Cadillac Vistiq im Fahrbericht: Big is beautiful

• Lesezeit: 5 Min.

Von Wolfgang Rudschies

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Cadillac Vistiq
Elektro-SUV der Oberklasse: Cadillac Vistiq© ADAC/Wolfgang Rudschies

Riesig wie er ist, schenkt der Cadillac Vistiq sechs Personen viel Platz und Komfort. Und kräftige Elektromotoren sorgen für lässige Souveränität. Ein ganz besonderes Fahrerlebnis.

  • Elektro-SUV der Oberklasse

  • Kräftig, komfortabel, geräumig

  • Laden und Reichweite mäßig

Zahlen lügen nicht: 5,20 Meter Länge. 2,9 Tonnen Gewicht. 452 kW/615 PS Leistung. 880 Nm Drehmoment. Das ist der Cadillac Vistiq, ein sechs- oder siebensitziges Mega-SUV mit vollelektrischem Antrieb, Allrad, aktiver Hinterachslenkung, 295er Reifen auf 22-Zoll-Felgen. 100.000 Euro teuer. Die Werte beeindrucken. Aber wie fährt sich so ein Dickschiff?

Cadillac Vistiq: Der absolute Exot

Heckansicht eines stehenden Cadillac Vistiq
Auf 5,20 Metern Länge zeigt der Vistiq US-amerikanische Größe© ADAC/Wolfgang Rudschies

Setzt bei diesem Auto das berühmte Haben-wollen-Gefühl ein? Na ja, es gibt jedenfalls genug gute Gründe, das so riesige, schwere, hochmotorisierte und superteure Fahrzeug nicht zu kaufen. Und tatsächlich: Schaut man beim Kraftfahrt-Bundesamt auf die Bilanz der Neuzulassungen im Jahr 2025 – der Cadillac Vistiq wird seit Juni 2025 bei uns angeboten –, schaut man ins Leere: Das Auto kauft in Deutschland so gut wie niemand. In den USA dagegen wurden in einem halben Jahr immerhin 7879 Vistiq verkauft.

Nun liegt der mangelnde Erfolg in Deutschland nicht allein an der Größe und an der Preisklasse des Autos. Dazu kommt, dass in Deutschland kein flächendeckendes Cadillac-Händlernetz existiert. Deutsche Autofahrer haben gern einen verlässlichen Service-Punkt, am besten gleich um die Ecke.

Elektro-SUV aus den USA: Einfach aus dem Vollen schöpfen

Cadillac Vistiq
Mit 452 kW/615 PS Leistung und 880 Nm Drehmoment ist der Vistiq prächtig motorisiert© ADAC/Wolfgang Rudschies

Und trotzdem: Der Vistiq und die Marke Cadillac haben durchaus ihren Reiz. Die Stichworte heißen "Big is beautiful", "aus dem Vollen schöpfen" oder "Luxus statt Verzicht". Warum also nicht? Wenn man es sich leisten kann.

Eines kann man dem Cadillac Vistiq schon gar nicht vorwerfen: dass er sich im Straßenverkehr behäbig und schwerfällig anfühlen würde. Nein, mit der unbändigen Kraft seiner zwei Elektromotoren und dank der aktiven Hinterachse, die bei Richtungswechseln mitlenkt, ist er sowohl schnell als auch unerwartet agil im Handling.

Wenn das fast 3 Tonnen schwere Luxusgefährt in 3,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt, dann ahnt man schon, wie es um das Fahrerlebnis bestellt ist. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 210 km/h erreicht. Aber es ist eigentlich nicht die schiere Kraft, die einen unbarmherzig in die Sitze drückt und damit das Erlebnis ausmacht – vielmehr ist es die Lässigkeit und die Lautlosigkeit, mit der jede spontane Beschleunigung vonstattengeht. Einzig begleitet vom Rauschen der Räder. Eben Elektroantrieb statt V8.

Aber es gibt auch einen kleinen Schönheitsfehler: In schnellen Kurven hält den Vistiq auch das adaptive Luftfahrwerk (optional) nicht gänzlich vom Wanken ab. Wenigstens fangen ihn die kräftigen Bremsen hinter den 23-Zoll-Felgen immer sicher ein.

So viel verbraucht der Luxusliner

Ein Cadillac Vistiq steht an einer Ladesäule
Die Talente an der DC-Schnellladesäule halten sich leider sehr in Grenzen© ADAC/Wolfgang Rudschies

Dass das US-SUV der Oberklasse, wie seine V8-Verbrenner-Brüder im Konzern, wenig zurückhaltend beim Energieverbrauch ist, sollte einleuchtend sein. Bei zügiger Fahrweise über die Autobahn hat die Redaktion 36,4 kWh pro 100 Kilometer verzeichnet. Wer sich mit dem Vistiq im Rahmen des freudlosen WLTP-Zyklus bewegt, soll auch einen Verbrauch von 21,8 kWh schaffen können. So ergibt sich im Drittelmix im günstigsten Fall eine Reichweite von 460 Kilometern.

Beim Aufladen an der Schnellladesäule beträgt die maximale Ladeleistung allenfalls 130 kW. Das ist in der Premium-Liga heute nicht mal mehr unterer Durchschnitt. Das Gesamtpaket aus eingeschränkter Power beim Laden, Batteriekapazität (91 kWh) und mäßiger Effizienz ist für die Langstrecke alles andere als ideal. Also heißt es in der Regel für den Fahrer: gemächlich cruisen und dabei weniger Energie verbrauchen. Cruisen funktioniert mit dem Vistiq wunderbar.

Innenraum: Wertig und solide

Dank seiner ausladenden Abmessungen und einer Dachkante irgendwo auf Scheitelhöhe des durchschnittlichen Mitteleuropäers braucht auch niemand Platzmangel im Innenraum zu befürchten. Tipp: Rein aus Komfortgründen sollte man die sechssitzige Version des US-SUVs bevorzugen, denn hier kann man die beiden Plätze in der dritten Reihe am besten erreichen: Man geht einfach nach hinten durch, ohne sich verrenken zu müssen. Wie bei einem Van, die Älteren können sich an diese fast ausgestorbene Fahrzeuggattung noch erinnern.

Die Inneneinrichtung erfüllt dabei hohe Ansprüche. Alles wirkt massiv und aus dem Vollen gefräst, die Mittelkonsole ist wuchtig wie ein Raumteiler, und die noch vorhandenen Knöpfe und Schalter für das Fahrpersonal wirken so wertig und solide, dass man sie öfter anfasst als nötig.

Der Hauptteil der Bedienung läuft jedoch über berührungsempfindliche Bildschirme. Leider auch die der Klimaanlage, die über einen so tief montierten Screen eingestellt wird, dass man für jede Feinjustierung den Blick längere Zeit von der Straße wenden muss.

Davon abgesehen ist das Bediensystem ohnehin nicht an jeder Stelle überzeugend. So verdeckt der Lenkradkranz unweigerlich Teile des großen konkaven Bildschirms, der sich von der Tür bis zum Beifahrerbereich zieht. Die wichtigsten Informationen zeigt alternativ auch das Head-up-Display an, das allerdings ebenfalls eine kleine Schwäche hat: Die ins Blickfeld projizierten Abbiegepfeile des Navis sind etwas zu groß geraten.

Ein dringendes Software-Update bräuchte auch der Geschwindigkeitswarner, der sich penetrant in den Vordergrund bimmelt und nur umständlich abschaltbar ist.

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Fazit: Ami bleibt Ami

Wettbewerber wie ein Hyundai Ioniq 9, ein Mercedes EQS SUV oder ein Volvo EX90 kommen weiter und laden schneller, bieten aber nicht den massiven, selbstbewussten und gediegenen Luxus, den ein Cadillac nach innen wie nach außen verkörpert. Der spezielle Charakter der Marke hat sich im Elektro-Zeitalter nicht geändert: Auch ohne V8-Bollern bleibt der Vistiq ein klassisches US-SUV.

Cadillac Vistiq: Daten & Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Cadillac VISTIQ Luxury AWD (6-Sitzer) (ab 06/25)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

452

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

615

Drehmoment (Systemleistung)

880 Nm

Antriebsart

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

3,7 s

Höchstgeschwindigkeit

210 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

460 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

21,8 kWh/100 km

Batteriekapazität (Netto) in kWh

91,0

Kofferraumvolumen normal

297 l

Leergewicht (EU)

2.899 kg

Zuladung

576 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

2.000 kg

Garantie (Fahrzeug)

4 Jahre / 100.000 km

Länge x Breite x Höhe

5.216 mm x 2.026 mm x 1.787 mm

Grundpreis

101.140 Euro

Text mit Material von SP-X

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