Motorradtransporte


Im Großteil Europas gestaltet sich Motorrad fahren in der kalten Jahreszeit eher schwierig und deshalb zieht es die Biker in den Süden. Doch der Weg ist derzeit nicht unbedingt das Ziel. München – Mailand: rund 500 km. Köln – Calafat: 1600 km. Einfach sei betont. Und das so gut wie ausschließlich über Autobahnpisten. Hinzu kommen widrige Wetterbedingungen. Deshalb soll im Folgenden ein Überblick gegeben werden, wie man in wärmere Gefilde kommt, ohne auf dem Motorrad tausende von Kilometern herunterzureißen.


  • Anhänger
    Ein Anhänger ist für Individualisten. Entweder selbst einen kaufen – die günstigste Variante gibt es neu ab knapp 600 Euro – oder einen mieten. Wer nicht schon ein entsprechendes Auto mit Anhängerkupplung hat, für den kommen noch weitere Mietkosten dazu. Damit wird die ganze Geschichte wieder sehr teuer. Außerdem klingt es einfacher als es ist. Für das Fahren mit einem Anhänger sollte eine gewisse Übung mitgebracht werden, denn nicht jedes Hotel in Südspanien hat große Parkplätze. Zu beachten ist außerdem ein Tempolimit von 80 km/h auf Landstraßen und 100 km/h auf Autobahnen. Letzteres setzt voraus, dass der Anhänger auch eine Zulassung für Tempo 100 aufweist. Weitere Infos zu den Tempolimits der Urlaubsländer 

  • Kleintransporter
    Erhebliche Vorteile weist die Beförderung des Bikes mit einem Kleintransporter, z.B. einem Sprinter, auf. Kompliziertes Rangieren bleibt aus und das Motorrad wird nicht Wind und Wetter ausgesetzt. Allerdings gilt es sehr genaue Regeln beim Verzurren einzuhalten, damit am Bike kein Schaden entsteht. Und der Sprinter muss das überhaupt zulassen, das heißt, es müssen genügend Möglichkeiten vorhanden sein, die ein Verzurren im Fahrzeuginneren ermöglichen. Ist die Fahrerkabine zum Transportraum offen, dürfen zudem keine Spritkanister transportiert werden. Die Polizei sieht hier sehr genau hin. 

    Wer keinen eigenen Kleintransporter zur Verfügung hat, kann auch auf Angebote von Transporter-Vermietungen zurückgreifen. Die Autovermieter haben sich auf die wachsende Nachfrage von Motorradtransporten eingestellt, so gibt es beispielsweise auch Transporter speziell für Motorräder zur Miete. Diese haben adäquate Aufbauten und müssen nicht extra umgerüstet werden. Vor allem für kleine Gruppen kann ein Transporter interessant sein. Abwechselnd am Steuer geht es dem Reiseziel entgegen. Der Prozess funktioniert wie bei einem Mietauto. Mietdauer, Freikilometer, Pauschalen und Art der Versicherung werden im Vorfeld festgelegt. Danach richtet sich auch der Preis. Hamburg – München kostet die Miete beispielsweise rund 360 Euro. Wenn sich zwei, drei Biker zusammentun, kann sich das richtig lohnen. 

  • Lkw-Speditionen
    Es erfordert ein wenig mehr Zeit und Vorbereitung, doch ist das Motorrad erst einmal beim Lkw-Spediteur abgegeben, kann man selbst seine Reise sorgenfrei antreten. Vor allem zu Fahrveranstaltungen im Süden ist es ein gut genutztes Angebot. Als Motorradfahrer bucht man ein Komplettpaket, beispielsweise mit Fahrertraining, Hotelaufenthalt und den Motorradtransport im Lkw. Das Bike muss dafür einige Tage vor der Veranstaltung bei der Spedition abgegeben werden, am Ankunftsort steht es dann schon bereit. Kein eigenhändiges Ein-  oder Ausladen. Keine Extras. Ein paar Tage nach der Reise ist dann auch das Motorrad wieder zu Hause. Der Motorradfahrer selbst steigt entspannt und mit kleinem Gepäck in den Urlaubsflieger.
  • Luftfracht/ Schifffracht
    Ein Transport per Schiff oder Flugzeug lohnt sich nur für Reisen auf die andere Seite eines Meeres. Denn es ist ein extrem hoher Aufwand mit sehr früher Planung notwendig. Bis zum endgültigen Abreisetag können viele Eventualitäten auftauchen. Außerdem ist die Fracht richtig teuer und kann schon mal um 5.000 Euro kosten, je nachdem wo es hingeht. Das Motorrad muss zum Teil zerlegt werden, denn jeder Zentimeter Breite oder Höhe kostet extra. Transportkosten für Motorräder im Ganzen sind im Vergleich teurer. Hinzu kommen bei einem Transport per Schiff eine sehr lange Reisezeit und nur eingeschränkte Reiseziele. In Deutschland erfolgt der Abtransport ausschließlich von Hamburg aus. Für Motorrad-Reisen in weit entfernte Länder gilt es zudem die Einreisebestimmungen zu beachten, in manchen Ländern wird beispielsweise eine Teileliste in der lokalen Sprache verlangt. Das Thema Versicherung erhält hier eine besondere Bedeutung. Detaillierte Infos dazu gibt es in allen Botschaften des jeweiligen Landes. Der Vorteil ist, dass der Motorradfahrer ebenfalls entspannt hinterher reisen kann.
  • Alternativen zum Nachdenken

    Sicher, jeder Biker fährt gerne mit seinem eigenen Motorrad und erkundet neue Wege und Landschaften. Doch wenn der Transport des Motorrades zu einem unüberwindbaren Hindernis wird, gibt es immer noch Alternativen. Mieten oder kaufen vor Ort. Oder auch ein altes Bike mit ins Zielland importieren und dort verkaufen. So spart man sich schon mal den Rücktransport.
    Achtung: Der Zoll will sicher wissen, was mit dem eingeführten Motorrad passiert ist. Papiere also nicht vergessen.


  • Die richtige Versicherung
    Eines soll an dieser Stelle noch einmal betont werden. Die Entscheidung, wie das Motorrad zum Zielort kommt, kann nicht allein von Kosten abhängig gemacht werden. Viele Faktoren gehören dazu, beispielsweise Übernachtungskosten, Abnutzung der Reifen, der Vorbereitungsaufwand, nicht zuletzt der Stressfaktor. Und auch die richtige Versicherung! Denn es gilt, verschiedenste Konstellationen zu bedenken. Hier einige Beispiele: 

    Das Motorrad wird auf einem eigenen oder gemieteten Anhänger transportiert. Der Eigentümer des Motorrades ist der Fahrer des Zugfahrzeuges. Das Gespann kommt ins Schleudern und das Motorrad trägt einen Schaden davon.

    • Über eine Vollkaskoversicherung kann der Schaden abgesichert sein. Alternativ besteht allerdings auch die Möglichkeit einer Transportversicherung, wenn man beispielsweise den Kasko-Selbstbehalt nicht gefährden möchte. Eine Transportversicherung ist im Übrigen keine Pflichtversicherung, wird aber von Vermietern gerne zusätzlich mit angeboten. 
    • Dasselbe gilt für einen Sprinter. 

    Ein Dritter (Bekannter / Freund) fährt das Zugfahrzeug. 

    • Auch hier kann der Schaden über eine Motorrad-Vollkaskoversicherung oder eine eventuell abgeschlossene Transportversicherung abgewickelt werden. Da es sich hierbei um einen Gefälligkeitsschaden handelt kann der Dritte nicht haftbar gemacht werden. Selbst bei Vorsatz des Dritten besteht zwar ein zivilrechtlicher Anspruch an den Schädiger, dieser kann aber nicht über eine Versicherung abgedeckt werden.    

    Das Motorrad wird von einem Autozug / einer LKW-Spedition oder per Luft- oder Schifffracht transportiert und trägt einen Transportunfallschaden davon.

    • Grundsätzlich wird ein solcher Schaden über die Transportversicherung des Spediteurs abgewickelt. Bei Speditionen ist die Transportversicherung eine Pflichtversicherung, bei anderen Transporteuren, beispielsweise Bahn, Schiff, Luftfracht gilt abzuklären, ob eine solche besteht und zu welchen Bedingungen gegebenenfalls versichert wird. 
    • Alternative: Die Abwicklung erfolgt über eigene Kasko oder eigene Transportversicherung. Damit dann der Transporteur bei nachweislichem Verschulden vom Kunden haftbar gemacht werden. 


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