Tesla Cybertruck: Zukunftsweisend oder Spinnerei?

Der Cybertruck von Tesla über Eis fahrend fotografiert
Tesla Cybertruck: Eckt zumindest bei seinen Fans nicht an© Tesla

Tesla-Chef Elon Musk ist bekannt für seine visionären Ideen. Der gepanzerte Cybertruck ist eine seiner abgefahrensten: In den USA kommt er 2024 auf den Markt. Und wie sieht es mit Europa aus? Infos, Preise und Bilder.

  • Hohe Anhängelast von 5 Tonnen

  • Bis zu drei Elektromotoren und 857 PS

  • Schusssicheres Glas, robuste Stahlkarosserie

Egal, was Elon Musk anpackt und sei es auch noch so abstrus: Die Fangemeinde feiert ihn – und zwar genau deswegen. Ob es tatsächlich Sinn macht, einen Tesla Roadster samt Puppe als Fahrer ins All zu schießen, ist dabei einerlei (hier* kann man sehen, wo sich der Roadster gerade befindet). Und ob es wirklich realistisch ist, dass wir eines Tages in Musks Hyperloop-Röhre mit mehr als 1000 km/h zum Ziel rasen werden? Geschenkt. Hauptsache, die Idee ist cool.

Kein Pick-up für den Gartencontainer

Der Cybertruck von Tesla beladen mit einem Kanu und Ausrüstung von oben fotografiert
Die Ladefläche des Cybertruck lässt sich absenken und abdecken© Tesla

Auch der Cybertruck wirkte bei seiner Vorstellung 2019 wie nicht von dieser Welt. Als Mischung aus Spähpanzer und Mondfahrzeug konnte man sich den elektrischen Pick-up eher in einem düsteren Science-Fiction-Film vorstellen als mit Schnittgut im Gepäck auf dem Weg zum Gartencontainer in Castrop-Rauxel.

Doch Musk hat es ernst gemeint mit dem provokanten Pick-up, mittlerweile die Serienversion vorgestellt und schon erste Exemplare an Kunden ausgeliefert – auch wenn die Umsetzung wohl alles andere als trivial war. Man habe sich mit dem Cybertruck "das eigene Grab geschaufelt", sagte der sonst von sich und seinen Unternehmungen so überzeugte Musk selbst. Es sei schwierig, den Pick-up zu einem Preis anbieten zu können, den sich die Leute leisten können. Geld verdienen werde man mit dem Cybertruck erst einmal nicht.

Preis Tesla Cybertruck: Ab 61.000 Dollar

Und das, obwohl die zunächst angepeilten 40.000 Dollar Grundpreis längst einkassiert worden sind. Fast 61.000 Dollar, umgerechnet über 56.000 Euro, ruft Tesla demnach für die erst 2025 verfügbare Einstiegsversion des Cybertruck in den USA auf. Gegenüber dem vor vier Jahren angekündigten Basispreis entspricht das einem Aufschlag von mehr als 50 Prozent.

Dafür gibt es die heckgetriebene Single-Motor-Version, die einen Sprint auf 100 km/h in unter 7 Sekunden erlaubt und maximal 180 km/h erreicht. Leistungsdaten für den Antrieb wurden keine genannt. Die Reichweite wird mit 250 Meilen angegeben, was rund 400 Kilometern entspricht.

Bis zu 550 Kilometer bietet die allradgetriebene Version Dual-Motor mit 450 kW/610 PS, die in rund 4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h sprinten kann. Der Preis für die 2024 verfügbare Version beträgt rund 80.000 Dollar oder ca. 74.000 Euro.

Topversion ist das Cyberbeast mit dreimotorigem Allradantrieb 630 kW/857 PS Systemleistung. Damit soll der über 3 Tonnen schwere und fast 5,70 Meter lange Pick-up den Standardsprint in 2,7 Sekunden absolvieren und maximal 210 km/h erreichen. Die Reichweite beträgt 510 Kilometer, der Preis rund 100.000 Dollar beziehungsweise 93.000 Euro.

Schusssicheres Glas, ultraharter Stahl

Bei der Serienversion des Cybertruck hat sich im Vergleich zur Premiere in 2019 zwar einiges geändert, optisch entspricht sie jedoch dem kantigen Designentwurf, der ein großes Medienecho und auch großes Interesse bei Autokundinnen und -kunden geweckt hatte. In den USA sollen Tesla für den Cybertruck mehr als eine Million Vorbestellungen vorliegen. Bis diese bedient werden, dürften einige Jahre vergehen.

Der Cybertruck bricht mit vielen Konventionen des klassischen Automobilbaus: Die eckige Karosserie besteht aus ultrahartem, kaltgewalztem Edelstahl. Tesla sprach zunächst von einem "undurchdringlichen, schlag- und stoßfesten Außenskelett", das so robust wie keine andere Karosserie und gegen Dellen und Rost immun sein soll. Die Insassen sitzen hinter Panzerglas. Die Scheiben der Serienversion sollen einem Aufprall eines Baseballs mit 112 km/h standhalten und auch einem heftigen Hagelschlag.

Luftfederung und hohe Anhängelast

Das Cockpit des Cybertrucks von Tesla
Innen ist der Cybertruck noch cleaner gestaltet als andere Tesla-Modelle© Tesla

Auch an ganz normalen Alltagsqualitäten mangelt es dem Cybertruck nicht. Das Akustikglas soll für einen extrem leisen Innenraum sorgen. Und dank adaptiver Luftfederung kann das Fahrwerk abgesenkt oder angehoben werden, um den Pick-up leichter beladen zu können oder ihn geländegängiger zu machen. Tesla spricht von beachtlichen 432 Millimetern Bodenfreiheit. Eine Allradlenkung soll den Cybertruck handlicher machen, als es die sperrige Statur vermuten lässt.

Es gibt insgesamt fünf Sitzplätze. Auf die Ladefläche dürfen bis zu 1,1 Tonnen Nutzlast, der 1879 Liter fassende Laderaum ist mit einer stabilen Abdeckung komplett verschließbar. Bei der Anhängelast sprengt das Cyberbeast alle Maßstäbe für E-Autos: Satte 5 Tonnen darf der Pick-up ziehen.

Reichweite mit Akku im Gepäck: 755 Kilometer

Strom abgeben kann der Tesla auch – entweder um externe Geräte zu betreiben oder um als "Notstromaggregat" für das Haus zu dienen. Mit bis zu 11,5 kW Leistung kann der Cybertruck Energie in das Haus einspeisen. Und wem die Reichweite noch zu gering ist, der kann einen (nicht unerheblichen) Teil der Ladefläche opfern und sich dort einen Zusatzakku installieren lassen. Geschätzte Reichweite: 755 Kilometer.

Der Innenraum ist sehr reduziert gestaltet, wie bei Model 3 und Model Y findet sich ausschließlich ein großer Touchscreen am Armaturenbrett. Der ist 17 Zoll groß und soll über eine komplett neue Benutzeroberfläche verfügen.

Cybertruck: Europa-Start und Crash-Test

Zu einem möglichen Marktstart in Europa bzw. Deutschland will sich Tesla derzeit noch nicht äußern. Und es ist auch fraglich, ob der Cybertruck mit seinen unnachgiebigen Planken und den fiesen Ecken in der jetzigen Form eine Zulassung in Europa bekommen würde. Die Anforderungen insbesondere an den Fußgängerschutz sind hierzulande hoch. Erste Crashtest-Videos aus den USA waren bereits zu sehen.

Das sagt ADAC Crash-Experte Volker Sandner dazu: "Die derzeit vorliegenden Crashtest-Ergebnisse aus den USA lassen keine belastbaren Rückschlüsse auf ein Abschneiden nach den europäischen Crashvorgaben zu. Durch die extreme Keilform des Cybertruck könnte nach unserer Einschätzung allerdings der Fußgängerschutz ein Problem darstellen. Je nach Größe des Fußgängers kann es passieren, dass sich ein Teil des Körpers über die Haube abrollt und der andere unter das Fahrzeug gezogen wird. Die Gefahr wird durch die extremen Kanten am Vorderwagen zusätzlich erhöht."

Die Vorgaben zum Fußgängerschutz könne man allerdings umgehen, indem man das Fahrzeug in der Nutzfahrzeugklasse N auf den Markt bringt, so Sandner. Es könnte also sein, dass der Cybertruck über diesen Kniff den Weg nach Europa findet. Nur wann, weiß derzeit keiner.

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Tesla Cybertruck: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Tesla Cybertruck AWD (USA-Version) (ab 11/23)

Tesla Cybertruck Cyberbeast AWD (USA-Version) (ab 11/23)

Motorart

Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

447
630

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

607
857

Drehmoment (Systemleistung)

n.b.
n.b.

Antriebsart

Allrad
Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

4,3 s
2,7 s

Höchstgeschwindigkeit

180 km/h
209 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

547 km
515 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

123,0
123,0

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

3.423 l
3.423 l

Leergewicht (EU)

2.995 kg
3.104 kg

Zuladung

1.134 kg
1.134 kg

Anhängelast ungebremst

n.b.
n.b.

Anhängelast gebremst 12%

4.990 kg
4.990 kg

Garantie (Fahrzeug)

4 Jahre oder 80.000 km
4 Jahre oder 80.000 km

Länge x Breite x Höhe

5.683 mm x 2.201 mm x 1.790 mm
5.683 mm x 2.201 mm x 1.790 mm

Grundpreis

- Euro
- Euro

US-Spezifikation

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Text mit Material von SP-X.