Suzuki e Vitara: Testfahrt im ersten Elektroauto der Marke
Von Jochen Wieler

Seit Januar 2026 steht das erste Elektroauto von Suzuki bei den Händlern. In Zusammenarbeit mit Toyota ist ein kleines SUV entstanden. Ob es mit der Konkurrenz mithalten kann, klärt die erste Testfahrt.
Schwestermodell des Toyota Urban Cruiser
Zwei Batterieoptionen: 49 und 61 kWh
Preise ab 29.990 Euro
Dass nun auch Suzuki als kleiner Hersteller im Elektrozeitalter angekommen ist, zeigt die jüngste Neuerscheinung der Marke. Der Suzuki e Vitara ist ab sofort bei den rund 350 deutschen Händlern zu haben.
Der e Vitara steht auf einer völlig neuen, speziell für Elektroautos entwickelten und besonders leichten Plattform. Er wird in einem der indischen Werke von Suzuki produziert, gemeinsam mit dem Schwestermodell Urban Cruiser von Toyota. Die Modelle wurden von Anfang an gemeinsam konzipiert.
Baugleich: Suzuki e Vitara und Toyota Urban Cruiser

Die Autos sind technisch weitestgehend baugleich, nur die Front unterscheidet sich optisch. Und bei Suzuki ist ein zweifarbiges Cockpit in Schwarz/Braun zu haben, den Toyota-Innenraum gibt es nur in Schwarz. Das war es dann auch mit den Unterschieden. Das Fahrgefühl ist ebenfalls identisch.
Das typische SUV-Design wird geprägt durch die hohe Gürtellinie des Fahrzeugs mit kleinen hinteren Fensterausschnitten. Die Frontansicht wird von schmalen Scheinwerfereinheiten dominiert, hinten gibt es eine umlaufende Lichtleiste, und in der Seitenansicht fallen vor allem die kräftig ausgeprägte C-Säule und die im unteren Türbereich mittig angebrachte Beplankung ins Auge.
Das Ganze sieht modern aus und lässt den bisherigen Vitara mit Verbrennungsmotor optisch noch mehr altern als ohnehin schon. Die mittlerweile elf Jahre Bauzeit sieht man dem "normalen" Vitara mittlerweile an.
Cockpit des Elektro-Suzuki ist modern

Auch innen. Wer in den e Vitara steigt, sieht sich in einer für Suzuki völlig neuen Welt. Wo das Cockpit des Verbrenner-Vitara noch recht altbacken wirkt, ist im "e" jetzt die Moderne mit Displays in einem frischeren Look eingezogen. Dabei setzt Suzuki auf solide Materialien, die sich gut anfassen und eine Klasse besser sind als die im Verbrenner-Vitara.
Bei der Bedienung müssen sich Suzuki-Fahrer umgewöhnen, denn es gibt im Vergleich nur noch wenige Tasten. Sorgen um die Bedienbarkeit muss sich aber keiner machen, der schon einmal ein Smartphone in der Hand hatte.
Hinter dem Lenkrad des e Vitara informiert ein übersichtliches, teilweise konfigurierbares Instrumentendisplay. Der Touchscreen fällt nach heutigen Maßstäben eher kompakt aus. Am linken und rechten Rand sind feste Touchflächen für Direktfunktionen integriert, was die Bedienung vereinfacht. Für Wichtiges, wie etwa die Spiegelverstellung oder die Lichtfunktionen, gibt es noch ganz klassische Knöpfe, auf dem Lenkrad finden sich gut zu treffende Tasten, und auch für die Klimatisierung sind noch Hebel vorgesehen. Gut so.
So groß sind Innen- und Kofferraum

Die Sitze sind bequem, die Sitzposition so, dass man eine gute Übersicht hat. Mit einer Ausnahme: Der Schulterblick schräg nach hinten wird durch die breite C-Säule eingeschränkt, sodass man beim Abbiegen gut aufpassen muss, um keinen Radfahrer zu übersehen.
Die Platzverhältnisse überraschen für ein nur 4,28 Meter langes Auto: Auch hinten sitzen Erwachsene ordentlich und haben reichlich Kopf- und Beinfreiheit. Besonderes Highlight ist die um 16 Zentimeter längs verschiebbare Rückbank. Sie ermöglicht entweder mehr Beinraum oder mehr Kofferraum – je nach Bedarf. Die Lehne ist in der Neigung verstellbar und im Verhältnis 40:20:40 teilbar.
Suzuki gibt bei zurückgefahrener Bank 238 Liter an, bei ganz vorgeschobenen Rücksitzen sind es 310 Liter. Zumindest dann ist der Stauraum groß genug, um auch im Alltag zu bestehen und das Urlaubsgepäck für drei bis vier Personen aufzunehmen. Werden die Lehnen umgeklappt, fasst der Transportraum 1052 Liter.
Testfahrt mit dem Allradler

Drei Antriebsversionen werden für den e Vitara angeboten: Als Basis dient ein 106 kW/144 PS-Motor mit 49-kWh-Batterie und Frontantrieb. Alternativ gibt es eine 61-kWh-Batterie, wahlweise mit Frontantrieb (128 kW/174 PS) oder dem Allradantrieb namens Allgrip-e (135 kW/183 PS).
Auf der ersten Testfahrt war die Redaktion mit dem 128‑kW‑Motor und der etwas stärkeren Allradversion unterwegs. Beide Antriebe überzeugen durchweg, sprechen feinfühlig an, ziehen kräftig durch und arbeiten nahezu lautlos – ein klarer Vorteil gegenüber jedem Verbrenner. Beim Druck auf das rechte Pedal gewinnt der e Vitara fast beiläufig an Tempo.
Es geht völlig mühelos voran, gefühlt sogar flotter, als es die Papierwerte bescheinigen. Der Fronttriebler mit dem stärkeren Motor gelangt in 8,7 Sekunden auf 100 km/h (Basis: 9,6 s, Allrad: 7,4 s). Schnell genug, um sicher überholen zu können. Die Höchstgeschwindigkeit ist ganz unabhängig von der Version stets auf 150 km/h begrenzt.
Neben hoher Alltagstauglichkeit verfügt speziell die Allradvariante dank des zweiten E-Motors (48 kW/65 PS) an der Hinterachse über leichte Offroadfähigkeiten. In allen Versionen kann der Fahrer zwischen den Modi "Eco", "Normal" und "Sport" wählen, wobei die Spreizung speziell zwischen "Normal" und "Sport" recht gering ausfällt.
Das Fahrwerk ist ausgewogen und federt angenehm. Nichts klappert, alles wirkt sehr solide. Schade nur, dass die Lenkung spürbar schwergängiger ist, als man es in dieser Klasse erwartet. Sie nimmt dem Auto ein wenig von der Leichtigkeit, die der Antrieb suggeriert. Auch das unterscheidet den Suzuki nicht von seinem baugleichen Pendant bei Toyota.
Reichweite: Bis zu 426 km möglich
Auch die Reichweitenangaben sind deckungsgleich. Heißt: 344 Kilometer mit der kleinen Batterie, 426 mit der großen und 395 mit Allradantrieb. Das klingt ordentlich, bedenken sollte man aber, dass aus den Prospektwerten im Winter auf der Autobahn schnell erheblich weniger werden können, wie der ADAC Reichweitenrechner zeigt. Wenn auch mal längere Strecken gefahren werden sollen, ist daher der größere Akku empfehlenswert.
ADAC Reichweitenrechner
Suzuki e Vitara eAxle (49 kWh) Club 106 kW (144 PS)
-10
30
50
130
Berechnete Reichweite
333km
(Reichweite laut Hersteller: 344 km)
ADAC Reichweitenrechner
Suzuki e Vitara eAxle (61 kWh) Comfort 128 kW (174 PS)
-10
30
50
130
Berechnete Reichweite
413km
(Reichweite laut Hersteller: 426 km)
Ladeleistung nicht up to date

Aber Vorsicht: Als elektrisches Langstreckenfahrzeug ist der e Vitara keine gute Wahl, was in erster Linie an der mangelnden Leistung an Schnellladesäulen liegt. So schafft es der 49-kWh-Akku auf eine maximale Ladepower von 53 kW, der 61-kWh-Akku auf 67 kW. Das ist deutlich unter Durchschnitt, 100 kW sollte man auch in dieser Klasse mittlerweile erwarten können.
Suzuki nennt eine Standzeit an DC-Schnellladesäulen von rund 45 Minuten bei einem Ladehub von 10 auf 80 Prozent. Zum Vergleich: Die meisten Hersteller peilen 30 Minuten dafür an, mit 800-Volt-Technik bei teureren Fahrzeugen gelingt das DC-Laden in 15 bis 20 Minuten. Suzuki verschenkt hier Potenzial, musste die Kosten im Blick behalten.
An AC-Säulen in der Stadt nimmt sich der e Vitara 11 kW und liegt damit im Durchschnitt. Eine ganz leere Batterie benötigt dort fünf bis sechs Stunden für eine volle Ladung.
Ausstattung und Garantie des e Vitara

Umfangreich fällt die Serienausstattung des e Vitara aus. Die Version mit kleiner Batterie ist nur in der Ausstattung "Club" zu haben, hat dann aber unter anderem schon ein Navigationssystem, schlüsselloses Zugangs- und Startsystem, Rückfahrkamera, Licht- und Regensensor sowie eine Ambientebeleuchtung an Bord. Apple- und Android-Geräte lassen sich kabellos verbinden. Prima: Eine reichweitenverlängernde Wärmepumpe ist Serie.
Die Ausstattung Comfort ist immer mit der größeren Batterie verbunden und verfügt zusätzlich über Sitz- und Lenkradheizung, eine Frontscheibenheizung und beheizbare Außenspiegel. Comfort+ bietet darüber hinaus 19- statt 18-Zoll-Aluräder, ein Glasdach, einen elektrisch einstellbaren Fahrersitz, kabelloses Laden für Smartphones, Nebelscheinwerfer und ein besseres Soundsystem mit acht statt vier Lautsprechern.
Die Garantien fallen durchschnittlich aus: Es gibt die üblichen acht Jahre auf das Batteriesystem und drei Jahre normale Neuwagengarantie.
Preise ab 29.990 Euro

Einen großen Vorteil hat der e Vitara im Vergleich zu seinem baugleichen Pendant Toyota Urban Cruiser: Er ist günstiger und liegt in allen Versionen zwischen 2000 und 2500 Euro unter dem Toyota. Nicht nur deshalb erscheint die Preisgestaltung fair, auch im Wettbewerbsumfeld bietet der Suzuki ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Sprung von der Basisversion mit kleinem Akku ab 29.990 Euro auf die Variante mit größerer Batterie ab 36.490 Euro fällt allerdings recht groß aus.
Fazit: Routiniertes Debüt
Bei der ersten Begegnung zeigt sich der E-Auto-Erstling als ein überraschend routiniert gemachtes Auto. Ein starkes Kaufargument für den Suzuki e Vitara ist die Allradversion, die ab knapp 40.000 Euro erhältlich ist. Wertmutstropfen ist die magere Ladeleistung an Schnellladesäulen. Hier wären Suzuki und Toyota gut beraten, nachzubessern.
Suzuki e Vitara: Technische Daten und Preise
Technische Daten (Herstellerangaben) | Suzuki e Vitara eAxle (49 kWh) Club (ab 01/26) | Suzuki e Vitara eAxle (61 kWh) Comfort (ab 01/26) | Suzuki e Vitara eAxle (61 kWh) Comfort ALLGRIP-e (ab 01/26) |
|---|---|---|---|
Motorart | Elektro | Elektro | Elektro |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 106 | 128 | 135 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 144 | 174 | 184 |
Drehmoment (Systemleistung) | 193 Nm | 193 Nm | 307 Nm |
Antriebsart | Vorderrad | Vorderrad | Allrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 9,6 s | 8,7 s | 7,4 s |
Höchstgeschwindigkeit | 150 km/h | 150 km/h | 150 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | 344 km | 426 km | 395 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 0 g/km | 0 g/km | 0 g/km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 14,9 kWh/100 km | 15,1 kWh/100 km | 16,6 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Brutto) in kWh | 49,0 | 61,0 | 61,0 |
Ladeleistung (kW) | AC:7,0-11,0 | AC:7,0-11,0 | AC:7,0-11,0 |
Kofferraumvolumen normal | 310 l | 310 l | 310 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | 1.052 l | 1.052 l | 1.052 l |
Leergewicht (EU) | 1.775 kg | 1.835 kg | 1.935 kg |
Zuladung | 405 kg | 415 kg | 425 kg |
Anhängelast ungebremst | 750 kg | 750 kg | 750 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 750 kg | 750 kg | 750 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 3 Jahre oder 100.000 km | 3 Jahre oder 100.000 km | 3 Jahre oder 100.000 km |
Länge x Breite x Höhe | 4.275 mm x 1.800 mm x 1.635 mm | 4.275 mm x 1.800 mm x 1.635 mm | 4.275 mm x 1.800 mm x 1.635 mm |
Grundpreis | 29.990 Euro | 36.490 Euro | 39.490 Euro |
Text: Jochen Wieler mit Material von SP-X
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