Vergleich Agasnormen: Moderne Diesel sind sehr sauber

23.4.2019

Wir haben die in den vergangenen Jahren im ADAC Ecotest gemessenen Stickoxid-Emissionen von Dieselfahrzeugen mit unterschiedlichen Schadstoffnormen miteinander verglichen. Das Ergebnis: Euro-6d-TEMP-Fahrzeuge sind deutlich sauberer als Euro-6b- und Euro-5-Fahrzeuge.

 Volvo mit PEMS-Messgerät
Abgasmessungen auf der Straße sind künftig relevant für die Zulassung von Pkw.

Unsere Techniker haben die seit 2012 im ADAC Ecotest gemessenen Stickoxid-Emissionen von Dieselfahrzeugen mit den Schadstoffnormen Euro 5, Euro 6b und Euro 6d-TEMP (inklusive 6c) miteinander verglichen.

Die Übersichtsliste zu den bisher erhältlichen Euro-6d-TEMP-Autos wird laufend aktualisiert.

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Fazit

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Grafik Stickoxid-Emissionen Abgasnormen Diesel
 

Das Ergebnis: Euro-6d-TEMP-Diesel stoßen durchschnittlich 76 Prozent weniger NOx aus als Euro-6b-Diesel und 85 Prozent weniger als Euro-5-Diesel. Stichproben bei Messungen auf der Straße haben gezeigt, dass die Schadstoffreduzierung bei guten Euro-6d-TEMP-Dieseln im Vergleich zu durchschnittlichen Euro-5-Dieseln sogar bei 95 bis 99 Prozent liegt.

Der ADAC verfügt mit dem Ecotest über eine große Datenbasis zu den Emissionen von Pkw innerhalb und außerhalb der gesetzlichen Prüfzyklen. Für das nebenstehende Diagramm wurden Tests von Dieselautos ab dem Jahr 2012 ausgewertet und die durchschnittlichen NOx-Emissionen dargestellt, aufgeteilt nach den Schadstoffnormen Euro 5, Euro 6b und Euro 6c/d-TEMP.

Tipp Icon

Dr. Reinhard Kolke, Leiter ADAC Technik Zentrum 

„Wer derzeit ohnehin über den Kauf eines neuen Autos nachdenkt, für den könnte ein finanzieller Anreiz zum Umstieg auf ein emissionsarmes Euro-6d-TEMP-Fahrzeug natürlich sinnvoll sein. Allerdings sind nur die wenigsten Dieselfahrer in der Lage, kurzfristig auf einen Neuwagen umzusteigen. Deswegen bleibt es dabei, dass wir auch technische Nachrüstungen an Diesel-Pkw brauchen, wo das technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist.“

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Detaillierte Erkentnisse

Viele der 149 untersuchten Euro-5-Modelle schnitten schlecht ab. Ihr NOx-Ausstoß im Ecotest lag im Schnitt bei 528 mg/km – bei auf dem Prüfstand erlaubten 180 mg/km. Am meisten stieß der Renault Trafic Combi aus (mehr als 1.500 mg/km), am wenigsten der VW Golf VII 1.6 TDI BlueMotion (135 mg/km).

Verbesserung bei Euro 6b, aber Erwartungen verfehlt

Besser sieht es bei den Euro 6b-Fahrzeugen aus. 69 gemessene Modelle zeigten im Schnitt einen Ausstoß von 341 mg/km – allerdings bei einem Grenzwert von 80 mg/km. Während der Grenzwert um 56 Prozent abgesenkt wurde, hat sich der Ausstoß unter realitätsnahen Bedingungen nur um 35 Prozent reduziert.

Mit Abstand am schlechtesten schnitt der Subaru Forester 2.0 D mit über 2.000 mg/km ab. Zweit- und drittplatzierter im Negativ-Ranking waren der Renault Grand Scenic dCi 160 mit knapp 900 mg/km und der Dacia Sandero Stepway dCi 90 mit kaum besseren 889 mg/km.

Aber auch schon bei den Euro 6b-Modellen können sechs der Getesteten selbst unter anspruchsvollen Bedingungen den Prüfstandsgrenzwert einhalten. Die Top drei sind der VW T6 Multivan (50 mg/km), der Land Rover Discovery Td6 (61 mg/km) und der BMW 118d (69 mg/km).

Euro 6c und 6d-TEMP: signifikante Schadstoffreduzierung

Mit den aktuellen Schadstoffnormen Euro 6c und 6d-TEMP ergibt sich eine sehr positive Entwicklung. Die bisher 25 gemessenen Modelle haben einen durchschnittlichen NOx-Ausstoß von 81 mg/km und liegen damit im Ecotest in etwa beim Grenzwert von 80 mg/km – und das unter anspruchsvolleren Rahmenbedingungen als im Typprüfungszyklus. Es stellt sich also endlich die Verbesserung ein, die mit der Umstellung auf Euro 6 schon 2015 erwartet wurde.

Der Stickoxid-Ausstoß im ADAC Ecotest geht gegenüber Euro 6b um 76 Prozent, gegenüber Euro 5 sogar um 85 Prozent zurück. Stichproben bei Straßenmessungen haben gezeigt, dass die Reduzierung der NOx-Emissionen bei einem guten Euro 6d-TEMP Diesel im Vergleich zu einem durchschnittlichen Euro 5 Diesel sogar bei 95 bis 99 Prozent liegt.

Auch im Detail betrachtet bieten die Ergebnisse der 25 gemessenen Euro 6c/d-TEMP Diesel-Fahrzeuge viel Erfreuliches:

  • 52 Prozent bleiben mit ihrem Ecotest-Durchschnittswert unter dem strengen Prüfstandsgrenzwert von 80 mg/km.
  • Unter den Euro 6d-TEMP Versionen unterschreiten bis auf eine Ausnahme (Honda Civic Diesel) sogar alle deutlich den RDE-Grenzwert von 168 mg/km.
  • Neun der 25 getesteten Modelle (36 Prozent) liegen in allen Zyklen des Ecotest unter dem Prüfstandsgrenzwert von 80 mg/km, sogar im herausfordernden Autobahn-Abschnitt.
  • Der beste bisher gemessene Diesel, ein BMW X1 sDrive18d, weist einen NOx-Ausstoß von nur 8 mg/km und damit ein Zehntel des Prüfstandsgrenzwerts auf – trotz der anspruchsvolleren Ecotest-Bedingungen.
  • Unter den bisher gemessenen Euro 6d-TEMP Modellen waren keine richtig schlechten Resultate mehr, wie das bei Euro 5 und Euro 6b noch öfter auftrat. Gerade im für Stadtverkehr relevanten WLTC wurden immer gute Ergebnisse erzielt.

 

Unterschiede zwischen den Abgasnormen

Beim Übergang von Euro 5 auf Euro 6 wurden die Grenzwerte abgesenkt, insbesondere für Stickoxide und Kohlenwasserstoffe. Innerhalb von Euro 6 legen die angehängten Buchstaben a bis d die Rahmenbedingungen fest, unter denen die Grenzen eingehalten werden müssen. Daher ist der Schritt von Euro 6b auf Euro 6d(-TEMP) größer bzw. anspruchsvoller als auf den ersten Blick ersichtlich. Denn die Schadstoffemissionen sind nun auch unter ungünstigen Rahmenbedingungen und den mannigfaltigen Betriebszuständen auf der Straße limitiert. Die neuen Anforderungen stellen für die Hersteller daher eine größere Herausforderung dar als bei der Umstellung von Euro 5 auf Euro 6b.

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Aktuell gültige Abgasnormen

Seit dem 1. September 2018 dürfen nur noch Pkw mit den Abgasnormen Euro 6c mit OBD-Norm 6-2 (Emissionsschlüsselnummer 36AD), Euro 6d-TEMP (36 AG), Euro 6d-TEMP-EVAP (36BG, EVAP steht für ein überarbeitetes Prüfverfahren für Verdunstungsemissionen) und Euro 6d (36AJ) zugelassen werden. Alle diese Normen werden auf dem Prüfstand mit dem realistischeren WLTP-Zyklus geprüft. Lagerfahrzeuge der Hersteller (End-of-Series), die noch nach NEFZ geprüft sind, und eine Ausnahmegenehmigung des KBA bekommen haben, dürfen noch bis 30. August 2019 erstmalig zugelassen werden.

Sowohl bei Euro 6c (gültig für Neuzulassungen bis 30.8.2019) als auch bei Euro 6d-TEMP (für Neuzulassungen ab 1.9.2019) sind Straßenmessungen (RDE) sind notwendig. Der wesentliche Unterschied besteht jedoch darin, dass bei der c-Norm kein Grenzwert vorgegeben ist, bei der d-TEMP-Norm jedoch in den Straßenmessungen der RDE-Übereinstimmungsfaktor (CF, Conformity Factor) für Stickoxidemissionen von 2,1 nachgewiesen werden muss. Im Rahmen der Euro 6d (ab 1.1.2021) gilt dann der RDE-Übereinstimmungsfaktor von 1,43.

Erst mit der Schadstoffnorm Euro 6d-TEMP sind auf der Straße gemessene, realistischere Grenzwerte bei Zulassungen relevant. Wer auch in Zukunft von drohenden Fahrverboten möglichst verschont bleiben will, sollte deshalb schon heute ein Auto kaufen, das mit seiner Abgasnorm 6d-TEMP nachgewiesen hat, dass es auch im Alltagsbetrieb auf der Straße so sauber wie möglich unterwegs ist.

Achtung: Erweiterte gesetzliche Anforderungen und neue Einführungs- und Zulassungsfristen:

Im vierten Gesetzespaket zu RDE (Real Driving Emissions), der Verordnung (EU) 2018/1832 vom 5. November 2018, wurde die Messunsicherheit für RDE-Messungen von NOX von 0,5 auf 0,43 herabgesetzt und somit der Übereinstimmungsfaktor von 1,5 auf 1,43 reduziert, gültig ab 1. Januar 2020 für neu typgenehmigte Pkw-Modelle (ab 1. Januar 2021 für neu zugelassene Fahrzeuge). Ebenso erfolgte eine Anpassung des Auswerteverfahrens.

Darüber hinaus wurden "In-Service-Conformity-Tests (ISC)", also Untersuchungen von bereits im Verkehr befindlichen Fahrzeugen, eingeführt. Diese sind für neu typgenehmigte Pkw-Modelle ab 1. Januar 2019 (ab 1. September 2019 für neu zugelassene Fahrzeuge) verbindlich.

Die Verordnung sieht darüber hinaus vor, dass zukünftig der reale Kraftstoff-/Energieverbrauch über den gesamten Fahrbetrieb im Pkw gespeichert werden muss (FCM, Fuel Consumption Monitoring). Über die Diagnose-Schnittstelle können diese Werte ausgelesen und bewertet werden. Damit soll eine Abweichung zwischen Typzulassungswert und realem Verbrauch überprüft werden können. Für die Typgenehmigung neuer Pkw-Modelle ist dies ab 1. Januar 2020 verbindlich festgeschrieben (ab 1. Januar 2021 für neu zugelassene Fahrzeuge). Mit dieser Vorschrift soll die Lücke zwischen Prüfstandsmessung und Realemissionen weiter reduziert werden, um somit noch realistischer Verbrauchsangaben für den Verbraucher zu erhalten. Die Vorschriften richten sich an die Fahrzeughersteller und dienen nicht zur Überwachung des Autofahrers.

In diesem Zusammenhang wurden die Emissionsklassen "Euro 6d-TEMP" und "Euro 6d" weiter unterteilt sowie geänderte Einführungsfristen festgeschrieben.

Demnach sind Euro 6d-TEMP Pkw mit den Emissionsschlüsselnummern 36AG (Euro 6d-TEMP), 36BG (Euro 6d-TEMP-EVAP) und 36CG (Euro 6d-TEMP-ISC) nur noch bis 31. August 2019 erstmalig zulassungsfähig. Gleiches gilt für Euro 6d Pkw mit der Emissionsschlüsselnummer 36AJ.

Nach dem 31. August 2019 sind nur noch folgende Emissionsklassen zulassungsfähig: Euro 6-TEMP-EVAP-ISC mit Emissionsschlüsselnummer 36DG sowie Euro 6d-ISC bzw. Euro 6d-ISC-FCM mit den Emissionsschlüsselnummern 36AM oder 36AP. 

Für die Erstzulassung von Lagerfahrzeuge mit oben genannten "auslaufenden" Emissionsschlüsselnummern muss der Fahrzeughersteller entsprechende Ausnahmegenehmigungen beim Kraftfahrt-Bundesamt beantragen.

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Hintergrund

Die Stickoxid-Belastung liegt in vielen europäischen Ballungsgebieten über dem erlaubten Grenzwert. Als mitverantwortlich gelten Dieselfahrzeuge. Deren NOx-Ausstoß ist meist sehr hoch – oft höher, als die Typzulassungsgrenzen angeben, wie Messungen beim ADAC Ecotest gezeigt haben. Das rührt daher, dass bisher die Grenzwerte für die Typzulassungen nur auf Prüfständen eingehalten werden mussten. Auf der Straße unter realen Bedingungen war der NOx-Ausstoß der Pkw dann viel höher. Erst mit der Schadstoffnorm Euro 6d-TEMP sind jetzt auch auf der Straße gemessene, realistischere Grenzwerte bei Zulassungen relevant.

Wir verfügen mit dem Ecotest über eine große Datenbasis zu den Emissionen von Pkw innerhalb und außerhalb der gesetzlichen Prüfzyklen. Allgemeine Infos zum Test, alle Ergebnisse und Sonderprojekte rund um Abgas- und Verbrauchsmessungen finden Sie unter www.adac.de/ecotest.

Übersicht zur Diesel- und Abgasproblematik