Barrierefreie Wohnung: Stolperfallen und Stufen beseitigen

Ein Rollstuhlfahrer fährt durch eine barrierefreie Türe in einer Wohnung
Wichtig bei der Wohnungssuche: Barrierefrei heißt nicht immer rollstuhlgerecht© adobe.stock.com/kiono

Ein barrierefreies Wohnumfeld ermöglicht Menschen mit Handicpas und Älteren ein selbstbestimmtes Leben. Anforderungen, Kosten und Subventionen im Überblick.

  • Barrierefrei: Worauf man achten sollte

  • Diese Möglichkeiten für Förderungen gibt es

  • Was Mieter wissen sollten

Von Auffahrrampe und Treppenlift über breite Türen und geräumige Möblierung bis hin zu einer begehbaren Dusche: Ein barrierearm oder sogar komplett barrierefrei gestaltetes Wohnumfeld sorgt dafür, dass ältere Menschen sowie Personen mit körperlichen Einschränkungen unabhängig und selbstbestimmt ihren Alltag bewältigen können. Auch Familien mit Kinderwagen und Kleinkindern profitieren von ebenerdig gelegenen Wohnungen, stufenfreien Zugängen, einer großzügigen Raumaufteilung sowie ausreichend Bewegungsfreiheit und -fläche.

Was bedeutet Barrierefreiheit?

Barrierefrei ist ein geschützter Begriff. Nur wenn alle Kriterien der DIN 18040 komplett umgesetzt sind, darf diese Bezeichnung verwendet werden. Dagegen lassen Formulierungen wie behinderten- oder seniorengerecht offen, was damit gemeint ist. Achtung: Anders als im öffentlichen Bereich bedeutet im privaten Wohnbereich barrierefrei nicht gleichzeitig rollstuhlgerecht. Bei Interesse an einer Immobilie unbedingt nachfragen, welche Kriterien der Barrierefreiheit erfüllt sind.

Die wichtigsten Kriterien im privaten Wohnbereich sind:

  • Bewegungsflächen: mindestens 1,20 mal 1,20 Meter

  • rutschfeste Bodenbeläge: fest verlegt, rutschhemmend, kontrastierend gestaltet, nicht spiegelnd

  • Türmaß: mindestens 0,80 Meter breit und 2,05 Meter hoch

  • Türen, Fenster, Lichtschalter: im Sitzen leicht zu öffnen beziehungsweise zu bedienen

  • Bad: WC 70 Zentimeter tief, 46 bis 48 Zentimeter hoch, gut erreichbare Armaturen

  • Wohn- und Schlafräume: Bewegungsflächen vor dem Bett von 1,20 Meter auf einer Seite

Worauf sollte man achten?

In ein barrierefreies Badezimmer gehört eine Badewanne oder eine bodengleiche Dusche ohne Schwelle und mit Sitzmöglichkeit, außerdem stabile Haltegriffe für die Badewanne beziehungsweise die Dusche und für die Toilette. Im gesamten Wohnbereich empfehlenswert: eine Türbreite von mindestens 80 Zentimetern – für Rollstuhlfahrer sind es 90 Zentimeter – sowie Rampen für eventuell vorhandene Schwellen oder Hürden (hier finden Sie aktuelle Informationen zu Rollstuhlrampen).

Eine Frau hält sich am Toilettengeländer fest und versucht, mit den Armen aus dem Rollstuhl aufzustehen, um auf die Toilette zu gehen
Ein barrierefreies Bad braucht ausreichend Bewegungsradius. Haltegriffe erhöhen die Sicherheit© Shutterstock/Riderfoot

Auf ein nachlassendes Sehvermögen im Alter kann man sich mit einer guten Beleuchtung im Eingangsbereich sowie im gesamten Haus oder in der Wohnung einstellen. Barrierefreies Wohnen bedeutet auch, die Wohnräume nicht zu voll zu stellen und so einzurichten, dass wichtige Alltagsgegenstände jederzeit gut erreichbar sind. Um Unfallrisiken im Alltag zu vermeiden, empfiehlt es sich, technische Geräte möglichst kabellos zu verbinden oder alle Kabel in dafür vorgesehenen Schächten oder Boxen zu verlegen.

Sanierungskosten einschätzen

Barrierefreies Bauen und Umbauen ist ein zukunftsweisendes Thema, denn aufgrund der demografischen Entwicklung unserer Gesellschaft wird der Bedarf an barrierefreiem Wohnraum steigen.

Die Kosten für Umbau und Neubau sind schwer einzuschätzen. Fest steht: Küchenanpassungen können ebenso wie der Umbau des Badezimmers sehr aufwendig und kostspielig sein. Für die Planung ist es gut zu wissen, dass sich manche Architekturbüros darauf spezialisiert haben.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) hat in einer Studie herausgefunden, dass die Umbaukosten für eine barrierefreie Wohnung im Durchschnitt etwa 19.000 Euro betragen – deutlich mehr als bei einem Neubau. Denn: Die Mehrkosten für die barrierefreie Planung und den Bau einer 75-Quadratmeter-Wohnung betragen bei geschickter Planung nur etwa 1600 Euro.

Barrierefreiheit im Altbau oder Neubau

Es lohnt sich, vor einem Neubau von Anfang an auf Barrierefreiheit oder -reduzierung zu setzen – zumal Menschen jeden Alters in ihrer Wohnung von einem gut geplanten Grundriss mit ausreichend Bewegungsfläche profitieren. Die meisten Altbauten lassen sich ebenfalls barrierearm oder barrierefrei und behindertengerecht umgestalten. Allerdings gibt es einige Wohnraumanpassungen und Sanierungsmaßnahmen im Altbau, die unter Umständen nachträglich nicht mehr möglich sind. So kann es sein, dass die Wasseranschlüsse einen barrierefreien Umbau verhindern und der nachträgliche Einbau eines Fahrstuhls aufgrund des zu engen Treppenhauses nicht machbar ist oder äußerst kostspielig wäre.

Barrierefrei wohnen im Eigentum

Besonders der Generation 65plus, zu der mittlerweile etwa jede und jeder Fünfte in Deutschland gehört, ermöglichen barrierefreie Wohnungen und Eigenheime eine selbstbestimmte Zukunft. Fachleute raten, sich schon früh um Barrierefreiheit zu kümmern. Wer bereits im eigenen Haus lebt, bekommt dafür von der KfW-Bank einen Zuschuss von bis zu 6250 Euro oder kann einen günstigen Kredit beantragen.

Barrierefrei in der Mietwohnung?

Eine Frau im Rollstuhl benutzt Spülmaschine
Bedienflächen, Möbel und Geräte sollten auch in Sitzhöhe gut erreichbar sein© adobe.stock.com/bernardbodo

Mieter haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine behindertengerechte Wohnung. Für die erforderlichen Umbauten müssen sie jedoch die Zustimmung des Vermieters einholen. Die Kosten sind in der Regel selbst zu tragen. Mieter können Unterstützung für die erforderlichen Umbaumaßnahmen beantragen, zum Beispiel bei ihrer Krankenkasse oder Pflegekasse. In besonderen Fällen kann der Vermieter den Umbau verweigern. Das gilt bei Denkmalschutz oder im Fall eines möglichen Wertverlusts – was sehr unwahrscheinlich ist. Auch dürfen die Umbauten weder andere Mieter einschränken noch die Sicherheit einschränken. Zum Beispiel darf ein geplanter Treppenlift nicht die Fluchtwege versperren.

Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Vermieter:

  • Sind ohnehin Sanierungsmaßnahmen geplant, ließen sich die Umbauten im besten Fall damit verbinden und Kosten für den Mieter reduzieren.

  • Lassen Sie Ihren Vermieter die geplanten Umbaumaßnahmen prüfen.

  • Klären Sie, ob und welche Rückbaumaßnahmen bei Kündigung fällig wären (Rückbauklausel).

  • Eine Rückbauklausel kann sogar sinnvoll sein, wenn der Vermieter die Maßnahmen ablehnt. Dann müssen die Umbauten mit dem Auszug rückgängig gemacht werden.

  • Lassen Sie sich die Vereinbarungen schriftlich bestätigen.

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Welche Förderungen gibt es?

Für den Abbau von Barrieren in der Wohnung, im Haus oder für den Neubau eines barrierefreien Hauses gibt es verschiedene Fördermittel, Zuschüsse und Finanzierungsmöglichkeiten. Die folgende Liste gibt einen ersten Überblick, wer den Um- oder Neubau fördert, was genau gefördert wird und welche Bedingungen und Voraussetzungen dabei zu beachten sind.

Von der Steuer absetzen

Selbst finanzierte Maßnahmen, die der Barrierefreiheit dienen, können als Investitionskosten auch von der Steuer abgesetzt werden: Handwerkskosten lassen sich als haushaltsnahe Dienstleistungen mit bis zu 1200 Euro geltend machen – das sind 20 Prozent von maximal 6000 Euro Arbeitskosten. Besonders hohe Ausgaben für den barrierefreien Bau oder Umbau können in manchen Fällen außerdem als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden. Auskunft darüber gibt das Finanzamt, die Steuerberaterin oder der Steuerberater.

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