Ladestationen an der Autobahn: Wo der Strom am schnellsten fließt

Ein Verkehrszeichen für Ladestationen für Elektroauto auf der Autobahn
Nahezu alle Rastanlagen verfügen inzwischen über Ladesäulen. Doch nicht überall kann man gleich schnell laden© dpa/Stefan Sauer

Um lange Strecken mit dem E-Auto bewältigen zu können, muss man entlang der Autobahnen laden können. Und das möglichst überall und möglichst schnell. Der ADAC Rastanlagentest zeigt: Es gibt noch Nachholbedarf.

  • High-Power-Ladesäulen (HPC) sind längst nicht die Regel

  • Zugänglichkeit und Komfort oft mangelhaft

  • Betreibergesellschaft verspricht schnellen Ausbau

Schnitzel, Super bleifrei, Sanifair: Dafür stehen Rastanlagen. Doch seit ein paar Jahren verändert sich das gewohnte Bild. Es wurden immer mehr Ladesäulen errichtet. Und auch weitere benötigt.

Bis 2030 sollen in Deutschland eine Million Ladepunkte für E-Autos entstanden sein. Autobahnrastanlagen sind wichtige Standorte, besonders für Schnellladesäulen, mit denen man unterwegs in nur 30 Minuten teils mehr als 300 Kilometer Reichweite "tanken" kann. Im Rahmen des ADAC Rastanlagentests ging es auch um die Frage: Wie gut sind Rastanlagen für Zukunft und Gegenwart der Elektromobilität aufgestellt?

Nachholbedarf beim Schnellladen an der Autobahn

Ladesäulen an einer Autobahnraststätte
Neben Ionity arbeitet die Tank & Rast noch mit drei weiteren Partnern für die Ladeinfrastruktur zusammen© Tank und Rast

Für längere Fahrten sind Schnellladesäulen absolut unerlässlich. Zuständig für eine umfassende Abdeckung ist vor allem die Tank & Rast GmbH, die die allermeisten Rastanlagen betreibt. Autohöfe sind also nicht mitgezählt.

Die aktuelle Lage in Deutschland: An rund 370 Standorten, also an nahezu 90 Prozent aller Anlagen, stehen 1400 Schnellladepunkte zur Verfügung.

Was erst einmal nach nach viel klingt, relativiert sich bei genauerem Hinsehen: Offiziell gelten nämlich auch Anlagen mit einer Leistung von 43 bzw. 50 kW als Schnellladesäulen, diese sind für die heutige Ladetechnik der meisten Fahrzeuge aber nicht mehr zeitgemäß. HPC ("High Power Charging")-Säulen schaffen sogar 150 bis 300 kW. Und sorgen je nach Fahrzeug für kürzere Standzeiten.

Was bedeutet Schnellladen?

Schnellladesäulen oder auch DC-Ladestationen wandeln den Wechselstrom (AC) deutscher Netzwerke in Gleichstrom (DC) um, wodurch deutlich kürzere Ladezeiten als beim AC-Laden möglich sind.

Ein Beispiel: Ein Hyundai Ioniq 5 braucht mit 11 kW Ladeleistung, etwa an der heimischen Wallbox, etwas mehr als sechs Stunden, um von 10 auf 80 Prozent Akkustand zu kommen. An einer Schnellladesäule schafft er es in weniger als 20 Minuten.

Die Tank & Rast verfügt nach eigenen Angaben nur über 770 solcher HPC-Ladepunkte mit mindestens 150 kW. Man lädt also nur an etwas mehr als der Hälfte der Lademöglichkeiten richtig schnell.

Und der Teufel steckt auch hier im Detail: Da viele Ladesäulen ihre Leistung aufsplitten, wenn zwei Fahrzeuge gleichzeitig laden, stehen bei Doppelnutzung an 150-kW-Säulen de facto nur 75 kW für jedes einzelne Auto parat. Zu Stoßzeiten lässt sich also an den 150 kW-Schnellladern unter Umständen nicht die komplette Power nutzen. Allerdings wird die Ladegeschwindigkeit auch durch viele andere Faktoren wie Temperatur und Ladetechnologie des E-Autos beeinflusst.

Tipp: Wenn mehrere Ladesäulen zur Wahl stehen, dann lieber die benutzen, an der noch kein anderes E-Auto steht. Und bei der Suche hilft der ADAC Ladesäulen-Finder.

Rastanlagentest: Zwei ganz ohne Strom

Der aktuelle ADAC Rastanlagentest bestätigt, dass es zumindest um die grundlegende Ladesäulen-Abdeckung halbwegs gut bestellt ist. Von 40 getesteten Anlagen hatten jedoch zwei überhaupt keine Lademöglichkeiten. Und weitere 18 Anlagen waren nicht mit HPC-Ladern, sondern nur mit älteren Modellen ausgestattet.

Solche "langsamen Schnelllader" sind Relikte aus der Anfangszeit der E-Mobilität. Damals waren 43- bzw. 50-kW-Säulen der gängige Stand der Technik, und außer Tesla konnte damals kein E-Auto höhere Ladeleistungen verkraften. Tesla eilte der Konkurrenz mit ihren Superchargern voraus, heute betreibt das kalifornische Unternehmen 180 HPC-Stationen mit mehr als 2500 Ladepunkten in Eigenregie. Viele davon können auch Fahrzeuge anderer Marken nutzen.

Auf Anfrage bekräftigt die Tank & Rast, dass alte Anlagen sukzessive auf den neuesten Stand gebracht werden sollen und die Anzahl der Ladepunkte generell mit dem E-Auto-Bestand mitwachsen soll.

Erfreulich: Vor 33 der 40 Anlagen kündigte ein Schild die bereitstehende Ladeinfrastruktur an.

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Ladestationen: An der Autobahn mangelt es oft an Komfort

Ladesäulen an einer Autobahnraststätte
Überdacht sind die meisten Ladesäulen an Rastanlagen nicht, die Beschilderung ist aber meist zufriedenstellend© imago images/Rolf Poss

Örtlich sind Ladestationen und Tankstelle an Rastanlagen nicht weit auseinander. In Sachen Komfort trennen Tank- und Ladesäule aber noch Welten. Nur zwei Rastanlagen spendierten ihren Lademöglichkeiten eine Überdachung, bei schlechtem Wetter wird man ansonsten mit seinem Ladestutzen also buchstäblich im Regen stehengelassen. Zudem waren auf einem Viertel der Standorte zum Testzeitpunkt Ladesäulen durch falsch parkende bzw. nicht ladende Fahrzeuge blockiert.

Die Tank & Rast verweist in diesem Zusammenhang auf die baulichen Gegebenheiten vor Ort, die eine Bedachung oft schwierig machten. Auch für BEV-Gespanne ist es deswegen oft schwierig, komfortabel ihr Ladekabel einzustecken. Man bemühe sich aber um gute Lösungen für alle Kundinnen und Kunden. Für falschparkende Wagen sieht die Tank & Rast die Verantwortung bei der Autobahnpolizei.

ADAC: Laden muss so einfach wie Tanken werden

Um der E-Mobilität in der Gesellschaft schneller Akzeptanz zu verschaffen, fordert der ADAC, dass das Laden eines E-Autos so einfach und selbstverständlich wie Tanken sein sollte. Rastanlagen sollten sich dem Thema Ladeinfrastruktur deshalb intensiver widmen und:

  • die Anzahl der HPC-Stationen und -Ladepunkte je Standort weiter ausbauen, um lange Wartezeiten zu vermeiden.

  • Ladesäulen so anordnen, dass auch E-Autos mit Anhänger laden können, ohne diesen abkuppeln zu müssen.

  • Komfort wie Wetterschutz mit Überdachung und ausreichende Beleuchtung standardmäßig vorhalten.

  • Ladeplätze eindeutig beschildern und ggf. Standflächen farblich markieren, um fremd-/falschparkende Autos zu vermeiden.

Bei einer Umfrage des ADAC sahen etwa 40 Prozent der Befragten noch Verbesserungspotenzial beim regelmäßigen Laden auf der Langstrecke. Ein großer Kritikpunkt: Die Intransparenz beim Bezahlen, Anbietervielfalt und unterschiedliche Zahlmethoden machen die Abrechnung oft umständlich.

Dieser Punkt sollte in einem Jahr zumindest für neue Anlagen erledigt sein: Ab dem 1. Juli 2024 muss für die Bezahlung verpflichtend ein Kreditkartenterminal neben App und Ladekarten verfügbar sein. Kundinnen und Kunden können also einfacher laden, ohne vorher einen Vertrag abschließen zu müssen.