Rivian R2: Die coolste Alternative zum Tesla Model Y kommt nach Europa

• Lesezeit: 5 Min.

Von Redaktion

Feedback

Fahraufnahme durch schöne Landschaft des Rivan R2
Nein, das ist keine Studie, sondern das Serienmodell: Der Rivian R2 kommt mit eigener Designsprache© Rivian

Während viele Elektro-SUVs austauschbar wirken, setzt der Rivian R2 auf Persönlichkeit. Der Amerikaner verbindet starke Fahrleistungen mit praktischen Outdoor-Ideen und könnte bald auch nach Europa kommen. So fährt er sich.

  • Elektro-SUV der Mittelklasse mit 4,72 Metern Länge

  • Bis zu 490 kW (666 PS) stark, 531 Kilometer Reichweite

  • Viel Platz und clevere Outdoor-Ideen

Es gibt kaum eine Klasse mit mehr Auswahl und trotzdem nirgends so viel gleichförmige Langeweile wie bei den (elektrischen) SUVs der Mittelklasse. Denn das Tesla Model Y als zeitweise meistverkauftes Auto der Welt sieht man an jeder Ecke, und was insbesondere aus China an Neuheiten kommt, hat immer den gleichen Look.

Der Rivian R2 konkurriert mit dem Tesla Model Y

Der Rivan R2 von hinten
Der Outdoor-Anspruch ist dem Rivian R2 direkt anzusehen© Rivian

Doch jetzt gibt es ein bisschen Abwechslung aus Amerika. Nachdem Rivian dort mit R1T und R1S bereits die optimistische Alternative zum dystopischen Tesla Cybertruck auf die Räder gestellt hat, backt das in Kalifornien gegründete Start-up nun auch kleinere Brötchen und bringt gegen das Model Y, den Ford Explorer oder den BMW iX3 den R2 in Stellung. Weil der mit seinen 4,72 Metern Länge rund einen halben Meter kürzer ist als sein großer Bruder, hat er beste Chancen, demnächst auch nach Europa zu kommen.

Die Elektronik-Architektur lernen wir sogar schon früher kennen. Denn an Rivian ist nicht nur Jeff Bezos beteiligt, der sich von der Marke einen maßgeschneiderten Amazon-Transporter hat bauen lassen. Sondern weil die eigene Softwaretochter Cariad partout nicht in die Gänge kommt, hat auch VW fast 6 Milliarden Dollar in Rivian und das gemeinsame Joint Venture investiert. Die beiden Unternehmen entwickeln dort das elektronische Rückgrat künftiger VW-Modelle und wollen damit 2027 im VW ID. Up den Anfang machen.

Automatisiertes Fahren klappt in den USA schon

Innenansicht des Rivan R2 mit Fahrer am Lenkrand
Autor Thomas Geiger war mit dem Rivian R2 in den USA unterwegs – und ziemlich angetan© Rivian

Bestechend scharfe Grafiken, intuitive Menüs auf den Screens und charmante "Halo"-Drehscheiben mit haptischem Feedback gehören im Cockpit zum Konzept. Dazu kommen zwei digitale Displays – ein kleines vor der Person am Steuer und ein großes in der Mitte – sowie rasend schnelle Over-the-Air-Updates, mit denen auch neue Funktionen ins Auto kommen sollen.

Elf Kameras und fünf Radarsensoren sorgen im R2 nicht nur für den perfekten Überblick beim Fahren, Abbiegen oder Rangieren, sondern machen auf dem US-Highway auch die Hände frei. Der R2 übernimmt dort das Fahren alleine und bittet den Menschen nur noch pro forma um gelegentliche Aufmerksamkeit. Und mit einem der nächsten Updates soll das auch in der Stadt klappen. In Europa dürfte diese Funktion aber nur eingeschränkt nutzbar sein.

Rivian versteht sich als die coole Outdoor-Marke unter den Autoherstellern. Nicht so rustikal wie ein Defender oder ein Land Cruiser, aber immer mit Trail-Schuhen und Funktionsjacke. Das spiegelt sich in vielen Details wider. Dazu gehören die in der Fahrertür integrierte Taschenlampe, die sich dort automatisch wieder auflädt, genau wie der Schlüssel, der wie ein Karabiner gestaltet ist.

Viel Stauraum im Rivian R2

Das cockpit des Rivan R2 mit tablet
Warum auch nicht? Der Rivian hat zwei Handschuhfächer© Rivian

Die Heckscheibe lässt sich komplett versenken, sodass man problemlos lange Gegenstände wie Surfbretter transportieren kann. Dazu kommen ein 147 Liter großer Frunk, zwei Handschuhfächer und ein für diese Klasse erfreulich großer Kofferraum mit mehr als 2000 Litern Fassungsvermögen.

Von der für Rivian besonders wichtigen Bodenfreiheit ganz zu schweigen: 24,4 Zentimeter sind es beim R2 und damit mehr als bei der Konkurrenz. Dazu kommen 25 Grad Böschungswinkel vorne, 26 Grad hinten und 20,6 Grad Rampenwinkel. Die Wattiefe beträgt 50 Zentimeter. Zusammen mit Fahrprogrammen wie All-Terrain, Snow, Sport, Soft Sand und Rallye wird der R2 tatsächlich offroadtauglich.

Im Grunde seiner Konstruktion ist der R2 allerdings kein klassischer Geländewagen, sondern ein konventioneller Pkw. Er steht deshalb auch nicht auf einem Leiterrahmen, sondern nutzt eine in die Struktur integrierte Batteriekonstruktion als Plattform und eine selbsttragende Karosserie darüber.

Das schafft Platz und hilft beim Gewicht. Mit 4,72 Metern Länge, 1,91 Meter Breite und 1,70 Meter Höhe ist der R2 ein ausgewachsenes Mittelklasse-SUV, und bei 2,94 Metern Radstand taugt der Fond über dem flachen Boden auch für Erwachsene.

Hoher Fahrkomfort im Rivian R2

Seitliche Fahraufnahme des Rivan R2
Leiser Innenraum, gute Federung: Der Rivian R2 ist sehr komfortabel© Rivian

Mit adaptiven Dämpfern ermöglicht der R2 einen Fahrkomfort, wie ihn ein Tesla Model Y nicht annähernd hinbekommt. Selbst durch die miserablen Straßen von Manhattan rollt der R2 deshalb smooth und lässig und ist dabei drinnen wunderbar leise.

Mit zwei Motoren kommt der Rivian auf 490 kW (666 PS) und geht mit maximal 826 Nm zu Werke, sodass er den Sprint auf 100 km/h in 3,6 Sekunden schafft und beim Ampelstart gerne mal die Poleposition verteidigt. Dass bei rund 200 km/h Schluss ist, stört zumindest in den USA niemanden. Und wohl auch hierzulande nicht, wenn der R2 frühestens 2028 über den Atlantik kommt.

Schwerer wiegt da schon die magere Performance an der Ladesäule. Die knapp 90 kWh große Batterie, die ihre Energie über einen Adapter auch an externe Geräte und den Hausspeicher abgibt, gehen noch in Ordnung, und auch mit 531 Kilometern Reichweite kann man leben – selbst wenn die Konkurrenz aus Europa schon auf 700 und mehr Kilometer kommt. Aber dass der R2 den Strom nur mit gut 200 kW aus der DC-Leitung nimmt, ist schon heute allenfalls Standard und in zwei Jahren eine schwere Hypothek.

Mehrere Versionen geplant – Preis ab 44.990 US-Dollar

Fahraufnahme schräg von vorne des Rivan R2
Kommt 2028 nach Europa: Der Rivian R2© Rivian

Neben dem "Performance" plant Rivian noch mit drei weiteren Varianten. Es gibt einen "Premium" mit 457 kW Leistung, eine abgespeckte Heckantriebsversion als "Long Range" und als Lockangebot eine Basis-Variante, bei der nicht nur der Frontmotor fehlt, sondern auch ein kleinerer, noch nicht spezifizierter Akku eingebaut wird. Damit drücken die Amerikaner den aktuellen Einstiegspreis von 57.990 Dollar auf knapp kalkulierte 44.990 Dollar und liegen nur noch 10 Prozent über der Einstiegsversion des Model Y. Nur dass ihr Auto um Längen frischer aussieht und nicht an jeder Straßenecke parkt.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich Rivian auf seinem Weg zum Wachstum nicht verstolpert und nicht durch die "Produktionshölle" geht, die Tesla beim Model 3 und Model Y durchlitten hat. Sonst könnte auch der Zeitplan aus den Fugen geraten und mit ihm der ohnehin schon späte Europa-Start 2028. Zumal mit dem R3 für wohl kaum mehr als 30.000 Dollar bereits der nächste Export-Kandidat in den Startlöchern steht.

Text: Thomas Geiger

Hier finden Sie viele weitere Neuvorstellungen, Fahrberichte und Autotests.