kg Wasserstoff/100 km, 120 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

*****

Reichweite

555 km

Innengeräusch bei 130 km/h

65,7 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1940 / 475 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

350 / – / – l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Toyota Mirai Executive

Karosserie/Kofferraum

3,2

Innenraum

2,7

Komfort

2,3

Motor/Antrieb

1,2

Fahreigenschaften

2,8

Sicherheit

1,7

Umwelt/Ecotest

1,4

Gesamtnote

2,0

Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen: 0,6 – 1,5 sehr gut; 1,6 – 2,5 gut; 2,6 – 3,5 befriedigend; 3,6 – 4,5 ausreichend; 4,6 – 5,5 mangelhaft

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Text: Fabian Hoberg