Suzuki GSX-S1000GX: Supersport-Crossover mit Komfort

Eine Suzuki GSX-S 1000GX fährt auf einer Straße
Suzuki erweitert die GSX-Baureihe um die S1000GX und bietet ein echtes Crossover-Motorrad © Suzuki

Wenn man relativ lange Federwege mit einem Sportmotor und entspannter Sitzposition kombiniert, entsteht daraus ein Crossover. Suzuki hat mit der GSX-S1000GX so einen Stilmix hinbekommen. Fahrbericht, technische Daten, Preis, Bilder.

  • Sportlich und bequem zugleich

  • Ordentliche Motorisierung

  • Stark individualisierbar

Das "X" im Namen symbolisiert eine Premiere bei Suzuki, nämlich ein neues Ausstattungsmerkmal, das andere Hersteller allerdings bereits länger im Programm führen: ein Fahrwerk mit elektronischer Dämpfung. Das fällt jedoch erst auf den zweiten Blick auf. Im ersten Moment wird der Auftritt der neuen Japanerin von der scharf geschnittenen Halbverkleidung mit den beiden kleinen LED-Projektionsscheinwerfern und der hochbeinigen Silhouette geprägt.

Sehr bequeme Sitzposition

Heckansicht einer fahrenden Suzuki GSX-S 1000GX
Auf der neuen Suzuki sitzt man relativ hoch© Suzuki

Damit verbunden ist ein ziemlich komfortabel gepolsterter Fahrersitz in beachtlichen 84,5 Zentimetern Höhe. Noch einmal 1,5 Zentimeter höher thront man auf der Komfortsitzbank mit zweilagigem Polster, was auf langen Touren die Bequemlichkeit dank der entspannteren Kniewinkel erhöht. Mit dem recht breiten und artgerecht hoch gelegenen Lenker entsteht eine lässige, nichtsdestotrotz kompakte Sitzposition mit gutem Überblick und kommoder Beinunterbringung, die nur der etwas breite Tank stört.

Im Test: 152-PS-Motor mit drei Modi

Motor der Suzuki GSX-S 1000GX
Der Motor stammt aus der GSX-R 1000© Suzuki

Darunter verbirgt sich ein 999-Kubik-Reihenvierzylinder, der schon seit Jahren zu den charismatischsten Japan-Aggregaten zählt: Der hier 152 PS starke Antrieb stammt in seinen Grundzügen aus dem Supersportler GSX-R 1000 von 2005, Beiname K5, und zeigt sich in der GX von seiner allerbesten Seite. Beim Anlassen tönt er mit 97 dB(A) zwar etwas übertrieben laut, besitzt aber feinste Manieren und läuft dank Ausgleichswelle weitgehend seidenweich, nahezu ohne Lastwechsel.

Der kultivierte Kraftprotz säuselt bei Bedarf ohne Weiteres mit 50 km/h im sechsten Gang durchs Dorf und beschleunigt danach einwandfrei nach oben. Wie vehement das geschehen soll, liegt nicht nur in der Gashand, sondern auch im hinterlegten Motormodus – drei Kennfelder stehen zur Verfügung, die den Motorcharakter von bärig bis feurig variieren.

Die Herkunft von der Rennstrecke zeigt sich im lustvollen Hochdrehen, sobald der Drehzahlmesser die obere Hälfte erreicht hat, und im Hochsteppen durchs kurz übersetzte Sechsganggetriebe. Hier erleichtert ein serienmäßiger Quickshifter den Gangwechsel vor allem beim Hochschalten, das Runterschalten geht bisweilen etwas knarzig vonstatten.

Fahrwerk und Connectivity

Als echte Suzuki-Innovation verfügt das Fahrwerk über ein elektronisches, semiaktives Dämpfungssystem von Showa, das eine Anpassung der Dämpfung in drei Stufen ermöglicht und einen frei konfigurierbaren User-Modus anbietet. Am Heck kann die Vorspannung elektronisch justiert werden. Zur Einstellung all der Dämpfungscharakteristika und des gewünschten Schubs benutzt man eine intuitive Bedieneinheit am linken Lenkerende, die über das übersichtliche Menü im farbigen 5-Zoll-TFT-Display sämtliche Parameter weitgehend den individuellen Vorlieben anpasst.

Darüber hinaus lässt sich das Instrument mit dem Smartphone per Bluetooth koppeln und eine Kartennavigation aufs Display spiegeln.

Bilder: Die Suzuki GSX-S1000GX im Detail

Gegenüber reinen Straßenmotorrädern bringen auf 15 Zentimeter verlängerte Federwege vorn und hinten ein grundsätzlich komfortables Fahrerlebnis, dem jedoch die Schärfe eines reinen Straßenmotorrads abgeht. Dabei rollt die GSX auf 17-Zoll-Straßendimensionen, die ein nahezu leichtfüßiges Einlenkverhalten garantieren. Insgesamt gibt sich die Japanerin aber weit weniger aggressiv und sportlich, als ihr Anblick vermuten lässt. Mit einem Gewicht von 232 Kilogramm gehört die Suzuki GSX-S1000GX zu den leichteren Modellen des Crossover-Kosmos, was die Handhabung im Stand und bei der Fahrt optimiert.

Motorrad und Roller: Neuheiten, Tests, Fahrberichte

Bremsen könnten besser sein

Raddetail der Suzuki GSX-S 1000GX
Die Bremsen dürften ordentlicher zupacken© Suzuki

Zur Elektronikausstattung gehört auch eine IMU, eine 6-Achsen-Sensorbox, die nicht nur das Kurven-ABS, die siebenstufige Schräglagen-Traktions- und eine Wheeliekontrolle ermöglicht. Sie reguliert im Automatikmodus auch die Federvorspannung der Hinterradfederung in Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit – das fördert die Stabilität beim Beschleunigen in Schräglage sowie geradeaus. Bei so viel Kontrolle könnten die Bremsen durchaus kräftiger zupacken, die für starke Verzögerungen viel Handkraft verlangen.

Fahrberichte, Events, Tourentipps: Motorrad-Infos vom ADAC

GSX-S1000GX: Technische Daten, Preis

HerstellerangabenSuzuki GSX-S 1000GX (GSX-S1000X)
Motor4 Zylinder, Reihenmotor, 999 ccm Hubraum, 112,0 kW bei 11000/min, max.Drehmoment 106,0 bei 9250 U/min, 4 Ventile/Zylinder, Einspritzanlage, Flüssigkeitskühlung
Assistenzsystemek.A.
FahrwerkBrückenrahmen/Aluminium; 43 mm Up-Side-Down-Gabel, 150 mm Federweg; Zweiarmschwinge hinten, 150 mm Federweg;
MaßeLeergewicht ca. 230 kg, zul. Gesamtgewicht 430 kg; Länge/Breite/Höhe 2150 / 925 / 1290/1350 mm, Sitzhöhe 845 mm; Tankinhalt 19,0 l
Bremseneinzeln betätigt, vorne Scheibe, 310 mm, hinten Scheibe, 250 mm
Fahrleistungen / VerbrauchHöchstgeschwindigkeit ca. 215 km/h, 6,2 l/100 km
Preis17400 Euro

Fazit: Angenehm langstreckentauglich

Grundsätzlich schafft die neue GSX-S1000GX die für das Crossover-Konzept typische Spreizung der Fähigkeiten: Sie lässt sich durchaus sportlich bewegen, ist im Grunde ihres Herzens aber ein angenehmer langstreckentauglicher Kompagnon, der mit viel Komfort zu ausgiebigen Touren einlädt.

Dazu zählt auch der gute Windschutz hinter der dreifach leider nur mit Werkzeug verstellbaren Scheibe und die aufpreispflichtigen, bestens integrierten Seitenkoffer – diese lassen sich ohne zusätzliche Halterungen anbringen und fassen jeweils einen Integralhelm. Ohne diese steht die neue Suzuki GSX-S1000GX für 17.400 Euro in den Schaufenstern der Händler.

Text: Thilo Kozik/SP-X