Mercedes GLB (2026): Ist dieses Familien-SUV ein Alleskönner?

• Lesezeit: 8 Min.

Von Jochen Wieler

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Der Mercedes GLB fahrend auf einer Straße zu sehen
Erste Testfahrt mit dem elektrischen Mercedes GLB© Mercedes-Benz AG

Der Mercedes GLB fährt seit Frühjahr 2026 in zwei Welten: als vollelektrische Version "mit EQ-Technologie" und 800-Volt-Schnellladetechnik und als Hybrid mit Verbrennungsmotor. Er wurde moderner, größer und reichweitenstärker. Erste Testfahrt.

  • Bis zu sieben Sitzplätze und verschiebbare Rückbank

  • Als Elektroversion mit 85-kWh-Batterie 631 Kilometer Reichweite

  • Preis: Elektro-GLB ab 59.048 Euro

Marktstart: Neuer GLB seit Frühjahr 2026 zu haben

Der Mercedes GLB stehend seitlich fotografiert
Gut zu sehen: Die große hintere Tür für einen besseren Zugang zur dritten Sitzreihe© Mercedes

"Der GLB sieht aus, wie Kinder einen Geländewagen zeichnen würden: kantig, mit großem Kühler, steilem Heck und kurzen Überhängen", schrieb der ADAC bei Markteinführung des Mercedes GLB im Jahr 2019. Die markante Karosserie sollte vor allem eines vermitteln: Hier steht ein Pragmatiker mit guter Raumausnutzung und kein Lifestyle-SUV.

Nun ist die zweite Generation des GLB zu haben – mit überraschender Optik. Zwar ist es bei der ausgeprägten Haube und dem steilen Heck geblieben. Doch die Konturen wurden erheblich weicher gezeichnet als beim GLB Nummer eins. Das sieht deutlich gefälliger aus als der arg kastige Vorgänger und dürfte gut ankommen.

Das Heck bricht mit dem aktuellen Mercedes-Design. Moderne Leuchten in L-Form, die mit einem durchgehenden Band verbunden und mit integrierten Mercedes-Sternen als Heckleuchten versehen sind – das sieht sehr modern aus. Und erinnert wie die gesamte Grundform ein bisschen an den Cousin aus dem Hause Smart, den #5. Das könnte spannend werden, wenn beide Fahrzeuge nebeneinander in den Mercedes-Showrooms stehen.

Mercedes GLB: Sieben Sitze im variablen Innenraum

ADAC Redakteur Jochen Wieler sitzt auf der Rücksitzbank des Mercedes GLB
Viel Platz für die Beine in Reihe zwei, auch dank verschiebbarer Rückbank© Mercedes

Im Vergleich zu seinem Vorgänger ist der GLB rund 10 Zentimeter länger geworden. Die Maße: 4,73 Meter Länge, 1,86 Meter Breite und 1,69 Meter Höhe. "Kompaktklasse" ist das besonders im Hinblick auf die Länge nicht mehr. Der gewonnene Raum teilt sich auf den Platz im Fond und den Kofferraum auf.

Die Sitzprobe bestätigt: In der zweiten Reihe hat man genügend Platz für die Beine, umso mehr, wenn man die serienmäßig verschiebbare Rückbank bemüht. Für drei Personen im Fond wird es dennoch eng, schließlich ist der GLB nicht übermäßig breit.

Wie bereits der Vorgänger ist der kommende GLB optional als Siebensitzer zu haben. Damit man besser auf die Plätze sechs und sieben gelangt, hat Mercedes die Türen hinten verlängert. Dennoch: Nach wie vor sollte man sehr gelenkig sein, um sich ganz nach hinten einzufädeln. Und klein. Schon mit 1,70 Metern Körpergröße stößt man am Dach an und auch für die Beine ist wenig Platz. Heißt: Reihe drei ist nach wie vor nur etwas für Kinder.

Großes Kino im Innenraum des GLB

Drei Bildschirme im Mercedes GLB
"Das Traumschiff" schauen aus der ZDF-Mediathek? Für den Beifahrer ist das dank separatem Bildschirm möglich© ADAC/Jochen Wieler

Innen setzt Mercedes auf Hightech: Das serienmäßige Panoramadach sorgt für ein luftiges Raumgefühl, optional gibt es das spektakuläre "Sky Control"-Glasdach mit beleuchtetem Sternenhimmel. Segmentweise lässt sich verändern, wie blickdicht das Dach sein bzw. wie sehr es vor der Sonne schützen soll.

Die Bildschirmlandschaft erstreckt sich über die gesamte Breite und ist mit der des CLA identisch. Neben zwei Displays in 10,25 und 14 Zoll für den Fahrer bzw. die Fahrerin lässt sich optional ein dritter Bildschirm für den Beifahrer bestellen.

Die Bedienung ist weitgehend intuitiv, die Display-Optik futuristisch. Etwas störend ist es allerdings, wenn der Beifahrer bzw. die Beifahrerin einen Film auf dem rechten Display schaut. Zwar schaltet der Bildschirm ab, wenn auch der Fahrer gucken will, doch selbst aus dem Augenwinkel kann das Geflimmer den am Steuer Sitzenden ablenken.

Mit MB.OS ist die vierte Generation des Mercedes-eigenen MBUX-Bediensystems gestartet. Der neue Virtual Assistant nutzt KI von Google und Microsoft, führt auch komplexe Dialoge und integriert Google Maps für die Navigation. Streamingdienste wie Disney+ und Gaming bringen Entertainment ins Auto. Für Klangliebhaber gibt es das Burmester-3D-Surround-System mit Dolby Atmos.

Viele digitale Nettigkeiten, die der GLB offeriert, sind jedoch nur gegen Aufpreis zu haben. Ob Augmented Reality im Navibildschirm mit schwebenden Abbiegepfeilen für 500 Euro, Online-Vernetzung samt Streamingmöglichkeit für Youtube oder Mediatheken (3 Jahre im Abo für 226 Euro) oder schlicht eine "noch präzisere Reichweitenberechnung" – all das, was ein gewöhnliches Auto zum "Premiumfahrzeug" macht, kostet extra. Bei einem Preis von mehr als 50.000 Euro (Hybridversion) ist das bemerkenswert.

Innovativ: Die Scheibenwischanlage sprüht das Wasser nicht nur direkt auf den Wischer, was per se ein gutes Reinigungsergebnis ergibt und dem Fahrer oder die Fahrerin nicht kurzzeitig die Sicht nimmt wie Systeme, die das Wasser in einem Strahl auf die Scheibe spritzen. Es gibt auch eine "Einweichfunktion" für hartnäckigen Schmutz.

Der Fünfsitzer bietet mehr Kofferraumvolumen

540 Liter Kofferraumvolumen stellt die fünfsitzige Variante bereit, der Siebensitzer kommt bei verstauter dritter Reihe auf 480 Liter. Wer allerdings nicht auf die zwei Zusatzsitze ganz hinten angewiesen ist, dem sei der Fünfsitzer empfohlen. Sein Kofferraum ist dann richtig groß und sollte in jedem Fall für das Familiengepäck reichen.

Die Elektroversion namens GLB mit EQ-Technologie – die Bezeichnung EQB gibt es nicht mehr – hat zusätzlich noch einen 127 Liter großen Frunk unter der Fronthaube zu bieten. Das ist eine ganze Menge Stauraum, zudem fällt das Format so praxistauglich aus, dass hier problemlos Skischuhe, das Wandergepäck oder noch ein zusätzlicher Koffer untergebracht werden können.

Elektro-GLB mit bis zu 631 Kilometer Reichweite

Der Mercedes GLB fahrend von hinten zu sehen
Das "Box-Design" des ersten GLB hat auch der GLB der zweiten Generation© Mercedes-Benz AG

Auch bei den Antrieben hat Mercedes nachgelegt, besonders bei den elektrischen: Die vollelektrischen Modelle GLB 200, GLB 250+ und GLB 350 4Matic setzen Maßstäbe. Kein Wunder, schließlich ist die Technik mit der des CLA verwandt, der sich mit effizientem Verbrauch und hoher Reichweite mehr als einen Achtungserfolg einfahren konnte. Mit bis zu 631 Kilometern Reichweite (WLTP) ist auch der GLB 250+ ein echter Langstreckenläufer.

Dank 800-Volt-Technologie soll er an einer entsprechenden Säule in 10 Minuten Energie für 140 bis 260 Kilometer nachladen können – die Standzeiten an der Schnellladesäule sollten sich auf längeren Strecken daher in Grenzen halten. Die Batterie im Unterboden bietet 85 kWh nutzbare Kapazität bei den stärkeren Versionen. Auch das ist ein sehr ordentlicher Wert.

Ob man mit dem Einstiegsmodell GLB 200 mit 58-kWh-Batterie und 374 bis 431 Kilometern Reichweite nach WLTP klarkommt, muss jeder für sich entscheiden. Für längere Strecken empfehlen sich jedenfalls die Varianten mit 85-kWh-Batterie.

So effizient wie der CLA kann er mit seiner aerodynamisch ungünstigeren Form natürlich nicht sein. Mercedes nennt zumindest eine Bandbreite zwischen 15,8 und 18,3 kWh auf 100 Kilometer nach WLTP.

Die erste Testfahrt zeigte: Rund 18 kWh auf 100 Kilometer sind bei gemäßigter Fahrweise durchaus möglich. Fährt man zackiger oder auf der Autobahn, zeigt das Display aber auch gern mehr als 20 kWh an. Realistisch sind dann rund 400 Kilometer Reichweite, was aber auch in Ordnung geht, schließlich lässt sich der GLB an DC-Säulen wieder flott nachladen.

Der Mercedes GLB fahrend auf einer Straße zu sehen
Der elektrische GLB wirkt erstaunlich handlich© Mercedes

Die Leistung reicht von 165 kW (GLB 200) über 200 kW (GLB 250+) bis 260 kW (GLB 350 4Matic). Letzterer bringt zusätzlich einen Elektromotor an der Vorderachse ins Spiel. Der dadurch entstehende Allradantrieb sorgt bei Bedarf für Traktion und Dynamik. Anhängelast? Bis zu 2 Tonnen für das 4Matic-Modell – ungewöhnlich viel für ein Elektro-SUV. Damit wird der GLB auch zum Zugfahrzeug für Wohnwagen.

Ein Zweiganggetriebe an der Hinterachse soll beim GLB mit EQ-Technologie wie beim CLA für Effizienz sorgen. Rekuperation bis 200 kW verlängert die Reichweite, dafür stehen vier Intensitätsstufen zur Verfügung. Zudem ist der GLB vorbereitet für bidirektionales Laden (V2H/V2G).

Testfahrt: So fahren GLB 250+ und 350 4Matic

Am Steuer macht es einem der GLB leicht. Die Karosserie ist relativ gut zu überblicken, und sobald der Wählhebel auf "D" geschoben wird, geht es los. Sanft und leise, wie man es von einem Elektroauto erwartet, selbst bei höherem Tempo bleibt es angenehm ruhig. Bereits mit dem 200 kW starken GLB 250+ ist man so souverän und flott unterwegs, dass zu keiner Zeit der Wunsch nach mehr Leistung aufkommt.

Zumindest so lange, bis man in den 350 4Matic wechselt. Er drückt die Passagiere mit Macht in die Sitze, macht spontane Zwischenspurts zum vergnüglichen Erlebnis und nimmt mit seinen 260 kW den Schrecken vor Überholmanövern auf der Landstraße, noch mehr als die etwas schwächere Variante. In 5,5 Sekunden geht es auf 100 km/h, der 250+ braucht hierfür 7,4 Sekunden und der 165 kW starke 200er deren 8,2. Auch das ist aber passabel. Die Spitze liegt bei allen drei Varianten bei 210 km/h.

Die Testfahrzeuge waren allesamt mit 20 Zoll großen Rädern ausgerüstet. Eine adaptive Dämpfung ist dann immer an Bord, was ob der großen Räder auch sinnvoll erscheint, soll nicht jeder Kieselstein zu spüren sein. Und so zeigt sich der GLB auch von seiner komfortablen Seite und gleicht Fahrbahnunebenheiten gut aus. Flott gefahren macht der GLB einen handlichen Eindruck, die Lenkung ist leichtgängig. Wünschenswert wäre allerdings noch ein etwas kleineres Lenkrad.

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Hybrid-Alternative: Der GLB mit Verbrenner

Zusätzlich zum elektrischen GLB hat Mercedes auch noch eine Version mit Verbrennungsmotor aufgelegt. Der GLB Hybrid mit 48-Volt-Technik und integriertem Elektromotor kann zumindest bei niedrigen Geschwindigkeiten rein elektrisch fahren und rekuperieren. Herzstück ist ein neu entwickelter 1,5-Liter-Vierzylinder-Ottomotor, der in drei Leistungsstufen erhältlich ist: als GLB 180 (100 kW/136 PS), GLB 200 (120 kW/163 PS) und GLB 220 (140 kW/190 PS). Letzteren gibt es optional auch als 4Matic mit Allradantrieb.

Optisch unterscheidet sich der Hybrid kaum vom Elektro-GLB. Einziger Hinweis: der klassische Kühlergrill mit Querstreben in Chrom. Man muss also schon sehr genau hinsehen, um elektrische und Verbrenner-Version auseinanderzuhalten, zumal Mercedes bei den E-Varianten auf einen Hinweis bei der Modellbezeichnung verzichtet. "EQ" oder "Electric" ist jedenfalls nirgends zu lesen.

Mercedes GLB (2026) EQ: Preise und Daten

Im ADAC Autokatalog finden Sie alle technischen Daten zum Mercedes GLB, auch die der Hybridversionen.

Technische Daten (Herstellerangaben)

Mercedes-Benz GLB 200 EQ Progressive (ab 03/26)

Mercedes-Benz GLB 250+ EQ Progressive (ab 03/26)

Mercedes-Benz GLB 350 EQ Progressive 4MATIC (ab 03/26)

Motorart

Elektro
Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

165
200
260

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

224
272
354

Drehmoment (Systemleistung)

335 Nm
335 Nm
515 Nm

Antriebsart

Hinterrad
Hinterrad
Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

8,2 s
7,4 s
5,5 s

Höchstgeschwindigkeit

210 km/h
210 km/h
210 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

431 km
631 km
614 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

15,4 kWh/100 km
15,8 kWh/100 km
15,9 kWh/100 km

Batteriekapazität (Netto) in kWh

58,0
85,0
85,0

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:200,0
AC:11,0 DC:320,0
AC:11,0 DC:320,0

Leergewicht (EU)

2.185 kg
2.200 kg
2.280 kg

Zuladung

505 kg
500 kg
500 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg
750 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.500 kg
1.500 kg
2.000 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre
2 Jahre
2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.732 mm x 1.861 mm x 1.687 mm
4.732 mm x 1.861 mm x 1.687 mm
4.732 mm x 1.861 mm x 1.687 mm

Grundpreis

53.455 Euro
59.048 Euro
62.178 Euro

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