Sylt und die Nordfriesischen Inseln

Über dem Nordosten von Sylt ragt der Leuchtturm List Ost auf
Über dem Nordosten von Sylt ragt der Leuchtturm List Ost auf© Shutterstock/mapman

Die Nordfriesischen Inseln sowie die Halligen liegen im Wattenmeer vor der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. Hier gibt es für jeden Urlaubertyp das passende Ziel.

  • Auf Sylt, Föhr und Amrum locken lange Sandstrände

  • Autos sind nur auf den größeren Inseln erlaubt

  • Sylt hat ganzjährig Saison

Ob Jetsetterin oder Familienvater, Radlerin oder Autofahrer, Sportlerin oder Sonnenanbeter – für jeden gibt es die geeignete Nordfriesische Insel. Inselhüpfen von Sylt über Föhr, Amrum, die Halligen und Pellworm bis Nordstrand, in einer Bildergalerie zum Durchklicken.

Die Nordfriesischen Inseln im Überblick:

Sylt – für Jetsetter, Nacktbadende und Sportler

Sylt ist die nördlichste und mit fast 100 Quadratkilometern Deutschlands größte Nordseeinsel. Flugverbindungen nach Sylt* gibt es in der Sommersaison zum Beispiel nach München und Zürich. Der Hindenburgdamm verbindet Insel und Festland: Urlauber und ihre Autos kommen so mit Zügen bis in den Hauptort Westerland. Trotz der Linienbusse ist auf der Insel ein Pkw durchaus nützlich, sind es doch 38 Kilometer zwischen Nord- und Südspitze. Auch E-Bikes sind sehr populär, denn der häufige Westwind kann das Vorankommen mit „analogen“ Rädern mühsam machen.

12.000 Strandkörbe auf 40 Kilometern Länge: Weststrand von Sylt © istock.com/mije_shots

Über 40 Kilometer erstreckt sich der Weststrand mit dem Roten Kliff, bis zu 52 Meter hohen Dünen und dem Meer als Kulissen. Nacktbaden hat hier eine lange Tradition, und einer der insgesamt 12.000 Strandkörbe macht den Tag an der See komfortabler. In Westerland ist von der traditionellen Bäderarchitektur wenig geblieben. Harmonischer wirkt das Ortsbild mit reetgedeckten Friesenhäusern in Dörfern wie Kampen und Keitum.

Auch Feinschmecker werden hier zufriedengestellt, mit Gourmetrestaurants in Hörnum, Tinnum und Rantum, an die der Guide Michelin Sterne vergeben hat, und mit Institutionen unter freiem Himmel wie der Sansibar und dem Café Kupferkanne. Dieses Angebot und die hochkarätigen Shoppingadressen sind nur zwei der Gründe, warum Sylt ganzjährig Saison hat und auch im Winter – besonders über Weihnachten und Silvester – ein gefragtes Ziel ist.

Groß ist die Auswahl an Sportaktivitäten. So finden am Ellenbogen, dem nördlichsten Punkt Deutschlands, Wind- und Kitesurfer ein ideales Revier. Viele Rundtouren sind für Wanderer (etwa durch das Watt ab Rantum) und Radfahrer (zum Beispiel der Klassiker von Westerland nach List) ausgewiesen. Badegäste könnten von Juli bis September mit Wassertemperaturen zwischen 17 und 20 Grad rechnen.

Föhr – Sandstrand ohne Ende

Ein bisschen kühn bezeichnet die Tourismus GmbH von Föhr ihr Eiland als friesische Karibik. Tatsächlich zieht sich von der Stadt Wyk nach Westen ein 15 Kilometer langer weißer Sandstrand entlang. Das Wasser fällt flach ab, und es gibt durch die geschützte Lage keine Brandung. So wird der Strand für Kinder beim Burgenbauen, Herumtoben und Planschen zum Abenteuerspielplatz. Familienfreundlich machen dieses Ziel auch Möglichkeiten, wie auf dem Ferienbauernhof beim Kühemelken zu helfen und an der Kinder-Uni neues Wissen zu sammeln.

Zu den Sehenswürdigkeiten der Insel Föhr gehören auch die fünf Windmühlen, gleich zwei davon in Wyk. In der Windmühle Venti Amica lebte einst die Föhrer Dichterin Stine Andresen.

Im Südwesten von Föhr kommen die Auto- und Personenfähren vom Festland an © imago images/Westend61

Die Anreise per Fähre, die auch Autos transportiert, gibt einen Vorgeschmack auf den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Eine geführte Wattwanderung durch dieses sehr spezielle Biotop sollte kein Urlauber verpassen. Vom Baden abgesehen sind Wander-, Fahrrad- und Vogelbeobachtungstouren auf der „Grünen Insel“ praktisch ganzjährig möglich. Das gilt auch für einen Besuch im Aquaföhr, dem Bade-, Gesundheits-, Thalasso-, und Wellnesscenter in Wyk. Im Sommerhalbjahr ist Hauptsaison für Wind- und Kitesurfen, Golfen und Reiten.

Um die Insel als Urlaubsdestination und Lebensraum zu erhalten, wurde die Initiative FÖHRgreen* gegründet. In den teilnehmenden Betrieben können Insulaner und Gäste zum Beispiel auf der Insel handgemachte Produkte und Lebensmittel wie Wolle, Käse und Saft kaufen. In den Gaststätten gibt es Regionales wie Salzwiesenlamm, Nordseekrabben und Friesentorte zu genießen. Und die beteiligten Hotels und Ferienwohnungen achten auf Energieeffizienz, natürliche Baustoffe und Müllvermeidung.

Amrum – Orte wie Puppenstuben

Typisch Amrum – ein Friesenhaus mit Rhododendren im Garten © Shutterstock/Conny Pokorny

Wer möchte, kann auf dem Schiff von Dagebüll auf dem Festland via Föhr nach Amrum* auch sein Auto mitnehmen. Notwendig ist es dort dank Strand-Shuttle und Fahrrädern aber nicht.

Durch die Lage zwischen offener Nordsee und dem Wattenmeer kommt hier echtes Nordsee-Insel-Gefühl auf, samt dem Wechselspiel von Ebbe und Flut. Der eigentlichen Insel und ihren Sanddünen westlich vorgelagert ist der Kniepsand, eine Sandbank und mit 15 Kilometern Länge und bis zu 1,5 Kilometern Breite der größte Strand Europas. Im Naturzentrum Norddorf sind in fünf Meerwasseraquarien Hummer, Schollen und andere Meerestiere zu sehen, aber auch ein beeindruckendes Pottwalskelett – zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert arbeiteten viele Amrumer Seeleute im Walfang und der Handelsschifffahrt. Spannend sind auch die hier angebotenen Watt-, Strand- und Dünenführungen und im Frühjahr die Exkursion zu den rund 100 Graugans-Paaren in der Norddorfer Marsch.

Über die landschaftlich vielseitigste und baumreichste der Nordfriesischen Inseln verteilt stehen zahlreiche historische Friesenhäuser, manche mit Rosen geradezu überwuchert. Darunter als Paradebeispiel das Museum Öömrang Hüs in Nebel, ein Kapitänshaus. In seiner Wohnstube ist eine Wand mit besonders schönen blauen Fliesen geschmückt, die auch ein Segelschiff zeigen, in eine andere sind zwei kurze Alkovenbetten integriert.

Die 152 Sprechenden Grabsteine auf dem Friedhof der St.-Clemens-Kirche ebenfalls in Nebel stammen aus den Jahren 1678 bis 1858 und berichten vom Leben etwa des Seefahrers Hark Olufs. Der 1875 eröffnete Amrumer Leuchtturm ist der höchste begehbare Turm an der Nordseeküste. Von seiner Aussichtsplattform sind auch die Nachbarinseln Sylt und Föhr sowie das Wattenmeer zu überblicken.

Halligen – dem Watt ganz nah

Auf den Halligen stehen die Häuser auf aufgeschütteten Hügeln, den Warften © iStock.com/Frederick Doerschem

Zehn Marschinseln umgeben wie ein Kranz die Insel Pellworm. Bei Sturmfluten können die Halligen* überschwemmt werden. Bei so einem „Land unter“ ragen nur die Warften, aufgeschüttete Hügel, auf denen die Häuser stehen, aus dem Wasser des Wattenmeers. Ruhe und Erholung ganz nahe an der Natur und den Gezeiten stehen hier im Vordergrund. Übernachtet wird in Pensionen und Ferienwohnungen, auch Schul- und andere Gruppen kommen gerne hierher.

Langeneß und Oland

Im Sommer wird Langeneß*, die mit knapp zehn Quadratkilometern größte Hallig, zweimal wöchentlich von einer Fähre angelaufen. Vom Festland führt außerdem eine Lorenbahn über die Hallig Oland mit dem einzigen reetgedeckten Leuchtfeuer Deutschlands – nach Langeneß, wo es sogar ein Viersternehotel gibt. Die Schutzstation Wattenmeer bietet Wattwanderungen und Vogelbeobachtungen an, bei Ausflügen zu den Seehundbänken lassen sich die Raubtiere beobachten.

Hooge

Hooge* lässt sich im Sommerhalbjahr täglich mit der Fähre vom Festland erreichen und auf einem Tagesausflug in der Kutsche und auf dem Leihrad erkunden. Sehenswert sind hier das Erlebniszentrum “Mensch & Watt”, das Heimatmuseum mit einer alten friesischen Wohnstube und Funden aus untergegangenen Warften.

Süderoog

Auf der Hallig Süderoog* lässt sich zwar nicht übernachten, aber – ihr herzförmiger Grundriss deutet darauf hin – in einmaligem Ambiente heiraten. Die einzige hier ansässige Familie organisiert dafür die Transfers aus Pellworm, die Trauung und ein Menü zum Beispiel mit Hochzeitssuppe und Süderooger Salzwiesenlamm.

Pellworm – für Hund, Herrchen und Frauchen

Ganzjährig verbindet eine Autofähre die drittgrößte nordfriesische Insel mit Strucklahnungshörn auf Nordstrand. Weil Pellworm* durchschnittlich einen Meter unter Normalnull liegt, wird das Eiland von einem acht Meter hohen und 25 Kilometer langen Deich geschützt und hat keinen Sandstrand. Baden ist aber bei Flut an den sogenannten grünen Stränden am Deich möglich, wo Treppen ins Wasser führen. Beispiele sind der Leuchtturm-Strand, der an der Hooger Fähre und der FKK-Strand an der Nordermühle. Ganzjährig geöffnet ist das Freizeitbad PelleWelle mit einer großen Saunalandschaft.

Explizit wirbt Pellworm um Urlauber mit Hunden*, für die eigene Reviere an vier Stränden ausgewiesen sind, geeignete Wohnungen und Sitter angeboten werden.

Falken nisten in der Turmruine der Alten Kirche auf Pellworm © Shutterstock/Volker Rauch

Markantes Wahrzeichen der Insel ist die Turmruine der Alten Kirche. Der Ziegelturm des mittelalterlichen "Friesendomes" war 1611 in sich zusammengestürzt, nachdem der weiche Wattboden sein Gewicht nicht mehr tragen konnte. Der Rumpf, in dem Turmfalken nisten, ragt 26 Meter auf, etwa halb so hoch wie vor dem Kollaps. Von Musikern gerühmt wird der Klang der Orgel aus dem Jahr 1711, weshalb in der Alten Kirche oft Aufnahmen und Konzerte stattfinden.

Der Hafen-Pub ist bekannt für seine Gerichte aus Nordseekrabben und als das Restaurant mit den meisten Likes auf Facebook, vor dem Hofbräuhaus in München und dem New Yorker Hard Rock Café.

Nordstrand – Paradies für Vogelbeobachter

Nordstrand unmittelbar vor der Küste Schleswig-Holsteins wurde 1906 durch einen Damm mit dem Festland verbunden, der seit 1935 mit Autos befahrbar ist. Seit 1987 diese Anbindung vergrößert wurde, handelt es sich zwar um eine Halbinsel, die aber trotzdem meist zu den Nordfriesischen Inseln gerechnet wird.

Auch hier planen die Gäste an grünen Stränden ihr Bad im Meer nach dem täglichen Hochwasser. Der Kinder- und Familienstrand Fuhlehörn ist mit seinem seichten Wasser perfekt zum Sonnenbaden, Spielen, Planschen und Buddeln und besitzt einen Sandabschnitt mit Strandkörben. Sportliche Schwimmer steuern den Grünstrand am Holmer Siel mit seinem Surfgebiet an.

Für Ornithologen ist der Beltringharder Koog auf Nordstrand ein Paradies © dpa/imageBROKER

Zur Vogelbeobachtung ist der Beltringharder Koog ein ideales Revier. Im größten Naturschutzgebiet des schleswig-holsteinischen Festlandes lassen sich Seeadler und Löffler, Rohrdommeln und Rallen sehen, brüten Braun- und Blaukehlchen, Bartmeise und Wachtelkönig. Salz- und Süßwasserlebensräume wechseln sich mit Überflutungsgebieten, Sümpfen und Feuchtgebieten ab.

Kennenlernen lässt sich das Vogelparadies besonders gut bei einer Umrundung mit dem Rad, aus vier ganzjährig zugänglichen Beobachtungshütten und auf einem Naturlehrpfad. In den Salzwiesen wachsen Queller, Rotschwingel, Stranddreizack und weitere 50 Pflanzenarten, hier leben auch 2000 Insektenarten wie der Halligfliederspitzmausrüsselkäfer. Gründe genug für eine Führung ab der Schutzstation Wattenmeer.

Eine Art Nationalgetränk und auf allen Getränkekarten vertreten ist der hier im 19. Jahrhundert erfundene Pharisäer aus Kaffee, braunem Rum und einer Schlagsahnehaube, die den Alkoholanteil des Getränkes tarnt.

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