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BMW R nineT /5: Retrobike mit starkem Vintage-Look

BMW R 75/5 von 1969 und R nineT /5 von 2019
Zwilllinge mit 50 Jahren Altersunterschied: BMW R 75/5 von 1969 und R nineT /5 von 2019 ∙ © BMW

Die BMW R nineT /5 ist ein Jubiläumsmodell mit einen luftgekühlten Boxermotor. Aufgelegt 2019 – genau 50 Jahre nach dem Start der /5-Baureihe. Testfahrt, technische Daten, Bilder, Preis.

  • Die /5 – ausgesprochen: "Strich fünf" – ist das sechste Modell der nineT-Baureihe

  • Vintage-Look mit Kniepads, feiner Linierung und Chrom-Zierrat

  • Gut 2000 Euro Aufpreis gegenüber der Basisversion

Die Retro-Baureihe von BMW trägt einen sperrigen Namen: "R nineT" spricht man wie "R Ninety" – zu deutsch: "R 90". Das Ganze soll eine Erinnerung an die weiß-blauen Power-Boxer der frühen 1970er-Jahre sein.

Die merkwürdige Wortschöpfung hat den Erfolg der Classic-Bikes (BMW nennt sie "Heritage"-Modelle) nicht beeinträchtigen können: Drei von bislang fünf R nineT-Varianten liegen nach dem ersten Halbjahr 2019 in den Top 50 der deutschen Zulassungs-Hitliste. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass der luftgekühlte Boxermotor der nineT eigentlich schon 2013 ausgemustert werden sollte, weil ein viel potenterer wassergekühlter Boxer am Start war. Der werkelt jetzt in allen anderen Boxermodellen.

Nur eine Farbe: Lupinblaumetallic

Damit der einträgliche Trend hin zu "Old-School-Bikes" nicht so schnell verebbt, schiebt BMW die sechste Variante der R nineT nach: Sie heißt R nineT /5 und ist mit ihrer Lackierung in "Lupinblaumetallic" samt weißer Zierlinien insbesondere in den Augen älterer Jahrgänge die optisch attraktivste des Boxer-Sextetts. Dem Vernehmen nach soll sie allerdings nur in limitierter Auflage produziert werden. Unveränderliches Kennzeichen der neuen /5 ist eine glänzende Plakette auf dem Tank: Sie hält fest, dass 1969 die /5-Baureihe präsentiert wurde.

1969 markiert auch das Jahr, in dem die Produktion der BMW-Motorräder in München beendet und in Berlin-Spandau begonnen wurde. Dort, in Sichtweite der Havel, laufen auch heute – 50 Jahre später –  alle BMW mit mehr als 310 Kubikzentimeter Hubraum vom Band, der 400er-Roller ausgenommen.

Der Motor der BMW R nineT: Damals 50, heute 110 PS 

Direktes Vorbild der R nineT /5 ist das damalige Spitzenmodell der /5-Reihe, die R 75/5, deren 750er-Boxermotor damals beeindruckende 50 PS leistete. Diesen Wert übertrifft die Neue um mehr als das Doppelte: 110 PS liefert ihr Boxermotor bei 7750 U/min, das Drehmoment erreicht stramme 116 Newtonmeter bei 6000 U/min. Damit ist man trotz der für ein Naked-Bike nicht mehr exorbitanten Leistung bestens motorisiert.

Jeder noch so kleine Dreh am Gasgriff wird augenblicklich in ein Tempoplus umgesetzt, fast unabhängig davon, bei welcher Drehzahl und in welchem Gang man gerade fährt. Der "alte", luftgekühlte Boxer ist ein souveräner und zugleich unaufgeregter Antrieb, der mit der lediglich 219 Kilogramm wiegenden /5 keinerlei Mühe hat – und mit kaum über fünf Litern Benzin pro 100 Kilometer auch zu den sparsamen Motoren gezählt werden darf.

Leichtes Handling, keine Assistenzsysteme

Das Fahren der /5 fällt leicht, sie ist schließlich baugleich mit der Ur-Version Pure – bis auf zwei Zentimeter mehr Sitzhöhe als Folge des stärker gepolsterten Sattels. Sie lässt sich gut manövrieren, lenkt geschmeidig in Kurven ein, liegt stabil auf der Straße, federt angenehm, auch wenn die mit hübschen Gummi-Faltenbälgen verzierte Telegabel nicht einstellbar ist. Am hinteren Federbein lässt sich immerhin die Vorspannung verändern. Von ihrem Retro-Charakter her ist die /5 ohnehin eher ein flotter Gleiter als ein hektischer Sprinter, wobei sportliches Fahren an der großzügig dimensionierten Dreischeiben-Bremsanlage nicht scheitern würde. 

Die Ausstattung der R nineT /5 ist bewusst reduziert gehalten: Wer Wert auf einen Drehzahlmesser legt, muss diesen, wie auch allerlei anderes mögliches Zubehör, vom Händler montieren lassen. Auch die bei aktuellen Hightech-Bikes vorhandenen Assistenzsysteme gibt es für diese Retro-Wumme nicht. Zusätzlich zur tatsächlich puristischen Pure-Version gibt’s serienmäßig lediglich heizbare Lenkergriffe.

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Viele edle Teile zum gehobenen Preis

Der Aufpreis gegenüber der Pure rechtfertigt BMW mit dem Verweis auf die edle Ausstattung der nineT /5. Die ist in der Tat fein: Leichtmetall-Drahtspeichenräder, schwarze Knie-Pads auf den Tank-Flanken, die erwähnten Faltenbälge, aber auch der mit Propeller-Logo und zarten Chromstäben verzierte Sattel schmeicheln zusammen mit den weiß-blauen Zierlinien auf dem Metallic-Lack dem Auge des Betrachters. Hinzu kommen verchromte Spiegel mit gutem Sichtfeld oder Gabelbrücken und Fußrasten aus geschmiedetem Aluminium. Und weil auch der brummige Sound aus der voll verchromten Auspuffanlage passt, finden wir beim besten Willen nichts zum Kritteln.

Technische Daten BMW R nineT /5

Herstellerdaten

Motor

Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Boxermotor, 1170 cm³ Hubraum, 81 kW/110 PS bei 7750 U/min, 116 Nm bei 6000 U/min; Einspritzung; 6 Gänge; Kardan

Fahrleistungen

3,7 s von 0 auf 100 km/h, über 200 km/h Spitze

Fahrwerk

Stahl-Gitterrohrrahmen, Motor mittragend; vorne 4,3 cm-Telegabel mit 12,5 cm Federweg; hinten Aluminiumguss-Einarmschwinge (BMW Paralever) mit Zentralfederbein, Vorspannung einstellbar, 12 cm Federweg

Bremsen

320 mm Doppelscheibenbremse vorne; 265 mm Einscheibenbremse hinten; ABS

Reifen

120/70 ZR 17 (vorne) und 180/55 ZR 17 (hinten)

Maße/Gewichte

Radstand 1,493 m, Sitzhöhe 82,5 cm, Gewicht fahrfertig 219 kg; Tankinhalt ca. 17 l

Verbrauch

5,3 l/100 km lt. EU4, Testverbrauch 5,4 l/100 km

Preis

14.600 Euro

Fazit: Die R nineT /5 ist ein optisch wie technisch überzeugendes Motorrad in Weiß-Blau. Billig ist sie nicht, aber in den Augen vermutlich vieler Fans der einstigen /5 sicherlich ihr Geld wert.

Text: Ulf Böhringer/SP-X