Immer weniger CNG an Tankstellen: Ein Problem für Erdgasauto-Besitzer?

Eine Erdgaszapfsäule bei der der Betrieb eingestellt worden ist.
Die Tage des Erdgasantriebs scheinen gezählt. Kundinnen und Kunden merken das an den Zapfsäulen© dpa/Henning Kaiser

Neuwagen mit Erdgasantrieb werden nicht mehr hergestellt, und die Zahl von CNG-Anlagen an deutschen Tankstellen ist seit Jahren rückläufig. Für Bestandskundinnen und -kunden dürfte der Weiterbetrieb ihrer Autos deshalb immer mühsamer werden.

  • Aussterbender Kraftstoff: CNG gibt es immer seltener zu tanken

  • Tankstellenbetreiber beklagen geringe Nachfrage

  • Düstere Perspektive für Bestandsfahrzeuge

Die Zukunft von Erdgas als Kraftstoff sieht nicht gut aus. Nach der Ankündigung des VW-Konzerns, ab Mitte dieses Jahres keine Modelle mit CNG-Antrieb ("Compressed Natural Gas") mehr zu produzieren, gibt es nun in Deutschland kein neues Erdgasauto mehr zu kaufen.

Fahrzeuge mit dieser Antriebsart hatten es auf dem Markt immer schon schwer, und die Neuzulassungen waren bereits lange rückläufig. 2022 brachen sie laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) im Vergleich zum Vorjahr gar um mehr als die Hälfte ein*: von knapp 4000 Stück 2021 auf nur noch rund 1800. Zum Vergleich: Insgesamt wurden letztes Jahr fast 900.000 Fahrzeuge neu zugelassen. Die mangelnde Nachfrage betrifft nicht nur den Neuwagenmarkt, sondern pflanzt sich inzwischen auch zu den Tankstellen fort.

Nicht verwechseln: CNG und LPG

An deutschen Tankstellen gibt es zwei verschiedene Gasarten zu tanken: komprimiertes Erdgas, also CNG, das hauptsächlich aus Methan besteht und gasförmig in den Tanks gespeichert wird. Weiter verbreitet ist Flüssiggas, LPG. Es wird auch Autogas genannt und entsteht in Raffinerien bei der Verarbeitung von Erdöl. LPG-Tankstellen gibt es deutlich öfter, und die dürften auch in näherer Zukunft nicht knapp werden.

Schon seit Jahren verschwinden immer mehr CNG-Zapfschläuche von deutschen Tankstellen. Für Besitzerinnen und Besitzer von Erdgasautos langfristig ein echtes Problem.

Erdgastankstellen auf dem Rückzug

Wuchs die Zahl der CNG-Standorte seit Anfang des Jahrtausends noch recht schnell an, wird sie spätestens seit 2016 jedes Jahr kleiner:

Die Auswahl an Erdgastankstellen war allerdings noch nie sonderlich groß. Über 14.000 Tankstellen verkaufen Benzin und Diesel, an fast zwanzigmal weniger Standorten gibt es auch CNG: 780 CNG-Tankstellen zählte der Energie Informationsdienst (EID) Anfang des Jahres 2023 in Deutschland. Das ist der niedrigste Stand seit 2008.

Anschaulich wird das langsame, aber stetige Sterben der Erdgasstandorte am Beispiel Aral: An 120 seiner 2400 Tankstellen bietet der Konzern CNG an und ist damit Marktführer im Segment. Nun drehte Aral Ende Juni dieses Jahres 40 seiner Erdgasanlagen den Saft ab. Der Grund: Die geringe Nachfrage ließ laut einer Aral-Sprecherin keinen wirtschaftlichen Weiterbetrieb mehr zu. Zudem sei die Nachfrage nach Erdgas schon seit Jahren rückläufig.

Und auch Konkurrent Shell, der an 46 seiner knapp 2000 Tankstellen CNG vertreibt, hat die Zahl seiner Anlagen verringert und möchte weitgehend aus dem Erdgasgeschäft aussteigen. Auch der Bundesverband freier Tankstellen (bft) geht von einem deutlichen Rücklauf des Angebots aus.

Macht E-Mobilität Erdgas den Garaus?

Ein VW ID.3 beim tanken von aral pulse
1500 E-Autos können schon mit Aral Pulse laden. Und in Zukunft sollen es noch viel mehr werden© Aral AG

Dies dürfte langfristig zu einem echten Problem für jene werden, die mit ihrem Erdgasauto schon seit Jahren unterwegs sind oder sich gar erst vor Kurzem eines gekauft haben.

Den Platz des an vielen Standorten nicht mehr rentablen CNG-Kraftstoffs dürften Ladesäulen einnehmen. Kürzlich erst beschloss das EU-Parlament einen massiven Ausbau der Ladeinfrastruktur bis 2026. Kein Wunder also, dass Tankstellenbetreiber für die Zukunft klar auf die E-Mobilität setzen. Auch das sieht man am Beispiel Aral: Unter dem Namen Aral Pulse möchte die BP-Tochter nach eigenen Angaben bis Ende des Jahres 3000 Ladepunkte bereitstellen, das aktuelle Angebot also verdoppeln.

Neue Verkehrsregeln, Spritpreise und Verbraucher-Tipps

Erdgas: Umweltfreundlicherer Außenseiter

Eine Erdgaszapsäule auf einer Tankstelle
Erdgas wurde seit der Einführung als umweltfreundliche fossile Alternative beworben© picture alliance / ZB

Unter ökologischen Gesichtspunkten ist das sehr wahrscheinliche Ende der Erdgastechnologie eine schlechte Nachricht: Im ADAC Ecotest stachen Modelle mit Erdgasantrieb regelmäßig die Benzin- und Diesel-Konkurrenz aus. Im Jahresranking 2021 belegten mit dem Seat Leon und dem VW Golf zwei CNG-Modelle die ersten beiden Plätze und schlugen damit in puncto CO₂-Ausstoß sogar mehrere Elektroautos. Beide Modelle sind übrigens nicht mehr als Neuwagen erhältlich.

Und auch die aktuelle LCA-Studie, die die Treibhausgasbilanz verschiedener Antriebe in ihrer Langzeitnutzung bewertet, kommt zu dem Schluss: Ein Erdgasauto, das mit Biomethan unterwegs ist, kann sich, bezogen auf den Ausstoß von CO₂-Äquivalenten, durchaus mit einem Elektroauto messen. Biomethan wird an den meisten deutschen Tankstellen dem Erdgas beigemischt und entsteht durch die Vergärung von Gülle, Lebensmittelabfällen und nachwachsenden Rohstoffen wie Mais und Gras.

Trotz dieser ökologischen Vorteile kamen Fahrzeuge mit CNG-Antrieb nie über eine Außenseiterrolle im deutschen Automarkt hinaus: Anfang des Jahres zählte das KBA* rund 81.000 Fahrzeuge, was nur 0,2 Prozent des gesamten Pkw-Bestands ausmacht. Zum Vergleich: Fahrzeuge mit Flüssiggas (LPG) gibt es etwa viermal so viele, während sogar schon über eine Million E-Autos über deutsche Straßen stromern.

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