Rollstuhlrampen für ein barrierefreies Zuhause

Eine Frau im Rollstuhl wird eine Rampe zur Haustüre hoch gefahren
Rollstuhlrampen ermöglichen ein barrierefreies Fortbewegen© istock.com/sasirin pamai

Wenn Türschwellen und Stufen zur Barriere werden, helfen Rollstuhlrampen. Modelle, Funktionen und Kostenträger im Überblick.

  • Feste und mobile Rampen

  • Sicherheitsrichtlinien bei Rollstuhlrampen

  • Kostenträger finden

Etwa eineinhalb Millionen Menschen in Deutschland sind nach Schätzungen des Statistischen Bundesamts im Alltag auf einen Rollstuhl angewiesen. Damit sich Menschen mit Rollstuhl oder Gehhilfe zu Hause selbstbestimmt bewegen können, sind sie auf barrierefreie Wege angewiesen.

Neben einer ausreichenden Breite der Türen sind es vor allem Höhenunterschiede in Form von Türschwellen, Absätzen, Stufen oder Treppen, die barrierefrei sein müssen. Eine wichtige Unterstützung sind Rollstuhlrampen. Bei Preisen von mehreren Hundert bis über tausend Euro lohnt es daher, sich vorher gut bei Kostenträgern und Herstellern zu informieren.

Rollstuhlrampen: Modelle

Grundsätzlich gelten alle Rollstuhlrampen als Hilfsmittel. Kostenträger wie die Pflegekasse, Krankenkassen, Unfall- oder Rentenversicherungen übernehmen oder bezuschussen die Anschaffung von Hilfsmitteln auf Antrag (siehe Absatz Kostenträger). Welche Rampe infrage kommt, hängt vom Wohnumfeld, individuellen Erfordernissen, Wünschen und Bedürfnissen ab. Hier ist ein Überblick der verschiedenen Rampen, Modelle und Varianten.

Flächenrampen und Schienenrampen

Flächenrampen sind breit und stabil und bestehen aus einer durchgehenden Fläche. So können Rollstuhlfahrer kleinere Steigungen bequem hinauf- und wieder hinunterfahren. Schienenrampen dagegen sind leichter und einfacher zu transportieren, denn sie werden aus zwei Schienen gebildet – der Abstand zwischen beiden muss dabei dem Abstand der Rollstuhlräder entsprechen. Wichtig: Schienenrampen sind nicht für Menschen geeignet, die mit einem Rollator unterwegs sind.

Auffahrrampen

Ein anderer Begriff für die Flächenrampe ist Auffahrrampe. Mit ihrer Hilfe werden Stufen, hohe Bordsteine und höher gelegene Hauseingänge befahrbar. Aufgrund ihrer Keilform werden diese Rampen auch Keilrampen oder einfach kurz Keile genannt, aufgrund ihrer Funktion werden sie manchmal auch als Stufenrampen bezeichnet.

Schwellenrampen

Schwellenrampen sind speziell dafür gedacht, Türschwellen zu überbrücken. Beim Übergang von der Wohnung auf die Terrasse kann es dabei auch vorkommen, dass der Boden auf einer Seite höher ist. Schwellenrampen im Wohnumfeld können aus einem, zwei oder drei Teilen bestehen. Das mittlere Stück liegt auf der Schwelle. Beim Überbrücken eines Türrahmens schwebt es manchmal auch über dem Türprofil, um das Profils beim Überfahren nicht zu beschädigen.

Im Wohnbereich kommen vor allem Keil- und Schwellenrampen zum Einsatz. Je nach Anforderung und Funktion können Rollstuhlrampen für den Innenbereich aus Holz, Gummi oder Aluminium sein. Empfehlenswert sind rutschfeste Oberflächen. Einfache Keilrampen aus Gummi sind unter 100 Euro erhältlich. Hochwertige kosten in der Regel mehrere Hundert Euro.

Mobile Rollstuhlrampen

Mobile Rampen sind relativ leicht, gut zu transportieren und unterstützen Rollstuhlfahrer vor allem unterwegs. Außerdem sind sie ausziehbar. Klapp-, Koffer- und Teleskoprampen passen sich in der Länge verschiedenen Situationen an, was sie besonders flexibel macht. Kompakte Kofferrampen sind zusammenklappbar wie ein Koffer und haben einen Tragegriff. Je nach Größe, Material und Tragkraft kosten mobile Rampen etwa zwischen 150 und 1500 Euro.

Eine Aufnahme einer Treppenrampe
Auffahrrampen ermöglichen das Überwinden von Treppen© iStock.com/Olga Evtushkova

Rollstuhlrampen für den Außenbereich

Rollstuhlrampen im Außenbereich müssen bei jedem Wetter sicher befahrbar sein und guten Halt bieten. Aluminium ist leicht, witterungsbeständig und rostet nicht. Die ideale Oberfläche für den Außenbereich ist gitterartig oder gelocht, sodass Schmutz, Regen oder Schnee nicht liegen bleiben und gut ablaufen können. Rampen aus Holz sind für den Außenbereich ungeeignet, da sie nicht bei jedem Wetter rutschsicher sind und zudem morsch werden können. Aufwendigere Rampen für den Außenbereich können einen mittleren dreistelligen Eurobetrag und mehr kosten.

Rollstuhlrampen für Fahrzeuge

Behindertengerechte Fahrzeuge mit Einsteighilfen oder Rollstuhlrampen zeigen, dass man auch mit Handicap mobil sein kann. Allgemein gilt: Körperliche Handicaps und Behinderungen können sich je nach individueller Situation ganz unterschiedlich auf das Autofahren sowie auf den Transport des Rollstuhls auswirken. Kfz-Umbaubetriebe haben sich darauf eingestellt und bieten verschiedenste Fahrzeugumrüstungen an.

Spezialfirmen

Eine Liste der Spezialfirmen finden Sie auf www.adac.de unter Mobil mit Behinderung und Fahrzeugumrüstungen.

Tipp: Der ADAC-Ratgeber „Selbstbestimmt unterwegs“ bietet zudem ausführliche Informationen rund um Auto und Mobilität für Menschen mit Behinderung sowie zum barrierefreien Reisen mit Bus, Bahn und Flugzeug.

Rollstuhlrampe selbst bauen?

Beim Kauf und/oder dem Bau einer Rampe ist einiges zu beachten, denn Rollstuhlrampen unterliegen besonderen Sicherheitsanforderungen. Deshalb ist es auch gar nicht so einfach, selbst eine Auffahrrampe zu bauen – auch wenn es im Internet Bauanleitungen und Tutorials dafür gibt.

Hier sind die wichtigsten Anforderungen, denen zum Beispiel eine barrierefreie Rampe im öffentlichen Raum genügen sollte:

  • Eine barrierefreie Rampe darf nicht mehr als 6 Prozent Steigung aufweisen.

  • Sie muss mindestens 1,20 Meter breit sein.

  • Sie sollte unten und oben jeweils eine Freifläche von 1,50 Meter x 1,50 Meter aufweisen – so viel Fläche etwa braucht der Wendekreis eines Rollstuhls.

  • Ist die Rampe länger als 6 Meter, sollte ein Zwischenpodest von mindestens 1,20 Meter x 1,50 Meter zum Ausruhen eingeplant werden.

  • Ein Geländer und griffsichere Handläufe müssen installiert werden.

Lassen Sie sich vorab fachkundig beraten, welche Art von Rampe am besten für Ihre Situation geeignet ist.

Rollstuhlrampen – Sicherheitsvorgaben

Alle Rollstuhlrampen sollen gefahrlos und gut benutzbar sein. Worauf bei der Gestaltung und beim Bau von Rampen besonders zu achten ist, legt die DIN-Norm 18040 fest. Sie besteht aus zwei Teilen. Teil 1 beinhaltet die Vorgaben für öffentliche Gebäude, Teil 2 die Vorschriften für barrierefreie Wohnungen. Hierin sind unter anderem die Vorgaben für Rampenläufe, Podeste, Radabweiser und Handläufe festgehalten. Will zum Beispiel ein Bauherr Wohnungen an Menschen mit Behinderung vermieten, sind die Vorgaben strikt zu befolgen. Rein privater Wohnraum dagegen kann freier gestaltet sein. Das gilt auch für eine Auffahrrampe vor dem Hauseingang auf einem Privatgrundstück.

Welche Steigung bei der Rampe?

Je steiler eine Rollstuhlrampe konstruiert ist, desto mehr Kraft braucht ein Rollstuhlfahrer oder auch die Begleitperson, um die Rampe hinaufzufahren beziehungsweise den Rollstuhl hinaufzuschieben. Auch bei Gefälle muss gewährleistet sein, dass der Rollstuhl beim Hinunterfahren der Rampe gut kontrollierbar bleibt.

Bei einer Steigung oder einem Gefälle von 6 Prozent verlängert jeder einzelne Höhenzentimeter die Rampenlänge deutlich: Ist eine Höhe von 36 Zentimetern zu überwinden, so ergibt sich bei 6 Prozent Steigung bereits eine Länge von 6 Metern für die Rampe. Manchmal ist dann ein Aufzug oder Lift die bessere Alternative.

Empfohlene Steigungen

Für folgende Situationen sind nach Angaben von Fachleuten folgende Steigungen passend:

Situationen

max. Steigung

Selbstfahrerrollstuhl im öffentlichen Bereich (DIN 18040)

6 %

Kräftiger Selbstfahrerrollstuhl oder Rollatornutzung

6 bis 10 %

Rollstuhlfahrer mit schwach schiebender Begleitperson

12 bis 15 %

Rollstuhlfahrer mit stark schiebender Begleitperson oder E-Rollstuhl

20 %

Kostenträger von Rollstuhlrampen

Krankenkassen, Unfall- oder Rentenversicherungen sowie Pflegekassen übernehmen oder bezuschussen die Anschaffung und Finanzierung von Rollstuhlrampen. Welcher Kostenträger zuständig ist, hängt von der Notwendigkeit und Anwendung der Rollstuhlrampe ab.

Das wichtigste Kriterium: Wie lange dauert die Einschränkung, die Rollstuhl und Rampe notwendig machen? Bei einer vorübergehenden Erkrankung sind die Krankenkassen zuständig. Sie gehen davon aus, dass die Rampe nur für eine gewisse Zeit zur Krankenbehandlung oder zum Ausgleich einer Behinderung benötigt wird und genehmigen daher nur mobile Rampen. Nach einem Unfall oder Schlaganfall zum Beispiel, wenn man vorübergehend auf einen Rollstuhl angewiesen ist, übernimmt die Krankenkasse die Kosten in der Regel auf Antrag.

Haben der Rollstuhlfahrer oder die Rollstuhlfahrerin einen Pflegegrad, ist die Pflegekasse zuständig, die auch fest montierte Rampen bezuschusst. Für Wohnraumanpassungen zur Herstellung von Barrierefreiheit sowie die Installation von Rampen bezahlt sie bis zu 4000 Euro.

Manchmal kommen auch die Unfall- oder Rentenversicherung als Kostenträger infrage. Bleiben zum Beispiel nach einem Arbeits- oder Wegeunfall körperliche Einschränkungen zurück, kann die Unfallversicherung Leistungen zur sozialen und beruflichen Teilhabe erbringen. Dazu zählen auch Rollstuhlrampen und die entsprechende Umrüstung von Fahrzeugen.

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Zuschüsse von der KfW

Als Privatperson mit Eigentum oder als Mieterin oder Mieter können Sie auch Zuschüsse für Maßnahmen zur Reduzierung von Barrieren an und in Wohngebäuden bei der Förderbank KfW beantragen: zum Beispiel für Bau- oder Umbaumaßnahmen, die den Eingangsbereich und Wohnungszugang oder Treppen und Stufen betreffen.

Rechtzeitig informieren

Bevor Sie eine Rampe kaufen oder beauftragen, klären Sie am besten, welcher Kostenträger für Sie zuständig ist und ob die Kosten ganz übernommen werden oder nur teilweise. Lassen Sie sich umfassend zu den verschiedenen Möglichkeiten, Zuschüssen und allen Förderungsmöglichkeiten beraten. Suchen Sie Beratung bei der Behindertenhilfe, zu der Wohlfahrtsverbände und Vereine gehören, zum Beispiel Diakonie oder Caritas, die Lebenshilfe oder der Bundesverband für körper- und mehrfach behinderte Menschen.

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