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VW-Abgasskandal: Einigung bei Musterfeststellungsklage

Das Logo von Volkswagen vor blauem Himmel am werk in Wolfsburg
Musterfeststellungsklage: VW einigt sich mit Verbraucherschützern ∙ © mauritius images /ole999/Alamy

Die neu aufgenommenen Vergleichsverhandlungen im Musterfeststellungsverfahren des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) mit Volkswagen waren erfolgreich. Jetzt stehen die Entschädigungszahlungen für Diesel-Kunden fest.

  • Entschädigungszahlungen zwischen 1350 und 6257 Euro

  • Unabhängige Wirtschaftsprüfer halten das Angebot für plausibel

  • ADAC Präsident Markl: "Ein gutes Ergebnis"

Der Volkswagen-Konzern und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) haben sich auf ein Entschädigungsmodell im Abgasskandal geeinigt. Durch Vermittlung des Oberlandesgerichts Braunschweig wurde der folgende Vergleich erzielt: Rund 260.000 im Klageregister eingetragene VW-Dieselkunden sollen je nach Modell und Alter ihres Autos Entschädigungen zwischen 1350 und 6257 Euro erhalten.

Volkswagen und der Bundesverband der Verbraucherzentralen haben sich darauf geeinigt, dass im Schnitt rund 15 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises ausgezahlt werden, teilte der vzbv mit.

Diese Entschädigung bekommen VW-Dieselfahrer

VW muss rund 830 Millionen Euro Entschädigung zahlen

Die Gesamtsumme der Entschädigungszahlungen durch VW beträgt rund 830 Millionen Euro. Zuvor hatten unabhängige Wirtschaftsprüfer die Höhe der Angebote für plausibel befunden. Sie werden außerdem stichprobenartig die Abwicklung des Vergleichs prüfen. VW sicherte außerdem zu, die Kosten für eine anwaltliche Erstberatung zur Prüfung des Vergleichsangebots zu übernehmen.

Fahrzeuge, für die es eine Entschädigung gibt, müssen vor 2016 erworben worden sein. Volkswagen begründet das damit, dass jeder Käufer, der sich nach 2015 für ein entsprechendes Modell entschieden habe, um die Manipulation wissen konnte – und sie deshalb bewusst in Kauf genommen habe.

ADAC: Vermittlung des OLG führt zu einer guten Lösung

ADAC Präsident August Markl: "Die Einigung im Konflikt um Entschädigungszahlungen für Dieselbesitzer ist für einen großen Teil der betroffenen Verbraucher ein gutes Ergebnis. Die Entschädigungssummen in Höhe von ca. 15 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises sind auch nach Prüfung unabhängiger Wirtschaftsprüfer akzeptabel. Für viele Verbraucher gibt es nach fünf Jahren jetzt eine Entschädigung, die ihnen einen langen Gang durch die gerichtlichen Instanzen erspart. Das Instrument der Musterfeststellungsklage hat sich damit im Sinne der Verbraucher grundsätzlich bewährt."

Dass es für Dieselbesitzer, die ihr Auto nach dem 31. Dezember 2015 erworben haben oder zum Zeitpunkt des Kaufs ihren Wohnsitz nicht in Deutschland hatten, kein Vergleichsangebot gibt, sei für die Betroffenen allerdings bedauerlich. "Wichtig ist es, dass nun durch Transparenz und Unabhängigkeit in der Abwicklung Vertrauen zurückgewonnen wird. Insofern begrüße ich es, dass unabhängige Wirtschaftsprüfer die Zahlungen überprüfen und eine Ombudsstelle eingerichtet wird. Auch das Angebot einer freien Erstberatung durch einen Anwalt, deren Kosten von VW getragen werden, ist positiv und kann Betroffenen helfen, die persönlich jeweils beste Entscheidung zu treffen", sagt Markl.

Die Verbraucher haben jetzt die Wahl: Sie können den Vergleich annehmen und erhalten so schnell und sicher Geld. Sie können das Vergleichsangebot auch ablehnen. Da der vzbv die Musterfeststellungsklage beendet, können Betroffene dann wiederum bis mindestens Oktober eigene Klagen erheben. Sie sind nicht länger an die Musterfeststellungsklage gebunden.

Einigung nach rund fünf Jahren

Mit dem erzielten Vergleich steht das Musterfeststellungsverfahren, das der vzbv in Kooperation mit dem ADAC gegen VW angestrengt hatte, nach rund fünf Jahren vor dem Abschluss. In der Musterfeststellungsklage ging es um die Ansprüche von Dieselfahrern, die eine Entschädigung von VW für den Wertverlust verlangten, den sie durch das Bekanntwerden der manipulierten Motoren und zu hoher Abgaswerte ihrer Fahrzeuge erlitten hatten.

Schon während der mündlichen Verhandlung hatte der Richter den beiden Parteien empfohlen, sich auf einen Vergleich zu einigen. Diese Verhandlungen waren Mitte Januar kurz vor ihrem Abschluss zunächst gescheitert, beide Seiten hatten sich dafür gegenseitig die Schuld gegeben.