Bußgelder aus der Schweiz: So hoch sind sie, und so legt man Einspruch ein

Eine Radarfalle in der Schweiz
Wer in der Schweiz geblitzt wird, dem drohen hohe Bußgelder, die bald auch in Deutschland vollstreckt werden können© imago images/Geisser

Zu schnell gefahren oder falsch geparkt: Bußgelder in der Schweiz können teuer werden. Was Sie über das Bußgeldverfahren wissen sollten, erläutern die ADAC Juristinnen und Juristen.

  • Bußgeldbescheide bald auch in Deutschland vollstreckbar

  • Schweizer Strafen generell sehr hoch

  • Achtung, Fahrverbot: Darauf müssen Sie beim Einspruch achten

Geblitzt: Welche Geschwindigkeit ist erlaubt?

Wer auf Schweizer Straßen nicht wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung geblitzt werden will, sollte sich streng an die vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeiten halten: Auf Schweizer Autobahnen darf man höchstens 120 km/h fahren. Außerorts sind 80 km/h erlaubt, innerorts 50 km/h. Informieren Sie sich vor Fahrten ins Ausland am besten immer über die Tempolimits in Europa.

Bußgeldkatalog: Wie teuer kann es werden?

Bußgelder für Verkehrsverstöße in der Schweiz fallen deutlich höher aus als in Deutschland. Hier einige Beispiele:

Nutzen Sie den ADAC Bußgeldrechner für Bußgeldhöhen im Ausland.

Wer ist für den Verstoß verantwortlich?

In der Schweiz ist immer der Fahrer beziehungsweise die Fahrerin für den Verstoß verantwortlich. Eine Ausnahme gilt bei weniger schweren Verstößen. Diese werden in der sogenannten Ordnungsbußenliste geführt. Kann die Person, die am Steuer saß, hier mit verhältnismäßigem Aufwand nicht ermittelt werden, muss der Halter bzw. die Halterin die Strafe zahlen. Das können diese nur umgehen, wenn sie die Person, die tatsächlich gefahren ist, benennen oder aber glaubhaft machen können, dass das Fahrzeug gegen ihren Willen benutzt wurde.

Zahlt der Halter beziehungsweise die Halterin hingegen innerhalb von 30 Tagen, ist das sogenannte vereinfachte Verfahren abgeschlossen. Benennt er bzw. sie den Fahrer oder die Fahrerin, wird gegen diese das Ordnungsbußenverfahren eingeleitet.

Schweizer Bußgelder: Vollstreckung droht bald auch in Deutschland

Demnächst gilt: Zahlt man ein Bußgeld aus der Schweiz nicht, kann nicht mehr nur in der Schweiz, sondern ab 80 Schweizer Franken (ca. 85 Euro) auch in Deutschland vollstreckt werden. Je nach Höhe des Bußgelds gilt hier eine Verjährungsfrist von drei bis fünf Jahren. Innerhalb dieser Frist kann vollstreckt werden. Gut zu wissen: Nur Behörden dürfen polizeiliche Geldbußen und -strafen eintreiben. In Deutschland ist hierfür ausschließlich das Bundesamt für Justiz zuständig. Mehr zum Thema lesen Sie hier: Schweizer Bußgelder werden bald auch in Deutschland vollstreckt.

Wer versendet die Bescheide?

Wird der Fahrer oder die Fahrerin vor Ort erwischt und ist das Fahrzeug nicht in der Schweiz zugelassen, kann die Polizei sofort ein Bußgeld oder eine Sicherheitsleistung verlangen. Wer nicht bezahlt oder von einer automatischen Überwachungsanlage geblitzt wurde, bekommt Post nach Hause. Die Bußgeldbescheide werden von der kantonalen Bußgeldstelle versandt.

Wie legt man Einspruch ein?

Einspruch gegen den Bußgeldbescheid kann man innerhalb von zehn Tagen ab Erhalt bei der ausstellenden Behörde einlegen. Der Einspruch ist nur in der jeweiligen Amtssprache des Kartons, in dem der Verstoß begangen wurde, möglich. Hier kann ein Übersetzungsprogramm im Internet weiterhelfen.

Drohen Fahrverbote?

Bei schwerwiegenden Verstößen, zum Beispiel wenn man mit mehr als 21 km/h zu schnell geblitzt wird, können in der Schweiz Fahrverbote verhängt werden. Diese gelten dann allerdings nur für Fahrten in der Schweiz oder wenn ein Wohnsitz in der Schweiz besteht.

Wie wehrt man sich gegen ein Fahrverbot?

In der Schweiz wird das Verfahren zweigeteilt. Anders als in Deutschland werden die Fahrverbote in einem gesonderten zweiten Verfahren (Administrativverfahren) verfügt. Hierbei ist die Behörde in der Regel an die Feststellungen aus dem vorausgegangenen Bußgeldverfahren gebunden.

Will man sich also gegen eine mögliche Führerscheinmaßnahme wie beispielsweise ein Fahrverbot wehren, muss man bereits gegen die im Bußgeldverfahren getroffenen Feststellungen vorgehen. In der Schweiz sind Rechtsmittel gegen Fahrverbote aber in den seltensten Fällen erfolgreich.

Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts (Urteil vom 25. Juli 2023, Az.: 1 C 536/2022)

Das Schweizer Bundesgericht hat entschieden, dass sich ausländische Verkehrsteilnehmer bezüglich der Zweiteilung des Verfahrens nicht auf Unwissenheit hinsichtlich des Verfahrensgangs berufen können. Es wird also vorausgesetzt, dass deutsche Autofahrerinnen und -fahrer wissen, dass sie sich, um eine Führerscheinmaßnahme anzufechten, bereits im Bußgeldverfahren und nicht im separaten Administrativverfahren wehren müssen.

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