Unfall in Österreich: Das müssen Sie wissen

Unfall im Ausland, Österreich, Aufmacher, Landkarte
Unfall in Österreich - welche Ansprüche kann man geltend machen?© ADAC e.V.

Wann kommt die Polizei, wie wird der Schaden nach einem Unfall in Österreich reguliert, braucht man die Grüne Karte und wie hilft der ADAC seinen Mitgliedern? ADAC Clubjuristen informieren.

  • Notieren Sie die Daten des Unfallgegners

  • Für Schadenersatzansprüche gilt österreichisches Recht

  • Regulierung des Schadens dauert meist etwas länger

Das sollten Sie an der Unfallstelle beachten

Nach einem Unfall müssen Sie sofort anhalten, die Warnweste anlegen, die Unfallstelle sichern und Verletzten helfen. Bei Personenschäden ist immer die Polizei bzw. die Rettung zu rufen.

Wichtige Telefonnummern

Polizei in Österreich: 133
Rettungskräfte in Österreich: 112
Europaweite Notrufnummer
112
Abschleppdienst des ADAC: +49 89 22 22 22
Zentralruf der Autoversicherer: 0800 250 26 00 (aus Deutschland) oder +49 403 00 33 03 00 (aus dem Ausland)

Bei kleinen Blechschäden kommt die Polizei nicht, aber bei größeren Schäden oder Streit mit Unfallbeteiligten sollten Sie die Polizei einschalten.

Notieren Sie Kennzeichen, Name und Anschrift von Fahrer und Halter der beteiligen Fahrzeuge sowie deren Haftpflichtversicherung und Versicherungsnummer. Suchen Sie möglichst neutrale Zeugen und fotografieren Sie die Unfallstelle.

Auf Nummer sicher gehen Sie mit einem mehrsprachigen Europäischen UnfallberichtUnterzeichnen Sie auf keinen Fall Schriftstücke, die Sie nicht verstehen. Beim Organisieren eines Abschleppdienstes sowie der Werkstattsuche können sich ADAC Plus-Mitglieder nach Unfällen an die ADAC Notrufzentrale (s. wichtige Telefonnummern) wenden.

Das Mitführen der Grünen Karte ist zwar nicht mehr vorgeschrieben. Sie kann jedoch trotzdem bei der Verständigung am Unfallort und zur einfacheren Schadenabwicklung beitragen.

Wer zahlt den Schaden?

Schadenersatzansprüche müssen Sie direkt bei der gegnerischen Versicherung in Österreich anmelden oder zu Hause über den Regulierungsbeauftragten der österreichischen Haftpflichtversicherung in Deutschland.

Ein Warndreieck steht auf der Straße, im Hintergrund ein Unfall.
Gilt auch in Frankreich: Unfallstelle sichern © Shutterstock/tommaso79

Über den Zentralruf der Autoversicherer erfährt man, wer der Regulierungsbeauftragte ist (s. wichtige Telefonnummern). Stichwort Kfz-Haftpflicht: Die eigene Versicherung muss nur informiert werden, wenn Ansprüche des Unfallgegners denkbar sind.

Vorsicht vor Verjährung

In Österreich verjähren Schadenersatzansprüche nach drei Jahren. Die österreichische Versicherung und der Regulierungsbeauftragte in Deutschland wiederum müssen den Fall spätestens drei Monate nach Meldung bearbeiten. Andernfalls müssen sie eine begründete Antwort erteilen, wenn die Abwicklung nicht erfolgen kann.

Antwortet die Versicherung nicht fristgemäß, können Sie die Entschädigungsstelle der Verkehrsopferhilfe* einschalten, die der Sache nachgeht und unter bestimmten Voraussetzungen selbst reguliert. Kommt es dennoch zum Streitfall, hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass über die Haftungsfrage oder die Schadenhöhe die gegnerische Versicherung nicht nur im Ausland, sondern auch im Wohnsitzland des Geschädigten verklagt werden kann.

So hilft der ADAC – Rechtsberatung nach einem Unfall im Ausland

Exklusiv und kostenlos ist für Mitglieder die ADAC Rechtsberatung. Vor allem bei hohen Sach- und bei Personenschäden empfiehlt sich die Einschaltung eines deutschsprachigen ADAC Vertrauensanwalts im Ausland, der gegebenenfalls vor Ort klagen kann.

Für ADAC Plus-Mitglieder gilt: Für eine Erstberatung durch einen ausländischen Vertrauensanwalt kann ein Zuschuss von bis zu 52 Euro gewährt werden. Für Premium-Mitglieder beträgt der Zuschuss bis zu 200 Euro. Stellt der ausländische Anwalt für die Erstberatung einen höheren Betrag für seine Leistung in Rechnung, muss die über den Zuschuss hinausgehende Differenz vom Mitglied selbst getragen werden.

Die Clubjuristen können zudem prüfen, ob im geeigneten Einzelfall die Unfall-Rechtshilfe AUSLAND in Betracht kommt.

Um den Ablauf des Unfalles genau festhalten zu können, stellen wir außerdem mehrsprachige Europäische Unfallberichte zum Download bereit.

Sachschäden: Das wird in Österreich erstattet

Da der Unfall in Österreich passiert ist, findet österreichisches Recht Anwendung.

Ersetzt werden:

  • Reparaturkosten: gegen Vorlage einer Werkstattrechnung oder eines Sachverständigengutachtens, bei Bagatellschäden auch mittels Kostenvoranschlag. Der gegnerischen Versicherung sollte vorab die Besichtigung des Fahrzeugs ermöglicht werden. Der Ersatz fiktiver Reparaturkosten wird durch die objektive Wertminderung begrenzt, d.h. auf die Differenz zwischen Zeitwert des Kfz in unbeschädigtem und beschädigtem Zustand.

  • Totalschaden: der durch ein Gutachten nachgewiesene Zeitwert des Fahrzeugs abzüglich Restwert.

  • Mietwagenkosten: auch für private Nutzung des Fahrzeugs während der Reparaturdauer. Abzug 10 bis 15 Prozent wegen Eigenersparnis. Bei Totalschaden werden Mietwagenkosten für maximal zwei bis drei Wochen erstattet.

  • Abschleppkosten: bei nicht mehr fahrbereiten Kfz bis zur nächsten Werkstätte. Nachweis der Kosten per Rechnung.

  • Gutachterkosten: werden grundsätzlich erstattet, sofern der Schaden nicht durch die österreichische Versicherung besichtigt wurde (der dies vorab ermöglicht werden sollte).

  • Wertminderung: wird nach österreichischen Formeln ermittelt und für höchstens zwei bis drei Jahre alte Fahrzeuge ohne Vorschäden gezahlt.

  • Kaskoselbstbeteiligung: gegen Vorlage einer Abrechnung der Vollkaskoversicherung.

  • Übernachtung/Verpflegung: nur Kosten, die unmittelbar mit dem Unfall zu tun haben unter Abzug der Eigenersparnis.

  • Anwaltskosten: außergerichtliche und gerichtliche Anwaltskosten werden meist übernommen.

  • Schadensfinanzierungskosten: sofern die Versicherung unter Fristsetzung erfolglos zur Vorschussleistung aufgefordert wurde.

  • Post- und Telefongebühren: gegen Nachweis

Nicht ersetzt werden:

  • Nutzungsausfall

  • Entschädigung für Beeinträchtigung des Urlaubs (allenfalls: nachweisbarer materieller Schaden).

Personenschäden: Das wird in Österreich ersetzt

  • Arzt-, Heil- und Pflegekosten: soweit sie nicht durch die eigene Krankenkasse erstattet werden.

  • Verdienstausfall: durch Nachweis des tatsächlich erlittenen Schadens mittels Bestätigung des Arbeitgebers bzw. bei Freiberuflern durch Vorlage von Steuerbelegen

  • Schmerzensgeld: Tagessätze werden nach Schmerzperioden und Schmerzstufen bestimmt.

Exklusiv für ADAC Mitglieder: Infos bei Unfall in anderen europäischen Ländern oder den USA oder Russland

*Durch Anklicken der Links werden Sie auf externe Internetseite weitergeleitet, für deren Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.

Kai Thiele
Fach-Autor
Kontakt
Stefan Königer
Fach-Autor
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?