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Harley-Davidson FXDR 114: Testfahrt, Daten, Preis

Eine Harley Davidson fährt auf einer Strasse, im Hintergrund stehen moderne Häuser
Der Cruiser von Harley liegt auch gut in der Kurve ∙ © Harley Davidson

FXDR 114, Harley-Davidsons Zuwachs aus der Softail-Reihe, ist ein Musclebike alter Schule. Fahrbericht aus MOTORRAD 21/2018.

  • Keine Assistenzsysteme

  • Schwer zu fahren

  • Kein Komfort

Sie kennen sicherlich auch das Gefühl, im falschen Film zu sein. "Unsere neue Leichtmetallschwinge spart 43 Prozent Gewicht, verglichen mit der Stahlschwinge für 240er-Hinterreifen. Kompositbauteile, Performance, Lenkerstummel, Schräglagenfreiheit." Sodann einer der französischen Kollegen, die am Abend der Technikpräsentation bereits mit der FXDR gefahren sind: "Excusez-moi! Wir meinen, dem Motorrad fehlt eine Anti-Hopping-Kupplung. Und eine Traktionskontrolle!"

Schweigen. Hat er das wirklich gesagt? Anti-Hopping-Kupplung? Traktionskontrolle? Komposit? Seltsame, genrefremde Stichworte fallen da im Umfeld der FXDR 114, Harley-Davidsons jüngster Ergänzung der zuletzt aufgelegten Softail-Reihe. Klären wir, was es damit auf sich hat und warum die Franzosen recht haben, per Vorspulen zum Fahrtag.

Der Anlasser, fraglos ein mächtiges Ding, pumpt Leben in die 114 Cubic Inch des großen Milwaukee-Eight, der sofort in einen hubraum- und schwungmasseschwangeren Takt fällt. Reichlich 1,8 Liter gluckern schon serienmäßig tiefsatt, Bass und Vibration sind von der langwellig-massierenden Sorte. Zwei Ausgleichswellen ziehen dem Stoßstangen-Motor aber letztlich einen akkuraten Seitenscheitel. Gerade so viel Kraft erfordert die Kupplung, dass man sich wie ein starker Typ fühlen kann. Dann rastet Gang Eins mit dem US-amerikanischen Selbstbewusstsein eines Bunkerbrecher-Geschosses. Hell yeah, America!

Die Harley FXDR ist schwierig im Handling

eine weisse Harley-Davidson FXDR114 im Studio von der Seite
Das Topmodell lässt sich nicht gerade einfach fahren ∙ © Harley-Davidson

Unerwartet behände und intuitiv zirkelt die FXDR dann ab dem ersten Meter hinaus aus dem Stadtgewimmel. Verzeihung, kleiner Scherz am Rande. Tatsächlich und selbstredend fordert das massive Hinterrad, auf den sich der Michelin "Scorcher 11" im niedrigen 40er-Querschnitt spannt wie ein Autoreifen, Tribut in Form von erheblichen Lenkkräften. Er hat seinen eigenen erklärten Willen, muss überzeugt werden. Fremdeln auf den ersten Metern.

Und schon ist die Zeit gekommen, probeweise etwas am rechten Lenkerende zu rotieren. Sind die versprochenen 160 Newtonmeter bei 3500 Umdrehungen pro Minute auch glaubhaft? Urgewaltiges Drehmoment aus der Tiefe des Hubraums. So wüst, dass der Scorcher-Gummi auf den rutschigen, blank polierten Ausfallstraßen heraus aus Thessaloniki, dort befinden wir uns, stets um Haftung bemüht ist.  

Trotz des riesigen Latsches endet kräftiges Beschleunigen in den Gängen eins und zwei, auch drei, es muss nicht einmal Vollgas sein, zuweilen in Qualm und Straßenmalerei. Hat man sich an das griechische Traktionsdefizit gewöhnt, macht es großen Spaß. So burnt sich ein bestens unterhaltener Trupp hinaus ins hügelige, kurvige Hinterland, wo der Asphalt teils griffig ist und teils überhaupt nicht, die Schlaglöcher tückisch. Was folgt, ist ein ausgiebiger, überaus beherzter Ritt. Recht so, schließlich ist Druck da, ein R in der Bezeichnung und Kompositbauteile.

Hartes Fahrwerk, straffe Dämpfung, gute Bremsen

Eine Harley Davidson freigestellt von der Seite in braun
Das Musclebike ist vor allem auf eine hohe Laufleistung ausgelegt ∙ © Harley Davidson

Die Erkenntnisse? Erstens bietet die FXDR tatsächlich Schräglagenfreiheit, für einen Powercruiser allemal reichlich. Die Schwierigkeit besteht eher darin, das Motorrad auch dorthin zu bekommen. Mit zunehmendem Tempo nimmt der Eigenwille, auch das Aufstellmoment, noch zu. Wer von der Linie nur träumt, wird geradeaus fahren. Feste Absicht und tatkräftiger Körpereinsatz müssen die FXDR in Kurven biegen. "Lenk mit dem Allerwertesten", hat ein Kollege geraten " kein schlechter Tipp.

Zweitens: Die Bremsleistung (300-Millimeter-Doppelscheibe, Vierkolben-Festsättel) ist der Motorleistung voll angemessen, lässt sich zudem astrein dosieren. Spitze.

Drittens: Das Fahrwerk geriet hart. Vorne spricht die stämmige Gabel durchaus gefällig an, läuft straff gedämpft durch gut bemessene 130 Millimeter Federweg. Hinten dagegen müssen knappe 86 Millimeter reichen, kompensiert von harter Feder. Der Pneu fügt die Eigendämpfung eines Backsteins hinzu. Im Resultat sollten FXDR-ler gesunde Bandscheiben mitbringen. Schläge gehen praktisch ungefiltert ins Kreuz.

Viertens gilt, wie bei jedem anständigen Türsteher, das Prinzip von Aktion und Reaktion. Wer am Ohrfeigen-Baum rüttelt, wird ernten. Dazu zählt etwa, vor der Kurve herunterzuschalten und unachtsam ins enorme Schleppmoment des V2 einzukuppeln. Schon gibt es eine Backpfeife per austreibendem Heck. Eine Rutschkupplung wäre tatsächlich schön.

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Obacht ist auch am Kurvenausgang angeraten, wo die Fuhre tunlichst ausgerichtet sein sollte, bevor man den Hahn spannt. Ein kleiner Burn-out von Ampel zu Ampel ist lustig. Es kann nicht jeder Kenny Roberts sein, und so wäre eine Traktionskontrolle in der Tat wünschenswert, wenn die FXDR mal angemessen bewegt werden soll.

Oder zumindest, fünftens, andere Reifen als den Langläufer Scorcher 11. Jener wurde merklich für die Anforderungen der Touren-Harleys im US-Markt ausgelegt, und die lauten: Laufleistung, Laufleistung und Laufleistung. Gut für Kilometerfresser auf E-Glides in Alabama, doch hier keine geeignete Wahl. Trocken lässt sich mit der Haftung so gerade arbeiten, doch der Gummi bleibt jegliche Information schuldig. Was das Auskosten der sportlichen Anlagen (nein, wirklich!) zum Stochern im Halbdunkel, zum Vabanquespiel macht. Auch die Nasshaftung konnten wir prüfen – mit verheerendem Verdikt.

Fazit? Wie Ringen mit einem Alligator ist engagiertes FXDR-Fahren eine nervenkitzelnde Angelegenheit, ein Ding von höchstem Unterhaltungswert. Ein innovatives Motorrad oder gar ein visionäres? Mitnichten. Dafür ein spektakuläres. Bei der FXDR handelt es sich um ein Musclebike der alten Schule.

Technische Daten Harley-Davidson FXDR 114

Herstellerangaben

Motor/Getriebe

Luft-/gekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor, zwei Ausgleichswellen, je eine untenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, vier Ventile pro Zylinder, Hydrostößel, Stoßstangen, Kipphebel, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, 2x ø 55 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 390 W, Batterie 12 V/18 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheibenölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Zahnriemen, Sekundärübersetzung 2,060

Bohrung x Hub 102,0 x 114,3 mm
Hubraum 1868 cm³
Verdichtungsverhältnis 10,5:1
Nennleistung 67,0 kW (91 PS) bei 4500/min
Max. Drehmoment 160 Nm bei 3500/min

Fahrwerk

Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, ø 43 mm, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis, Doppelscheibenbremse vorn, ø 300 mm, Vierkolben-Festsattel, Scheibenbremse hinten, ø 292 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, ABS
Alu-Gussräder 3.00 x 19; 8.00 x 18
Reifen 120/70 ZR 19; 240/40 R 18

Maße und Gewichte

Radstand 1735 mm, Lenkkopfwinkel 56,0 Grad, Nachlauf 120 mm, Federweg vorn/hinten 130/86 mm, Sitzhöhe 720 mm, Leergewicht (fahrfertig) 303 kg, zulässiges Gesamtgewicht 533 kg, Tankinhalt/Reserve 18,5/3,8 Liter

Preis

21.445 Euro


Copyright: MOTORRAD*, Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG

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