Tipps zur Oldtimer-Pflege

31.10.2019

Mehr als 500.000 Oldtimer rollen mit H-Kennzeichen für historische Fahrzeuge über Deutschlands Straßen. Damit die „Oldies“ weiter lange leben, ist besondere Pflege nötig.

Oldtimer in der Werkstatt
Alte Liebe rostet doch: Oldtimer benötgien besondere Pflege.

Die Pflege des Oldtimers ist weit mehr, als das geliebte Blech auf Hochglanz zu polieren. Schließlich haben die Klassiker bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel und verbringen die kalte Jahreszeit meist stehend. Wie aber genau sollte man Oldtimer überwintern? Das Einmotten vor dem Winter, aber auch das Ausmotten im Frühjahr ist eine große Herausforderung für den Besitzer eines Oldtimers. Eine der großen Gefahren ist die Rost-Bildung. 

Oldtimer überwintern 

Motor

Gebrauchtes Motoröl enthält korrosionsfördernde Bestandteile, also regelmäßig wechseln. Die Zugabe eines Öl-Additivs empfehlen die ADAC Experten nicht. Besser ist es, ein hochqualitatives Motorenöl zu verwenden. Nicht empfehlenswert ist es, den Motor im Winter ab und zu kurz laufen zu lassen, da dies den Verschleiß unnötig erhöht. Das Einfüllen eines speziellen Korrosionsschutzöls ist nur bei mehrjähriger Ruhepause notwendig.

Kühlsystem

Frostschutz prüfen, wenn nötig mit geeignetem Kühlmittel ergänzen.

Kraftstoffsystem

Tank auffüllen, um Rostbildung im Inneren zu verhindern. Bei längeren Standzeiten – länger als ein Jahr – kann das Trockenlegen des gesamten Kraftstoffsystems ratsam sein.

Batterie

Diese nimmt Schaden, wenn sie nicht nachgeladen wird. Abhilfe: Spezielles Erhaltungs-Ladegerät anschaffen oder regelmäßig – etwa alle zwei Monate – einige Stunden ans Standard-Ladegerät hängen. Hier finden Sie alles zur Autobatterie.  

Fahrwerk

Um Reifen und Radaufhängung zu entlasten, empfiehlt es sich, das Auto aufzubocken, so dass alle Reifen Abstand zum Boden haben. Beachten Sie aber, dass die Gummi-Metal-Lager (Silentblöcke) im Querlenker und im Schräglenker beim Entlasten über mehrere Monate oder Jahre beschädigt werden können, da es in ausgefedertem Zustand zu Torsions-Spannungsrissen im Gummi kommen kann – beim Oldtimer haben sich die Weichmacher in den Gummilagern meistens schon verflüchtigt.
Eine sinnvolle Lösung ist daher die Verwendung eines zweiten Rädersatzes mit alten, im Straßenverkehr nicht mehr genutzten Reifen. In jedem Fall sollten Sie aber den Luftdruck der Reifen auf maximal drei Bar erhöhen.

Unser Tipp: Feststellbremse nicht anziehen, die Beläge könnten festkleben beziehungsweise festrosten. Fenster zur Durchlüftung etwas öffnen.

Fahrzeuginnenraum

Neben der Reinigung mit Schwamm und Staubsauger sollten alle losen Bodenbeläge, auch aus dem Kofferraum, herausgenommen werden. Stößt man dabei auf feuchte oder modrige Stellen, muss die Ursache dafür gefunden werden (Gummiprofile des Verdecks, Scheibenrahmen, Schiebedach-Entwässerung), sonst könnte im schlimmsten Fall Schimmel entstehen. 

Unser Leder-Tipp: Gegerbte Tierhäute behandelt man am besten mit dem Mittel, das der Fahrzeughersteller in der Bedienungsanleitung empfiehlt. Spezielle Lederpflegemittel enthalten üblicherweise Substanzen, die das Leder geschmeidig halten.

Karosserie außen

  • Lack: Nach gründlicher Wäsche (ältere Cabrio-Modelle dürfen häufig nicht in die Waschanlage) die Lackoberfläche penibel kontrollieren: Reste von Vogelkot, Insekten oder Absonderungen von Baumharzen sind teilweise schwer erkennbar. Sie können sich aber bei längerer Einwirkzeit bis aufs Blech durchfressen. Bei dieser Gelegenheit sollten Sie auch Steinschlagschäden ausbessern. Und: Ab und zu tut dem Lack auch das Auftragen von Hartwachs gut. 
  • Unterbodenschutz: Insbesondere bei Baujahren ab 1960 lohnt sich ein Check von Unterboden und Radhäusern: Haben die Schutzschichten Verletzungen oder Ablösungen bzw. Unterrostungen? Eine fundierte Diagnose setzt Hebebühne, gute Beleuchtung, Spürsinn und eventuell auch Dampfstrahler-Einsatz voraus. Gegebenenfalls schadhafte Stellen entrosten, grundieren und Unterbodenschutz ausbessern.
  • Räderpflege; Hier kann der Schmutz besonders fest sitzen. Wichtig: unbedingt einen säurefreien Felgenreiniger benutzen – Markenprodukte reinigen auf die sanfte Tour, ohne den Felgen zu schaden. Säurehaltige Reiniger greifen dagegen Radbolzen und andere metallische Oberflächen am Rad an. Lieber mit einer Bürste nachhelfen.
  • Cabrioverdeck: Einmal im Jahr sollten Sie das Verdeck auf Rissbildung oder aufgeplatzte Nähte überprüfen. Ob Wasser an Dichtgummis eindringt, weiß man meist aus dem Fahrbetrieb. Die Gummiprofile sollten auf jeden Fall mit speziellen Produkten wie etwa Silikon-Spray behandelt werden. Alle Infos zu Reinigung des Cabrio-Verdecks lesen Sie hier. Tipp: Lassen Sie das Dach in der Ruhezeit geschlossen, um einer Faltenbildung vorzubeugen.
Tipp Icon

So gelingt die Lack-Pflege

Bei der Lackpflege zunächst den groben Schmutz mit viel Wasser und einem sauberen Schwamm beseitigen. Mit einem Spritzer Autoshampoo im Wasser werden grobe Verschmutzungen gründlich beseitigt und gleichzeitig Lack und Hände geschont. Besser keinen Haushaltsreiniger benutzen! Wichtig: Möglichst keine abgesetzten Schmutzpartikel im Eimer aufwühlen! Nun noch einmal alles mit klarem Wasser abspülen. Um die Außenhülle des Fahrzeugs zum Glänzen zu bringen und optimal zu schützen, kann eine Politur erforderlich sein. Beim gepflegten Klassiker genügt aber meistens eine gründliche Reinigung. Für die Versiegelung werden Hartwachse angeboten, die am besten mit einem Applikationsschwamm in den Lack eingearbeitet werden. Ein Mikrofasertuch stellt ein streifenfreies Pflegeergebnis sicher. 

Für Besitzer von Autos mit modernen Mattlacken gelten übrigens andere Herausforderungen. 

Oldtimer im Frühjahr ausmotten

Batterie einsetzen

Die während der Ruhepause mit einer "Erhaltungsladung" gepflegte Batterie wieder einsetzen. Um Kurzschlussgefahr zu vermeiden, bitte beachten: Zuerst wird die Klemme des Plus- und dann die des Minuspols angeschraubt. 

Check von Motoröl- und Kühlwasser-Stand

Bei der Gelegenheit kann ein Blick unters Auto nicht schaden: Haben Lecks am Garagenboden verräterische Spuren hinterlassen? Den Ursachen der Undichtigkeiten sollte man rasch auf den Grund gehen und diese umgehend beseitigen. 

Reifen

Auch über Monate hinweg sollte kein deutlicher Luftverlust aufgetreten sein. Ein sichtbar platter Reifen muss jedenfalls noch an Ort und Stelle gewechselt werden, im Übrigen sollte die erste Fahrt ohnehin zum Luftdruck-Prüfgerät an der Tankstelle gehen. Hatte man vor der Einlagerung den Luftdruck zur Vermeidung von "Standplatten" erhöht, reduziert man ihn wieder auf den Normalwert. 

Rückspiegel und Verglasung

Gründliche Säuberung, damit die ersten Meter in der Frühlingssonne nicht zum Blindflug werden.

Motorstart

War die Technik beim Einmotten funktionstüchtig, wird der Motor nach spätestens zwei bis drei Startversuchen anspringen. "Weiterorgeln" bringt meist nichts, bei Katalysator-Fahrzeugen kann das sogar den Kat schädigen. Hier ist eine Fehlersuche erforderlich, die unter Umständen erst nach einer Schleppaktion in eine Werkstatt erfolgreich ist. Gegen Ablagerungen, die sich in den Wintermonaten oder sogar über Jahre hinweg gebildet haben, bieten die Hersteller spezielle Kraftstoffzusätze an. Sie sollen Rückstände im Vergaser, an Ventilen, Zündkerzen und in den Brennräumen abbauen. 

Achtung: Bei der ersten Bremsung kann die Wirkung unerwartet ausfallen: Flugrost auf Bremsscheiben und in Bremstrommeln muss sich erst abschleifen.

Oldtimer richtig lagern 

Optimal ist ein klimatisierter Raum, in dem eine konstante Temperatur und gemäßigte Luftfeuchte (relative Luftfeuchte von rund 40 Prozent, messbar mittels Hygrometer) in etwa eingehalten werden – so wird eine Kondenswasserbildung (Hohlräume!) weitgehend vermieden. Textilien, Gummi und Leder fühlen sich in dem Umfeld ebenfalls recht wohl. Vermeiden Sie schlecht durchlüftete Lagerorte, die fast immer zu feucht sind. Den Luxus einer Klimakammer wird sich nicht jedermann leisten können, einige Firmen (Anzeigen in Oldtimer-Fachzeitschriften) bieten aber Produkte zur Luftverbesserung an. Es gibt hier elektrische Luftentfeuchter sowie aufblasbare Kunststoffhüllen, die entweder von Ventilatoren durchblasen werden oder in die Extrabehälter mit einem speziellen Trocken-Granulat gestellt werden. Gegen das Einstauben hilft ein atmungsaktives Baumwolltuch (z.B. Paletots aus dem Oldtimer-Fachhandel). Kunstfaser-Stoffe oder gar Plastikfolien sollte man wegen der mangelhaften Luftfeuchtigkeits-Durchlässigkeit nicht verwenden. 

Was sonst noch wichtig ist: HU und Inspektion 

Vor der ersten Ausfahrt sollten Sie unbedingt auch einen Blick auf die Nummernschilder werfen: Fällt die HU in die Ruhezeit, dann ist dies nach Wiederinbetriebnahme umgehend nachzuholen: Sonst droht ein Bußgeld! Insbesondere bei Fahrzeugen mit vorübergehender Stilllegung ist es ratsam, diese Prüfungen noch vor dem Einmotten zu erledigen. Bei der Wiederzulassung wird die Zulassungsbescheinigung von der Behörde erst ausgehändigt, wenn die Prüfnachweise vorliegen. 

Ist in Kürze ohnehin eine Inspektion fällig? Dann lieber vorziehen: Der Arbeitsumfang enthält zum einen sinnvolle Stilllegungs-Elemente, zum anderen erkennt der Fachmann besser, was ohnehin reparaturbedürftig ist. Auch die ADAC Prüfzentren sind hierfür eine gute Adresse (Gebrauchtwagenuntersuchung, Wintercheck).

Hier erfahren Sie, wie Sie Ihr Auto richtig an- und abmelden, und alles zur Classic-Car Versicherung des ADAC

Text: KD; Foto: ADAC/Gerd George

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