Nissan Micra im Test: Elektrisch, pfiffig, gut?

Der elektrische Nissan Micra ist ein verkappter Renault R5. Damit das keiner merkt, setzt er sich optisch von seinem Technikspender ab. Dem Kunden kann das egal sein – wenn Qualität und Preis stimmen. ADAC Test.
Die Topversion des Nissan Micra im Test
Mit 1,5 Tonnen fast ein Leichtgewicht
Frische Optik, sportlicher Charakter
Nissan hat den Kleinwagen Micra ins Leben zurückgeholt. Allerdings ist er nun elektrisch angetrieben, im Crossover-Stil designt und mit französischer Hilfe gebaut. Denn die Plattform und die Antriebe teilt sich der kleine Japaner mit dem Renault 5. Optisch bemüht er sich jedoch sehr um Eigenständigkeit.
Wie gut er sich im Test schlägt und sich vom Technik-Bruder R5 abhebt, klärt der ADAC Test.
LED-Scheinwerfer als Hingucker

Im Test tritt der Nissan Micra in der Topversion Evolve mit der 52 kWh großen Batterie und dem 110 kW/150 PS starken Elektromotor an der Hinterachse an. Die Ausstattung ist erfreulich umfangreich. Unter anderem sind Wärmepumpe, Navigationssystem, zahlreiche Assistenzsysteme, Sitz- und Lenkradheizung sowie ein hochwertiges Soundsystem dabei. Mit einem Grundpreis von 34.900 Euro wird der Kunde allerdings auch kräftig zur Kasse gebeten.

Sehr originell sind die in Form eines Ovals gestalteten LED-Heckleuchten und -Tagfahrlichter, bei denen die runden Leuchten des Micra III von 2003 Pate standen. Die rechteckigen Hauptscheinwerfer im Inneren des Runds sorgen für einen ungewöhnlichen Kontrast. Auch auffällig: die Willkommensanimation der LED-Frontscheinwerfer, die beim Entriegeln des Fahrzeugs fast an ein Zwinkern erinnert. Die optische Abgrenzung vom R5 darf als gut gelungen bezeichnet werden.
Nissan Micra mit flottem E-Antrieb

Wie bereits erwähnt, stammt der Antrieb des Nissan Micra vom Renault R5 und verhilft dem Japaner zu flotten Fahrleistungen. Quasi beflügelt durch das für ein Elektroauto niedrige Gewicht von 1,5 Tonnen, macht der Kleine richtig Spaß. Die Auslegung des Fahrwerks ist sportlich-straff, was die Fangemeinde dynamischer Gangart sicherlich sehr freut, Freunde gediegener Fortbewegung dagegen vermutlich eher irritiert.
Die Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h gelingt in rund 8 Sekunden, Zwischenspurts beim Überholen sind ebenfalls zügig erledigt. Vibrationen seitens des Elektromotors sind nicht vernehmbar. Laufkultur und Leistungsentfaltung sind exzellent. Dank einer Isolationsmatte zwischen Batterie und Fahrzeugboden ist der Micra im Innenraum erstaunlich leise. Bis hierhin unterscheidet er sich kaum vom Renault R5.
Einen kleinen eigenen Akzent setzt er mit dem aus anderen Nissan-Modellen bekannten E-Pedal. Damit wird dem Fahrer oder der Fahrerin ermöglicht, das Tempo fast ausschließlich mit dem Gaspedal zu bestimmen. Lupft er oder sie den Fuß vom rechten Pedal, bremst der Micra wenn gewünscht bis zum Stillstand. Ein weiteres besonderes Feature sind die Schaltwippen, mit denen sich der Rekuperationswiderstand stufenweise einstellen lässt.
Verbrauch und Reichweite
Den durchschnittlichen Verbrauch des Micra Evolve hat der ADAC mit 18,5 kWh pro 100 Kilometer (incl. Ladeverluste) ermittelt. Die bei guten Außenbedingungen realistische Reichweite beträgt 322 Kilometer. Aber wie es so ist beim Elektroauto, hängt die Reichweite nicht nur entscheidend vom Fahrstil, sondern auch von der Außentemperatur ab. Das sehen Sie im ADAC Reichweitenrechner, wenn Sie die Regler verschieben:
ADAC Reichweitenrechner
Nissan Micra (52 kWh) Evolve 110 kW (150 PS)
-10
30
50
130
Berechnete Reichweite
403km
(Reichweite laut Hersteller: 416 km)
Mit der vom ADAC ermittelten Reichweite im gemischten Betrieb bleibt der Micra deutlich unter der WLTP-Herstellerangabe von 416 Kilometer. Ursache dafür sind der zugrunde liegende verschärfte Autobahnteil sowie das mitgeführte Zusatzgewicht bei der ADAC Messung. Das treibt den Verbrauch nach oben und kostet Reichweite, ist aber auch realistischer als die Norm-Messung des Herstellers.
DC-Laden mit bis zu 103 kW

Im Wettbewerbsvergleich sticht der Micra bei Reichweite und Ladetechnik weder besonders negativ noch positiv heraus. An der Schnellladesäule erzielt der Nissan Micra Evolve eine maximale Ladeleistung von 103 kW, das sind sogar 3 kW mehr, als der Hersteller angibt. Mit zunehmendem Füllstand (SoC) sinkt die Ladeleistung peu à peu, bis sie bei 80 Prozent SoC noch knapp 60 kW beträgt. Nach 20 Minuten hat der Micra Strom für weitere 177 Kilometer geladen.
Bei niedrigen Temperaturen sorgt die Batteriekonditionierung dafür, dass sich die Ladezeit nicht unnötig verlängert. Damit die Vortemperierung aktiviert wird, muss die Ladestation als Ziel im Navigationssystem eingegeben worden sein. Eine manuelle Aktivierung über einen Button im Bedienmenü ist nicht möglich.
An der AC-Wechselstromquelle kann mit höchstens 11 kW geladen werden. Der Micra unterstützt bidirektionales V2L-Laden, also den Betrieb von externen E-Geräten über den Fahrzeugakku. Einspeisen ins Netz (V2G) ist in Vorbereitung.
Innenraum und Bedienung
Von außen klappt das eigenständige Auftreten gut, im Innenraum weniger – der Micra unterscheidet sich hier kaum vom R5. Die Verarbeitung ist insgesamt ordentlich. Der blaue Kunstlederbezug an den Türen, dem Armaturenbrett und den Sitzen mit orangefarbenen Nähten sowie der rahmenlose Innenspiegel und die Ambientebeleuchtung werten den Innenraum auf. Negativ fallen kratzempfindliche Kunststoffflächen und der billig anmutende Dachhimmel auf.
Das leicht zum Fahrer geneigte Zentraldisplay überzeugt mit schnellen Reaktionen, die Struktur der Menüs erschließt sich nach kurzer Eingewöhnungszeit. Am unteren Rand des Touchscreens sind die wichtigsten Klimafunktionen dauerhaft eingeblendet. Zusätzlich gibt es eine separate Klimabedieneinheit mit konventionellen Tasten.
Lob auch für die Shortcut-Taste wie beim R5, mit der nicht gewünschte Assistenzsysteme kurz und bündig deaktiviert werden können. Ungewohnt und daher deplatziert wirkt der Start-Stopp-Knopf zwischen den Bildschirmen, der zudem meist vom Lenkrad verdeckt wird. Dass das beim Renault ebenfalls so ist, tröstet wenig.
Das Platzangebot für Insassen und Gepäck ist erwartbar: Vorne finden Personen ausreichend Platz, der Fond hingegen ist arg begrenzt. Der Kofferraum ist mit 255 Liter zwar für einen Kleinwagen überraschend geräumig, absolut gesehen bleibt der nach Umklappen der Sitzlehnen maximal zur Verfügung stehende Stauraum mit 905 Liter aber dürftig. Platz unter dem Kofferraumboden oder einen Frunk fürs mitgeführte Ladekabel gibt es nicht. Die Ladekante innen ist unpraktisch hoch.
Optional gibt es für den Micra eine Anhängerkupplung. Die maximale Anhängelast liegt bei 500 Kilogramm gebremst wie ungebremst. Als ausgewiesenes Zugfahrzeug darf der Micra damit nicht gelten, für den kleinen Baumarktanhänger reicht es aber.
Galerie: Der Elektro-Micra im Detail

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Fazit: Der Charakter zählt

Schick im Design und Fahrdynamisch überzeugend. Der Nissan Micra ist ein sehr sympathischer kleiner Stromer für Stadt- und Überlandfahrten. Langstreckentauglichkeit oder Transportqualitäten darf man von ihm konzeptbedingt nicht erwarten. Wer besonders Wert auf ein eigenes Design und sportliches Fahrgefühl legt, findet im Micra eine interessante Option zum Renault 5.
Über die preisliche Attraktivität kann man streiten. Zwar war die Bezahlbarkeit laut Hersteller ein großes Ziel der Entwickler. Das Ziel wurde aber allenfalls für die Basisversion mit weniger Leistung und kleinem Akku erreicht, die knapp 28.000 Euro kostet. Beim hier getesteten Nissan Micra Evolve steht 34.900 Euro auf dem Preisschild. Und das ist für ein Auto dieser Größe kein Schnäppchen.
Beim Vergleich mit dem Topmodell des Renault R5 ergibt sich ein Preisvorteil von rund 1000 Euro.
Das hat uns gefallen: klein und wendig, gute Bedienbarkeit, flotte Fahrleistungen, handliche Fahreigenschaften, umfangreiche Ausstattung
Das hat uns nicht gefallen: beengter Fond, schlechte Sicht nach hinten, keine separate Verstaumöglichkeit für Ladekabel, mäßiger Federungskomfort
Nissan Micra 2026: Technische Daten, Preis
Technische Daten (Herstellerangaben) | Nissan Micra (52 kWh) Evolve (ab 01/26) |
|---|---|
Motorart | Elektro |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 110 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 150 |
Drehmoment (Systemleistung) | 245 Nm |
Antriebsart | Vorderrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 8,0 s |
Höchstgeschwindigkeit | 150 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | 416 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 0 g/km |
Stromverbrauch kombiniert (WLTP) | 14,7 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Netto) in kWh | 52,0 |
Ladeleistung (kW) | AC:11,0 DC:100,0 |
Kofferraumvolumen normal | 326 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | 1.106 l |
Leergewicht (EU) | 1.527 kg |
Zuladung | 403 kg |
Anhängelast ungebremst | 500 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 500 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 3 Jahre oder 100.000 km |
Länge x Breite x Höhe | 3.974 mm x 1.774 mm x 1.490 mm |
Grundpreis | 34.900 Euro |
ADAC Messwerte
| ADAC Messwerte (Auszug) | Nissan Micra (52 kWh) Evolve |
|---|---|
Überholvorgang 60–100 km/h | 4,7 s |
Bremsweg aus 100 km/h | 33,9 m |
Wendekreis | 10,2 m |
ADAC Testverbrauch | 18,5 kWh/100 km |
Reichweite | 322 km |
Innengeräusch bei 130 km/h | 65,9 dB(A) |
Leergewicht / Zuladung | 1470 / 460 kg |
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch | 255 / 580/ 905 l |
Fahrzeugbreite inkl. Außenspiegel | 2,03 m |
ADAC Testergebnis
ADAC Testergebnis | Nissan Micra (52 kWh) Evolve (ab 01/26) |
|---|---|
Karosserie | 3,3 |
Innenraum | 2,6 |
Komfort | 3,1 |
Antrieb | 1,2 |
Fahreigenschaften | 2,4 |
Sicherheit | 2,3 |
Umwelt | 2,0 |
Gesamtnote | 2,5 |
sehr gut
0,6 - 1,5
gut
1,6 - 2,5
befriedigend
2,6 - 3,5
ausreichend
3,6 - 4,5
mangelhaft
4,6 - 5,5
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