Die schönsten deutschen Nordseeinseln

12.000 Strandkörbe sorgen an Sylts Stränden für Gemütlichkeit
12.000 Strandkörbe sorgen an Sylts Stränden für Gemütlichkeit© iStock.com/Anski

Urlaub auf Sylt, Norderney und den anderen deutschen Nordseeinseln liegt im Trend. Jede der Nord- und Ostfriesischen Inseln lockt mit einer anderen Besonderheit.

  • Fast endlos: Sandstrände auf Amrum, Föhr und Langeoog

  • Spannend: Wanderung durchs Wattenmeer

  • Ungewöhnlich und lohnend: Winterurlaub auf Sylt

Naturfreunde, Wassersport-Fans, Familienmenschen, Feinschmecker – für alle gibt es zwischen Sylt und Borkum das passende Eiland. Inselhüpfen von Nordosten nach Südwesten.

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Sylt – für Nacktbader, Feinschmeckerinnen und Sportler

Mit fast 100 Quadratkilometern ist die nördlichste Nordfriesische auch Deutschlands größte Nordseeinsel. Flugverbindungen nach Sylt gibt es in der Saison zum Beispiel ab München und Zürich. Der Hindenburgdamm verbindet die Insel mit dem Festland, sodass Urlauber und ihre Autos mit Zügen bis in den Hauptort Westerland kommen. Trotz der Linienbusse ist ein Pkw durchaus nützlich, sind es doch 38 Kilometer zwischen Nord- und Südspitze. Auch E-Bikes sind sehr populär, denn der häufige Westwind kann das Vorankommen mit "analogen" Rädern mühsam machen.

Über 40 Kilometer erstreckt sich der Weststrand mit dem Roten Kliff, bis zu 52 Meter hohen Dünen und dem Meer als Kulisse. Nacktbaden hat hier eine lange Tradition, und einer der insgesamt 12.000 Standkörbe macht den Tag am Strand komfortabler. In Westerland ist von der traditionellen Bäderarchitektur wenig geblieben. Harmonischer wirkt das Ortsbild mit reetgedeckten Friesenhäusern in Dörfern wie Kampen und Keitum.

Sogar in den Dünen auf Sylt fehlt es nicht an hochklassiger Gastronomie © imago images/Blaulicht News

Feinschmecker finden auf Sylt viele Anlaufstellen, mit Gourmetrestaurants in Hörnum, Tinnum und Rantum, an die der Guide Michelin Sterne vergeben hat, und mit Institutionen unter freiem Himmel wie der Sansibar und dem Café Kupferkanne. Das kulinarische Angebot und die hochkarätigen Shoppingadressen sind nur zwei der Gründe, warum Sylt ganzjährig Saison hat und auch im Winter – besonders über Weihnachten und Silvester – ein gefragtes Ziel ist.

Groß ist die Auswahl an Sportaktivitäten. So finden am Ellenbogen, dem nördlichsten Punkt Deutschlands, Wind- und Kitesurfer ein ideales Revier. Viele Rundtouren sind für Wanderer – etwa durch das Watt ab Rantum – und Radfahrer – zum Beispiel der Klassiker von Westerland nach List – ausgewiesen. Badegäste können von Juli bis September mit Wassertemperaturen zwischen 17 und 20 Grad rechnen.

Föhr – Sandstrand ohne Ende

Etwas kühn bezeichnet die Tourismus GmbH von Föhr ihr Eiland als friesische Karibik. Tatsächlich erstreckt sich von der Stadt Wyk nach Westen ein 15 Kilometer langer weißer Sandstrand. Das Wasser fällt flach ab, und es gibt durch die geschützte Lage keine Brandung. So wird der Strand für Kinder beim Burgenbauen, Herumtoben und Planschen zum Abenteuerspielplatz. Familienfreundlich machen dieses Ziel auch Aktivitäten, wie auf dem Ferienbauernhof beim Kühemelken zu helfen oder an der Kinder-Uni neues Wissen zu sammeln.

Eins der Wahrzeichen von Föhr ist die Windmühle in Wyk © mauritius images/Christian Bäck

Zu den Highlights der Insel Föhr gehören auch die fünf Windmühlen, gleich zwei davon in Wyk. In der Windmühle Venti Amica lebte einst die Föhrer Dichterin Stine Andresen.

Die Anreise per Fähre führt durch den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Urlauber sollten eine geführte Wattwanderung durch dieses sehr spezielle Biotop auf keinen Fall verpassen. Vom Baden abgesehen sind Wander-, Fahrrad- und Vogelbeobachtungstouren auf der "Grünen Insel" praktisch ganzjährig möglich. Das gilt auch für einen Besuch im Aquaföhr, dem Bade-, Gesundheits-, Thalasso- und Wellness-Center in Wyk. Im Sommerhalbjahr ist Hauptsaison für Wind- und Kitesurfen, Golfen und Reiten.

Um die Insel als Urlaubsdestination und Lebensraum zu erhalten, wurde die Initiative FÖHRgreen* gegründet. In den teilnehmenden Betrieben können Insulaner und Gäste zum Beispiel auf der Insel handgemachte Produkte und Lebensmittel wie Wolle, Käse und Saft kaufen, in den Gaststätten Regionales wie Salzwiesenlamm, Nordseekrabben und Friesentorte genießen und in Quartieren übernachten, die auf Energieeffizienz, natürliche Baustoffe und Müllvermeidung achten.

Amrum – Orte wie Puppenstuben

Durch die Lage zwischen offener Nordsee und dem Wattenmeer kommt auf Amrum echtes Nordseeinsel-Gefühl auf, samt dem Wechselspiel von Ebbe und Flut. Der eigentlichen Insel und ihren Sanddünen westlich vorgelagert ist der Kniepsand, eine Sandbank und mit 15 Kilometern Länge und bis zu 1,5 Kilometern Breite der größte Strand Europas. Im Naturzentrum Norddorf sind in fünf Meerwasseraquarien Hummer, Schollen und andere Meerestiere zu sehen, aber auch ein beeindruckendes Pottwalskelett – zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert arbeiteten viele Amrumer Seeleute im Walfang und der Handelsschifffahrt. Spannend sind zudem die angebotenen Watt-, Strand- und Dünenführungen und im Frühjahr die Exkursion zu den rund 100 Grauganspaaren in der Norddorfer Marsch.

Blau gemacht: Mit Fliesen geschmückte Stube im Öömrang Hüs auf Amrum © F1online

Über die landschaftlich vielseitigste und baumreichste der Nordfriesischen Inseln verteilt stehen zahlreiche historische Friesenhäuser, einige davon fast komplett von Rosen überwuchert. Darunter als Paradebeispiel und Museum das Öömrang Hüs in Nebel, ein denkmalgeschütztes Kapitänshaus. In seiner Wohnstube ist eine Wand mit besonders schönen blauen Fliesen geschmückt, die unter anderem ein Segelschiff zeigen, in eine andere sind zwei kurze Alkovenbetten integriert.

Die 152 Sprechenden Grabsteine auf dem Friedhof der St.-Clemens-Kirche, ebenfalls in Nebel, stammen aus den Jahren 1678 bis 1858 und berichten etwa vom Leben des Seefahrers Hark Olufs. Der 1875 eröffnete Amrumer Leuchtturm ist der höchste begehbare Turm an der Nordseeküste. Von seiner Aussichtsplattform sind die Nachbarinseln Sylt und Föhr sowie das Wattenmeer zu überblicken.

Die Halligen – dem Watt ganz nah

Zehn Marschinseln umgeben wie ein Kranz die Insel Pellworm. Bei Sturmfluten können die Halligen* überschwemmt werden – bei so einem "Landunter" ragen nur die Warften, aufgeschüttete Hügel, auf denen die Häuser stehen, aus dem Wasser des Wattenmeers. Ruhe und Erholung ganz nahe an der Natur und den Gezeiten stehen hier im Vordergrund. Übernachtet wird in Pensionen und Ferienwohnungen, auch Schul- und andere Gruppen kommen gern hierher.

Langeneß, die mit knapp zehn Quadratkilometern größte Hallig, ist mit einer Lorenbahn über die Hallig Oland mit dem Festland verbunden und wird im Sommer zweimal wöchentlich von einer Fähre angelaufen. Hier gibt es sogar ein 4-Sterne-Hotel. Die Schutzstation Wattenmeer bietet Wattwanderungen und Vogelbeobachtungen an, bei Ausflügen zu den Seehundbänken lassen sich die putzigen Tiere beobachten.

Hooge lässt sich im Sommerhalbjahr täglich mit der Fähre vom Festland erreichen und auf einem Tagesausflug in der Kutsche und auf dem Leihrad erkunden. Sehenswert sind hier das Erlebniszentrum "Mensch & Watt" sowie das Heimatmuseum mit einer alten friesischen Wohnstube und Funden aus untergegangenen Warften.

Herzig: Die Form der Hallig Süderoog zieht Heiratswillige an © ddp/Holger Weitzel

Auf der Hallig Süderoog lässt sich zwar nicht übernachten, aber – ihr herzförmiger Grundriss deutet darauf hin – in einmaligem Ambiente heiraten. Die einzige hier ansässige Familie organisiert dafür die Transfers aus Pellworm, die Trauung und ein Menü zum Beispiel mit Hochzeitssuppe und Süderooger Salzwiesenlamm.

Pellworm – für Hunde, Herrchen und Frauchen

Ganzjährig verbindet eine Autofähre die drittgrößte Nordfriesische Insel mit Strucklahnungshörn auf Pellworm. Weil sie durchschnittlich einen Meter unter Normalnull liegt, wird sie von einem acht Meter hohen und 25 Kilometer langen Deich geschützt und hat daher keinen Sandstrand. Baden ist aber bei Flut an den sogenannten grünen Stränden am Deich möglich, wo Treppen ins Wasser führen. Beispiele sind der Leuchtturm-Strand, der Strand an der Hooger Fähre und der FKK-Strand an der Nordermühle. Ganzjährig geöffnet ist das Freizeitbad PelleWelle mit einer großen Saunalandschaft.

Für Vierbeiner bietet Pellworm viel Auslauf, Infrastruktur und Services © KTS-Pellworm/Detlev Brumm

Explizit wirbt Pellworm um Urlauber mit Hunden, für die eigene Reviere an vier Stränden ausgewiesen sind sowie geeignete Wohnungen und Sitter angeboten werden.

Markantes Wahrzeichen der Insel ist die Turmruine der Alten Kirche. Der Ziegelturm des mittelalterlichen "Friesendoms" war 1611 in sich zusammengestürzt, nachdem der weiche Wattboden sein Gewicht nicht mehr tragen konnte. Der Rumpf, in dem Turmfalken nisten, ragt 26 Meter auf, etwa halb so hoch wie vor dem Kollaps. Von Musikern gerühmt wird der Klang der Orgel aus dem Jahr 1711, weshalb in der Alten Kirche oft Aufnahmen und Konzerte stattfinden.

Der Hafen Pub ist bekannt für seine Gerichte aus Nordseekrabben und als das Restaurant mit den meisten Likes auf Facebook – noch vor dem Hofbräuhaus in München und dem New Yorker Hard Rock Café.

Nordstrand – Paradies für Vogelbeobachter

Das Nordseeheilbad Nordstrand ist eine eingedeichte Halbinsel vor der Küste Schleswig-Holsteins. Mit dem Festland verbindet sie seit 1935 der mit Autos befahrbare, 4,3 Kilometer lange Nordstrander Damm. Auch hier wird an grünen Stränden das Baden mit dem täglichen Hochwasser abgestimmt. Der Kinder- und Familienstrand Fuhlehörn ist mit seinem seichten Wasser perfekt zum Sonnenbaden, Spielen, Planschen und Buddeln und besitzt einen Sandabschnitt mit Strandkörben. Sportliche Schwimmer steuern den Grünstrand am Holmer Siel mit seinem Surfgebiet an.

Zur Vogelbeobachtung ist der Beltringharder Koog ein ideales Revier. Im größten Naturschutzgebiet des schleswig-holsteinischen Festlandes lassen sich Seeadler und Löffler, Rohrdommeln und Rallen sehen, brüten Braun- und Blaukehlchen, Bartmeise und Wachtelkönig. Salz- und Süßwasserlebensräume wechseln sich mit Überflutungsgebieten, Sümpfen und Feuchtgebieten ab. Kennenlernen lässt sich das Vogelparadies besonders gut bei einer Umrundung mit dem Rad, aus vier ganzjährig zugänglichen Beobachtungshütten und auf einem Naturlehrpfad. In den Salzwiesen leben Queller, Rotschwingel, Stranddreizack und weitere 50 Pflanzen- sowie 2000 Insektenarten wie der Halligfliederspitzmausrüsselkäfer. Gründe genug für eine Führung ab der Schutzstation Wattenmeer.

Nach einer langen Vogelbeobachtungstour wärmt ein Pharisäer von innen © ddp/Sabine Lubenow


Eine Art Nationalgetränk und auf allen Getränkekarten vertreten ist der hier im 19. Jahrhundert erfundene Pharisäer aus Kaffee, braunem Rum und einer Schlagsahnehaube, die den Alkoholanteil des Getränks tarnt.

Helgoland – Fels auf hoher See

Mit nur 1,7 Quadratkilometer Landfläche einschließlich der Düne ist Helgoland eine der kleinsten deutschen Inseln – und eine der spannendsten, was Geschichte, Natur und Geologie betrifft. Sie liegt 62 Kilometer nordwestlich der Elbemündung und gehört weder zu den Nord- noch zu den Ostfriesischen Inseln. Der große Felsen aus Buntsandstein ragt im Pinneberg bis zu 61 Meter aus der Nordsee und ist die einzige deutsche Insel, von der kein Nachbareiland oder das Festland zu sehen ist – da kommen Hochseegefühle auf.

Den besten Überblick liefert der knapp sechs Kilometer lange Klippenwanderweg, an dem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen. Von Treppe und Aufzug, die das Unter- mit dem Oberland verbinden, führt er am Leuchtturm vorbei an der steilen Westküste entlang zum kleinsten Naturschutzgebiet Schleswig-Holsteins, dem Lummenfelsen. Hier stürzen sich von Anfang Juni bis Anfang Juli die jungen Trottellummen in die Fluten. Am Scheitelpunkt des Weges gibt es den besten Blick auf die Nordsee und die 47 Meter hohe Lange Anna, Wahrzeichen der Insel. Über die Ostküste geht es zum Ort zurück.

Spannend ist eine Tour im durchlöcherten Inneren Helgolands. Bei der Bunkerführung sind die Schutzräume zu sehen, in die die Zivilbevölkerung 1945 flüchtete, als die Insel durch 7000 Bomben komplett zerstört wurde.

Keine Kuschel-, sondern Raubtiere sind die Robben auf Helgolands Düne © iStock.com/AlbyDeTweede

Mit Fährbooten geht es zur flachen Sandinsel Düne, perfekt für die Beobachtung von Deutschlands größtem Raubtier, den bis zu 300 Kilogramm schweren Kegelrobben, sowie Vögeln wie Austernfischern, Möwen und Steinwälzern. Hier bieten sich die besten Badegelegenheiten Helgolands. Der geschützte Südstrand mit Restaurant und Leuchtturm ist besonders bei Familien mit kleinen Kindern beliebt. Ganzjährig schwimmt man auf der Hauptinsel im Meerwasserschwimmbad mare frisicum mit Innenpool samt Geysir, zwei großen Außenbecken und Sauna.

Wangerooge: Insel mit einem Herz für Tiere

Wangerooge, östlichste der Ostfriesischen Inseln, wandert immer noch weiter gen Osten: Durch Seegang und Strömungen gibt es im Westen starke Dünenabbrüche, während sich auf der anderen Seite angeschwemmter Sand anstaut. Das autofreie Nordseeheilbad wirbt mit dem Motto "Gott schuf die Zeit. Von Eile hat er nichts gesagt" und präsentiert sich somit nicht hektisch, aber lebendig und familienorientiert.

Die Inselbahn auf dem autofreien Eiland Wangerooge © stock.adobe.com/lassedesignen

Von Harlesiel auf dem Festland verkehrt die Fähre zum Inselhafen, von dort die Inselbahn in den Ort mit der belebten Hauptstraße zwischen Bahnhof und Strandpromenade.

Auf Wangerooge gibt es die angeblich schönste Hundewiese der Welt, einen separaten Bereich für Hunde am Ende des Badestrands sowie eine Hundedusche an der Unteren Strandpromenade. Hinterlassenschaften wandern nicht in Plastikbeutel, sondern in den kompostierbaren "PooPick". Auch viele Unterkünfte zeigen sich tierfreundlich.

Highlights der Insel sind Alter und Neuer Leuchtturm, Westturm und das Meerwasser-Erlebnisbad Oase mit Sauna und Thalasso-Angeboten. Als ein Wahrzeichen gilt das Café Pudding auf einem runden Dünenhügel an der Strandpromenade. Vor dem Nationalpark-Haus ist ein riesiges Pottwalskelett aufgestellt, innen birgt es ein Aquarium und eine Ausstellung zum Vogelzug. Höhepunkte im Veranstaltungsprogramm sind die natur- und inselkundlichen Radtouren im Weltnaturerbe Wattenmeer.

Spiekeroog – für Ruhe suchende Fußgänger

Auch nach Spiekeroog, der nördlichsten Gemeinde Ostfrieslands, nimmt die Fähre – ab Neuharlingersiel – keine Autos mit. Um auf den engen Wegen im Dorfzentrum und zum Strand den Radverkehr zu begrenzen, gibt es auch keinen Radverleih. Dafür existiert mit der einzigen Pferdemuseumsbahn Deutschlands zwischen dem Bahnhof und dem Westend ein ganz besonderes Verkehrsmittel.

Die grün-weißen Friesenhäuser, kunstvollen Veranden, gemütlichen Cafés und süßen Läden machen Spiekeroog zur urigsten ostfriesischen Insel. Hier ist weniger mehr. Die Insel umrunden, mal links, mal rechts herum, zum Strand und zurück, nur zu Fuß – so sieht ein typischer Urlaubstag aus. Ein Besuch in der Teetied rundet den Tag ab. In der ganzjährig geöffnet Teestube gibt es bei frischen Waffeln und Kuchen die volle Dröhnung Ostfriesland. Wer noch mehr Tradition erleben will, nimmt an einer historischen Dorfführung teil, die Eindrücke vom Alltag der Insulaner und Seefahrer vor 150 Jahren vermittelt. Solche Einblicke gewährt auch das schnuckelige Inselmuseum in einem ehemaligen Kapitänshaus.

Die katholische Kirche auf Spiekeroog mit ihrer zeltartigen Architektur © Shutterstock/suehling

Die Alte Inselkirche von 1696 ist das älteste Gotteshaus der Ostfriesischen Inseln und stellt einen reizvollen Kontrast zur erst 1971 errichteten katholischen Kirche dar, die wegen ihrer Architektur das Zelt Gottes in den Dünen genannt wird. Wattwanderungen und Fahrten zu den Seehundbänken erschließen den Nationalpark Wattenmeer.

Seit 2021 ist Spiekeroog als Sterneninsel anerkannt, nachdem sich die Gemeinde verpflichtet hatte, ihre nächtliche Beleuchtung zu reduzieren. So wird sie nachts einer der dunkelsten Orte Deutschlands – und zum lohnenden Ziel für Sternengucker.

Langeoog – Ziel von Stammgästen und Naturfreunden

Eine Personenfähre ab Bensersiel verbindet Ostfriesland mit der 20 Quadratkilometer messenden Insel. Fahrräder sind auf Langeoog das wichtigste Verkehrsmittel, ergänzt um die Inselbahn zwischen Hafen und Bahnhof sowie Pferdefuhrwerke als Inseltaxis. Ein schöner Ausflug mit dem Leihrad führt zum Ostende des Eilands. Dort gibt es in der Gaststätte auf der Meierei, einem landwirtschaftlichen Gutshof in typischem Ostfriesencharme, der auch Ferienwohnungen vermietet, die Spezialität Langeoogs: Dickmilch mit Schwarzbrot und hausgemachtem Sanddornsaft – ein Muss für jeden Urlauber.

Besondere Genüsse sind ein Spaziergang am 14 Kilometer langen Sandstrand, eine Wattwanderung oder eine Thalasso-Anwendung. Die salzige Luft einatmen und die Nordsee auf Körper und Geist wirken lassen – das Meerwasser bietet genügend Ressourcen für natürliche Heilverfahren. Stammgäste kommen gern hierher, und wer Langeoog 25-mal besucht hat, wird zum offiziellen Ehrengast ernannt.

Nahe dem Wasserturm am Ortsrand zeigt ein Bronzestandbild Lale Andersen. Die Sängerin von "Lili Marleen" wohnte viele Jahre auf der Insel im reetgedeckten Sonnenhof und wurde auf dem Dünenfriedhof Langeoogs begraben.

Im Osten von Langeoog lebt eine große Kolonie von Silbermöwen © iStock.com/ae-photos

Die beeindruckende Dünenlandschaft gipfelt im etwa 20 Meter hoch liegenden Aussichtspunkt Melkhörndüne, der den Blick ins Dünengebiet Pirolatal erlaubt. Benannt ist es nach dem gleichnamigen Heidekrautgewächs. Auf zwei Naturpfaden können Besucher die Insel auf eigene Faust erkunden. An der Silbermöwenkolonie im Osten der Insel, wo im Frühling und Herbst Tausende von Zugvögeln rasten, steht das Vogelwärterhaus als idealer Beobachtungsposten.

Baltrum – perfekt für Familienurlaub

Feinsandig, breit und flach ist der Strand im Nordwesten Baltrums © Denis Metz

Auch Urlauber auf der mittleren und kleinsten Ostfriesischen Insel müssen ihr Auto auf dem Festland lassen, im Fährhafen von Neßmersiel. Auf Baltrum dann geht es romantisch, ruhig und verschlafen zu. Pferde transportieren Gäste und alles, was man für das tägliche Leben braucht, den Rest erledigen die rund 500 Einwohner. Hier kommen vor allem Familien mit Kindern auf ihre Kosten: von Kinderturnen am Strand, Kinderwattwanderungen bis zu Puppentheater und Spaß in Onnos Kinderspöölhus, einem überdachten Kinderspielplatz.

Der Gezeitenpfad ist für die ganze Familie interessant. Auf sieben Kilometern quer über das Eiland, vorbei an 19 spannenden Stationen mit interaktiven Modulen, lernen Besucher die schönsten Ecken der Insel kennen. Schon am Eingang beim Bootshafen zeigt ein Gezeitenmodell eindrucksvoll die Kräfte, die Ebbe und Flut bewirken. Wer den Strand und die großen Frachtschiffe am Horizont beobachten will, steigt auf Willis Utkiek, den Aussichtspunkt auf dem Höhenweg.

Das SindBad ist ein Hallenbad mit beheiztem Meerwasserbecken, zwei Rutschen, Whirlpool, Sauna- und Wellness-Bereich sowie Thalasso-Anwendungen. Zwischen Mitte März und Dezember sorgt es für Badespaß, Entspannung und Wohlbefinden.

Zum Pflichtprogramm gehört ein Besuch im Café Kluntje. In Baltrums schönster Teestube lernen Urlauber die ostfriesische Teekultur kennen. Aber Vorsicht: Wer als Tourist nicht auffallen will, darf das Heißgetränk, traditionell serviert mit Kluntjes (Kandis) und Sahne, vor dem Trinken nicht umrühren.

Norderney – das ostfriesische Gesamtpaket

Norderney, über die Fähre von Norddeich und per Flugzeug erreichbar, ist mit seinen über 6000 Einwohnern die bevölkerungsreichste und mit 3,8 Millionen Gästeübernachtungen 2019 die lebhafteste der Ostfriesischen Inseln. Mit Autos dürfen hier nur Einheimische fahren, Touristen sind mit fünf Buslinien, zu Fuß oder per Fahrrad unterwegs. Mit einem großen Angebot an Sport, Kultur und Unterhaltung gilt das Eiland für Urlauber als ostfriesisches Gesamtpaket.

Nobles Ambiente: Das Kurtheater im Nordseebad Norderney © laif/Martin Kirchner

1797 war es das erste deutsche Nordseebad, und es gibt sogar ein barockes Kurtheater, das auch als Kino dient. Die jahrhundertelange Geschichte des Seebads ist im Museum Nordseeheilbad u.a. mit historischer Badebekleidung veranschaulicht, das Fischerhaus zeigt als Heimatmuseum die karge Lebensweise der ersten Inselbewohner.

Die einzige Inselwindmühle in Niedersachsen stammt aus dem Jahr 1862 und beherbergt ein Restaurant mit Teestube. Der Große Norderneyer Leuchtturm macht mit 60 Metern Höhe seinem Namen Ehre und lohnt wegen des Ausblicks von der Zuschauergalerie, die man über 252 Stufen erreicht, den Besuch. Ein 13 Meter hoher Obelisk, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, erinnert an den Monarchen, einen der vielen prominenten Gäste.

Sportbegeisterte können das 80 Kilometer lange Rad- und Wanderwegenetz abstrampeln bzw. -marschieren, reiten und sich in verschiedenen Wassersportarten austoben. Das regt nicht nur den Kreislauf an – auch für Haut und Körper sind Klima und Meerwasser besonders wohltuend. Für Naturfreunde sind die Salzwiesen mit seltenen Vogelarten, Moore und Salzsümpfe ein erstklassiges Ziel.

Die Hotellerie bietet hier einen durchweg hohen Komfort. Abenteuerlustige können sich im Sommerhalbjahr einen Schlafstrandkorb mieten und zum Klang der rauschenden Wellen einschlafen. Zum Urlaub auf Norderney gehört unbedingt, in der Konditorei im Ortszentrum ein Stück "Schlickkuchen" zu probieren. Dieser Vanillesandkuchen mit Kirschen soll zu den besten Backwerken der Welt gehören.

Juist – bestens für Ruhe, Entspannung, Entschleunigung

Im Vergleich zu Norderney und Borkum geht es auf Juist, das von Norddeich angelaufen und von dort und Hamburg auch angeflogen wird, gemächlich zu. Nicht umsonst nennen die gut 1500 Insulaner ihre Insel auch "Töwerland" (friesisch für "Zauberland"). Hier heißt es: Alltag hinter sich lassen, Entspannung im Einklang mit der Natur, kein Touristenrummel. Unterstützend wirken dabei, dass Autos verboten und Insulaner und Gäste zu Fuß, per Pferdekutsche oder mit einem (E-)Bike unterwegs sind.

Yoga am Strand – eines von vielen Outdoor-Angeboten auf Juist © Lars Wehrmann

Für noch mehr Entschleunigung sorgen Outdoor-Yogakurse und Meditationen. Zudem gibt es geführte Wanderungen auf den Spuren von Feen und Kobolden zu heilsamen Kraftorten. Besonders eindrucksvoll wirkt, dass Juist an seiner schmalsten Stelle nur 500 Meter breit ist. Bei einem Spaziergang lässt sich die Insel problemlos durchqueren sowie die Nord- und Südküste erkunden.

Zu den Highlights der Insel zählt an ihrem westlichen Ende das Sandriff Bill, das bei ablaufendem Wasser wie eine große Sandwüste in der Nordsee wirkt. Das in den 1820er-Jahren angepflanzte Wäldchen mit seltenen Bäumen wie Schwarzerlen und Karpatenbirken wirkt durch deren knorrigen Wuchs verzaubert und geisterhaft. Der allmählich verlandende Hammersee ist der größte Süßwassersee der Ostfriesischen Inseln und ein einzigartiges Biotop.

Das Küstenmuseum im Loog, dem zweiten Juister Ortsteil, spannt einen Bogen von Seefahrt und Seenot bis zur modernen Energiewirtschaft in der Nordsee. 2008 entstand an der Hafeneinfahrt das dritte und mit 17 Metern Höhe markanteste Seezeichen der Insel, auch wegen seiner Form einer im Strom treibenden Boje ist es zu einem neuen Juister Symbol geworden.

Etwas kurios dagegen der Hintergrund des 1992 erbauten Leuchtturms Memmertfeuer, dessen Licht nicht Richtung See, sondern längs über die Insel fällt. Zum Sonnenuntergang sind die drei Aussichtsplattformen an der Strandpromenade im Ort sowie die im Loog begehrte Plätze.

Borkum – die größte Ostfriesische Insel

Zu guter Letzt geht es auf die mit 31 Quadratkilometern größte Ostfriesische Insel. Ab Emden bringen Katamarane Passagiere und Fahrzeuge nach Borkum, das als einzige Insel der Kette immer vollständig von Seewasser umgeben ist. Das macht den Fährbetrieb unabhängig von der Flut. Der private Autoverkehr wird im Sommer stark reglementiert, die Mobilität ist aber dank Inselbahn, Elektrobus und Rad gewährleistet.

An Borkums Stränden ist Platz genug für die rasanten Kitebuggies © stock.adobe.com/Gunnar

Wer Action sucht, findet in Borkums Bucht die besten Voraussetzungen zum Kitesurfen und zu Fahrten im Kitebuggy oder Strandsegelwagen. Das Hinterland bietet 130 Kilometer Rad- und Wanderwege, hier sind 560 Pflanzen- und mehr als 260 Vogelarten zu erkunden. Für die Gemütlichen eignet sich der schier endlose Sandstrand für ausgiebige Spaziergänge.

Die sollten unbedingt an der Promenade mit dem Musikpavillon ausklingen. Hier reihen sich Cafés, Restaurants und die inseltypischen "Milchbuden" aneinander. Die kleinen Häuschen am Strand versorgen Borkumer und Gäste mit Snacks und Getränken, besonders schön ist es hier zum Sonnenuntergang.

Ob für Groß, Klein, Jung, Alt, Familie, Paar oder Single – auf dem westlichen Ende der Inselkette gibt es für jeden etwas zu entdecken: Gleich fünf Leuchttürme sichern die Schifffahrt. Der Alte von 1576 ist das älteste Bauwerk aller Ostfriesischen Inseln, der Neue bietet aus 60 Metern eine fantastische Aussicht, und der Elektrische wirkt mit seinen weißen und roten Streifen vor dem Hintergrund der Dünen wie aus dem Bilderbuch kopiert. Im Hafen verankert lässt das Feuerschiff Borkumriff als Informationszentrum und Museumsschiff den Besuchern ein Licht aufgehen.

Fragen und Antworten

Welche sind die beliebtesten Nordseeinseln für einen erholsamen Urlaub?

Wer im Urlaub viel Ruhe braucht, ist zum Beispiel auf den überschaubaren Halligen gut aufgehoben. Auch auf Wangerooge ist Hektik eher ein Fremdwort. Auf Spiekeroog kommen dem gemütlichen Fußgänger sogar kaum Radfahrer in die Quere. Perfekt zur Entschleunigung sind die auf Juist angebotenen Outdoor- und Meditationskurse.

Gibt es Nordseeinseln, die sich besonders für einen Familienurlaub mit Kindern eignen?

Dafür ist auf Föhr der 15 Kilometer lange Sandstrand wie gemacht. Hier gibt es keine Brandung, und das Wasser wird nur allmählich tiefer. Dazu kommen Ferienbauernhöfe und eine Kinder-Uni. Spannend auch für Kinder ist auf Amrum das Naturzentrum Norddorf mit Hummern, Schollen und andere Meerestieren in fünf Aquarien. Der Kinder- und Familienstrand Fuhlehörn auf Nordstrand mit seinem seichten Wasser ist perfekt zum Sonnenbaden, Spielen, Planschen und Buddeln. Baltrum bietet Kinderturnen am Strand, Kinderwattwanderungen und ganzjährig wettergeschützten Spaß in Onnos Kinderspöölhus, einem überdachten Kinderspielplatz.

Was sind die schönsten Sehenswürdigkeiten auf den Nordseeinseln?

Reetgedeckte Friesenhäuser, Heimatmuseen, Teestuben, Leuchttürme, Windmühlen, alte und moderne Kirchen, die Schutzstationen der Nationalparks im Wattenmeer – die Auswahl ist groß auf den Nord- und Ostfriesischen Inseln sowie Helgoland. Diese Insel punktet mit den einzigen Steilküsten und Felsen in der deutschen Nordsee. Transportmittel und Erlebnis zugleich sind die Inselbahnen auf den Ostfriesischen. In den Beschreibungen der einzelnen Eilande sind die schönsten Sehenswürdigkeiten hervorgehoben und so auf einen Blick zu erkennen.

Welche Nordseeinseln sind autofrei?

Keinen Platz für Urlauber-Autos gibt es auf den kleinen Halligen und auf Helgoland. Auch auf den meisten Ostfriesischen Inseln von Wangerooge bis Juist müssen die Gäste ihren Wagen auf dem Festland lassen und mit Personenfähren übersetzen. Inselbahnen, Busse, Pferdefuhrwerke, E-Bikes und Fahrräder stellen die Mobilität sicher.

Gibt es Nordseeinseln, die mit dem Auto erreichbar sind?

Problemlos können Pkw nach Sylt per Autoverladung über den Hindenburgdamm mitgenommen werden. Nach Föhr und Amrum transportieren die Schiffe ebenfalls Privatautos, man kommt dort aber auch sehr gut ohne zurecht. Und egal ob für Zug oder Fähre: In der Hochsaison ist eine Reservierung des Autotransports sinnvoll. Ganz unkompliziert geht es mit dem Wagen vom Festland über den Damm zur Halbinsel Pellworm. Unter den Ostfriesischen Inseln erlaubt nur Borkum die Mitnahme von Autos auf die Fähre, aber im Sommer ist der private Autoverkehr stark reglementiert.

Auf welchen Nordseeinseln bin ich als Urlauber mit Hund willkommen?

Explizit um Vierbeiner wirbt Pellworm*. Für Hunde sind eigene Reviere an vier Stränden ausgewiesen, zudem werden geeignete Wohnungen und Sitter angeboten. Auf Wangerooge gibt es eine besonders schöne Hundewiese, einen separaten Hundebereich am Ende des Badestrands sowie eine Hundedusche an der Unteren Strandpromenade. Auch viele Unterkünfte zeigen sich hier tierfreundlich. Viele Strände, Frei- und Auslaufflächen listet auch Sylt beim Stichwort "Hund" auf.

Eignen sich die Nordseeinseln für einen Tagesausflug?

Grundsätzlich geht das auf allen Inseln. Wegen der größeren Entfernung bleibt dabei auf Helgoland* nicht so viel Zeit für den Aufenthalt, aber für den Klippenwanderweg und den zoll- und mehrwertsteuerfreien Einkauf reicht sie aus. Wegen der Ausdehnung und der vielen Urlaubsmöglichkeiten ist Sylt eigentlich zu schade, um dort nur einen Tag zu verbringen. Abgestimmt auf die Gezeiten kann eine Tagestour zu den Nord- und Ostfriesischen Inseln zum Beispiel für eine Wattwanderung im UNESCO-Weltnaturerbe genutzt werden. Die meisten Inseln bieten für Tagesgäste auf ihren Internetseiten spezielle Informationen an, etwa Spiekeroog* und Baltrum*.

Geht Inselhüpfen von einer zur anderen?

Auf den Nordfriesischen Inseln kann man zwar an einem Tag etwa von Sylt nach Föhr und Amrum wechseln, muss aber über das Festland kreuzen. Und die Möglichkeiten sind stark von den saisonalen Fahrplänen der Züge und Schiffe abhängig. Auch zwischen den Ostfriesischen Inseln gibt es keine direkten Fährverbindungen. Inselhüpfen ist somit zwar in Eigenregie möglich und wird auch als Pauschale von Veranstaltern angeboten, aber von einer Insel zur nächsten muss immer der Umweg über Niedersachsen genommen werden.

Ist Eiderstedt eine Nordseeinsel?

Das Wattenmeer mit Ebbe und Flut, die Backsteinarchitektur und der fast unendliche Strand von Sankt Peter-Ording – nach den Übernachtungszahlen ist Eiderstedt das führende Seebad auf dem schleswig-holsteinischen Festland: All das erinnert stark an Deutschlands Inseln in der Nordsee. Trotzdem: Eiderstedt ist eine Halbinsel.

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