E-Bike-Akku: Finger weg von der Reparatur

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Die Fahrradsaison startet. Wer sich jetzt überlegt, ein gebrauchtes E-Bike zu kaufen, den Akku des eigenen Rads auszutauschen oder zu reparieren, sollte die folgenden Tipps unbedingt beachten.

  • Finger weg von Akku-Reparaturen

  • Vorsicht beim Kauf im Internet

  • Original-Akkus zwar teuer, aber sicher

  • Gebrauchte E-Bikes auf ihre Akkuleistung prüfen lassen

So erkennt man, dass der Akku schlapp macht

Der Akku ist das Herzstück eines E-Bikes. Mit ihm sollte man besonders pfleglich umgehen © ADAC/Ralph Wagner

Wenn das E-Bike jetzt nach der Winterpause wieder regelmäßig benutzt wird, kann es vorkommen, dass man mit einer Akkuladung nicht mehr so weit kommt wie noch im letzten Jahr. Das kann viele Gründe haben: Beladung, Fahrergewicht, Fahrmodus, Reifendruck oder der allgemeine Wartungszustand des Bikes.
In seltenen Fällen kann auch ein verschlissenes Motorlager am E-Antrieb die Ursache dafür sein, dass die Reichweite nachlässt. Ob das der Fall ist, kann man mit einem kurzen Check leicht überprüfen: Denn normalerweise wird der Antrieb eines E-Bikes maximal handwarm. Ist aber das Lager defekt, steigt die Belastung und die Temperatur deutlich und der Antrieb erwärmt sich spürbar.

Reduzierte Reichweite: Akku oder Fahrrad – wer ist schuld?

Eine reduzierte Reichweite kann auch an einer schlecht gewarteten Fahrradmechanik liegen. Dann heißt es: Kette putzen, Kette ölen, Luftdruck kontrollieren!

Wer die Möglichkeit hat, kann bei einem Akkutausch schnell herausfinden, ob es am Akku oder am Fahrrad liegt, dass die erwartete Fahrleistung nicht mehr erreicht wird. Dazu einfach die Akkus zweier baugleicher E-Bikes – z.B. bei zwei gleichen E-Bikes in einem Haushalt – tauschen.

Nicht immer ist also ein beschädigter Akku die Ursache für eine verminderte Reichweite. Aber: Akkus verlieren im Laufe der Nutzungs- oder Lagerzeit aufgrund von Alterungsprozessen ihre Leistungsfähigkeit. Ab dem Zeitpunkt der Batteriefertigung kann der Energieinhalt des E-Bike-Akkus jeden Monat um bis zu 0,5 Prozent abnehmen. Das geschieht selbst dann, wenn kein Lade- oder Entladevorgang in dieser Zeit stattfindet. Doch wie stellt man fest, wie gut der Akku noch ist?

Die Akku-Gesundheit lässt sich bestimmen

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Akku-Gesundheit zu prüfen. Hier wird der Akku ans Diagnosegerät angeschlossen. © ADAC/Ralph Wagner

Hier kommt die so genannte Batterie- oder Akkugesundheit ins Spiel – Fachleute nutzen dafür auch gerne den englischen Ausdruck "state of health" (SOH). Gemeint ist damit die nutzbare Restkapazität im Verhältnis zur Kapazität im Neuzustand in Prozent.
Wer Klarheit über das Leistungsvermögen der Batterie haben möchte, der kann durch eine Bestimmung der Restkapazität des Akkus beim Händler oder in der Werkstatt Gewissheit bekommen – und manche Akkus lassen einen Kurz-Check auch ohne Werkstattbesuch zu.

Drei Möglichkeiten, den Batteriezustand zu überprüfen

1. Batterie-Informationen sind direkt am Akku auslesbar

Zum einen kann man den Gesundheitszustand der Batterie – also den SOH-Wert – direkt am Akku auslesen. Diese Möglichkeit bieten vor allem japanische Modelle, zum Beispiel von Panasonic oder Yamaha. Hier kann durch das längere Drücken der "Power-Taste" am Akku eine Auskunft über die vom Batterie-Management-System (BMS) errechnete Restkapazität getätigt werden. Der Vorteil: Diese Methode ist kostenlos.

Wenn der Akku diese Möglichkeit nicht bietet, kann man das BMS auch über ein spezielles Diagnosegerät in einer Werkstatt auslesen lassen. Manche Werkstätten bieten diesen Service kostenlos an. Aber um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man zuvor nach etwaigen Kosten für das Protokoll fragen. Brose verspricht perspektivisch auch eine Smartphone-App, mit der dies möglich sein wird. Aber: Diese BMS-Messmethoden geben lediglich Aufschluss darüber, in welchem Zustand die Batterie sich befindet im Vergleich zum Neuzustand.

2. Battery-Tester: Universell einsetzbar

Für manche Akkus benötigt der Händler spezielle Adapter, um die Restkapazität des Akkus messen zu können. Dazu muss der Akku voll geladen sein © ADAC/Ralph Wagner

Die aufwendigste, aber auch aussagekräftigste Variante ist die kontrollierte Entladung über ein externes Messgerät zur direkten Bestimmung der verfügbaren elektrischen Energie. Jedoch wird bei diesem Prüfverfahren ein Ladezyklus verbraucht, was die Akkulebensdauer geringfügig minimiert. Zudem kann ein Zertifikat bis zu 50 Euro kosten. Der Battery-Tester liest aber kein Fehlerprotokoll aus, sondern gibt nur Auskunft über die tatsächliche Kapazität.

3. Nur für Bosch-Batterien: Battery Capacity Tester

Bosch hat sein eigenes System entwickelt, um die Restkapazität seiner Akkus zu bestimmen. Das entsprechende Messgerät – bestehend aus einer PC-Software, Testgerät und Verkabelung – bezeichnet Bosch als "Capacity Tester". Es ist also ein Besuch beim Fachhändler nötig.

Neben der tatsächlichen Restkapazität können auch noch sonstige Fehler und Informationen der E-Bike-Batterie ausgelesen und in einem Protokoll ausgedruckt werden. Bei der Stichprobe im Rahmen der ADAC-Untersuchung kostete ein derartiges Batterie-Zertifikat zwischen 20 und 30 Euro in Onlineshops.

Die Messung der Batteriekapazität ist ein wichtiger Hinweis auf den Zustand des Akkus, dem Herzstück eines E-Bikes. Deshalb rät der ADAC, vor dem Kauf eines gebrauchten E-Bikes eine solche Messung durchführen zu lassen.

Defekter Akku: Tausch oder Reparatur?

Für die Untersuchung des ADAC wurde das Innenleben eines E-Bike-Akkus genaustens inspiziert © Foto ADAC/Ralph Wagner

Ist der E-Bike-Akku tatsächlich defekt oder bringt nicht mehr die gewünschte Leistung, so stellt sich die Frage, ob man sich einen Ersatzakku kauft oder den alten reparieren lässt bzw. selbst repariert. Diverse Werkstätten versprechen eine Wiederbelebung des Akkus durch einen Zellentausch. Der ADAC hat sich dazu mit Herstellern, Fachverbänden und Werkstätten ausgetauscht – und die Empfehlung ist eindeutig: Finger weg von der Reparatur des Akkus!

Akku-Reparatur: Gefährlich und nicht empfehlenswert

Auf keinen Fall sollte man versuchen, den Akku selbst zu reparieren. Die Brandgefahr durch Fehler ist zu hoch. Außerdem verliert man jegliche Gewährleistungsansprüche.

Zwar gibt es im Internet Batteriebausätze, aber die Qualität dieser Batteriesätze ist schwer zu beurteilen. Denn es gibt aktuell keine Zertifikate, die die Sicherheitsanforderungen und Prüfverfahren für Lithium-Antriebsbatterien verlässlich bestätigen. Der Verbraucher hat somit keine Möglichkeit, die Einhaltung von Sicherheitsstandards zu überprüfen. Man geht also ein hohes Risiko ein, wenn man einen Batteriesatz einbaut, der entweder bereits tiefenentladene Zellen enthält oder dessen Zellen nicht korrekt aufeinander abgestimmt sind.

Aber auch die Reparatur in einer Werkstatt ist nicht ohne Risiken. Laien können nicht nachvollziehen, ob eine Reparatur sachgemäß durchgeführt wurde oder ob der Akku nach der Reparatur ein Sicherheitsrisiko darstellt.

Eine Reparatur in einer Fachwerkstatt sollte – wenn überhaupt – nur von E-Bike-Fahrenden in Betracht gezogen werden, die für ihre Fahrräder keine Ersatzakkus mehr kaufen können. Dann ist unbedingt darauf zu achten, dass die Werkstatt alle Zellen austauscht. Die neuen Zellen müssen aus der gleichen Produktion stammen und am besten mit fortlaufender Seriennummer versehen sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass die verbauten Zellen über konstante elektrische Kenngrößen verfügen. Seriöse Werkstätten geben eine Gewährleistung auf die getauschten Teile.

Vorsicht bei Ersatzakkus aus dem Internet

Prinzipiell ist es möglich, einen nachgebauten – also nicht originalen – Akku aus dem Internet zu verwenden. Doch auch hier gilt: Vorsicht! Der Laie kann schwer erkennen, ob es sich dabei um gut verarbeitete, sichere und gleichwertige Produkte handelt. Generelle Kriterien zur Feststellung, ob ein Akku sicher ist, gibt es nicht. Allerdings liefern das Vorhandensein eines UN38.3-Transporttest-Berichts, eine CE-Kennzeichnung und gute Rezessionen Hinweise auf verwendbare Produkte.

Akku-Tausch: Original zwar teuer, aber sicher

Auch wenn es schmerzlich teuer ist: Wer auf Nummer sicher gehen möchte, der sollte sich für einen Original-Akku entscheiden. Nur der Akkuhersteller hat die Möglichkeit, das Batterie-Management-System (BMS) sauber auf die verwendeten Batteriezellen abzustimmen. Bevor man einen neuen Akku kauft, sollte man allerdings prüfen, ob die Gewährleistung greift und ob man an den Händler Ansprüche stellen kann.

ADAC fordert: Garantieleistungen erweitern!

In der Regel geben die Hersteller nur die gesetzliche Gewährleistung auf Akkus. Lediglich Bosch bietet darüber hinaus eine Garantie an. Ob ein Garantiefall vorliegt, muss dann im Einzelfall geprüft werden.

Dass den Kunden lediglich die gesetzliche Gewährleistung geboten wird, ist nach Ansicht des ADAC nicht nachvollziehbar und kundenunfreundlich. Es ist unverständlich, dass bei E-Autos Garantiezeiträume von bis zu acht Jahren oder 160.000 km technisch möglich sind, während sich bei E-Bikes die Hersteller über die gesetzlichen Vorgaben von zwei Jahren nicht hinaustrauen. E-Bike-Hersteller sollten ihren Kunden zukünftig Garantieleistungen anbieten.

Tiefenentladung: Der Tod eines jeden Akkus

Die größte Gefahr für den Akku ist die Tiefenentladung. Einmal tiefenentladen – und der Akku ist nicht mehr brauchbar. Deshalb ist es wichtig, den Akku entsprechend den Herstellerangaben zu lagern.

Position des Akkus: Jedes Modell hat Vor-und Nachteile

Der Markt bietet im Prinzip vier gängige Bauarten eines Akkus in E-Bikes an. Jede Bauart hat ganz spezifische Stärken und Schwächen, die wir in einem interaktiven Infogramm kurz zusammengefasst haben:

Tipps für den Verbraucher

Damit E-Bike-Fahrende lange ihr Rad und den Akku nutzen können, sollten sie folgende Tipps beachten:

  • Eine reduzierte Reichweite kann an einer schlecht gewarteten Fahrradmechanik liegen. Deshalb unter anderem regelmäßig Kette ölen und Luftdruck korrekt einstellen.

  • Die richtige Pflege und Lagerung der Akkus verlängern die Lebensdauer und ersparen unnötige Ausgaben. Deshalb: Die Herstellerhinweise genau beachten. Im Übrigen muss der Akku auch nicht vor jeder Fahrradtour voll geladen sein.

  • Tiefenentladung auf jeden Fall vermeiden. Sie ist laut ADAC Untersuchung die häufigste Ursache dafür, dass ein Akku getauscht werden muss.

  • Wer wissen will, wie gut sein Akku ist, sollte die Batterie-Restkapazität messen lassen.

  • Ersatzakkus vom Originalhersteller sind Nachbauten vorzuziehen.

  • E-Bike-Akku-Reparaturen sind nicht zu empfehlen – außer der Hersteller bietet dies an.

  • Vor dem Kauf eines gebrauchten E-Bikes ein Messprotokoll einfordern.

Insgesamt sollte der Akku äußerst pfleglich behandelt werden. Wer also beispielsweise sein E-Bike konsequent im Schatten abstellt oder zumindest den Akku abdeckt, tut bereits viel für ein längeres Batterieleben.

Forderung an die Hersteller

Die Hersteller können nach Ansicht des ADAC einiges tun, um kundenfreundlicher und nachhaltiger zu werden. Dazu gehören:

  • Bereitstellen von SOH-Werten direkt am Fahrrad ohne Diagnosegerät.

  • Anbieten von zeitwertgerechten Lösungen (z.B. fachgerechten Akkureparaturen).

  • Längere Garantiezeiträume anbieten – bei E-Autos ist dies auch möglich.

  • Neue Akkus sollten kompatibel mit älteren Antrieben und Halterungen sein.