Suzuki Swift: Mini-Cooper-Konkurrent im Test

9.11.2017
Der neue Suzuki Swift 1.0 Boosterjet muss im 300 Punkte umfassenden ADAC Test zeigen, wie gut er ist. Dazu: technische Daten, Infos und Preise. Gesamturteil: Note 2,8

Kleinwagen sind eine prima Sache. Sie kosten bei weitem nicht so viel wie große Autos, nehmen wenig Verkehrsfläche in Anspruch, sind wendig, meist auch flott und reichen für alle kurzen und mittleren Strecken vom Platz her völlig aus. Die Frage ist nur: Welches Modell soll man nehmen? Zum Beispiel den Suzuki Swift, der aktuell in in der sechsten Generation vorfährt.

Beim Design ihres Kleinen haben die Japaner eine Menge richtig gemacht. Der Swift hat durch ein paar optische Retro-Zitate eindeutig an Hinguck-Appeal gewonnen, er sieht dank der etwas breiteren und klareren Front, der kräftigeren Schulterlinie und seiner kürzeren Überhänge erwachsener und muskulöser aus. Vom längeren Radstand profitieren vor allem Fahrer und Beifahrer sowie der Kofferraum, der jetzt ausreichende 250 bis maximal 955 Liter fasst. Für die Fond-Passagiere bleibt’s jedoch genauso eng wie im Vorgängermodell.

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Gutes Fahrwerk, schwache Bremsen
Unser Testfahrzeug trägt den geheimnisvollen Zusatznamen Boosterjet SHVS.  Die Erklärung: „Boosterjet“ weist darauf hin, dass der kleine Dreizylindermotor des Swift per Turbolader zu Höchstleistungen angespornt wird. Und tatsächlich: 10,6 Sekunden für den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 195 km/h sind beeindruckende Werte für einen Kleinwagen – allerdings wird der Motor dann auch unangenehm laut.

Und hinter dem Kürzel „SHVS“ verbirgt sich ein ganz besonderes technisches Detail: Ein Mild-Hybridsystem, das die beim Bremsen gewonnene Energie in einer Hochleistungsbatterie (Lithium-Ionen-Akku) speichert und dann zur Unterstützung beim Beschleunigen nutzt. Das spart Benzin, vor allem in der Stadt. Allerdings erreicht der Swift mit 5,6 Liter Verbrauch und schlechten Abgaswerten im ADAC EcoTest nur drei Sterne.

Das Fahrwerk ist im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich komfortabler abgestimmt: Unebenheiten der Straße werden prima abgefedert, Fahrbahnabsätze oder Kanten von Gullideckeln sind nur gedämpft zu spüren. Beim Ausweichtest durchfährt der Swift die Pylonengassen sicher und kontrollierbar. Leider ist die Lenkung etwas gefühllos und lässt es an Rückstellmoment fehlen. Und: Beim Bremsen von 100 km/h bis zum Stillstand benötigt der Swift 37,4 Meter – ein mäßiger Wert!

Für Sicherheit sorgen Assistenzsysteme
Dass Suzuki die Vordersitze gegenüber dem Vorgänger etwas tiefer montiert hat, sorgt für eine entspannt-sportliche Sitzposition, die das sichere Gefühl auch bei munteren Kurvenpassagen noch unterstützt. Alle Schalter sitzen da, wo man sie vermutet. Dazu passt gut auch die Bedienung der Menüpunkte Hören, Anrufen, Fahren und Verbinden mittels Touchscreen - wie das funktioniert, hat man schnell raus. Getrübt wird das Fahrvergnügen leider etwas durch die billig wirkenden Materialien der Innenraumverkleidungen.

Für ein gutes und sicheres Gefühl sorgen die teils serienmäßigen, teils optionalen Helfer wie Fernlicht-Assistent, kamera- und radarbasierter Notbrems-Assistent, Spurverlassenswarner oder adaptiver Tempomat mit regelbarem Abstand zum Vordermann. Schon die mittlere Ausstattungsstufe Comfort hält Nettigkeiten wie eine Sitzheizung vorn, ein Digitalradio samt Smartphone-Anbindung, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Lenkrad-Bedienung, 16-Zoll-Alufelgen, Nebelscheinwerfer und eine Rückfahrkamera parat.

Die Preise starten ab 13.790 Euro
Die Ausstattungslinie Comfort+ unseres Testwagens setzt da sogar noch einen drauf: Die Spitzenversion verfügt beispielsweise noch über ein farbiges LCD-Display plus LED-Rückleuchten und -Scheinwerfer mit Leuchtweitenregulierung oder ein Keyless-Start-System. Mit dieser Ausstattung schneidet der Suzuki Swift im Kostenkapitel sehr gut ab: Die Haftpflichtversicherung ist günstig, die Kfz-Steuer niedrig, der Wertverlust schätzungsweise moderat. Lohn ist die Note 1,4 in der Kostenbewertung.

Der Kaufpreis von 19.940 Euro (der Basis-Swift mit dem 90 PS-Vierzylinder startet bei 13.790 Euro) geht also angesichts der umfangreichen Ausstattung und der gebotenen Motorleistung völlig in Ordnung. Allerdings gibt es fürs gleiche Geld zum Beispiel auch einen brandneuen VW Polo. In Basis-Ausstattung, aber mit Siebengang-DSG. Oder einen Golf – mit weniger Leistung, aber mehr Platz. Oder einen Ford Fiesta. Und die sind auch alle auf der Höhe der Zeit.

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Daten, Fakten, Testergebnisse

Suzuki Swift 1.0 BoosterJet SHVS
Herstellerangaben
Motor: 3-Zylinder-Turbobenziner, 998 cm3, 82 kW/111 PS, 170 Nm bei 2000 U/min
Fahrleistungen: 10,6 s auf 100 km/h, 195 km/h Spitze
Maße: L 3,84/B 1,74/H 1,48 m
Preis Comfort+: 19.940 €, Baureihe: ab 13.790 €

ADAC Messwerte
Überholvorgang 60–100 km/h: 5,9 s
Verbrauch gesamt: 5,6 l Super/100 km, 151 g CO2/km (Well-to-wheel)
Kofferraum: 250 l – 955 l (Ausnutzung des kompletten Raums hinter den Vordersitzen)
Bremsweg aus 100 km/h: 37,4 m
Wendekreis: 10,6 m
ADAC Ecotest (max. 5 Sterne): 3 Sterne

ADAC Gesamturteil
Note: 2,8 (befriedigend)*
* Notengrenzen: 0,6–1,5 (sehr gut), 1,6–2,5 (gut), 2,6–3,5 (befriedigend), 3,6–4,5 (ausreichend), 4,6–5,5 (mangelhaft) [Kein Text im Feld]

Hier können Sie den detaillierten Testbericht (PDF-Download769,05 KB) des ADAC Technikzentrums herunterladen.

Text: Wolfgang Rudschies, MID. Fotos: PR.

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