Kindersitzpflicht: Bis wann braucht man einen Kindersitz?

3.7.2019

Kinder müssen im Auto richtig gesichert werden und brauchen einen geeigneten Sitz. Doch wie lange ist das so, und ab wann dürfen Kinder ohne speziellen Sitz mitfahren? Und wie schützt man ältere Kinder richtig?

Junge sitzt im Kindersitz
Unterwegs mit Kindern: Im Auto ist der Fahrer für die richtige Sicherung der Kleinen verantwortlich
  • Kindersitzpflicht gilt bis 12 Jahre oder einer Größe von 150 cm
  • Auch bei Kurzfahrten Kinder richtig sichern
  • Bei älteren Kindern auf einen optimalen Gurtverlauf achten

Babys und Kinder als Mitfahrer in Kraftfahrzeugen brauchen besonderen Schutz. Auch bei größeren Kindern muss man darauf geachtet werden, dass der Dreipunkt-Sicherheitsgurt am Körper des Kindes so verläuft, wie bei einem Erwachsenen. Deshalb sollte nicht nur die gesetzliche Regelung über den Einsatz eines Kindersitzes bzw. einer Sitzerhöhung entscheiden, sondern vor allem der optimale Gurtverlauf.

Was ist gesetzlich vorgeschrieben?

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) regelt, bis zu welcher Größe und welchem Alter der Kindersitz vorgeschrieben ist. Danach gilt die Kindersitzpflicht bei Kindern bis zu einer Körpergröße von 150 cm oder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr. Das heißt: Kinder, die älter als 12 Jahre oder größer als 1,50 m sind, dürfen ohne Kindersitz im Fahrzeug mitfahren – natürlich mit der passenden Sicherung.

   

So sitzen größere Kinder sicher

Zoom-In
Mädchen sitzt auf Kindersitzerhöhung mit Rückenlehne
Sitzerhöhungen mit Rückenlehne schützen Becken-, Schulter- & Kopfbereich

Auch wenn die Kleinen größer werden und die Kindersitzpflicht offiziell nicht mehr gilt, können Eltern jederzeit selbst entscheiden, ihr Kind weiterhin in einem Kindersitz  zu transportieren. Das ist vor allem empfehlenswert, wenn das Kind zwar schon zwölf Jahre alt, aber kleiner als 150 cm ist und der Sicherheitsgurt deshalb nicht ordnungsgemäß verläuft. Für ältere Kinder bietet eine Sitzerhöhung mit Rückenteil den besten Schutz.

Die ECE-Zulassung für Sitzerhöher ist aus prüftechnischen Gründen auf 36 kg beschränkt, doch auch schwerere Kinder müssen die Systeme verwenden, wenn für sie die Kindersitzpflicht noch besteht. Nach Auskunft der Bundesanstalt für Straßenwesen und dem Verkehrsministerium sind Sitzerhöher auch für Kinder über 36 kg geeignet. Wir empfehlen, möglichst breite und stabile Modelle zu wählen. Eventuell muss auch auf einen Sitzerhöher mit sehr niedrigen Gurthaken zurückgegriffen werden. Nur für den Fall, dass der Körperumfang des Kindes so groß ist, dass es in keinen im Handel erhältlichen Kindersitz passt, kann durch die Straßenverkehrsbehörde (Stadt bzw. Landratsamt) eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden.

Worauf Sie bei einer Kindersitzerhöhung achten sollten:

• Sitzerhöher mit Rückenstützen sind auch für größere Kinder gut, da dadurch eine bessere Schultergurtführung und Kopfabstützung gewährleistet wird

• Sitzerhöhungen ohne Rückenstütze erfüllen die gesetzlichen Mindestanforderungen, sollten aber unbedingt ausgeprägte Gurthaken haben, da sonst ein hochrutschender Beckengurt bei einem Unfall schwere Bauchverletzungen verursachen kann

• Lesen Sie dazu immer die Bedienungsanleitung des Kindersitzes und das Handbuch des Fahrzeugs

Tipp Icon

Müssen Kinder auch bei kurzen Fahrten gesichert werden?

Selbstverständlich. Kinder, für die noch die Kindersitzpflicht gilt, müssen im Fahrzeug immer ordnungsgemäß im Kindersitz untergebracht werden: Bei einer Sicherung nur mit dem Dreipunkt-Sicherheitsgurt können sie bei einem Unfall schwere Verletzungen im Bauchbereich erleiden – alleine wegen der ungünstigen Lage des Beckengurts. Der Fahrer haftet immer für die korrekte Sicherung von Kindern im Fahrzeug!

Es empfiehlt sich, Kindersitze immer im Fahrzeug mitzuführen, damit Kinder auch spontan mitgenommen werden können. Sitzerhöher ohne Rückenstützen sind eine Notlösung. Sie können z.B. dann verwendet werden, wenn drei Personen sonst auf dem Rücksitz nicht genügend Platz finden.

Viele weitere Tipps rund um das Thema Kindersicherung finden Sie beim ADAC Kindersitzberater.

 

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