Autos ab 16: Ellenator, Aixam & Twizy im Test

13.11.2018

Unabhängig unterwegs sein, davon träumen viele Jugendliche. Der Kauf eines Mopeds oder Rollers gilt für viele Fahranfänger als erster Schritt in die Selbstständigkeit. Inzwischen gibt es jedoch Alternativen zu den klassischen Fortbewegungsmitteln. Wir haben drei Fahrzeuge für Jugendliche ab 16 getestet - die Ergebnisse konnten allerdings nicht überzeugen.

Autos ab 16
Unsere Testkandidaten: Aixam, Twizy und Ellenator.

Viele Heranwachsende wünschen sich ein eigenes Fahrzeug, um nicht mehr auf die Eltern oder die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen zu sein. In Deutschland dürfen Jugendliche frühestens mit 16 Jahren den Führerschein der Klasse AM oder A1 machen. Die Ausnahme bilden die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern: Hier beträgt das Mindestalter 15 Jahre. 

Wir haben drei mehrspurige Kraftfahrzeuge für Jugendliche ab 16 Jahren getestet:

  • Renault Twizy 45
  • Aixam City Diesel
  • Ellenator

 

Die drei Fahrzeuge können mit dem Führerschein der Klasse A1 (Ellenator) bzw. AM (Aixam und Twizy) gefahren werden und sollen aufgrund ihrer Karosserie eine ganzjahrestaugliche Alternative zum klassischen Roller mit 50ccm oder Motorrad mit 125 ccm darstellen. In unserem Test konnten sie jedoch nicht überzeugen und zeigten teils große Schwächen. Sowohl Renault Twizy als auch Aixam City Diesel schnitten insgesamt „mangelhaft“ ab, da sie wegen der schlechten Sicherheitsausstattung abgewertet wurden. Der Ellenator wurde immerhin als „befriedigend“ eingestuft.

Fahrzeuge ab 16 Jahre: Kippgefahr im Ausweichtest 

Erschreckend schlechte Leistungen erbrachten Aixam und Ellenator im Bereich Fahrstabilität. Das Leichtkraftfahrzeug droht bei 45 km/h, der Ellenator bei 65 km/h  im Ausweichtest zu kippen. Dem umgebauten Fiat 500 wird hier die Hinterachse mit den eng zusammenstehenden Rädern zum Verhängnis. Beim Aixam sorgt das sehr weich abgestimmte Fahrwerk dafür, dass das Fahrzeug umzufallen droht. Besser schnitt hier der Twizy ab. Dafür patzt das e-Mobil beim Bremsen. Zudem muss der Renault als einziger ohne ABS auskommen.

Zusätzlich birgt die auf 45 km/h begrenzte Geschwindigkeit ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko. Vor allem in der Dunkelheit fällt es anderen Verkehrsteilnehmern außerorts schwer, den großen Geschwindigkeitsunterschied richtig einzuschätzen, da sie als normale Autos wahrgenommen werden. 
Für alle drei Fahrzeuge gilt, dass der erforderliche Führerschein auf einem Zweirad gemacht wird, der Führerscheinneuling aber mit einem Pkw-ähnlichen Fahrzeug mit gänzlich anderem Fahrverhalten unterwegs ist. Im Falle des Aixam und Ellenators stellt die schlechte Fahrstabilität ein zusätzliches Risiko für die Fahranfänger dar. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, die Lücke im Führerscheinrecht zu schließen oder eine Gesetzesänderung durchzusetzen.

Kaum vorhandene Sicherheitsausstattung

In der Kategorie Sicherheit schneiden Aixam und Twizy mit der Note mangelhaft ab. Der Renault Twizy bietet bis auf Dreipunkt-Sicherheitsgurte mit Gurtkraftbegrenzern und dem serienmäßigen Fahrerairbag keinerlei Sicherheitsausstattung. Weder ABS noch ESP sind für die Mischung aus Roller und Pkw zu haben. Der ebenfalls aus Frankreich stammende Aixam belässt es bei Sicherheitsgurten für die beiden Insassen, ein Airbag ist nicht erhältlich. Immerhin ist ein Antiblockiersystem (ABS) gegen Aufpreis zu haben.

Im Falle eines Unfalls schützen die beiden Leichtkraftfahrzeuge dank ihrer Fahrgastzelle dennoch besser als ein Zweirad.

Der Ellenator kann bei der Sicherheit im Vergleich zu seinen beiden Konkurrenten punkten. Er basiert auf dem Kleinstwagen Fiat 500 und bringt somit eine stabile Karosserie mit. ABS, ESP und sieben Airbags sind zudem serienmäßig an Bord.

Ergebnistabelle

Bewertung/Modell Ellenator Renault Twizy 45 Aixam City Diesel
Karosserie/Kofferraum 3,2 4,1 3,4
Verarbeitung                     3,5 3,8 4,7
Alltagstauglichkeit 3,6 4,1 4,0
Licht und Sicht 3,4 4,2 3,5
Ein-/Ausstieg 2,6 2,9 2,2
Kofferraumvolumen 3,0 5,5 2,6
Innenraum 3,2 4,4 3,9
Bedienung 2,6 4,0 3,7
Multimedia 2,6 4,7 3,9
Raumangebot vorn 2,8 3,4 3,8
Innenraumvariabilität 4,7 5,3 4,0
Komfort 3,2 4,8 4,1
Federung 3,9 5,0 3,6
Sitze 3,2 4,7 4,6
Innengeräusch 3,0 4,4 4,6
Klima und Heizung 2,6  5,2 3,5
Motor/Antrieb 3,1  2,3 3,6
Fahrleistung 3,1 4,1 4,5
Laufkultur/Leistungsentfalt. 3,1 1,4 4,2
Schaltung/Getriebe 3,1  1,3 2,2
Fahreigenschaften 4,1*  2,9  4,3* 
Fahrstabilität 4,6  1,3 4,8 
Lenkung 3,0  3,4  4,9 
Bremse 2,6  4,1  2,8 
Sicherheit 3,7  5,2  5,3 
Aktive Sicherheit 4,2  5,0  5,0 
Passive Sicherheit 3,1  5,3  5,5 
Verbrauch und Schadstoffe 2,3  1,0  3,8 
Verbrauch 3,0  1,0 2,5
Schadstoffe 1,5  1,0 5,0 
Gesamt 3,2 4,7*  4,8*

* Aixam und Ellenator: Abwertung Fahreigenschaften. Wenn die Fahrstabilität die Note 4,6 oder schlechter erreicht hat, wird die Kategorie Fahreigenschaften maximal um 0,5 besser bewertet als die Fahrstabilität.

* Aixam und Renault Twizy: Abwertung der Gesamtnote. Wenn die Sicherheit die Note 4,6 oder schlechter erreicht hat, wird die Gesamtnote maximal um 0,5 besser bewertet als die Sicherheit. 

Aixam City Diesel

  • klein und wendig
  • praxistauglicher Kofferraum
  • Innenraum und Karosserie im Pkw-Stil
  • geschlossene Fahrgastzelle
  • teuer in der Anschaffung
  • im Grenzbereich kritisches Fahrverhalten
  • stark vibrierender Dieselmotor
  • schlechtes Emissionsverhalten
  • niedriges Sicherheitsniveau

Ein typischer Vertreter der klassischen Leichtfahrzeuge ist der aus Frankreich stammende Aixam City Diesel. Der Zwei-Zylinder-Dieselmotor leistet 6 kW (8 PS) und beschleunigt im Test sogar bis auf 49km/h. Er kann mit dem Führerschein der Klasse AM gefahren werden. 

Bei der Verarbeitung erreicht der Aixam nicht das Niveau der beiden Konkurrenten, da er nicht gemäß automobiler Standards gefertigt wird. Unsauber zusammengefügte Anbauteile, scheppernde Türen und scharfe Bauteilkanten lassen insgesamt an der Solidität des Fahrzeugs zweifeln. 

Das Multimediaangebot beschränkt sich auf ein Radio mit USB- und AUX-Anschluss, gegen Aufpreis sind eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung und ein CD-Spieler erhältlich. Trotz der kleinen Karosserieabmessung ist das Platzangebot erstaunlich gut. Selbst 1,85 Meter große Personen haben auf den Sitzen genügend Bein- und Kopffreiheit. Auch der Kofferraum fällt mit 270 Liter erstaunlich groß aus.

Der Zwei-Zylinder-Dieselmotor rüttelt das Fahrzeug durch, besonders im Stand sind die Vibrationen im Fahrgastraum stark zu spüren. Für den Aixam gilt die Abgasnorm Euro 4 für Leichtkrafträder und Motorräder. Die mit einer mobilen Abgasanlage (PEMS) ermittelten Abgasemissionen liegen teils weit über denen moderner Pkw. Alternativ ist auch eine umweltfreundliche Elektrovariante erhältlich.

In Anbetracht der mangelhaften Fahrzeugqualität (Note 4,8) fällt der Grundpreis mit 10.890 € sehr hoch aus und übertrifft sogar einen Kleinstwagen wie den VW up! (ab 9.975 €).

Ellenator

  • Komfort und Sicherheit auf Pkw-Niveau
  • vier Sitzplätze plus Kofferraum
  • mit 90 km/h Höchstgeschwindigkeit kein Verkehrshindernis
  • sehr teuer in der Anschaffung
  • im Grenzbereich kritische Fahreigenschaften
  • träge Beschleunigung
  • geringe Zuladung

 

Basierend auf dem Fiat 500, punktet der Ellenator mit den Vorzügen eines konventionellen Pkw. Unter der Motorhaube steckt ein 1,2-Liter-Saugbenziner, der gemäß der Führerscheinklasse A1 auf 15 kW (20 PS) gedrosselt ist und den Viersitzer auf bis zu 91 km/h beschleunigt. Bergab erreichte er im Test sogar bis rund 120 km/h. Im Ellenator ist eine eigens entwickelte und patentierte Hinterachse verbaut, bei der die beiden Hinterräder mittig unter dem Kofferraum sitzen. Dadurch wird er als dreirädriges Fahrzeug der Klasse Le5 eingestuft.

Hinsichtlich der Verarbeitungs- und Materialqualität stellt der Ellenator seine Konkurrenten in den Schatten. Das Cockpit bietet eine Fülle an Funktionen, die meisten sind im Infotainmentsystem gebündelt. Serienmäßig enthält das Fahrzeug ein Radio mit USB- und AUX-Anschluss, sechs Lautsprecher, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und –Audiostreaming.

Wie erwartet finden die Insassen im Ellenator am meisten Platz vor, selbst 1,95 Meter große Personen können vorn noch sitzen. In der zweiten Reihe und im Kofferraum ist der Platz allerdings begrenzt. Wer Wert auf Fahrkomfort legt, für den ist der Ellenator die erste Wahl. Beim Geräuschkomfort ist er seinen Konkurrenten weit voraus, einzig die straffe Fahrwerksabstimmung fällt negativ auf.

Der Ellenator ist in diesem Vergleichstest insgesamt das ausgewogenste Fahrzeug, mit 18.470 Euro aber mit Abstand am teuersten.

Renault Twizy 45

  • umweltfreundlicher Elektroantrieb
  • günstig in Anschaffung und Unterhalt
  • sichere Fahreigenschaften
  • sehr klein und extrem wendig
  • bescheidener Fahrkomfort
  • keine Heizung
  • eingeschränkte Ablage- und Transportmöglichkeiten
  • geringes Sicherheitsniveau
  • durch fehlende Heckscheibe schlechte Sicht nach hinten
  • geringe Reichweite

 

Der Renault Twizy 45 ist eine Mischung aus Roller und Pkw und damit dem Zweirad am nächsten. Er wird von einem Elektromotor angetrieben, der 4 kW (5 PS) leistet. Aufgrund der Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h und den kompakten Abmessungen ist er in der Stadt am besten aufgehoben.

 

Da der Twizy ab Werk ohne Türen auskommt und gegen Aufpreis lediglich Türen ohne Scheiben erhältlich sind, besteht der Innenraum aus strapazierfähigem Kunststoff. Wegen der nicht vollständig geschlossenen Karosserie schützt er nur bedingt vor Wind und Wetter. Nach vorn lässt sich der Twizy sehr gut abschätzen, umso schlechter fällt die Sicht nach hinten aus. Da das Leichtfahrzeug keine Heckscheibe hat, erfolgt das Rückwärtsfahren im Blindflug. Immerhin gibt es gegen Aufpreis Parksensoren.

 

Reduzierter als im Renault Twizy kann ein Cockpit kaum sein: Lenkrad, zwei Lenkstockhebel, zwei Tasten für die Wahl der Fahrstufe sowie eine Warnblinktaste sind alles, was der kleine Franzose zu bieten hat. Das Multimediaangebot besteht aus einer optionalen Bluetooth-Audio- und Freisprecheinrichtung, deren Bedieneinheit sich oben am Dachhimmel befindet. Ein USB- sowie AUX-Anschluss sind ebenfalls an Bord.

 

Ein Platzproblem ist in dem kleinen Twizy nicht vorhanden: Auf dem Fahrersitz finden selbst 1,90 Meter große Personen genügend Bewegungsfreiheit vor und auch auf dem Sitzplatz dahinter ist selbst für Erwachsene ausreichend Platz.

 

Mit einem Grundpreis von 6.950 Euro (zzgl. einer monatlichen Batteriemiete in Höhe von 50 bis 72 Euro) ist der Twizy 45 mit Abstand das günstigste Fahrzeug in unserem Test. In puncto Komfort kann er mit den beiden Konkurrenten jedoch nicht mithalten. Die schwache Sicherheitsausstattung hat zur Folge, der Twizy letztlich auf die Note 4,7 abgewertet wird.

Tipps für den Verbraucher

  • Man sollte sich vor der Anschaffung Gedanken über den Einsatzbereich der Fahrzeuge machen. So sind die auf 45 km/h begrenzten Leichtkraftfahrzeuge nur bedingt für längere Überlandfahrten geeignet. Der Renault Twizy ist wegen der nicht vollständig geschlossenen Fahrgastkabine und der fehlenden Heizung nur bedingt ganzjahrestauglich, zudem fällt die Reichweite gering aus.
  • Den AM oder A1 Führerschein kann man nur auf einem Zweirad machen. Nach dem Erwerb des Führerscheins sollte man daher vor der ersten Fahrt mit einem Leichtkraftfahrzeug oder dem Ellenator unbedingt zusätzliche Fahrstunden mit dem jeweiligen Fahrzeug nehmen. So können sich Fahranfänger an den Umgang mit Kupplung und Schaltung (Ellenator) gewöhnen und Rückwärtseinparken üben.
  • Fahrer des Ellenators sollten den Grenzbereich meiden, da das Fahrzeug zum Kippen neigt. Lenkbewegungen sollten nicht zu abrupt erfolgen, Kurven nicht zu schnell durchfahren werden.
  • Achtung: Andere Verkehrsteilnehmer können die Geschwindigkeitsdifferenz oftmals schlecht einschätzen. Besonders Nachtfahrten sowie Fahrten außerhalb geschlossener Ortschaften sollten vermieden werden.
  • Zusätzlich sollten Fahranfänger ein Fahrtraining absolvieren, um das Fahrzeug und speziell die Fahreigenschaften und den Grenzbereich besser kennenzulernen.

 

So haben wir getestet

Die Bewertung der Fahrzeuge wurde auf Grundlage der Kriterien des ADAC-Autotests durchgeführt. Einige Testkriterien mussten aufgrund der drei unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte sowie der geringeren Fahrzeuggeschwindigkeit angepasst werden.

Anstelle des ADAC Ausweichtests mussten die Fahrzeuge den VDA-Ausweichtest gemäß ISO 3888-2 absolvieren, der wegen der enger gesteckten Pylonengasse und der dadurch geringeren erzielbaren Geschwindigkeiten geeigneter ist. 

Da die Ergebnisse der mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten durchgeführten Crashtests gemäß Euro NCAP nicht vergleichbar sind, fließen diese nicht in den Test ein. Stattdessen wird die aktive sowie passive Sicherheitsausstattung der Fahrzeuge bewertet. 

Die Abgasemissionen wurden mittels eines portablen Abgasmesssystems (PEMS) durchgeführt. Auch die Reichweite des elektrisch betriebenen Renault Twizy wurde auf der Straße ermittelt.