Volvo EX60: Mit 800 Volt und innovativem Innenraum
Von Andreas Huber

Jetzt widmet sich Volvo auch seiner Mittelklasse und überführt diese in die Elektrozeit. Der EX60 verspricht auf dem Papier Technik auf Top-Niveau. Der ADAC hat sich den neuen Schweden bereits angeschaut. Plus: Alle Infos und Preise.
800-Volt-Technik und bis zu 810 km Reichweite nach WLTP
Luftfederung nur bei Cross-Country-Version
Preise ab 62.990 Euro
Das Image des Robusten haftet Volvo noch immer an, dabei hat sich die Marke über die Jahre vollkommen modernisiert. Inzwischen sind die Schweden für ihr klares Design und edle Innenräume bekannt, vom Sicherheitsanspruch für die Fahrgäste ganz zu schweigen.
Mit dem EX60 wird nun die Mittelklasse auf den neuesten Stand gebracht. Und so viel vorweg: Der elektrische Nachfolger des beliebten XC60 zeigt sich auf dem Papier mehr als konkurrenzfähig. Mit 800-Volt-Technik und Reichweiten von über 800 Kilometer nach WLTP müssen sich die Schweden vor einem Audi Q6 e-tron, einem BMW iX3 oder einem Mercedes GLC EQ nicht fürchten.
Skandinavisches Design beim EX60

Skandinavisch kühl gibt sich der EX60 beim Design. Die Front ist geschlossen, Thors Hammer bleibt beim E-SUV die obligatorische Lichtsignatur. Matrix-LED-Scheinwerfer gibt es serienmäßig, gegen Aufpreis können diese gegen Pixel-LED-Technik getauscht werden. Dann löst das Licht mit 25.600 Einzel-LED auf, was ein besonders effizientes Ausschneiden anderer Verkehrsteilnehmenden ermöglichen und so Blendungen reduzieren soll.
Fast drei Meter Radstand strecken das Gefährt sichtlich. Volvo verzichtet auf klassische Türgriffe und verbaut Türöffner im Stil des Ford Mustang Mach-E. Diese befinden sich im Bereich der Fensterschaftleiste und betätigen das Türschloss elektrisch. Volvo verspricht, dass die Türen selbst im Falle eines Unfalls mit Strom versorgt werden. Rettungskräfte würden aber mit Sicherheit trotzdem lieber Bügelgriffe am EX60 sehen.
Das Heck des Schweden ist eine Mischung der kürzlich vorgestellten Modelle. Die scharf abgegrenzte Lichtsignatur wirkt technisch und passt gut zum aufgeräumten Design.
Abmessungen: So groß ist das schwedische SUV
Ein Kleinwagen ist der neue Volvo keineswegs. Die Abmessungen im Überblick.
| Volvo EX60 | |
|---|---|
Länge | 4,80 m |
Breite (inkl. Spiegel) | 2,07 m |
Höhe | 1,64 m |
Radstand | 2,97 m |
Kofferraum | 523/1647 l |
Kleines Lenkrad, gebogenes Display

Der letzte Betriebsausflug der Designabteilung ging wohl nach Frankreich. Zumindest wäre das eine Erklärung dafür, warum Volvo sein Lenkrad geschrumpft hat. Ähnlich wie es Peugeot schon seit Jahren macht, bekommt der EX60 ein weit vorne und oben sitzendes Kombiinstrument auf dem Armaturenbrett spendiert. Diese Anordnung erlaubt keine großen Lenkkränze, weshalb das Volant kleiner werden muss.
Beim Erstkontakt liegt es gut in der Hand und überzeugt mit dem Verzicht von Touchflächen. Volvo reagiert damit auf die Kritik an komplizierter Touchbedienung und setzt wieder auf richtige Tasten.
Inmitten des äußerst aufgeräumten Innenraums thront ein rund 15 Zoll großes Display auf dem Armaturenbrett. Das Besondere an der Infotainment-Schaltzentrale ist ihr konvexer, nach außen gebogener Bildschirm. Ob das in der Praxis wirklich einen Mehrwert bietet, muss sich zeigen. Als Partytrick funktioniert das Display aber allemal.
Viel Licht dank Glasdach

Serienmäßig ist der EX60 mit einem Panoramaglasdach ausgestattet, optional lässt es sich photochromatisch, also elektrisch, verdunkeln. Das viele Licht sorgt für einen luftigen Gesamteindruck im Inneren des Schweden. Anders sieht das bei der Schulterfreiheit aus. An den Armen kann es zu den Türen etwas eng werden. Hier stieß der Redakteur im Studio schnell an der Türverkleidung an.
Das Handschuhfach des EX60 findet sich mittig unter dem Armaturenbrett und beherbergt auch die USB-Anschlüsse zum Aufladen von elektronischen Geräten. Dank durchdachter Kabeldurchführung ist ein Kabelsalat aber nicht zu befürchten.
Fond des Elektro-SUV ist geräumig

Die Platzverhältnisse in der zweiten Reihe sind großzügig. Besonders erfreulich ist, dass die Beine nicht zu stark angewinkelt sind, was bei Elektroautos sonst üblich ist. Volvo hat hier offenbar einen Weg gefunden, die Rückbank vernünftig zu platzieren. Die Füße finden gut Platz unter den Vordersitzen – ebenfalls keine Selbstverständlichkeit bei batterieelektrischen Fahrzeugen aufgrund des Akkupakets im Boden. Mit 1,80 Meter Körpergröße sitzt es sich gut, aber selbst mit 1,95 Meter sollte man hier noch ordentlich Platz haben.
Der Volvo EX60 im Detail: Fotos

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800-Volt-Akku und 810 km Reichweite

Volvo setzt den EX60 auf die neue SPA3-Plattform, die eine Weiterentwicklung der Bodengruppe ist, auf der auch der ES90 und EX90 stehen. Für das SUV bedeutet das 800-Volt-Technik und eine Reichweite von bis zu 810 Kilometer nach WLTP.
Dank maximal 370 kW Ladeleistung sind außerdem sehr kurze Ladezeiten an der HPC-Säule möglich. Je nach Akkugröße gibt Volvo gerade mal 18 Minuten für den Ladehub von 10 auf 80 Prozent an. Zum Vergleich: Ein BMW iX3 lädt mit 400 kW in der Spitze und benötigt für den gleichen Ladehub 21 Minuten laut Datenblatt. AC lädt der Volvo serienmäßig mit 22 kW; ob ein späteres Einstiegsmodell aus Kostengründen nur 11 kW anbieten wird, bleibt abzuwarten.
Die Schweden arbeiten beim Akku mit der "Cell-to-Body"-Bauweise, bei der die Batterie Teil der Fahrzeugstruktur ist und Bauraum nutzt, der ohnehin vorhanden ist. Das hat den Vorteil, dass der Akku weniger Platz im Unterboden wegnimmt, was sich positiv im Innenraum bemerkbar macht. Bei einem Defekt einzelner Akkumodule ist der Ausbau dafür sehr aufwendig, wenn nicht sogar unmöglich.
Top-Modell mit 500 kW Leistung
Drei Versionen des EX60 kündigt Volvo an. Zwei davon werden ab Marktstart verfügbar sein. Der P6 bildet das vorläufige Einstiegsmodell. Hier kommt ein 83 kWh großer Akku zum Einsatz, die Reichweite soll 620 Kilometer nach WLTP betragen. Der Hecktriebler leistet 275 kW (374 PS). Erste Allrad-Version wird der P10 sein. Hier erzeugen die beiden Elektromotoren eine Systemleistung von 375 kW (510 PS). Bei diesem Modell verbauen die Skandinavier einen 95 kWh großen Akku, der dann 660 Kilometer Aktionsradius bringen soll.
Das Top-Modell P12 wird erst 2027 erhältlich sein. Auch hier kommt ein Allradantrieb zum Einsatz, der aber eine Systemleistung von satten 500 kW (680 PS) erzeugt. Ein Akku von 117 kWh erlaubt hier Normreichweiten von bis zu 810 Kilometer, so Volvo.
Cross Country: Der EX60 in Offroad-Version

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Volvo-typisch wird auch das neueste SUV der Schweden als robustere Cross-Country-Version erhältlich sein. Nur sie ist mit einer Luftfederung ausgestattet, dann aber auch serienmäßig. Volvo begründet das mit der notwendigen Niveauregulierung auf unbefestigten Straßen. In der Tat gewinnt die Kundschaft hier immer 20 Millimeter mehr an Bodenfreiheit, bei Bedarf kommen dank der Luftfederung weitere 20 Millimeter hinzu. Auf der Autobahn kann sich der Nordeuropäer dagegen absenken.
Äu ßerlich unterscheidet sich der Cross Country durch einige Details. So erhält der Offroader einen angedeuteten Unterfahrschutz aus Edelstahl und eine Metallspange in der C-Säule. Der Schriftzug im hinteren Stoßfänger findet sich auch hier wieder.
Volvo EX60: Preise ab 62.990 Euro
Ab Sommer 2026 wird der EX60 beim Händler stehen. Der vorläufige Einstiegspreis soll für den P6 bei 62.990 Euro liegen. Da der Cross Country auf dem stärkeren P10 aufbaut, ist hier ein Preis von mindestens 68.990 Euro fällig. 2027 kommt dann das Top-Modell P12 als Standard-EX60 und als Cross Country auf den Markt.
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