Verschneite Verkehrsschilder – was Sie beachten sollten

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/David Klein/Shutterstock

Eis und Schnee bedecken im Winter nicht nur die Straßen, sondern manchmal auch Verkehrsschilder. Der ADAC erklärt, ob diese dennoch gelten und ob Sie ein Schild sogar freikratzen müssen.

Immer wieder führen Autofahrer vor Gericht an, dass sie das ihnen vorgeworfene Vergehen nur deshalb begangen hätten, weil das Verkehrsschild durch Schnee und Eis oder Schmutz nicht eindeutig zu erkennen gewesen sei.

Generell gilt für Verkehrszeichen der sogenannte Sichtbarkeitsgrundsatz. Demnach muss ein Verkehrsschild so aufgestellt sein, dass es der Fahrer schon mit einem raschen und beiläufigen Blick ohne weitere Überlegungen erfassen kann. Ein Verkehrszeichen, das so stark eingeschneit, vereist oder verschmutzt ist, dass man seine Bedeutung nicht erkennt, ist unter Umständen nicht mehr zu beachten.

Leicht verschneite Verkehrsschilder bleiben gültig

Wenn die Bedeutung eines Schildes nicht mehr zu erkennen ist, ist das allerdings kein Freibrief für verkehrswidriges Verhalten. Verschneite Verkehrsschilder bleiben dann gültig, wenn Sie deren Bedeutung anhand der Form eindeutig erkennen können. Dazu gehören beispielsweise das charakteristische achteckige Stoppschild oder das auf der Spitze stehende, dreieckige Verkehrszeichen „Vorfahrt achten“.

Im Gegensatz dazu gibt es Schilder, die allein aufgrund ihrer Form mehrere Bedeutungen haben können. Dazu zählen die dreieckigen Gefahren- sowie die runden Verbots- oder Beschränkungszeichen, wie zum Beispiel erlaubte Höchstgeschwindigkeiten. Sind diese zugeschneit oder stark verdreckt, kann vom Verkehrsteilnehmer nicht erwartet werden, dass er sie befolgt. Für Ortskundige gilt dies allerdings nicht.

Strengere Regeln für Ortskundige

Ein Autofahrer durchfährt seit Jahren auf dem täglichen Weg zur Arbeit eine Tempo-30-Zone. Ignoriert er die vorgeschriebene Geschwindigkeit und wird geblitzt, wird ihm der Hinweis auf die verschneiten Verkehrszeichen kaum helfen. Der Grund: Von ortskundigen Autofahrern, die bestimmte Strecken regelmäßig fahren, kann durchaus erwartet werden, dass sie die dort geltenden Regeln kennen – auch dann, wenn das Verkehrszeichen Tempo-30-Zone verschneit ist.

Angepasste Fahrweise ist ein Muss

Natürlich muss kein Autofahrer seine Fahrt unterbrechen, aussteigen und ein verschneites Schild freikratzen. Halten Sie sich aber immer an die Regeln der Straßenverkehrsordnung (StVO) – beachten Sie also die allgemeinen Tempolimits innerorts und außerorts und fahren Sie mit angepasster Geschwindigkeit. Werden Sie dann zum Beispiel mit Tempo 50 auf einer Strecke geblitzt, auf der 30 km/h gelten, kann das ohne Folgen bleiben. Ein Problem ist allerdings die Beweislast.

Für Verkehrszeichen gilt der Sichtbarkeitsgrundsatz

Ein Verkehrsschild muss so aufgestellt sein, dass es der Fahrer bereits mit einem raschen und beiläufigen Blick ohne weitere Überlegungen erfassen kann.

Unabhängig von Tempovorschriften gilt immer: Sie dürfen nur so schnell fahren, dass Sie das Fahrzeug ständig beherrschen. Passen Sie die Geschwindigkeit den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie Ihren persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung an.

Eingeschneite Verkehrsschilder: Schwierige Beweisführung

Zugeschneites Verkehrsschild und Ampel
Hier ist die Bedeutung des Schildes nicht eindeutig zu erkennen ∙ © iStock.com/Dainis Derics

Geraten Sie mit zu hohem Tempo in eine fest installierte Radarfalle und das Schild mit dem Tempolimit war aufgrund von Schnee oder Schmutz nicht lesbar, müssen Sie dies glaubhaft machen. Das ist in der Regel nur im Nachhinein möglich, also nachdem Sie einen Bußgeldbescheid erhalten haben. Beim Einspruch kann Ihnen ein (in der Regel kostenpflichtiges) Wettergutachten des Deutschen Wetterdienstes* helfen.

Bei mobilen Tempomessungen mit anschließender Anhaltekontrolle ist Ihre Chance größer, ohne Bußgeld davonzukommen. Hier können Sie an Ort und Stelle glaubhaft versichern und zeigen, dass die Schilder aufgrund der aktuellen Schneeverhältnisse unlesbar sind.

Gültigkeit des Parkausweises im eingeschneiten Auto

Zugeschneite Autos im Winter
Ob hier eine Parkscheibe ausgelegt wurde, ist nicht zu erkennen. Ein Knöllchen gibt es dafür allerdings nicht ∙ © iStock.com/DmitriMaruta

Sind Anwohnerparkausweis oder Parkscheibe wegen zugeschneiter Scheiben nicht lesbar, riskieren Sie kein Knöllchen. Nach StVO sind Ausweise oder Scheibe im Fahrzeug so anzubringen oder auszulegen, dass sie unter Normalbedingungen von außen gut sichtbar sind. Am besten hinter der Frontscheibe. Haben Sie das getan, sind Sie dieser Pflicht nachgekommen.

Nummernschilder müssen lesbar bleiben

Frau schaufelt eingeschneites Auto frei
Ist das Auto eingeschneit, muss es freigeräumt werden. Dies gilt auch für Nummernschilder ∙ © Shutterstock/Danilovski

Nicht nur verschneite oder verdreckte Verkehrsschilder sind ein Problem im winterlichen Straßenverkehr. Was Autofahrer häufig nicht wissen oder ignorieren: Vor Fahrtantritt, aber auch regelmäßig während der Fahrt, müssen sie dafür sorgen, dass das Kfz-Kennzeichen lesbar bleibt. Zur Not müssen sie es freikratzen. Wer mit verschneiten Kennzeichen erwischt wird, zahlt fünf Euro Verwarnungsgeld.

*Durch Anklicken des Links werden Sie auf eine externe Internetseite weitergeleitet, für deren Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.

Redaktion
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?