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Erste Hilfe bei Verkehrsunfällen: Die richtigen Maßnahmen Schritt für Schritt

Mann gibt Erste Hilfe
Erste Hilfe bei Verkehrsunfällen – diese Schritte können Leben retten ∙ © iStock.com/bymandesigns

Zahlreiche Unfallopfer sterben innerhalb der ersten Minuten nach dem Unfall. Daher ist es essenziell, dass andere Verkehrsteilnehmer möglichst in diesem Zeitraum effektiv Erste Hilfe leisten. Wir zeigen, wie es geht.

Bis professionelle Helfer eintreffen, befinden sich an einer Unfallstelle häufig nur Menschen ohne besondere medizinische Kenntnisse. Viele von ihnen trauen sich jedoch nicht zu helfen - aus Unsicherheit. Die ersten Minuten nach einem Unfall sind jedoch entscheidend für den Erfolg der Erstversorgung von Verletzten und deren weiterer Behandlung im Krankenhaus. Leisten Sie daher unbedingt Erste Hilfe, wenn Sie an einen Unfallort kommen! Niemand wird Ihnen einen Vorwurf machen, wenn Sie nicht die gleichen Kenntnisse haben wie ein professioneller Helfer. Nur Nicht-Helfen ist die falsche Entscheidung. Frischen Sie regelmäßig Ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse auf – wer weiß, wann Sie sie das nächste Mal brauchen.

ACHTUNG: Erste Hilfe und COVID-19

Die im Folgenden dargestellten Handlungsschritte sind Standardmaßnahmen der Ersten Hilfe. In Zeiten von COVID-19 wird allerdings empfohlen, bei erhöhtem Infektionsrisiko diese Maßnahmen anzupassen bzw. besondere zusätzliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen, z.B. wenn man Erste Hilfe bei fremden Personen leistet. Daher ist es wichtig, auch diese Handlungsschritte zu kennen.

Hier erhalten Sie entsprechende Informationen:

Merkblatt Deutsches Rotes Kreuz "Erste-Hilfe-Maßnahmen bei erhöhtem Infektionsrisiko"

Informationen des Deutschen Rats für Wiederbelebung mit Downloads und Leitlinien

Grundsätzlich gilt: Niemand muss sich selbst in Gefahr bringen. Aber das Absichern der Unfallstelle sowie das Absetzen des Notrufs ist in der Regel auch in Corona-Zeiten für jedermann zumutbar.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Ersten Hilfe
PDF, 2.12 MB
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Erste-Hilfe-Maßnahmen: Die richtige Reihenfolge Schritt für Schritt

Bevor Sie handeln: Schließen Sie aus, dass Sie sich und/oder andere gefährden! Verschaffen Sie sich einen Überblick darüber, was passiert ist. Beurteilen Sie, welche Gefahren drohen.

Unfallstelle absichern

  • Schalten Sie die Warnblinkanlage ein

  • Bremsen Sie nicht plötzlich und fahren Sie auf der Autobahn auf keinen Fall rückwärts

  • Stellen Sie Ihr Fahrzeug auf dem Pannenstreifen oder am äußersten rechten Fahrbahnrand ab – in sicherem Abstand zur Unfallstelle

  • Ziehen Sie Ihre Warnweste an

  • Mitfahrer sollten zu ihrer eigenen Sicherheit nur auf der verkehrsabgewandten Seite aussteigen

  • Nehmen Sie Mobiltelefon, Verbandskasten und Warndreieck aus dem Auto mit

  • Stellen Sie das Warndreieck in angemessenem Abstand vor dem Unfallort auf. Laufen Sie dazu hinter der Schutzplanke oder zumindest am äußersten Straßenrand mit aufgeklapptem Warndreieck dem Verkehr entgegen

  • Fordern Sie andere Autofahrer per Handzeichen auf, langsam zu fahren

Notruf absetzen

Veranlassen Sie, dass so früh wie möglich mit einem Notruf weitere Hilfe verständigt wird. Dazu 112 wählen (europaweit).

Inhalt des Notrufs:

  • Wo hat sich der Unfall ereignet?

  • Was ist passiert?

  • Wie viele Menschen sind betroffen?

  • Welche Verletzung/Erkrankung liegt vor?

  • Warten Sie unbedingt auf Rückfragen der Leitstelle!

  • Bei einem Unfall mit Gefahrgut: Weisen Sie beim Anruf darauf hin!

Unfallopfer aus der Gefahrenzone bringen

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Retten mit dem Rautek-Griff ∙ © ADAC e.V.

Ist ein Verunglückter am Unfallort lebensgefährlich bedroht, sollten Sie ihn mit dem sogenannten Rautek-Rettungsgriff aus dem Auto ziehen, sofern Sie sich damit nicht selbst in Gefahr bringen.

  • Öffnen Sie die Fahrzeugtür, beobachten Sie den Betroffenen und sprechen Sie ihn an

  • Schalten Sie die Zündung des Wagens aus, öffnen Sie den Sicherheitsgurt

  • Bringen Sie bei nicht ausgelöstem Airbag Ihren Kopf niemals zwischen Armaturenbrett und Körper des Unfallopfers

  • Achten Sie darauf, dass die Füße des Opfers nicht eingeklemmt sind

  • Umgreifen Sie den Betroffenen in Sitzflächenhöhe von außen, drehen Sie seinen Rücken zu sich hin

  • Legen Sie einen Unterarm des Unfallopfers vor dessen Bauch

  • Greifen Sie mit Ihren Händen durch die Achselhöhlen des Opfers und umfassen Sie dessen Unterarm

  • Ziehen Sie den Betroffenen vom Sitz an einen sicheren Ort

Zustand des Unfallopfers feststellen

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Überprüfung der Atmung des Unfallopfers ∙ © ADAC e.V.

Bewusstsein:

  • Reagiert das Unfallopfer auf lautes Ansprechen?

  • Reagiert es auf Rütteln an der Schulter?

Der Verletzte hat einen Helm auf? Dann runter damit, aber vorsichtig! So nehmen Sie einem verletzten Motorradfahrer richtig den Helm ab.

Atmung:

  • Machen Sie die Atemwege des Verunglückten frei, indem Sie seinen Kopf nach hinten neigen und gleichzeitig sein Kinn anheben

  • Kontrollieren Sie, ob der Brustkorb sich hebt und senkt. Legen Sie Ihr Ohr über Mund und Nase des Betroffenen und hören Sie, ob Atemgeräusche vorhanden sind. Überprüfen Sie mit der Wange, ob Sie einen Luftstrom spüren

Seitenlage bei bewusstlosem Unfallopfer

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Stabile Seitenlage bei der Ersten Hilfe ∙ © ADAC e.V.

Ist das Unfallopfer bewusstlos, atmet aber normal, bringen Sie es in die stabile Seitenlage:

  • Legen Sie den zu Ihnen gewandten Arm des Opfers angewinkelt nach oben, die Handinnenfläche zeigt dabei nach oben

  • Legen Sie die Hand des anderen Arms mit dem Handrücken an die zu Ihnen zeigende Wange des Betroffenen und halten Sie sie fest

  • Greifen Sie den von Ihnen weiter entfernt liegenden Oberschenkel des Verletzten, winkeln Sie das Bein an und drehen Sie das Unfallopfer zu sich

  • Richten Sie das oben liegende Bein so aus, dass der Oberschenkel im rechten Winkel zur Hüfte liegt

  • Neigen Sie den Kopf des Unfallopfers nach hinten, öffnen Sie dessen Mund leicht

  • Wenn nötig, korrigieren Sie die unter der Wange liegende Hand so, dass der Kopf nach hinten geneigt bleibt und die Atemwege frei bleiben

  • Prüfen Sie regelmäßig die Atmung des Unfallopfers. Im Falle eines Atemstillstands oder einer nicht normalen Atmung müssen Sie es sofort in Rückenlage bringen und wiederbeleben

Wiederbelebungsmaßnahmen

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Wiederbelebung Erste Hilfe ∙ © ADAC e.V.

Ist das Unfallopfer bewusstlos und atmet nicht oder nicht normal, muss mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung (Reanimation) begonnen werden. Durch den Wechsel von Herzdruckmassage und Beatmung soll ein Minimalkreislauf beim Unfallopfer aufrechterhalten werden. Wenn Sie noch keinen Notruf abgesetzt haben, tun Sie das vor Beginn der Wiederbelebung bzw. veranlassen Sie dies!

Steht ein automatisierter externer Defibrillator (AED) zur Verfügung, lassen Sie diesen von einem weiteren Helfer zum Unfallort holen. Der Beginn der Wiederbelebungsmaßnahmen darf durch die Suche nach einem AED nicht verzögert werden!

Im Folgenden wird die Vorgehensweise zur Wiederbelebung bei Erwachsenen beschrieben:

  • Zur Wiederbelebung knien Sie sich neben den Betroffenen, in Höhe seines Brustkorbs

  • Platzieren Sie Ihre übereinanderliegenden Handballen auf der Mitte seiner Brust (= untere Hälfte des Brustbeins)

  • Führen Sie 30 Herzdruckmassagen durch. Drücken Sie dazu das Brustbein mit gestreckten Armen schnell und kräftig fünf bis sechs Zentimeter nach unten und entlasten Sie es danach wieder vollständig (Geschwindigkeit: 100 bis 120 Mal pro Minute)

  • Öffnen Sie danach die Atemwege des Unfallopfers, indem Sie seinen Kopf nach hinten neigen und gleichzeitig sein Kinn anheben

  • Halten Sie die Nase des Betroffenen zu und öffnen Sie seinen Mund (bei angehobenem Kinn)

  • Atmen Sie ein und legen Sie Ihre Lippen dicht um den Mund des Unfallopfers

  • Blasen Sie eine Sekunde lang Luft in den Mund des Unfallopfers, sodass sich dessen Brustkorb sichtbar hebt

  • Wiederholen Sie den Vorgang, wenn sich der Brustkorb wieder gesenkt hat

  • Führen Sie diese Wiederbelebungsmaßnahmen (30-mal Herzdruckmassage, zweimal Beatmung) so lange fort, bis professionelle Helfer übernehmen oder der Betroffene wieder normal atmet

  • Wenn Sie keine Übung bei der Durchführung der Beatmung haben oder sich dazu nicht in der Lage fühlen, führen Sie durchgehend die Herzdruckmassage durch, bis professionelle Helfer übernehmen oder der Betroffene normal zu atmen beginnt

  • Wenn zusätzlich die Möglichkeit besteht, einen AED zu benutzen, setzen Sie diesen, sobald verfügbar, ein. Die Herzdruckmassage bleibt auch bei Verwendung eines AED weiterhin die wichtigste Hilfsmaßnahme. Unterbrechen Sie daher die Herzdruckmassage auch möglichst nicht für das Anbringen der AED-Elektroden. Befolgen Sie stets die Sprach-/Bildschirmanweisungen des Geräts zur Bedienung

ADAC Position: Regelmäßige Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse ist wichtig!

Dem ADAC ist es ein wichtiges Anliegen, die Erste-Hilfe-Kenntnisse in der Bevölkerung allgemein und insbesondere bei den Kraftfahrern zu verbessern. Dadurch sollen Unsicherheiten und Hemmungen im Ernstfall abgebaut und die Bereitschaft zur Hilfeleistung gestärkt werden.

Die Einführung verpflichtender Erste-Hilfe-Kurse ist wenig erfolgversprechend. Vielmehr ist eine regelmäßige Auffrischung der Kenntnisse auf freiwilliger Basis zielführend. In diesem Zusammenhang ist besonders die Politik gefordert, die Bevölkerung über Kampagnen nachhaltig für das Thema zu sensibilisieren.

Zudem sollten gezielt Projekte gefördert werden, die schon im Kindes- und Jugendalter ein Bewusstsein für die Bedeutung der Ersten Hilfe schaffen und die grundlegenden, einfach durchzuführenden Maßnahmen vermitteln.

Neben stabiler Seitenlage und klassischer Wiederbelebung mit Herzdruckmassage und Beatmung lernen die Teilnehmer eines Erste-Hilfe-Kurses weitere wichtige Maßnahmen wie das Stillen einer Blutung oder die Anwendung der Schocklage.

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