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Der ADAC

Škoda Octavia G-Tec: Erdgasauto im Dauertest

ein blauer Skoda Octavia mit Erdgasantrieb fährt über eine Landstrasse
© ADAC/Martin Hangen

Wer vom Diesel die Nase voll hat, sucht derzeit händeringend nach Alternativen. Wie wär’s mal mit einem Erdgasmodell? Wir haben den Škoda Octavia G-Tec getestet. 15 Monate lang!

Umweltbewusste Autofahrer stehen vor einem echten Problem: Der Diesel ist nicht so sauber wie versprochen, und Elektroautos kommen für viele nach wie vor nicht infrage: Denn Kosten und Reichweite fallen noch immer nicht zufriedenstellend aus. Eine saubere Dieselalternative wird oft vergessen: Erdgas. Doch sind die Autos auch praxistauglich? Die ADAC Motorwelt hat 15 Monate lang einen Škoda Octavia G-Tec getestet. Ergebnis: Mit der Erdgas-Familienkutsche kosten 100 Kilometer nur 4,40 €.

Kein Reichweiten-Problem

Anders als beim Elektroauto, hat ein mit Erdgas betriebenes Fahrzeug kein Reichweitenproblem. Die Technik wurde so entwickelt, dass es kaum Einschränkungen gibt. Dieses Fazit konnte die Motorwelt-Redaktion nach einem Jahr und gut 50 000 Kilometern mit einem Škoda Octavia G-Tec im Dauertest ziehen. Mit 110 PS ist der Kombi zwar nicht allzu üppig, doch im Alltag ausreichend flott motorisiert – immerhin schafft er 193 Stundenkilometer Spitze.

Erdgasfahrern ist ein niedriger Verbrauch ohnehin wichtiger. Der lag – bei zügiger Fahrweise und vielen Autobahnkilometern – im Dauertest im Schnitt bei 4,2 Kilogramm Erdgas (CNG) auf 100 Kilometer (nicht zu verwechseln mit Autogas LPG). 100 Kilometer kosten so gerade einmal 4,40 €! Das schafft nicht einmal der Diesel-Octavia, dessen Kostenbilanz auch insgesamt schlechter ist. Bis mindestens 2026 bleibt das auch so: Bis dahin ist Erdgas als Kraftstoff steuerbegünstigt.

Kein Feinstaub/NOx-Problem

Auch aus ökologischer Sicht hat ein Erdgasauto Vorteile. Im Vergleich zum Benziner sinkt der CO2-Ausstoß um rund 20, zum Diesel um 10 Prozent. Mit Biogas, das viele Stadtwerke einspeisen, ist die Bilanz noch grüner. Auch bei allen anderen Schadstoffen steht CNG gut da: Ein Feinstaub- oder NOX-Problem gibt es nicht. Volle fünf Sterne im ADAC EcoTest!

Für Dieselumsteiger wäre Erdgas also sinnvoll. Vorausgesetzt, man kann tanken. Zwar gibt es bundesweit 900 Tankstellen, aber immer noch viele weiße Flecken auf der Landkarte. Das ändert sich: Bis 2025 sind 2000 Anlaufstellen geplant. Im Dauertest hatten wir bei 350 Kilometern CNG-Reichweite keine großen Umstände bei der Tankstellensuche. Ideal: Der Octavia hat noch 50 Liter Benzin dabei. Geht das Gas aus, fährt er mit Benzin. Oft war das nicht nötig: Auf gut 50 000 Kilometern mussten wir nur sieben Tanks, also 352 Liter Benzin zapfen – und 2134 Kilo Erdgas. Mit reinem Öko-Gewissen. Defekte am Fahrzeug gab es übrigens keine: Der Octavia war ein zuverlässiger Begleiter.

Erdgasfahrzeuge werden von Audi (A3, A4, A5), Fiat (Panda, Punto, Qubo, Fiorino, Doblo, 500L, Ducato), Mercedes (B-Klasse, Sprinter), Opel (Astra, Combo, Zafira), Seat (Mii, Ibiza, Leon), Skoda (Citigo, Octavia) und VW (Up, Polo, Golf, Caddy) angeboten.

Test-Daten & Fakten

ADAC EcoTest: fünf Sterne
Gemessener CO₂-Ausstoß: 114 g/km (Well-to-Wheel: 122 g/km)
Tankinhalt: 15 kg Erdgas und 50 l Benzin
Reichweite: 350 km im Gasbetrieb
Zurückgelegte Distanz: 51.783 km
Erdgasverbrauch gesamt: 2134,37 kg
Benzinverbrauch gesamt: 352,43 l
Treibstoffkosten: 4,40 € für 100 km
Preis für die Škoda-Octavia-Erdgasversion: ab 22.250 €

Modellvergleich

Octavia-Modell-Vergleich: Erdgas am günstigsten. Weil die CNG-Version des Octavia G-Tec nur 100 € mehr kostet als der Diesel, fährt man von Anfang an günstiger. Berechnung mit 15 000 km/Jahr und fünf Jahren Haltedauer. Die Gesamtkosten und Kosten/km bestehen aus Wertverlust, Fixkosten, Betriebs-, Werkstatt- und Reifenkosten.

Octavia Combi1.0 TSI Style1.4 G-Tec Style1.6 TDI Style

Kraftstoff

Benzin

Erdgas

Diesel

Leistung

115 PS

110 PS

115 PS

Grundpreis

24 590 €

27 490 €

27 390 €

Kosten/Monat

571 €

558 €

576 €

Kosten/km

45,6 Cent

44,7 Cent

46,1 Cent

ADAC Gasauto bei Olympia

Umweltschutz vor 45 Jahren: Während der Olympischen Spiele 1972 in München wurden Fahrzeuge mit verschiedenen alternativen Antrieben ausprobiert. Der ADAC wollte die Praxistauglichkeit eines Autos mit Gasantrieb untersuchen – und baute dafür einen VW Variant, Bj. 1969, für Straßenwacht-Einsätze rund ums Olympiastadion um. Der Treibstoff war eine Mischung aus Butan und Propan, heute als Flüssiggas an Tankstellen zu haben. Bei der Schadstoffbelastung erzielte der Wagen Traumwerte: Die Belastung mit Kohlenmonoxid lag 93 Prozent unter dem gesetzlichen Grenzwert. Kleiner Wermutstropfen: Der Gaswagen bot weniger Motorleistung, brauchte dafür aber mehr Kraftstoff. Da hat sich bis heute ja zum Glück einiges geändert.

Texte: Jochen Wieler, Elisabeth Schneider